Für meinen fast 3 Wochen langen dienstlichen Aufenthalt in Athen im Mai 2003 hatte ich mir nicht selbst dieses relativ große Hotel ausgesucht. Das war der Einfall unserer griechischen Partnerfirma, zu deren Kosten vertragsgemäß auch die Rechnung ging. So haben sie sich höchstwahrscheinlich auch nicht in die Rolle eines Hotelgasts hineingesetzt, als sie für uns, meinen Kollegen und mir, diese Übernachtungsmöglichkeit für die gemeinsame Arbeitsperiode ausgesucht haben.
Denn das allererste, was ich vernommen habe, war der Geräusch fahrender Züge, jede ein paar Minuten... Zuerst habe ich mit Bahnhofviertel assoziiert, vom Zimmerbalkon in der 2. Etage habe ich aber schon beim Auspacken festgestellt, dass es sich wohl (nur) um eine oberirdische Strecke der U-Bahn handelte...Sie fuhr nämlich unmittelbar unter unseren Fenstern und ohne jede Schallmauer dazwischen. Meinen Sinn für Humor nicht verlierend, atmete ich auf: Die Eisenbahn fährt nämlich auch nachts, und die U-Bahn macht immerhin eine Pause so zwischen 23 und 6 Uhr an Werktagen, am Wochenende etwas länger...
DIE ZIMMER sind mittelgroß, doch klein wirkend und nicht sehr bequem für einen mehrtägigen Aufenthalt, jedoch erträglich, wenn man anpassungsfähig und flexibel ist. Sie sind als Zweibettzimmer mit auseinander stehenden Einzelbetten eingerichtet und mit ca. 30 Jahre alten, gut erhaltenen, im einheitlichen Stil aus massivem Holz ausgearbeiteten und mit Glasplatten überdeckten Möbelstücken versehen.
In meinem Zimmer befanden sich noch zwei Nachttische, ein Schreibtisch, ein niedriges tischähnliches Möbelstück, offensichtlich für das Gepäck gedacht, ein niedriger Tisch und ein Stuhl, der weder zum Tisch - von der Höhe her -, noch zum Schreibtisch - vom Platz her - passte. Ein großer bequemer Wandkleiderschrank mit Kleiderbügeln stand in der Diele. In einer der Schubladen des Schreibtisches fand ich eine alte, doch nützliche Informationszeitschrift über Athen und Griechenland in englischer Sprache. Und keinerlei Info über das Hotel und die angebotenen Dienstleistungen. Der Fußbodenbelag, sowie Tapete waren stark austauschbedürftig mit ihren alten Flecken und Vergilbtheit.
In Gegenwartszeiten, also ungefähr in den letzten 15 Jahren, wurde nur das Badezimmer mit Toilette und Dusche renoviert, ist jedoch ohne Vorhang geblieben, also können selbst die Bade- und Handtücher nur mit manchem Trick beim Duschen (Dusche ohne Stehduschemöglichkeit) trocken bleiben.
Dass das Scheibentelefonapparat vor über 30 Jahren neu gewesen war, war nicht so schlimm, denn es funktionierte problemlos, obwohl ohne Durchwahlmöglichkeit, also nur über die Rezeption. Zum Unterschied zur elektrischen Installation, wo die einzige funktionierende Steckdose für Zimmer und Bad ständig zu Kurzschluss drohte und selbst das Fernsehen störte. Unsere Meldungen an der Rezeption diesbezüglich wurden jedes Mal freundlich in Empfang genommen und angeblich auch ernst genommen, es fehlte aber immer etwas oder jemand, damit sich etwas bis zum Ende unseres Aufenthaktes änderte.
