Bewertung von Entdeckerin im Detail
Entdeckerin
Düren, Deutschland99%
Mein erster Gedanke, als ich am 27.08.2009 um kurz nach 17.00 Uhr im Berliner Hauptbahnhof aus dem Zug stieg, war: "Oh Mann! Ist der riiiiiiiiesig!" Im ersten Moment fühlte ich mich da schon etwas verloren. Nun hieß es erstmal, herauszufinden, wie ich denn jetzt zum Alexanderplatz kommen sollte. Hätte ich nicht schon im Zug mit einem Einheimischen geplaudert, der mir verriet, dass man vom Hauptbahnhof mit der S-Bahn dorthin kommt (am Hauptbahnhof gibt es meines Wissens aktuell keine andere Möglichkeit für dieses Fahrtziel), hätte ich vermutlich völlig auf dem Schlauch gestanden bzw. hätte meine Odyssee noch etwas länger gedauert als ohnehin schon. So musste ich eigentlich "nur noch" gucken, dass ich mit der S-Bahn in die richtige Richtung fuhr. Denn die meisten S-Bahnen fahren an sich wohl am Alexanderplatz vorbei. Der Fahrplan brachte mich erwartungsgemäß als Berlin-Unkundige auch nicht weiter. Also zum Service-Center. Dort entdeckte ich an der Wand einen Streckenplan von der U-Bahn, und meinte nun, die Lösung gefunden zu haben, so dass ich mich nicht mehr bei den Schaltern anstellen musste. Pustekuchen! Es stellte sich heraus, dass es die U-Bahn-Linie, die ich ins Auge gefasst hatte, noch gar nicht gab! Sie befindet sich erst im Bau. Warum sie dann schon auf dem Streckenplan angezeigt wird, ist mir ein Rätsel und hat mich zu dem Zeitpunkt wirklich irritiert. Um das zu erfahren, war ich mit meiner mittlerweile als immer schwerer empfundenen Reisetasche (ich fasste den Entschluss, mir für die nächste Kurzreise einen kleinen Trolley zuzulegen - der große wäre doch zu groß dafür gewesen) erst bis ganz ans Ende gelaufen, und als ich so verwirrt dastand, hatte ich bei einem Passanten nachgefragt. Also doch S-Bahn!
Um es kurz zu machen: Letztendlich stieg ich in die richtige S-Bahn. Bis zum nächsten Berlin-Aufenthalt werde ich sicherlich vergessen haben, ob ich Richtung Spandau oder in die andere Richtung fahren muss, um in die Innenstadt und zum Alexanderplatz zu gelangen - aber gut, frau kann sich ja nicht alles merken, was sie im augenblicklichen Alltag nicht unbedingt wissen muss. Ja, auch ich finde den Bahnhof unübersichtlich, und die Rennerei aufgrund der monumentalen Größe nervig, zumal mit Gepäck! Aber Letzteres ist an vielen Bahnhöfen so - die Atmosphäre ist eben etwas hektischer, wenn man von A nach B will und z. B. noch nicht genau weiß, wie. Oder wenn man einen Anschlusszug bekommen will (ich persönlich war ja nicht sooo sehr in Eile, aber doch bestrebt, so zeitig wie möglich in meinem Hotel einzuchecken - ein wenig Zeitdruck war somit schon vorhanden).
Aber ich wollte noch von den meines Erachtens positiven Aspekten des Bahnhofes sprechen.
Auf dem ersten Blick erscheint der Aufbau dieses sehr futuristischen Gebäudes überaus ungewohnt. Wo hat man es denn sonst, dass die Gleise übereinander auf mehreren Etagen liegen statt alle parallel nebeneinander, in der Mitte dann noch mit diversen Geschäften links und rechts? Wohl nirgendwo.
Im ersten Moment kam ich mir auch verloren vor in diesem riesengroßen, mit Glas überdachten Betonbau, in dem die Farbe Grau, eventuell noch ins Silberne übergehend, dominiert (nur in den Shops sieht man verschiedene Farben).
