"Paris des Ostens" wurde die Hauptstadt des Libanon einst genannt und gemeint war damit das weltoffene, elegante Flair, das Beirut verströmte. Seit dem Ende des Bürgerkriegs 1990 macht sich die Stadt wieder auf, an ihr altes Image anzuknüpfen. Und die Voraussetzungen dafür sind trotz innenpolitischer Spannungen günstig: die ins Mittelmeer ragende Landzunge, auf der sich die Stadt erstreckt, und die Südausläufer des Libanon-Gebirgszuges bilden das eindrucksvolle Bühnenbild, vor dem sich das wirtschaftliche, politische und kulturelle Zentrum des kleinen Landes präsentiert. Dazu kommen freundliche und interessierte Menschen, mediterrane Lebensart und der Hauch von 5000 Jahren Zivilisation. Die Hotelinfrastruktur ist ausgezeichnet und das Nachtleben brodelt...
Hinkommen und Rumkommen
Beirut liegt nur rund vier Flugstunden von Deutschland entfernt. Direktverbindungen gibt es momentan von Frankfurt (Lufthansa und Middle East Airlines) und Düsseldorf (TUI). Beirut steht aber auf dem Flugplan einer ganzen Reihe europäischer Fluglinien wie Austrian, Allitalia und Iberia. Darüber hinaus steuert das Clubschiff Aida auf einer seiner Mittelmeerrouten Beirut an.
In

der Stadt sind Taxis das Transportmittel der Wahl. Der normale Preis im Stadtgebiet liegt bei 7000LL (rund 2,50 Euro), nachts und bei längeren Strecken können die Preise aber schon mal bis auf das doppelte steigen. Dafür kann man sich nie über einen Mangel an Taxis beschweren, deren Alter und Zustand von Schrottplatz bis Luxuskarosse reicht. Eine Eigenheit des Beiruter Taxisystems sind die so genannten Service (wird französisch ausgesprochen: serwiehs). Für ein Service bezahlt man nur 2000LL pro Person, kann dafür aber nur das Stadtviertel angeben in das man gefahren werden möchte und wird dann meist nicht direkt vor der gewünschten Adresse abgesetzt wird.
Der
Verkehr ist mediterran-chaotisch. Besonders außerorts fehlt oft die Ausschilderung und wo sie vorhanden ist, ist sie meist nur auf Arabisch. Nur äußerst Unerschrockene sollten darum einen Leihwagen in Betracht ziehen. Als Alternative erwägenswert: Individuelle Tagestouren kann man für ca. 100 Euro am Tag inklusive Fahrer, Kraftstoff und Wagen buchen. Feste Gruppentouren sind sogar noch billiger.
Es gibt auch ein innerstädtisches und Überland-Bussystem, das aber selbst von Einheimischen nicht vollständig durchschaut wird und daher nur fortgeschrittenen Beirutbesuchern mit Hang zum Abenteuer empfohlen sei.
Land und Leute
Die Einwohner der Hauptstadt, die Beiruti, bilden einen bunten Querschnitt durch die sehr heterogene Bevölkerung des Landes. Hier leben Vertreter aller Schichten, ethnischen Gruppen und nicht zuletzt aller 17 offiziell anerkannten Religionsgemeinschaften des Landes.

Dieser Umstand beschert Beirut die wohl höchste Dichte an
Gotteshäusern in der ganzen Welt. Besonders in Downtown stehen Kirchen und Moscheen dicht gedrängt, ansonsten konzentrieren sich die einzelnen Gruppen in bestimmten Stadtteilen. Der Osten der Stadt ist eher christlich geprägt, der Westteil wird von Moslems bevorzugt. Dem Viertel Bourj Hammoud haben vor allem Armenier ein eigenes Flair verliehen seit sie in den 1920er Jahren massenhaft aus der Türkei hierher vor der Verfolgung flohen. Nicht unerwähnt bleiben sollen die Palästinenser, die in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ebenfalls als Flüchtlinge kamen. Sie leben auch heute noch zum großen Teil in Lagern und eine Besserung ihrer Lage oder gar eine Einbürgerung ist nicht in Sicht, würde sie doch das nach dem Bürgerkrieg sorgfältig ausbalancierte Machtgefüge zwischen christlichen und moslemischen Einflusssphären empfindlich verschieben.
Religion ist hierzulande noch ein hohes Gut, auch wenn es oft genug nur darum geht sich von "den anderen" abzugrenzen. Doch vor allem in der jungen Generation gibt es ein Prinzip, das noch über dem Glauben zu stehen scheint: Spaß. Die Libanesen sind ein Volk, das zu
feiern versteht. Ein wichtiger Faktor dabei ist, gut - nein umwerfend auszusehen. Man geht gern unter Leute - Sehen und Gesehen werden ist der Lieblingssport der Hauptstädter. Und dabei gibt es nur eine Devise: Es kann gar nicht schick und teuer genug sein. Bis vor kurzem verwandelte sich am Wochenende der
Downtown District in einen einzigen Laufsteg. Seit auf dem nahe gelegenen Martyrs Square Hizbollah-Anhänger eine Dauer-Demo für mehr politischen Einfluss ihrer Faktion eingerichtet haben, weicht die Party-Crowd in die schicke
ABC-Mall in Ashrafieh, oder in die Viertel Verdun und Gemmayze aus.
Aktivitäten
Die Spuren von 5000 Jahren Zivilisation

