stefbl
München, Deutschland97%
Jeder, der mich ein bisschen kennt, weiß, dass ich ein riesengroßer Türkei-Fan bin. Alanya, das kleine Städtchen an der türkischen Riviera, ist inzwischen so etwas wie meine zweite Heimat geworden und immer, wenn ich wieder dorthin fahre, muss es ein Hotel direkt am Kleopatrastrand sein. Im November 2002 buchten mein Freund und ich über den Internet-Anbieter ferien.de das Vier-Sterne-Hotel Grand Okan für 322 Euro. Obwohl es in ähnlicher Lage auch noch günstigere Angebote gegeben hätte, setzte ich mich bei der Wahl des Hotels schließlich durch. Denn bereits im Vorfeld hatte ich über dieses Hotel bislang nur Gutes gehört, wollte schon immer gerne mal dort meinen Urlaub verbringen. Und allein die Tatsache, dass das noch neue Haus zur Wintersaison jetzt erstmalig einen vierten Stern dazubekommen hat, sollte ebenfalls Grund genug sein.
Das Grand Okan ist noch ein sehr neues Hotel. Als ich 1995 meinen ersten Alanya-Urlaub machte, befand sich dort, wo heute das weiße, fünfstöckige Gebäude steht, noch gar nichts und einige Monate später eine Baustelle. Wie bereits schon anfangs erwähnt, liegt auch dieses Hotel an der Kleopatra-Strandstraße in direkter Nachbarschaft zu den Türkei-Fans doch recht bekannten Häusern Grand Zaman, Sara, Gardenia und dem von mir sonst immer favorisierten Riviera. Nachteil: Der Haupteingang und somit eine gesamte Front des Hotels befindet sich an der stark befahrenen Hauptstraße Alanyas, der sogenannten Atatürk-Cad. Während im Sara und im Riviera zu dieser Straße noch genügend Abstand bleibt, kann man im Grand Okan also von seinem Balkon aus die Autos zählen. Da auch wir ein Zimmer zur Straßenseite bekamen, war es hier entsprechend laut aber bei geschlossener Balkontür durchaus erträglich. Außerdem befand sich mehr oder weniger direkt vor unserem Fenster einer der Lautsprecher über die die Muezzine fünf Mal am Tag zum Gebet rufen. Obwohl ich diese Gebetsrufe als liebenswerte lokale Eigenschaft kennen und schätzengelernt habe wir standen jeden Morgen bei Sonnenaufgang erst einmal ein paar Minuten senkrecht im Bett
Nun aber zurück zum Angebot des Hotels. 153 Zimmer mit insgesamt 306 Betten sind im Grand Okan vorhanden allesamt schön und ansprechend eingerichtet. Nachteil: Wie oft in der Türkei üblich bestehen die Doppelzimmer aus zwei Einzelbetten, die man aber mit wenig Kraftaufwand zusammenrücken kann. Nur das Nachtkästchen muss noch zusätzlich auf die andere Seite getragen werden. Ebenfalls landestypisch sind die dünnen, lakenähnlichen Bettdecken, die für den Winter fast schon etwas zu luftig waren. Im Schrank befanden sich jedoch aus diesem Grund auch zwei Wolldecken. Direkt gegenüber von den Betten gibt es einen großen Schminktisch, Minibar und Fernseher sowie ein flaches Regal, das zum Lagern von Schuhen und zur Ablage der Koffer gedacht ist. Außerdem hat jedes Zimmer einen Einbauschrank, dessen Platz doch relativ knapp bemessen ist. Für eine Woche reichte der Stauraum vollkommen aus, für zwei Wochen wäre es unter Umständen eng geworden. Der Fernseher hatte neben türkischen Sendern auch französische, englische, deutsche und holländische Programme im Angebot, die Minibar war mit Standards wie Bier und Wasser gefüllt, das zu durchaus humanen Preisen angeboten wurde. So kosteten 0,5 Liter Wasser 50 Cent und ein Bier zwei Euro, was im Vergleich zu in Deutschland üblichen Hotel-Niveaus wirklich günstig ist.
Auch das Badezimmer trägt allen Gästebedürfnissen voll und ganz Rechnung. Es gibt eine große Dusche, einen großen Waschtisch mit riesigem Spiegel und weitläufiger Stellfläche, darüber hinaus einen Fön. Die Handtücher wurden übrigens täglich gewechselt auch, wenn wir sie nicht wie gefordert auf den Boden geworfen hatten. Dass alle Zimmer noch dazu mit einer Klimaanlage ausgerüstet sind, ist für neue Hotels in der Türkei in diesem Komfort-Standard durchaus üblich.
