Bewertung von schnupp im Detail
schnupp
München, Deutschland98%
... wer will mit zur Ostsee fahrn?
Naja, nicht ganz so aber zumindest ähnlich ging ein Kinderlied, bei dem wir alle Zug fahren spielten. Viel lieber bin ich aber richtig mit dem Zug gefahren und am allerliebsten mit dem Molli. Und den möchte ich Euch heute vorstellen.
WER ODER WAS IST DER MOLLI?
Molli ist eine Bezeichnung, die vor Jahrzehnten im Volksmund entstanden ist und sich bis heute durchgesetzt hat. Die Geister scheiden sich bei der Diskussion, ob es nun der oder die Molli heißt. Ich persönlich sage der Molli, schließlich hat mir das meine Uroma so beigebracht!
Eigentlich müsste es trotzdem Die Molli heißen, es ist nämlich eine alte dicke Dame, von der wir hier reden. Eine sehr alte Dame von 117 Jahren, die stolz behaupten kann, die älteste Schmalspurbahn an der Ostseeküste (Zitat aus einem Flyer) zu sein.
Am 09.07.1886 wurde sie quasi in Bad Doberan geboren. Ausschlaggebend waren wohl die Gründung des ersten deutschen Seebades Heiligendamm anno 1793 und die Eisenbahnanbindung von Rostock im Jahre 1850.
Damit die feinen Herrschaften, Kurgäste und Urlauber auch bequem von Bad Doberan nach Heiligendamm reisen konnten, wurde der/die Molli erschaffen eine Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 900 mm gezogen von einer Dampflokomotive.
Anfangs wurde der Molli von der Firma betrieben, die ihn auch erschaffen hat. Die Trambahnlokomotive - nicht zu verwechseln mit den Trambahnen, die hier in München rumfahren war mit einem Gepäckwagen und drei Wagons unterwegs, fuhr nur im Sommer und bewältigte ein Strecke von 6,61 Kilometern.
1890 wurde der Molli verstaatlicht, zwanzig Jahre später wurde die Strecke ausgebaut auf 15,4 Kilometer. Sie führte nunmehr bis zum heutigen Kühlungsborn und wurde seitdem nicht verändert.
1976 wurde die Bahn zum technischen Denkmal der Verkehrs- und Produktionsgeschichte ernannt wurde ja auch Zeit nach so vielen Dienstjahren.
Zu den vorhandenen Reise- und Gepäckwagons kamen noch Post- und Güterwagons und der Molli konnte sich seiner ständig wachsenden Beliebtheit erfreuen.
Nach der Wende ließ das leider nach, oft genug war unsere Bimmelbahn traurig allein unterwegs zu sehen.
Seit 1995 endlich ist der Molli nicht mehr in den Händen der Deutschen Bahn AG, sondern fiel dem Landkreis Bad Doberan zu. Die längst fälligen Sanierungen der zugehörigen Anlagen wurden vorgenommen und der Molli erstrahlte in neuem Glanz. Selbst die Innenräume wurden restauriert und bieten mit ihrer Holzvertäfelung einen schönen Anblick.
Soviel zur Geschichte, doch
WAS IST MIT DEM MOLLI HEUTE?
Man höre und staune, auch heute zuckelt der Molli auf der altbekannten Strecke von Bad Doberan nach Kühlungsborn.
Schnaufend bewegt sich die Lok mit Anhang vom Bad Doberaner Bahnhof aus täglich mehrmals in Richtung Stadt. Wer früh genug dort ist, kann noch sehen, wie die Lok umgehängt wird. Quer über den Alexandrinenplatz geht es in die Goethestraße, die kleine Einkaufsstraße der Stadt, zu den ersten Haltepunkten Stadtmitte und Goethestraße.
Überall an der Strecke sieht man immer wieder Hobbyfotografen, die ein Erinnerungsfoto mitnehmen möchten. Die Bahn mit der weißen Dampfwolke ist auch ein wunderschönes Motiv. Für Mitreisende ist die leicht rußige Wolke nicht unbedingt so angenehm, es sei denn, man bleibt in den wunderschön restaurierten Wagons sitzen. Da ich als Kind fast nie während der Fahrt draußen stehen durfte, hole ich das jetzt natürlich nach. Kleine Holzplattformen bieten Platz für wenige Personen, auf der Absperrung durch ein einfaches Eisengestänge lehne ich mich nach draußen. Für Kinder wahrlich ungeeignet, doch erklärt das mal einer Vierjährigen!
