Bewertung von squarerigger im Detail
squarerigger
Kandel, Deutschland89%
Kennt jemand den Film "Blues Brothers"? Wenn ja, dann erinnert er sich sicher an die "tolle" Wohnung, in der Jake und Elwood Blues in Chicago wohnen. Direkt vor dem Fenster fährt die S-Bahn vorbei und alle paar Minuten vibrieren deshalb alle Möbelstücke, während man vor lauter Krach sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Daß es so was wirklich gibt, durfte ich neulich erfahren - allerdings nicht in Chicago, sondern in Berlin.
Aber der Reihe nach...
Neulich war ich für ein Wochenende in Berlin. Wie meistens suchte und buchte ich meine Unterkunft über www.hrs.de. Ein vergleichsweise günstiges Angebot war von folgendem Hotel:
Hotel Tulip Inn
Gürtelstraße 41
10247 Berlin
Telefon 030293830
Telefax 03029383222.
Man findet dieses zur niederländischen Golden TulipTulip Inn-Gruppe (www.tulip-inn.com) gehörende Hotel der Drei-Sterne-Kategorie im Stadtteil Friedrichshain, genauer gesagt an der Grenze zwischen Friedrichshain und Lichtenberg, circa 2 - 3 Fußminuten vom S- und U-Bahnhof Frankfurter Allee entfernt. Die Gürtelstraße geht in unmittelbarer Nähe des S- und U-Bahnhofs Frankfurter Allee von der Frankfurter Alle ab. Geprägt ist diese Gegend von Altbauten, die jedoch weitestgehend saniert sind (was in Friedrichshain ja nicht überall so ist), auch das Hotel selbst befindet sich in einem Altbau.
Insgesamt bietet das Tulip Inn 60 Zimmer. Ich bekam nach einem problemlosen Check-In meinen Zimmerausweis und die Keycard, die als Schlüssel für mein Zimmer (Nr. 505, 5. OG) diente, ausgehändigt. Das Zimmer war nicht wirklich groß und auch etwas ungünstig geschnitten (so war es bei geöffneter Badtür unmöglich, vom Bett zum Kleiderschrank zu gelangen), allerdings recht umfangreich ausgestattet: Bett (ca. 140 cm Breite, recht bequeme Matratze), Kleiderschrank, Schreibtisch, Stuhl, Sessel, Couchtisch, DuscheWC, Telefon (incl. Anschlussmöglichkeit für einen Laptop) und TV (nicht nur mit hoteleigenem Pay-TV, sondern auch mit ohne Aufpreis verfügbarem Premiere). Lediglich eine Minibar, die man ja gut ausräumen kann, um dann seine eigenen Getränke zu kühlen, fehlte. Der erste Eindruck des Zimmers war jedenfalls positiv; alles wirkte gediegen und sauber...
... doch der Schock kam kurz darauf. Ein zunächst leises Dröhnen wurde immer lauter, rauschte vorbei und entschwand in der Ferne. Direkt unter dem Fenster lagen die Gleise der S-Bahn - und es handelte sich dabei nicht um irgendwelche selten befahrenen Nebengleise, sondern um die Ringbahn-Strecke. Wer sich im Berliner ÖPNV auskennt, der weiß, daß diese Strecke arg, arg dicht befahren ist und dort zumindest am Wochenende rund um die Uhr Bahnen fahren. Im ersten Moment führte ich den Lärm darauf zurück, daß das Fenster gekippt war; ich hatte also die Hoffnung, daß das Fenster schalldämmend ausgeführt wäre. Daß es möglich ist, Bahnlärm komplett außen vor zu lassen, beweisen ja immer wieder die i.d.R. direkt anin Bahnhöfen liegenden InterCity-Hotels, bei denen man vom Lärm der Züge nichts hört. Im Tulip Inn hatte man von Schallschutzfenstern allerdings scheinbar noch nichts gehört, denn auch bei geschlossenem Fenster waren die vorbeirauschenden S-Bahn-Züge deutlich zu hören.
Also tigerte ich direkt wieder zur Rezeption, wo man auf einmal gar nicht mehr so freundlich wie beim Check-In war. Schließlich seien, so die Offenbarung der Mitarbeiterin, ja alle Zimmer schallgedämmt, so daß es gar nicht sein könne, daß der S-Bahn-Lärm so deutlich zu vernehmen sei. Außerdem solle ich als jemand, der über HRS ein billiges Zimmer gebucht hatte, mich nicht wundern, wenn man mir nicht eines der besseren Zimmer gäbe - also scheint es ja doch bessere, sprich: leisere Zimmer zu geben, oder interpretiere ich das jetzt falsch?
