MatthiasHuehr
Greifswald98%
Ich war wieder einmal ganz spontan. Da das Konto nicht mitspielen wollte, war es dieses mal keine Chinareise, sondern nur ein verlängertes Silvesterwochenende in Berlin. Meine Karten für verschiedene Veranstaltungen hatte ich schon im Internet geordert, jetzt fehlte mir nur noch das Zimmer. Zwei Monate vor dem Jahreswechsel war es schon recht schwierig eine bezahlbare Unterkunft zu finden, wenn man wie ich zu einer Zeit verreisen möchte, in der das auch eine Menge anderer Leute vorhat. Ich begab mich daher im Internet auf die Suche nach einem preiswerten Hotel, was sich aber als sehr schwierig erwies. Nur noch sehr wenige Hotels verlangten einen für mich annehmbaren Preis für ihre Betten. Da ich aber mich hauptsächlich im Zentrum der Stadt aufhalten wollte, musste die Unterkunft zudem auch schnell und bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein. Das Hotel was nach den Angaben der Buchungsseite am ehesten in Frage kommen sollte war das Apartmenthaus am Potsdamer Platz.
Lage & Anreise
Die Definition von am ist bei vielen Hotels recht weit gefasst, wie man auch an diesem Beispiel sehen kann. Durch die Wahl des Namens versucht man eine Aussage zur Lage des Hotels zu vermitteln, die so überhaupt nicht gegeben ist. Man könnte genauso gut Hotel Adlon am Potsdamer Platz sagen. Das hört sich für viele Leute vielleicht unsinnig an, ist es eigentlich ja auch. Die Wahrheit aber ist, dass das Adlon genauso weit vom Potsdamer Platz entfernt ist, wie dieses Hotel, welches sich zumindestens namentlich eine werbewirksamere Ortsverlagerung gönnt. Vom Potsdamer Platz sind es gut einen Kilometer Entfernung, sei es nun zum Adlon oder zu diesem Hotel. Vom Hauptbahnhof nimmt man als umweltschonender Bahnreisender wie ich eine S-Bahn in Richtung Friedrichstraße und fährt dann mit der U2 in Richtung Potsdamer Platz. Dort angekommen begibt man sich, wenn man die Haltestelle verlässt, nach links die Potsdamer Straße entlang, lässt die Neue Nationalgalerie hinter sich und überschreitet eine Brücke über den Landwehrkanal. Anschließend biegt man rechts ab und das Schöneberger Ufer entlang, bis man vor der richtigen Hausnummer steht.
Einchecken
Das Einchecken in diesem Hotel ging recht schnell vonstatten. Ich habe mich vorgestellt, konnte gleich das Geld für die Übernachtungen bezahlen und bekam daraufhin meinen Schlüssel. Im Übrigen ist in diesem Hotel nur eine Barzahlung des Zimmerpreises möglich. Kreditkarten oder EC-Karten werden nicht akzeptiert. Die Angaben auf den meisten Buchungsseiten sind daher mangelhaft. Die Freundlichkeit des Personals war auch keine Sache mit der sich das Hotel brüsten könnte, den so maulfaul und muffig sind selbst wir im hohen Norden nicht.
allgemeine Hoteleinrichtung
Das Hotel hat zwei Fahrstühle, von denen nur einer funktioniert. Dieser ist auch recht klein, so dass nur maximal 4 Personen damit fahren dürfen. Sollte man größere Gepäckstücke mit dabei haben, verringert sich die maximal mögliche Personenzahl des Fahrstuhls aus Gründen des geringen Raumangebotes deutlich. Im Flur zum Fahrstuhl befand sich ein Automat für Heißgetränke sowie ein Getränkeautomat, bei dem es antialkoholische Getränke von Coca Cola und eine Sorte Bier zu kaufen gab. Gegenüber diesem befand sich ein Flaschenregal für das Leergut, was ich recht unordentlich empfand. Das Hotel wirkt an sich verwohnt und hätte im Allgemeinen eine Renovierung von Grund auf nötig.
Zimmereinrichtung
Fangen wir beim wichtigsten Einrichtungsgegenstand an, den ein Hotelzimmer haben muss, nämlich dem Bett. Ein sehr schlichtes Model aus Holz, welches ich stilistisch wohl am ehesten dem Prospekt des Dänischen Bettenlagers zuordnen würde, Ikea wäre glaub ich nicht so schlicht ausgefallen, befand sich im Raum. Die Matratze war in bester Ordnung und die Bettdecke an sich auch. Sie war aber recht dünn, weshalb ich die Heizung in der Nacht, in der ersten nicht, das ist aber eine andere Geschichte, habe laufen lassen, da es sonst zu kalt gewesen wäre. Das mit der Matratze und den Decken kann ich sehr gut beurteilen, denn ich habe dem Zimmerservice beim Beziehen zusehen können. Ich schau mir im Übrigen nicht gerne bei der Arbeit zu, in dem Fall musste ich es tun, da man als Gast in diesem Haus die Betten selber beziehen darf. Der Bettbezug war technisch recht schlicht gehalten und in keiner für meinen Geschmack unbedingt attraktiven Grundfarbe ausgestattet.