Das modernste Gegenstand in den Hotelzimmern war der kleine Sony- Farbfernseher in jedem unserer Zimmer, die Fernbedienungen dafür bekamen wir zusammen mit den Zimmerschlüsseln bei der Ankunft ausgehändigt. Zum Fernsehen durften wir uns aber lediglich der ca. 12 lokalen Programme in perfekter griechischen Sprache bedienen, denn Satelit- oder Kabelfernsehen gab es nicht. Nun gut, ein Glück war es jedoch, dass die meisten gezeigten Filme, vor allem amerikanisch und neu, mit Untertiteln liefen, und wir sie praktisch in der Originalsprache verfolgen konnten, dank unseren Sprachkenntnissen. Und die Wettervorhersage wurde ja durch Bilder und Zahlen veranschaulicht.
Die nützlichste Anbringung in den Zimmern (und im Hotel überhaupt) war die gut funktionierende Klimaanlage, die selbst Mitte/Ende Mai beim griechischen Klima sehr wichtig war. In den Zimmern kann man sie selbst ein- und ausschalten, aber auch stufenweise einstellen, obwohl ohne Fernbedienung. Sie wurde bei der täglichen Zimmerreinigung vom Personal aufs Maximum eingeschaltet, so dass man nach der Arbeit in ein angenehm kühles Zimmer zurückkam. Ein Nachteil war, dass sie zum Schlafen zu laut war, und ein Trost, dass es noch nicht so heiss war wie im Juli oder August, und man konnte auf sie nachtsüber verzichten. Ein schwerer, dicker und undurchsichtiger Gummivorhang half der Klimaanlage effektiv gegen die prallende Sonne mit und sorgte für den längeren Schlaf im nach Osten blickenden Zimmer am Wochenende.
ALLGEMEINE HOTELEINRICHTUNGEN
Das Xenophonhotel ist ein großes Hotel, so schätzungsweise in den 60-er Jahren erbaut und seitdem kaum geändert. Dies konnte man z. B. auf den Ansichtskarten von damals mit den entsprechenden Fahrzeugmodellen auf den Straßen feststellen, die an der Rezeption zusammen samt Hotelvisitenkarten und Lutschbonbons frei zum Mitnehmen lagen. Keine sonderliche Architektur. Zu den 3 Straßenseiten hingen Fahnen euripäischer Länder. Das Hotel hat ungefähr 120 Zimmer, die meisten mit einem Balkon. In einem der Innenzimmer ohne Fenster möchte ich unter keinen Umständen wohnen. Es hat einen kleinen Parkplatz für nur wenige Fahrzeuge sowie eine Garage. Den Eingang würde ich nicht als sehr gästefreundlich bezeichnen, von behindertengerecht ganz zu schweigen. Denn direkt hinter der Schiebetür auf der Straße beginnt eine steile Marmortreppe mit ca. 15 Stufen, die man mit seinem Gepäck geladen überwinden muss, um an die Rezeption und an die 2 kleinen Fahrstühlen und enge Wendeltreppe zu gelangen. Piccolos, die den Hotelgästen mit dem Gepäck behilflich sein könnten, habe ich keine gesehen. Sicherlich muss man ausdrücklich an der Rezeption darum bitten, die meistens durch nur eine Person besetzt ist, aber trotzdem alles relativ zufriedenstellend geht.
Die Empfangshalle ist geräumig, mit viel künstlichem Grün und fliessendem Wasser ausgestattet, auch 2 Sofas und immer abgeschlossenen Toiletten. Der riesengroße Hinterraum mit mehreren Tischen, ein kleiner Teil wovon nun als Frühstücksraum benutzt wird, muss wohl früher ein Restaurant mit regerem Leben gewesen sein. Leicht anzunehmen, dass er laute Bouzuki-und-Sirtakifeier mit Haufen zerbrochener Teller erlebt hat (letzterer für Touristen attraktiver Brauch ist mittleweile verboten in Griechenland). Nun sorgt eine große Fernsehwand dafür, dass sich Hotelgäste und besonders Personal nicht langweilen sowie viel Grünes für die Gemütlichkeit, und die kleine Küche, die von nur einer Person pro Schicht besetzt ist, sorgt für das spärliche Angebot an Getränken, Cocktails, Knabbereien und Toasts, sowie für das einfallsarme überteuerte Frühstück der Hotelgäste.