Es gibt kaum eine antike Zivilisation des Mittelmeerraumes, die den Reizen des Libanon widerstehen konnte. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der ursprünglich von Phöniziern besiedelte Landstrich am östlichen Mittelmeer unter anderem von den unterschiedlichsten Machthabern regiert. Um einen Einblick in die wechselvolle Geschichte des Libanon zu bekommen lohnt ein Besuch im
Nationalmuseum. Artefakte von den Phöniziern bis in die byzantinische Zeit werden hier ansprechend präsentiert. Für Exkursionen in die anderen Landesteile erweist sich die zentrale Lage Beiruts als außerordentlich günstig. Mit einem Tagestrip erreicht man von der Hauptstadt aus auch alle anderen Sehenswürdigkeiten des Libanon etwa die weltberühmten
Tempelkomplex in Baalbek, die
Grotte von Jeita oder die historischen Stätten von
Tyros und
Sidon im Süden.
Tanzen auf Gräbern - das Nachtleben von Beirut

Das pulsierende Leben das das heutige Beirut tagsüber verströmt gibt nur einen Vorgeschmack auf das, was die Hedonisten dieser Welt bei Nacht erwartet. Die Stadt erfreut sich nicht zuletzt wegen ihrer wuchernden Partyszene eines immer größeren Zulaufs. Unzählige Diskos, Clubs und Bars konkurrieren um die Gunst des einheimischen und ausländischen Publikums. Neue
Clubs öffnen und schließen in schnellem Wechsel, so dass es schwer ist den Überblick zu behalten. Eine feste Größe seit Mitte der Neunziger Jahre ist das
B018. Der angesagteste Club der Stadt wurde auf dem Gelände des Massakers gebaut, mit dem einst der Bürgerkrieg begann. Eine große Auswahl an Bars, Restaurants und Clubs findet man in der Monot-Street unweit der ehemaligen Demarkationslinie. Wer leckere Cocktails mag, wird im Lila Brown bestens bedient. Für entspanntes People-watching empfiehlt sich die Lime Bar nur zwei Häuser weiter.
Mezze, Sushi und Co. - Essen und trinken in Beirut

Die libanesische Küche ist bekannt für ein ausgewogenes Verhältnis von frischem Gemüse, Kräutern und Fleisch, zusammen mit sparsam aber effektiv eingesetzten Gewürzen. Wer in der Fußgängerzone von Downtown original libanesisch speisen möchte, ist im urigen Ambiente des
Al Balad gut aufgehoben. Nicht weit davon liegt das
Karamna, ebenfalls mit regionaler Küche. Das noblere Design und die Lage direkt an der Flaniermeile Maraad-Street spiegeln sich allerdings auch in den Preisen wieder, die über denen des Al Balad liegen. Wer es noch gehobener mag, sollte sich das
Abdel Wahab al Inglesi nahe der Monot-Street ansehen. Wen es weg zieht vom touristischen Stadtzentrum bekommt ebenso leckeres wie authentisches geboten im
Walimat Wardeh in Hamra oder direkt am Meer im
Café Rauda.
Einheimische Küche bietet das
Centrale zwar nicht, dafür ist ein Besuch im von Stararchitekt Bernhard Khoury errichteten Designtempel ein Muss. Die Karte ist französisch inspiriert und ein leckerer Cocktail in der röhrenförmigen Bar auf dem Dach ist vor allem im Sommer ein unvergessliches Erlebnis. Eine Tischreservierung ist dringend zu empfehlen.
Weg mit dem Geld - Shopping in Beirut

Es gibt kaum einen Designermarke, die in Beirut nicht mit einem eigenen Laden vertreten ist. Bunt und glitzernd präsentieren sich ausländische Marken vor allem im Downtown District und im Viertel Verdun. Aber auch in Sachen einheimisches Design wird den Kaufwütigen einiges geboten. Wünsche nach Individuellerem und Ausgefallenerem werden vor allem von den kleinen Geschäften und Galerien der französisch geprägten Viertel Gemmayze und Saifi erfüllt. Haute Couture verkauft Libanons bekanntester Modedesigner
Elie Saab, der international große Erfolge feiert. Freunden einheimischer Klänge von Jazz über Pop bis Electro sei ein Besuch in der kleinen, aber erlesen sortierten CD-Theque in Ashrafieh nahe gelegt. Unweit hiervon liegt die Gegend um den Place Sassin mit vielen kleineren Cafés, Boutiquen und der
ABC Mall.
Übernachten
Beirut verfügt über ein breites Angebot für jeden Geschmack und Geldbeutel. Das protzige
Intercontinental Phoenicia ist vor allem bei reichen Saudis beliebt. Wer es nobel, aber etwas intimer mag, wählt das
Albergo im Christenviertel Ashrafieh, das ein ausgezeichnetes Frühstück über den Dächern der Stadt auch für Nicht-Hotelgäste offeriert, oder das
Le Vendôme InterContinental, das direkt an der Uferpromenade gelegen mit einem grandiosen Seeblick lockt. Ein paar Preiskategorien tiefer empfiehlt sich das
Park Tower Suites - sauber, geschmackvoll, mit ansprechendem Service und großen Suiten. Es liegt nur wenige Gehminuten vom Vergnügungsviertel Monot Street entfernt - die Preise beginnen bei ca. 70 Euro für eine Junior-Suite. Etwas wenige geräumig, dafür auch etwas billiger ist das ebenfalls gut geführte
Beirut Homes in der Nähe des Sodeco Squares.
Für kleinere Budgets empfehlen sich vor allem Hotels im günstigeren Viertel Hamra, wie das
Mayflower. Hier findet man in der Nebensaison oft schon Doppelzimmer ab 40 Euro.
Verfasst von
SaschaT