Gegessen haben wir im Grand Okan auch und das nicht zu knapp. Obwohl die Auswahl auf Frühstücks- und Abendbuffet im Vergleich zum Hotel Riviera eher klein ist, war nicht nur für jeden etwas dabei, das Essen war auch noch höchst lecker. Morgens gestaltete sich das Frühstück landestypisch: Kaffee oder Tee, gebratene oder gekochte Eier, Gurken, Tomaten und Schafskäse sowie Ekmek (Weißbrot) in allen Variationen. Wurst, Käse, Marmelade, Honig, Joghurt und Müsli waren auch vorhanden, hin und wieder gab es auch noch ein paar Extras wie gebratene Würstchen. Wer allerdings auch ein Stück vom Trockenkuchen abhaben wollte, der ebenfalls morgens immer im Angebot war, musste schnell sein. Offensichtlich hatten die Rentner, die in großen Massen mit uns das Hotel bevölkerten, einen besonderen Jagdtrieb denn wenn wir mal ein bisschen später zum Frühstück kamen, war der Kuchen mit Sicherheit schon weg
Abends gab es neben einem großen Salatbuffet meist zwei bis drei unterschiedliche warme Speisen und Beilagen zur Auswahl. Auch hier war das Angebot meistens sehr landestypisch: Kebap, Köfte dazu Kartoffeln, Pommes oder Reis. Auch eine warme Suppe gab es jeden Tag. Das Nachtisch-Buffet, das mich im Riviera-Hotel immer zu wahren Begeisterungsstürmen veranlasst hatte, präsentierte sich im Grand Okan vergleichsweise spartanisch hier wurden immer ca. drei verschiedene Desserts, Obst und diverse Puddings offeriert. Alles aber durch die Reihe sehr lecker, mir hat so gut wie alles geschmeckt. Auch hier waren die Getränkepreise übrigens ausgesprochen in Ordnung: Ein großes Efes-Bier kostet 1,50 Euro. Wer darüber noch meckert, der tut mir wirklich leid
Auch das Personal im Grand Okan kann ich (stefbl) nur auf der ganzen Linie loben. Die Kellner waren stets nett und fleißig (und ließen sich ihre Laune auch durch einige wirklich dumme, deutsche Touristen nicht verderben) und auch an der Rezeption wurden wir stets mit einem freundlichen Lächeln begrüßt. Vor allem war es aber unsere Etagen-Putzfrau, die uns mit Freundlichkeit schier überschüttete. Immer, wenn wir über den Gang gingen, gab es einen kurzen Smalltalk und einmal fanden wir sogar unsere Handtücher als gefaltete Schwänchen vor dekoriert mit roten Hibiskus-Blüten (man hätte meinen können, wir wären in den Flitterwochen ). Ich habe in der Türke bisher immer nur freundliche Putzfrauen gehabt, die hier war aber besonders nett. Dass unser Zimmer darüber hinaus immer tiptop aufgeräumt war, brauche ich angesichts dieser Tatsache wohl nicht extra erwähnen.
Übrigens verfügt das Grand Okan auch über einen eigenen Beauty-Salon. Zum Testen reichte uns leider die Zeit nicht, aber hätte unser Urlaub dort zwei und nicht nur eine Woche gedauert, ich hätte mich sicherlich dort mal verwöhnen lassen.
Allerdings hat das Grand Okan auch einige negative Seiten, die ich trotz meines positiven Gesamteindrucks nicht verschweigen möchte. Und das ist vor allem das Unterhaltungsprogramm. Ich kann es verstehen, dass ein Hotel im November sein Programm eher auf die Rentner-Zielgruppe zuschneidet (die ja in der Türkei gerne einen mehrwöchigen Langzeit-Urlaub verbringen). Wenn allerdings plötzlich beim Essen ein alter Mann auftaucht, der eine Mundharmonika quält und Hoch auf dem gelben Wagen spielt, dann ist es mit meiner Toleranz leider nicht so weit her O.K., wenn er wenigstens gut gespielt hätte aber DAS war unterstes Niveau. Dann doch lieber gar kein Programm. Außerdem war an einem anderen Abend ein Schlager-DJ zu Gast, den wir aber leider leider leider nicht hörten Einen Tag nach unserer Abreise hätte dann noch die klassische Ledermodenschau mit Bauchtanz stattgefunden. Doch auch, wenn wir noch vor Ort gewesen wären DAS hätten wir uns nicht antun müssen.