Neben dem Bett stand ein Nachtschränkchen so für sich ganz alleine in der Gegend herum. Ich hätte zu mindestens eine kleine Nachttischlampe erwartet, falls man doch noch etwas im Bett lesen möchte. Das war aber so nicht möglich. Gegenüber befand sich ein kleines Regal mit einem kleinen Fernseher darauf. Er war zwar nicht in der Hotelbeschreibung aufgeführt, aber es war trotzdem schön ein solches Gerät im Zimmer zu haben, da ich zum Einschlafen etwas Berieselung brauche. Das eine Problem bei dem Gerät war aber die fehlende Fernbedienung, welche mich zum Aufstehen nötigte, wenn ich das Gerät abschalten wollte. Das andere Problem bei diesem Gerät waren die vielen schlecht eingestellten Fernsehsender. Daneben wiederum befand sich ein Tisch mit einem Stuhl, dessen Bauart ich das letzte mal in einer Schule gesehen habe als Erich sich noch schützend vor die Berliner Mauer stellte. Es war wohl irgendwo Sperrmüll gewesen, so zerkratzt und abgenutzt wie dieses Exemplar von einer Sitzgelegenheit aussah. Im Flur des Zimmers befand sich zudem noch ein größerer Kleiderschrank, welcher auch nicht unbedingt wie das neueste Modell aussah. Die Zimmertüren waren schon ziemlich zerschrammt und machten keinen schönen Anblick mehr und die im Zimmer verlegte Auslegeware hatte auch schon bessere Zeiten gesehen. Dieim Hotel eingebauten Fenster waren wohl nicht so gut schallisoliert, denn ich empfand den Verkehr auf der Straße doch noch als recht laut, als ich mich zum Schlafen in das Bett legte. Der vorhandene Vorhang lies mich das Zimmer auch nur bedingt abdunkeln.
Die Zimmerbeleuchtung war ein billiges Exemplar aus Plastik mit drei Strahlern, welcher an der Wand befestigt war. Die mangelnde Sauberkeit im Hotelzimmer konnte man aus mehreren Metern Entfernung sehen, da sich auf der Oberfläche der Lampe eine dickere Staubschicht gebildet hatte. Weiß ist halt auch eine sehr ungünstige Farbe, wenn man den Staubwedel nicht so gerne in die Hand nimmt. Ich spreche da aus eigener Erfahrung, da war schon monatelang kein Staubwedel drüber. Räumlich etwas abgeteilt befand sich eine Einbauküche. Diese wies einen Herd mit zwei Platten und eine Spüle auf. Ein Kühlschrank war auch vorhanden. Dieser war aber unbefüllt, woanders war wenigstens immer eine kleine Flasche Mineralwasser als Aufmerksamkeit des Hauses. Utensilien die man für die Benutzung der Küche benötigt muss man bei der Rezeption abholen. Da ich mich von Restaurants habe bekochen lassen, habe ich das Abenteuer Küche nicht vollziehen müssen. Pantryküchen sind an sich völlig unpraktisch, da man den ganzen Küchengeruch in der Wohnung hat. Diese Küche bot nicht einmal eine Dunstabzugshaube, welche zumindestens das gröbste Fett aus der Luft filtern würde.
Bad
Wenigstens konnte das Zimmer ein eigenes Bad vorweisen. Wer schon einmal die Erfahrung mit Etagenduschen gemacht hat, der dürfte dieses nicht unbedingt wiederholen wollen. Die Größe des Bades würde ich mit als sehr eng um die Hüfte beschreiben wollen. Es gab wie bei preiswerteren Hotels nur eine Dusche. Über dem Waschbecken war ein kleiner Spiegel, eine Ablage und eine Lampe, deren Taste bei mir innerlich nicht viel Sicherheit aufkommen lies. Rechts neben dem Waschbecken befand sich ein Handtuchhalter. Da der Raum zwischen Waschbecken und Dusche recht eng ausfiel, war die Benutzung recht unpraktisch. Da aber die Halterung defekt war und sich stark nach unten bog, rutschen die Handtücher von alleine, nur mit Hilfe der Schwerkraft in Richtung Boden. Die an der Tür angebrachten Handtuchhalter waren zu tief angebracht, dass mein Badetuch regelrecht auf dem Boden schleifte.In der Dusche gab es keine Ablage, so dass man die Armatur dafür zweckentfremden musste. Ein paar kleinere Schimmelstellen waren schon an den Fugen erkennbar. Die Duschwände schlossen nicht richtig, sondern bildeten einen Spalt durch den das Wasser nach draußen auf den Fußboden gelangen konnte. Gegen die Auswirkungen der morgentlichen Überschwemmung stand ein Eimer mit Schrubber und Wischlappen im Bad bereit. Wenigstens dieser Raum bekam so unfreiwillig tagtäglich eine Reinigung des Bodens und das noch ohne extra dafür angestelltes Servicepersonal.