Das Groteskeste an diesem Hotel war die Abwesendheit jeglicher Schallisollierung. Das galt sowie für die Fenster und die Balkonschiebetür, als auch für die Verbindung zum Etagenflur. Ein Glück, dass eine Tür zwischen Zimmer und Diele da war. Nichts konnte aber verhelfen, wenn ein lauter Gast im Nebenzimmer war... Man konnte seine Telefongespräche mitvernehmen, seinen Fernsehapparat mithören, und das Allerschlimmste - durch sein Schnarchen geweckt werden... Dann, so um 6 Uhr, durfte er die Uvertüre der Soupes Leichten Kavalerie und Vanessa Maes Geige von meinem Laptop aus als Gegenleistung geniessen...
Das wesentlichste Minus für mich war, dass das Xenophon Hotel damals gar keine Internetzugangmöglichkeit bat. Als ich gleich am Ankunftabend an der Rezeption danach fragte, sah mich der Angestellte so verwundert an, als ob ich ein Bodenschatz wäre. Und wies mich an manches Internetcafe irgendwo an der U-Bahn-Station an, das ich mit Not und Mühe erfragen und für meine Begriffe stolze 4,20 Euro pro Stunde bezahlen durfte, um mit meiner Familie in Sofia zu kommunizieren zu können.
DIE BEDIENUNG war in Großem und Ganzen gut und freundlich. Je nach Person und Laune mit Abweichungen, die ich mit Sinn für Humor genommen habe. Fast alle Hotelangestellten und besonders die an der Rezeption sprachen ein gutes Englisch und waren eher höflich als zuvorkommend. Das Vergessen einer Taxibestellung vom Vorabend wurde durch energisches Handeln kompenssiert, als wir am Morgen fragten, ob die Taxi schon da ist, und hat uns nur 15 Minuten zum Glück nicht fatale Verspätung gekostet. Die Zimmerreinigung war in Ordnung, auch überall war sauber und gepflegt. Das Ersparen von den üblichen Tagesseifchen und -shampoos hat uns amüsiert, die Hand- und Badetücher wurden täglich auch ohne Bedarf ausgewechselt, sogar beim Kofferschliessen vor der Abreise versuchte mich das Zimmermädchen in perfektem Griechisch verständlich zu machen, dass es im Zimmer keine Tücher gibt und ist dann mit dem Austausch gerannt, den ich gar nicht brauchte. Und selbst Tage davor hatte mein Kollege erst nach dem Duschen gemerkt, dass gar kein Tuch da war... Die Bettlaken wurden bis zum 10. Tag nicht ausgewechselt, man hatte aber bei Einzelbesetzung glücklicherweise 2 Bette pro Zimmer zur Verfügung. Danach wurden plötzlich die 2 Bette im Abstand von 3 Tagen wieder frisch umgezogen. Dabei fand ich fast jeden Tag meine Kosmetika nach den Vorstellungen des Zimmermädchens geordnet. Und da der Hochsaison vor der Türe stand, wurde die Etagendecke so unter anderem gestrichen, mit dem üblichen Farbengestank, der Gott sei Dank nicht in die Zimmer eindrang. War bestimmt der Anfang der Renovierung für die Olympiade im kommenden Jahr.
DAS PUBLIKUM bestand vor allem aus Einheimischen - älteren griechischen Ehepaaren, die meistens am Wochenende im Hotel weilten, ferner Dienstreisenden, einer Schulklasse. Auch englischsprachiges Gerede gab es 2-3 Mal beim Frühstück zu vernehmen.
DIE PREISE
Dem Schild an der Tür meines Hotelzimmers habe ich entnommen, dass eine Übernachtung in meinem Zweibettzimmer, also für 2 Personen, 130 Euro kostet, und das Frühstück 13 Euro pro Person! Da unsere Partner die Zimmer bis Ende Juli gebucht hatten, haben sie nur die Hälfte des Preises bezahlen müssen. Auf meine Frage, was bezahle ich, wenn Sohnemann für eine Woche zu mir kommen würde, lautete die Antwort: 10 Euro dazu.
