Graefin
Lüdenscheid, Deutschland90%
Inzwischen waren wir an unserem ersten Wochenende in Ägypten angekommen, es war Samstag. Das eigentliche Wochenende ist hier Freitag und Samstag. Der Sonntag ist ein normaler Arbeitstag. Aber für uns war eh jeder Tag gleich.
Oder?
Wenn man Urlaub hat, plant man eigentlich, morgens länger zu schlafen. Bei Rundreisen ist das aber nicht so. Es kann sogar sein, daß man früher aufstehen muß als normalerweise. So auch an diesem Samstag, dem 08.Oktober 2011.
Unser Wecker kündigte um 3.15 h (in Worten dreiuhrfünfzehn!) das Ende der Nacht an.
Es sollte von Assuan nach Abu Simbel gehen.
Als wir die Reise planten, war es klar, daß wir nach Abu Simbel fahren, es gehört einfach zu Ägypten. Wer hier war, ohne Abu Simbel und die Pyramiden zu sehen, war nicht in Ägypten. Es störte uns dabei nicht, daß der Ausflug mitten in der Nacht losgehen sollte...
Abu Simbel (oder auch Abu Simbal) ist 240 km südwestlich von Assuan im nubischen Teil Ägyptens. 20 km sind es bis zum Sudan. Knapp 2500 Einwohner leben hier am Assuan-Staudamm (früher Nassersee). Die Straße führt durch die Libysche Wüste und wird hauptsächlich von Touristen-Bussen genutzt. Sie sammeln sich morgens um 5 h in Assuan an einem bestimmten Platz (beim Unvollendeten Obelisken Bericht folgt) und fahren als Konvoi nach Abu Simbel. Die große Menge an Bussen soll mögliche Überfälle verhindern und zwielichtige Geister abschrecken. Es fahren auch bewaffnete Begleiter mit. Wir haben sie nicht gesehen, sie haben sich relativ unsichtbar gemacht. Im Bus wurde ohnehin geschlafen.
ANFAHRT
Ja, wie schon gesagt, um kurz vor 5 h war Abfahrt vom Anleger. Gefrühstückt wurde natürlich vorher, man konnte sich auch etwas für unterwegs mitnehmen, es lagen Beutel bereit.
Ursprünglich hieß es, wir würden mit unseren 19 Personen in dem großen Bus allein sein, d. h., jeder könnte sich auf 2 Sitze setzen, aber in einer anderen Gruppe hatten 8 Personen abgesagt, so war 1 Bus gestrichen worden und alle fuhren in unserem... Sehr unpraktisch. Wir konnten Kopfkissen bzw. Strandlaken mitnehmen und es uns reltiv bequem machen. Nun ja, 2 Sitze für einen wären besser gewesen.
Wir fuhren zum Sammelplatz. Es war noch dunkel, die Luft aber schon relativ warm.
Etwa um 5.10 h fuhren wir ab, von den anderen Bussen haben wir relativ wenig gesehen. Es war kein Konvoi, wie wir ihn uns vorstellen, Stoßstange an Stoßstange, jeder fuhr sein Tempo und zwischen den Fahrzeugen waren lange Lücken.
Wenn unterwegs einem Bus etwas passiert, eine Reifenpanne z. B., müssen alle anderen warten. Andere Busse werden zu diesem Pannenwagen geordert, um die die Fahrgäste aufzunehmen. Touristen sollen sich nicht in der Wüste aufhalten. Hier merkt man schon, daß die Region nicht so sicher ist. Aber im großen und ganzen kann man hier nichts gegen die Sicherheitvorkehrungen sagen.
Es dämmerte und beim Sonnenaufgang wurden wir geweckt. Das Wecken war recht sanft, der Reiseführer klopfte aufs Mikro, bevor er etwas sagt, um die schlafenden Gäste nicht zu erschrecken. Der Sonnenaufgang war sehr schön, über der Wüste...
Aus dem Fenster sehen war schon interessant, aber eintönig: Sand, Sand, Felsen und..ach ja Sand... Schon beeindruckend, wenn man die Wüste mal sieht.
Zwischendurch gab es kleine Siedlungen, Wasser aus dem Staudamm wurde hierher geleitet. Alles war schön bepflanzt, man achtet hier recht wenig darauf, Wasser zu sparen.
In Abu Simbel angekommen war es 8 h, die Sonne stand hoch am Himmel und wir konnten aussteigen. Das wollte man aber nicht wirklich, denn trotz der frühen Stunde war es schon mehr als heiß draußen. Es sollten an diesem Tag so um die 43 °C sein. Im Sommer stand eine 5 vorne... unglaublich! Hier ist es noch extremer als schon an den anderen Tempeln, der Sand spiegelt die Sonne fast natürlich wider, wer keinen Schutz hat, bereut es spätestens hier.
Vorab ein wenig
GESCHICHTE.
Der große Tempel von Abu Simbel und der kleinere der Hathor wurden im 13. Jhdt. v. Christus direkt aus dem Felsen geschlagen. Erbauer ist Ramses II. Man kennt eigentlich nur den großen Tempel und ist überrascht, wenn man knapp dahinter den kleineren sieht. Die Statuen den großen Tempels sind 20 m hoch.