Handtücher werden übrigens nicht vom Hotel gestellt, diese muss man als Gast selber mitbringen. Ein Vorteil für das Hotel istdass keine Handtücher wegkommen können, ein Nachteil für die Gäste ist, dass man eine Feuchtigkeitsquelle im Gepäck hat, jedenfalls wenn man am Morgen der Abreise noch unter die Dusche gegangen ist. In jeder Pension in der ich bisher war, wurden die Handtücher immer vom Hotel gestellt und die waren preislich genauso teuer gewesen. Aber nicht nur die Handtücher waren nicht vorhanden, auch das notwendige Zubehör konnte man suchen. Für gewöhnlich gab es für Gäste immer ein Stückchen Seife und eine kleine Packung Shampoo gratis. Das bemerkte ich erst am nächsten Morgen, hatte dann aber noch das Glück, in den Arkaden ein offenes Geschäft zu finden, da am Vormittag des Silvestertages noch die Geschäfte geöffnet haben. Im Hotel selber habe ich nicht danach gefragt, ich hatte absolut keinen Bock es mit einem Aufschlag zu erwerben und damit den mangelnden Service finanziell zu vergolden.
größere Mängel
Am ersten Tag funktionierte die im Zimmer befindliche Heizung nicht, sondern blieb kalt. Durch die recht dünne Decke wurde es etwas unangenehm kühl beim Schlafen. Am nächsten Morgen informierte ich die Rezeption darüber, welche eine Reparatur auslöste. Wenigstens einen klitzekleinen Lichtblick gab es dadurch bei meinem Aufenthalt. Dass die Heizung nicht richtig funktionierte hätte aber schon vorher auffallen müssen, weshalb ich die schnelle Reparatur nicht überbewerten möchte.
Schein & Sein
Schaut man sich die Bilder an, die auf allen größeren Buchungsseiten zu finden sind, könnte man glauben bei der Buchung des Zimmers ein schönes Schnäppchen gemacht zu haben. Aber die Realität war wie immer völlig anders. Der Anblick, den ich hatte, als ich mein Zimmer zum ersten Mal betrat, hatte nicht wirklich etwas mit der Selbstdarstellung des Hauses zu tun. Es gab keine Deckenfluter neben dem Bett, keine Bilder an den Wänden. Das Bad hatte auch kein Fenster und die Möbel waren deutlich älter und geschmackloser als die auf den Bildern. Die Bilder auf Hotels.de sind sogar noch einen Zacken schärfer, denn der Eindruck, der dort vermittelt wird ist schon fast luxuriös. Ich mag es nicht verarscht zu werden, daher fasse ich die viel zu sehr beschönigende Selbstdarstellung des Hauses als eine Art Täuschung auf.
Bewertung
Wer den Charme von Möbeln mag, die man nur noch auf dem Sperrmüll finden würde, fühlt sich dort bestimmt pudelwohl. Mir war die Einrichtung im allgemeinen zu abgenutzt und verwohnt. Selbst bei preiswerteren Hotels sollte man von Zeit zu Zeit den Gästen eine neuere Einrichtung gönnen. Am ersten Tag funktionierte die Heizung nicht, was ein großer Mangel ist, wenn man im Winter unterwegs ist. Ein Frühstück wurde nicht angeboten, ich würde auch nicht wissen wollen wie dieses dann ausgefallen wäre. Es waren keine Handtücher und Duschgel auf dem Zimmer vorhanden und die Wände der Dusche waren auch undicht, so dass man anschließend wischen musste. Man durfte zudem auch die Betten selber beziehen, weshalb der angebotene Service des Hauses im gegen Null tendierte, die Sauberkeit lies daher auch zu wünschen übrig. Den zweiten Fahrtstuhl könnten sie auch mal reparieren, denn einer ist für die Anzahl der Zimmer deutlich zu wenig. Bis zum Potsdamer Platz sind es gut einen Kilometer, die Lage des Hotels an sich ist in Ordnung wenn man in dem Zentrum von Berlin übernachten möchte, der Name des Hotels ist aber ziemlich irreführend. Für das Geld was bezahlen durfte habe ich schon besseres geboten bekommen. Modernere Zimmereinrichtungen und sogar ein Frühstück war inklusive. Wirklich empfehlen kann ich dieses Hotel nun nicht wirklich, dafür war mir alles viel zu schäbig. Der einzige Trost ist, dass das Gebäude von außen nicht so heruntergekommen aussieht wie das Haus von innen, so dass man keine mitleidigen Blicke von anderen Passanten ernten muss, nur weil man dort zu nächtigen gezwungen ist. Der Preis für das Zimmer war für die gebotene Leistung absolut nicht angemessen. Für mich war es eine Enttäuschung und ich werde garantiert nicht wieder in diesem Hotel ein Zimmer buchen.