Doch dann verfiel ich ins Staunen. Beim Anblick dieser irgendwie genialen Architektur kam ich mir vor wie 200 Jahre in die Zukunft versetzt. Allein diese gläsernen Röhrenaufzüge (Sind es 8? Ich habe nicht gezählt, aber vom Eindruck her passt diese Zahl. Entweder 6 oder 8), bei denen mir spontan "Beam me up, Scotty!" in den Sinn kommt. In diesem Bahnhof kam ich mir teils wirklich vor wie in einem überdimensionalen Raumschiff - nur, dass es eben nicht plötzlich abheben würde. Obwohl es in seiner Leichtigkeit so aussieht, als wäre es durchaus möglich, grins. In der Tat finde ich es erstaunlich, dass die ganzen Plattformen auf den paar Betonstreben halten. Das muss ein Meisterwerk der Technik sein! Ja, ich weiß, das Ganze hat auch seinen Preis gehabt... Aber das ändert nichts daran, dass ich dieses Werk einfach nur würdige. Nicht mehr und nicht weniger.
Bei näherer Überlegung finde ich diesen innovativen Aufbau (Gleise übereinander) sogar praktisch: So muss man nicht mehr einmal der Länge nach den ganzen Bahnhof durchqueren, um von Gleis 1 zu Gleis 12 zu hecheln. Im besten Fall muss man hier nur einige Meter bis zum nächsten Aufzug oder zur Rolltreppe gehen. Aufgrund dieses sandwichartigen Aufbaus bin ich aber wiederum sogar froh, dass der Raum so weitläufig ist. Bei niedrigeren Etagen hätte ich nämlich wahrscheinlich wirklich das Gefühl, zwischen zwei Sandwichscheiben gequetscht zu sein. So aber wurde es in meinen Augen genau richtig und menschlich vorausschauend umgesetzt.
Einen weiteren Vorteil hat die Weitläufigkeit in meinen Augen: Die Gefahr, dass man so einem anderen Passanten in die Quere kommt oder gar umläuft, wird so minimiert. Weil ja so viel Platz ist, um seinen weg zu gehen, kommt es nicht so leicht zu Gewimmel. Um ehrlich zu sein, habe ich in den breiten Gängen drumherum kein einziges Mal ein Gewimmel erlebt. Nur oben bei der S-Bahn war das Gedränge ein wenig dichter, besonders unmittelbar, bevor ein Zug ankam. In den Gängen jenseits der Bahnsteige aber verteilen sich die Menschen.
Was ist zur Organisation zu sagen?
Dazu kann ich lediglich angeben, dass mein Zug für die Hinfahrt nur ca. 5 Minuten Verspätung hatte (damit muss man bei der DB schon mal rechnen). Mein IC für die Rückfahrt am Sonntag, dem 30.08.2009 fuhr hingegen pünktlich ein und um 10.10 Uhr ab. Pünktlich um 16.16 Uhr traf er in Köln ein (jaaaa, es war eine Direktverbindung - auch das gibt es am Berliner Hauptbahnhof, und das quer durch Deutschland!), wo ich meinen Anschlusszug Richtung Heimat bekam. (Da in Düren keine IC's halten, ist es für mich üblich, in Köln umsteigen zu müssen.) Vorausschauend wie ich war, hatte ich ein bisschen mehr Zeit für die Orientierung am Bahnhof eingeplant - in Berlin Hauptbahnhof weiß man ja nie, schon gar nicht als Neuling. Meinen Bahnsteig fand ich aber recht zügig, so dass ich sogar noch Zeit hatte, mich im bahnhofsinternen Rossmann für die lange Fahrt nach Hause einzudecken.