Neben den lauten Zimmern zur Straße betrifft ein weiterer Kritikpunkt noch das Publikum des Hotels. O.K., dafür kann das Hotel nichts, und es ist normal, dass im November viele Rentner in der Türkei Urlaub machen aber das Benehmen, das dort von manchen an den Tag gelegt wurde, war nicht nur daneben, es war schlichtweg peinlich. Muss man sich denn am Buffet seinen Teller so vollladen, dass man schier stapeln muss? Und dann noch nicht mal einen Bruchteil davon aufessen? Muss man sich wirklich im Speisesaal lautstark darüber unterhalten, dass die Türken auf den Basaren ja alle Halsabschneider sind und nur mindere Qualität verkaufen? Und was gibt einem deutschen Tourist das Recht, sich darüber zu mokieren, dass die Türken im Allgemeinen ja so schlecht Deutsch sprechen? Ich musste mich ein paar Mal sehr hart zusammennehmen, sonst wäre ich sicherlich angesichts so viel Dummheit ausgerastet. Wie gesagt: Das alles macht das Hotel nicht schlechter aber ich musste es einfach mal loswerden
Und sonst?
Sonst verfügt das Hotel nicht nur über eine der besten Lagen in Alanya, es wird auch drumherum einiges geboten. So gibt es in direkter Nachbarschaft ein paar nette Kneipen, in die man Abends noch auf ein Bierchen oder einen Cocktail einkehren kann. Und meine Alanya Stamm-Kneipe, die bekannte und beliebte Cha Cha Bar, ist zu Fuß in weniger als einer Minute erreicht. Der Weg in die City ist auch nicht weit bis zum Hafen läuft man maximal 15 Minuten.
Wie fast alle Hotels in Alanya hat auch das Grand Okan einen eigenen Strandabschnitt, der durch einen kleinen Durchgang direkt erreicht werden kann. Liegen kosten hier pro Tag 1.250 000 türkische Lira (ca. 70 Cent), ein Sonnenschirm schlägt mit 1.500.000 Lira zu Buche. Wer nicht an den Strand möchte, findet am Grand Okan aber auch einen sehr schönen Pool mit Wasser-Bar vor hier kann man auf Hockern unter Wasser sitzen und an der Bar seinen Cocktail bestellen. Leider war hier das Wasser aber schon zu kalt, so dass wir uns doch lieber im wärmeren Meer aufhielten.
Und das Geld? Wer direkt beim Hotel ein Zimmer bucht, zahlt dafür rund 70 Euro pro Nacht. Unser Urlaub, den wir bei ferien.de gebucht hatten, hat komplett mit Flug (Nebensaison!) 322 Euro gekostet. Das Riviera-Hotel wäre ca. 30 Euro für eine Woche teurer gewesen. Im Sommer kosten 14 Tage Grand Okan inklusive Flug und Halbpension bei den großen Reiseveranstaltern rund 700 800 Euro. Hier hängt aber auch wieder viel vom Abflugtermin ab.
Kommen wir also nun zu meinem Fazit: Das Grand Okan ist ein schönes und nettes Hotel in bester Alanya-Lage, das optimal dazu geschaffen ist, einen entspannten und stressfreien Urlaub zu verbringen. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt auf der ganzen Linie, die Zimmer sind schön, gut eingerichtet und das Personal ist stets freundlich. Nachteil ist allerdings wie oben erwähnt die Tatsache, dass die Hälfte der Zimmer zur Hauptstraße liegt. Obwohl wir vorab eine Mail an das Hotel geschrieben und um ein Zimmer auf der anderen Seite gebeten hatten, stieß unser Wunsch nicht auf die gewünschte Resonanz die Meer-Zimmer waren allesamt komplett schon an die Langzeit-Urlauber vergeben.
Für meinen nächsten Alanya-Urlaub wird das Grand Okan jedoch sicherlich wieder sehr weit oben auf meiner Hotel-Wunschliste stehen. Sollte ich allerdings für in etwa den gleichen Preis auch ins Hotel Riviera gehen können, wird wiederum letzteres meine erste Wahl sein, weil hier das Essen noch besser ist und ich über einen so sagenhaften Stammkunden-Bonus dort verfüge, dass wohl kein anderes Hotel sehr schnell nachkommen wird.
Wer Fragen rund um das Thema Alanya hat oder Hilfe bei der Hotelwahl braucht, kann mir gerne mailen. Und solltet ihr selbst vielleicht bereits einen Alanya-Urlaub gebucht haben, dann nehmt mich in Gedanken mit.
stefbl, 23. Januar 2005
(Erstveröfentlichung bei ciao im November 2002 )