ESSEN UND TRINKEN
Das Frühstück ist im Vergleich zu Frühstücken, die ich in deutschen Hotels und woanders bekommen habe, eher spärlich: ein Toastsandwitch, also 2 Scheiben Toastbrot mit 1 mm Käse und etwas wie Schinken dazwischen, eine Scheibe Toastbrot, Butter, Pfirsichmarmelade, ein Stück Kuchen oder ein abgepackter Croissant, 1 Glas künslicher Orangensaft und Kaffee oder Tee. Den künstlichen Saft kann man nicht durch Mineralwasser umtauschen, man darf sich aber den Kaffee aussuchen und zwischen einen normalen kurzen, einen doppelten Espresso, einen "griechischen" (verstehe: türkischen) Kaffee oder einen Nescafe wählen. Die Optionen bekommt man, nur wenn man ausdrücklich dananch fragt. Wenn man ihn (den Espresso) aber lang, also nicht zu stark, haben möchte, kann mann als Stammgast auch die Antwort "OK, morgen dann" in Kauf nehmen, statt prompt etwas mehr Wasser aus der Kaffeemaschine in die Tasse zu bekommen. Im Prinzip wäre das Frühstück für mich okay, da ich grundsätzlich bis Mittag nichts esse. Es ist einfach und gepflegt, kommt auch relativ schnell und warm. Man könnte damit zufrieden sein, wenn man aber nur über eine Nacht im Hotel bleibt. Denn für manchen Mann oder ein gut essendes Kind könnte es nicht genügend sein. Und die immer gleiche Rituale, wo die einzige Abwechselung in der Wartezeit, darin, ob der Kaffee stimmt oder im Beobachten, wie die bedienende Person oder mancher Hotelgast Butter oder Kaffeesahnepackungen von Nebentischen holt, besteht, macht diese Dienstleistung nicht besser...Am 7. Tag sehnte ich mich schon nach einem heissen weich gekochtem Ei oder ein Würstchen. Über die genauen Frühstückszeiten hat uns keiner informiert, jedoch gab es Frühstück sowie um 7, als auch nach 10 Uhr.
DIE LAGE würde ich als günstig bezeichnen. Denn das Xenophon Hotel liegt zwischen 2 U-Bahn Stationen auf der ältesten, über 100-jährigen Strecke Piraeus-Kiffisia so in der Mitte, und 4 Stationen von der Innenstadt entfernt. So kann man die Stationen Omonia und Monasteraki, also die Akropolis und die Altstadt Plaka, z. B. in ca. 15 Minuten erreichen, und das Hotel selbst ist 5 Minuten zu Fuß von der Kato Patisia U-Bahn-Station zu erreichen. Um nach Piraeus zu kommen und einen Wochenendkurzurlaub auf den nahe gelegenen Inseln zu machen, braucht man weniger als eine halbe Stunde, und bis nach Kefalia, dem Prominentenviertel, wo man über schattige ruhige Straßen spazierengehen kann und allen teuersten Weltmarkengeschäften begegnen kann, braucht man ca. 20 Minuten.
Die Umgebung des Hotels ist angenehm, sauber und ruhig, von der U-Bahn-Nähe und dem regen Verkehr und den lauten Motorräder, der für die Megapolis von 5 Millionen (von insgesamt 10 Millionen Landesbevölkerung) abgesehen. Geschäfte und Restaurants sind ebenso ganz in der Nähe.
FAZIT
Das Hotel ist einfach, nicht modernisiert und bietet keinen besonderen Komfort, von gemütlicher Athmosphäre ganz zu schweigen. Von aussen groß, von innen eng, ein alter lauter Hotelbunker, relativ sauber gehalten und mit höflichem, nicht immer effizientem Personal und einem nicht gerechtfertigten Preisniveau. Der Hotel HP habe ich entnommen, dass das Hotel für die Olympiade renoviert sein soll und mittlerweile mit Internetanschluss und Sat-TV versehen sei. Es ist, aus meiner persönlichen Erfahrung heraus, nur für unanspruchsvolle Gäste zu empfehlen.