Ja, richtig gelesen: Die Geschäfte haben hier auch sonntags geöffnet. Und zwar von 07.00 bis 22.00 Uhr! Liebe Berliner, falls Euch also am Sonntag einfällt, dass Ihr noch irgendetwas einkaufen müsst: Kommt doch einfach in den Hauptbahnhof! Wie es mit Parken aussieht, kann ich leider nicht sagen, da ich den Bahnhof nur von innen gesehen und erlebt habe. Aus diesem Grund kann ich mich auch nicht zur Umgebung äußern. Notfalls könnt Ihr aber auch mit der Bahn hierherkommen. Insbesondere die S-Bahnen sind zwar manchmal etwas überfüllt (daneben ist sogar die Berliner U-Bahn, so wie ich sie erlebt habe, ziemlich leer - von der KVB in Köln kenne ich das anders...), doch ich persönlich als auf die Öffis Angewiesene und mit diesen Routinierte bin so etwas gewöhnt. Meist sind es ja nur kurze Strecken.
Den Service im Berliner Hauptbahnhof kann ich wiederum aus heutiger Sicht nicht bewerten, da ich mit diesem keine Erfahrungen gemacht habe.
Lobenswert finde ich es noch, dass dieser Bahnhof vorbildlich sauber ist - ich habe kein einziges Staubkörnchen, keinen herumliegenden Müll oder sonstigen Schmutz gesichtet. Die Aufzüge funktionierten einwandfrei - ich musste höchstens mal ca. 1-2 Minuten warten, bis sie auf mein Drücken des Knopfes hin ankamen. Aber klar, wenn sie von ganz oben kommen oder noch auf jeder Etage Leute ein- und aussteigen. Sitzmöglichkeiten sind an den Bahnsteigen vorhanden; beim Warten auf meinen Zug Richtung Heimat habe ich sogar noch einen Sitzplatz gekriegt. Viel mehr kann ich nicht schreiben, denn die Toiletten habe ich nicht benutzt (im Vorbeigehen gesehen nach meiner Erinnerung schon - es sind wohl auch diese neuen Mr. Clean Toiletten, wo man bezahlen muss, so, wie ich sie aus Köln auch kenne).
Allgemein habe ich den Eindruck, dass der Berliner Hauptbahnhof bahntechnisch sehr gut angebunden ist - man kommt von hier aus praktisch in alle Ecken Deutschlands (ggf. mit Umsteigen) sowie ins benachbarte Polen und nach Tschechien. Sogar einen ICE nach Dänemark (Kopenhagen) gibt es offenbar.
Weitere Verbindungen können hier nachgelesen werden: http://de.wikipedia.org/w iki/Berlin_Hauptbahnhof _%E2%80%93_Lehrter_Bahnho fFernverkehr (ohne Leerzeichen)
oder man suche sich auf www.bahn.de die passende Verbindung nach oder von Berlin aus.
PS: Wusstet Ihr schon, dass man im Berliner Hauptbahnhof mit dem eigenen Laptop per WLAN ins Internet gehen kann? Und zwar mit 4 verschiedenen Anbietern: Arcor, T-Com, Vodafone und The Cloud. Vielleicht ist das insbesondere für Geschäftsleute interessant.
Hauptbahnhof Berlin9
Einzelbewertung
-
Erreichbarkeit
-
Muss man gesehen haben
-
Budget-Freundlichkeit
-
Bei der Erreichbarkeit ziehe ich einen Punkt ab, weil die U-Bahn-Linie vom und zum Bahnhof noch nicht in Betrieb ist und die Lage des Bahnhofes (nicht ganz zentral) etwas seltsam ist.
Die Budgetfreundlichkeit für den Besucher hängt natürlich wie immer davon ab, was man kauft oder verzehrt. Die Zugfahrten kosten natürlich nicht anders als für andere Strecken.
Müsste ich die Budgetfreundlichkeit des Gebäudes selbst bewerten, sähe meine Detailbewertung freilich etwas anders aus... Aber diese ist ja nicht gemeint. ;)