Sobald der Molli Bad Doberan verlassen hat beginnt für mich der schönste Teil der Strecke. Bis Heiligendamm läuft die Strecke parallel zu einer prächtigen, von Linden gesäumten Allee. Durch die neuen Umgehungsstraßen wird das Bild leider ein wenig unterbrochen, aber ohne Veränderung kommt der Mensch nun mal nicht aus. Schon von weitem kann man die ersten weißen Häuser von Heiligendamm erkennen, die aus den Wäldern lugen. Heiligendamm ist nämlich eingebettet in Wälder, hauptsächlich Buchenwälder, wenn ich mich recht entsinne.
Auf der linken Seite sieht man bis zum Horizont Felder, außer natürlich an dem Ort, wo die älteste Galopprennbahn Deutschlands (1822) zu finden ist. Seit der Wende werden dort wieder jedes Jahr im Sommer Pferderennen veranstaltet, die mittlerweile insgesamt über 200.000 Besucher verzeichnen können. Zu den Renntagen hält der Molli auch hier.
Bald darauf begrüßt einen die weiße Stadt am Meer und der Bahnhof Heiligendamm wird erreicht. Ein kleiner Ziegelbau ca. aus dem Jahre 1934, der tatsächlich nur für den Molli geschaffen wurde, denn mehr Züge fahren hier nicht. Extra für das Bahnhofsgebäude wurde die Strecke um einen halben Kilometer verlegt, allerdings schon 1910 zur Streckenverlängerung. Momentan wird wieder gebaut, es ist also gerade nicht ganz so schön.
Immer wieder habe ich als Kind über den Schaffner gestaunt. Der drehte nämlich damals wie heute mit Kurbeln die Schranken runter für den Zug, der aus Richtung Kühlungsborn kommt. Es fahren immer zwei Züge gleichzeitig, die sich in Heiligendamm treffen und dann in die jeweilige Richtung weiterfahren.
In Richtung Kühlungsborn bin ich nicht sehr oft gefahren, daher kann ich von hier aus nur ansatzweise berichten. Man kommt auf jeden Fall ein Stück an der Steilküste entlang, natürlich in entsprechendem Abstand. Eine Haltestelle gibt es dort meines Wissens auch noch. Vor Jahren befand sich dort in der Nähe ein Campingplatz, ob der noch existiert?
Das Meer kann man auf diesem Teilstück ab und an sehen und sich dem Hauch von Fernweh hingeben, bis man in Kühlungsborn ankommt. Dort befinden sich die vor Jahrzehnten erbauten Wagenschuppen, in denen noch heute die Traditionswagen überwintern bzw. auf ihren nächsten Einsatz warten.
Das war sie, die vierzigminütige Fahrt wie zu Omas Zeiten, doch
ES GIBT NOCH MEHR
So gibt es zusätzlich zu den normalen Reisewagons
- Salonwagen mit Bewirtschaftung,
- einen Buffetwagen von 1925, für den ebenfalls Bewirtschaftung vereinbart werden kann und
- drei Traditionswagen.
Man kann das Eisenbahnmuseum und ein zugehöriges Café in Kühlungsborn besuchen, Lokmitfahrten sind gestattet und man kann sich ausbilden lassen als
- Ehrenlokomotivführer (10 Tage Unterricht)
- Bahnhofsvorsteher oder zum
- Ehrenzugschaffner.
Na, wird in dem einen oder anderen gerade ein Traum (Ich will Lokomotivführer werden!) wach?
MEIN FAZIT
Die Fahrt mit dem oder auch der Molli ist ein schönes Erlebnis. Man fühlt sich ein wenig zurückversetzt und sicher ist die Reise nicht nur für Eisenbahnliebhaber ein Muss. Die Landschaft ist traumhaft, die Zusatzangebote scheinbar freizeitfüllend.
Der Preis kam mir etwas hoch vor, von Bad Doberan bis Heiligendamm zahlte man pro Erwachsenem 3,00 Euro, bis Kühlungsborn das Doppelte. Zurück will man auch noch, das geht etwas ins Geld. Wenn ich mir aber überlege, dass die Aufrechterhaltung des gesamten Betriebes auch Geld verschlingt und ich alle Jubeljahre mit dem Molli fahre, kann ich an dieser Stelle ein Auge zudrücken.
Für mich persönlich sind eine Menge Kindheitserinnerungen mit dem Molli verbunden, allein deshalb wünsche ich mir natürlich den Erhalt. Um den bemüht sich im übrigen eigens ein Verein mit ehrenamtlichen Helfern.
Natürlich gibt es meine Empfehlung und nach Abwägung aller Für und Wider volle fünf Sterne.
schnupp, August 03
Molli Dampfeisenbahn10
Einzelbewertung
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Erreichbarkeit
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Muss man gesehen haben
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Budget-Freundlichkeit
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Anzahl Sehenswürdigkeiten
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Kindereignung