Um 1813 wurden die Tempel entdeckt, die von Sand bedeckt waren. Der Eingang führt inmitten durch die 4 20 m hohen Statuen durch die mittlere und innere Säulenhalle zur inneren Kultkammer. Hier sind die Schutzgottheiten Ammun Re, Ptah, Ramses II und Re Harachte. Zweimal im Jahr scheint die Sonne herein und trifft dabei nie den links sitzenden Ptah. Der Tempel der Göttin der Liebe steht direkt neben dem großen Tempel.
Fresken und Statuen zeigen Osiris, die Schlacht von Kadesch, Affen und viele andere interessante Bilder. Sie sind relativ gut erhalten, da weder Sonnen noch Blitzlicht schaden, fotografieren ist verboten.
Beide Tempel wurden 1964 1968 abgetragen und auf einem künstlich geschaffenen Felsen neu errichtet, als der Nasser See, heute Assuan-Staudamm, gebaut werden sollten. Die UNESCO machte dies möglich, da sie sonst verloren gewesen wären. Die Aktion kostete damals 40 Mio. Dollar.
PRAXIS
Als wir ankamen, war zunächst ein Gang zu den Toiletten nötig. Nun, man bekam auch hier Papier zugeteilt und sollte bezahlen. Es gibt schlimmere Toiletten. Funktionstüchtig waren sie nicht wirklich, aber sie erfüllten ihren Zweck.
Dann ging es durch eine Art Basarstraße zum Eingang. Eintritt kostete es, allerdings war für uns auch dieser im Pauschalbetrag enthalten. 80 ägyptische Pfund stand als Preis auf unserem Ticket, etwa 10 €.
Der Weg vom Parkplatz bis zu den Tempeln ist recht lang und führt ab dem Eingang bergab. Wieder schlecht für die Gäste, die nicht so gut zu Fuß sind. Hier sollte sich der Besucher erkundigen, welche Alternativen es gibt. Möglicherweise Transfer mit PKW, breit genug wäre der Weg. Es geht durch die heiße Sonne von oben, von links und unten spiegelt Frls und Sand. Wasser ist auch hier unbedingt nötig. Obwohl reichlich vorhanden ist: man sieht im Tal den Assuan-Staudamm. Darauf auch Schiffe, u. a. auch Kreuzfahrtschiffe.
Als wir dann vor dem großen Tempel standen, war es einfach überwältigend. Die 4 Statuen sind der Wahnsinn. Man kennt Bilder, man kennt den Tempel aus dem Fernsehen, aber davor zu stehen ist etwas ganz anderes!
Im Schatten eines Baumes erhielten wir wieder unsere Fakten, dann hatten wir etwa 90 Minuten zur Verfügung. Wer glaubt, daß es in den Tempeln kühl wird, täuscht sich auch. Es ist innen nur unwesentlich kühler, eigentlich gar nicht...
In den Tempeln ist fotografieren verboten. Wir erhielten den Rat, uns mit keinem der Aufsichten auf Diskussionen einzulassen. Der eine gibt dem Tourist die Erlaubnis, zu fotografieren, der Kollege weiß nichts davon und läßt den Touristen bezahlen... mehr als einen Öro, klar.
Es ist beeindruckend, beide Tempel zu sehen, direkt davor zu stehen.
Am Tempel der Nefertari vorbei geht man ein Stück bergauf, hier stehen im Schatten einiger Bäume große Steine und Bänke, so daß man ein wenig ausruhen kann und die Bilder auf sich wirken lassen kann. Blickt man in die andere Richtung, hat man einen schönen Blick über den Stausee.
Geht man weiter, sieht man auf der Rückseite der Tempel Türen. Man kann hier eine Besichtigung beginnen, wenn man Zeit hat. Geht man jedoch weiter, kommt man am Eingang an, wo einige Coffeeshops sind und weitere Toiletten. Sie sind ein wenig sauberer.
Wir mußten zum Parkplatz zurück durch die Basarstraße, hier konnte man wieder kaufen. Oder auch nicht.
Es ist wie bei vielen Dingen sehr schwer, alles in Worte zu fassen. Weder den Eindruck noch die Hitze lassen sich beschreiben. Man muß einfach selbst hin und es erleben.
Gegen 10 h ging es wieder zurück nach Assuan. Die Fahrt war ähnlich wie am Morgen, jeder hing seinen Gedanken nach, oder Träumen...
Zwischendurch klopfte es wieder, draußen war eine Fatamorgana. Man sieht nur Sand und im Hintergrund flimmernde Hitze, bei der Fatamorgana war es anders: Palmen und Wasser gab es weiter hinten. Wir durften nicht aussteigen, sonst wären wir schwimmen gegangen...
Gegen 13 h waren wir wieder am Schiff. Es gab die feuchten Tücher, Tee und Mittagessen.
Am Nachmittag sollte es dann nach Assuan gehen.
Ende TEIL 1, 4. Tag.