Mein Berlin-Besuch fing also gut an. :-( Na ja, was sollte ich machen? Das Zimmer war gebucht und bezogen, aber da ich ja wußte, daß die Nächte in Berlin sowieso recht kurz sind, beschloss ich, das Beste draus zu machen, die Nächte zum Tag zu machen und so lange durch die Clubs - oder vielmehr nur durch einen, nämlich meinen Lieblingsclub, den Kitkatclub - zu ziehen, bis ich die nötige Bettschwere hätte, um selbst bei größtem Lärm schlafen zu können. Dies gelang mir dann auch einigermaßen...
... aber wirklich zufrieden konnte ich mit diesem Hotel nicht sein, das stand bereits wenige Minuten nach dem Einchecken fest. Die Lärmbelästigung durch die S-Bahnen regte mich dabei weniger auf als die Arroganz des Personals.
Aber gut, ich wollte mir dadurch nicht mein Wochenende in meiner Traumstadt Berlin vermiesen lassen, also versuchte ich das Beste draus zu machen und stürzte mich in das pralle Leben von Deutschlands einziger Weltstadt. Samstag Morgens lies ich das Frühstück ausfallen, denn ich kam erst gegen 06.30 Uhr ins Hotel zurück, nachdem ich die halbe Nacht durchgetanzt hatte. Da das Frühstück "nur" bis 10.00 Uhr serviert wird, wollte ich es mir dann doch nicht antun. ;-) Immerhin wurde mein ausgehängtes "Do not disturb"-Schild beachtet und das Housekeeping machte um mein Zimmer erst mal einen Bogen, so daß ich ausschlafen konnte - das Zimmer wurde dann später, als ich unterwegs war, aufgeräumt.
Am darauffolgenden Sonntag dagegen wollte ich den Tag mit einer guten Grundlage im Magen starten und begab mich ans Frühstücksbuffet. Wirklich befriedigend war es allerdings nicht: sicher, es gab Brot, Brötchen, Wurst, Käse, Marmelade, Honig, süßes Gebäck, Butter, Fruchtsäfte, Kaffee, Tee, etc. - also all das, was bei einem Hotelfrühstück Standard ist, aber ehrlich gesagt war die Auswahl recht gering: eine Sorte Brötchen, zwei Sorten Wurst, zwei Sorten Käse, etc. - da bin ich von anderen Hotels der Drei-Sterne-Kategorie gerade in Berlin wirklich mehr gewohnt! Daß es auch mit dem Nachschub haperte, sei nur am Rande bemerkt.
Mein Fazit lautet, daß dieses Hotel definitiv nicht weiterempfohlen werden kann. Laute Zimmer, arrogantes Personal und ein nicht zufriedenstellendes Frühstück lassen einfach keine gute Bewertung zu. Lediglich zwei Sterne sind für das Tulip Inn in Berlin drin: einer für die doch recht verkehrsgünstige Lage, einer für das insgesamt gut ausgestattete Zimmer. Weiterempfehlen kann ich das Hotel jedoch nicht.
Im Hotel gibt es auch noch eine Bar sowie ein Restaurant, in welchem lt. im Fahrstuhl aushängender Speisekarte primär Berliner Spezialitäten angeboten werden; beide Einrichtungen habe ich jedoch während meines ersten und vermutlich auch letzten Aufenthalts im Tulip Inn in Berlin jedoch nicht getestet.
Bezahlt habe ich je Nacht im Einzelzimmer 65 Euro: lt. Prospekt scheint der reguläre Preis für ein Einzelzimmer zwischen 85 und 115 Euro zu liegen, so daß die Buchung über HRS wieder einmal recht günstig war; für die gebotene Leistung war der Preis jedoch definitiv zu hoch! Bezahlen kann man übrigens mit allen gängigen Kreditkarten
Georghof3
Einzelbewertung
-
Zimmer
[mehr][weniger]
-
Größe
-
Sauberkeit
-
Ausstattung
-
Zustand (gut erhalten etc.)
-
Zimmerservice
-
Hoteleinrichtungen
[mehr][weniger]
-
Gesamtzustand
-
Rezeption/ Organisation
-
Personal (Freundlichkeit/ Service)
-
Essen und Trinken
[mehr][weniger]
-
Vielfalt des Speisenangebots
-
Qualität des Speiseangebots
-
Lage und Umgebung
[mehr][weniger]
-
Verkehrsanbindung
-
Nachtleben/ Ausgehmöglichkeiten
-
Ruhige Lage (kein Baulärm etc.)