MatthiasHuehr
Greifswald92%
Von Zeit zu Zeit fahre ich mal nach Berlin, dabei öfters auch zu etwas größeren Veranstaltungen. Da ich aber mit "zunehmender Lebenserfahrung" mir nicht mehr soviel zumuten möchte, indem ich schon früh um 5 Uhr aus dem Bett rollen muss und anschließend dann den ganzen Tag auf den Beinen bin, buche ich mir lieber eine Übernachtungsmöglichkeit und fahre am Vortag schon hin, was den Vorteil hat, dass ich am Vorabend noch etwas Kultur mitnehmen kann. Die von mir gebuchten Unterkünfte sollten nach Möglichkeit schon recht preiswert sein und eine verkehrstechnisch günstige Lage vorweisen können. Im Falle von Berlin sollte sich das Hotel aber schon recht nah an einer S-Bahn- oder U-Bahn-Haltestelle befinden, damit man recht schnell in das Zentrum gelangen kann. Die meisten Hotels etwas außerhalb sind des öfteren nur mit dem Auto gut zu erreichen, und mir dann auch zu weit weg vom Schuss. Wenn man Abends noch um die Häuser zieht, muss man dann doch nicht mehr allzu lange unterwegs sein, wenn man zu seinem Schlafplatz möchte. In diesem Hotel wohnte ich für zwei Nächte im letzten Sommer.
Buchung
Das Zimmer buchte ich mir über Booking.com, der dieses Hotel mit als eines der preiswertesten Hotels von Berlin in der Ergebnisliste meiner Suche führte. Das Zimmer, welches ich mir buchte, gab es in einer sehr kleinen begrenzten Anzahl als spezielles Angebot. Der Preis für eine Übernachtung betrug nur noch 35 Euro, wenn ich pro Übernachtung in einem einfachen Hotel etwa 50 Euro kalkuliere und dann ein paar Euro für ein vorhandenes Etagenbad abziehe, dann wäre der Preis recht günstig. Das gebuchte Zimmer hatte nämlich nur ein solches Bad aufzuweisen, und man kann damit leben, wenn man nicht zu hohe Ansprüche hat. Da das Hotel mit einem Stern deklariert war, hatte ich insoweit keine Bedenken, dass es allzu schlimm sein würde, da man einige Mindestvoraussetzungen bei der Ausstattung des Hotels erfüllen muss, um so einen Stern zu bekommen. Die Buchung über die Seite war recht einfach und eine Bestätigung meiner Buchung bekam ich auch recht schnell per Email zugesandt.
Lage
Rein scherzhaft könnte ich die Straße, die sich bei meiner Wohnung befindet, entlanglaufen und nach über 200 Kilometern würde ich irgendwann beim Hotel ankommen, da dieses Hotel auch an der B96 liegt. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Hotel mit der U-Bahn und der S-Bahn erreichbar, mit denen man bis zur Station Warschauer Straße fahren muss. Die S-Bahn-Station ist aber dichter gelegen als die gleichnamige U-Bahn-Station, von der man aus über die Brücke gehen muss. Das Hotel ist zu Fuß erreichbar, aber recht unauffällig, ich wäre fast daran vorbeigelaufen. Die Gegend, in der sich dieses Hotel befindet, gehört sicherlich nicht zu den schönsten Gegenden von Berlin. Es steht dort eine Menge Altbausubstanz, welche zum Teil nicht saniert wurde. Allzu sauber ist es auf den Fußwegen der Warschauer Straße auch nicht, auf dem Weg vom Hotel zur Haltestelle lungern viele asoziale Subjekte herum, die schon am frühen Tag nicht unbedingt als nüchtern zu deklarieren wären. Die Sicherheit in den Nachtstunden würde ich nicht unbedingt als hoch bewerten, eine rege Betriebsamkeit während dieser Zeit bietet vielleicht eine gewisse innere Sicherheit, die aber trügerisch sein kann. Wenn man sich beispielsweise nicht nachts alleine auf die Straße traut, wie es häufig bei allzu ängstlichen Frauen der Fall ist, sollte man bei seinem Aufenthalt eine andere Gegend von Berlin wählen. Die S-Bahn-Station Warschauer Straße gehört auch nicht gerade zu den schönsten Prestigeobjekten der BVV. Wenn man eine billige Unterkunft sucht, gibt es in solchen Ecken vielleicht die höchste Wahrscheinlichkeit eine solche zu erwischen, man sollte sich aber auch bewusst sein, dass man dann aber auch eine nicht unbedingt optimale Gegend in Berlin in Kauf nehmen muss. Private Parkplätze stehen laut Booking.com für 5,00 Euro pro Tag am Hotel zur Verfügung, eine Reservierung für diese Plätze ist aber erforderlich. Ein paar Straßenzüge weiter befindet sich eine Gegend in der es sehr viele Kneipen und Restaurants gibt, und auch einen besseren Eindruck macht. Im Sommer kann man dort draußen sitzen und es ist eine recht angenehme Atmosphäre in den Straßen.
Rezeption
Das Einchecken in das Hotel ging recht schnell vonstatten. Eine Anmeldung musste ich noch ausfüllen aber auch gleich das Geld bezahlen. Nach meinen Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, solche Hotels, die schon vor der Herausgabe der Zimmerschlüssel die Händchen aufhalten, etwas suspekt. Nachdem ich mein Hotelzimmer bezahlt habe, bekam ich ein Schlüsselbund mit mehreren Schlüsseln, die ich für meinen Aufenthalt in diesem Hotel benötigen würde. Da ich mit meinen erhaltenen Schlüsseln den Haupteingang nie aufbekommen habe, betätigte ich immer die Klingel der Rezeption, worauf mir dieses Tor per Summer aufgemacht wurde. Wenigstens die Zeit bis kurz vor Mitternacht war nach meiner Erfahrung die Rezeption besetzt. Ob sie nun auch rund um die Uhr besetzt war, kann ich nicht wirklich sagen, da ich schließlich auch einmal schlafen muss. An der Rezeption befindet sich ein Werbeaufsteller mit vielen verschiedenen Flyern, bei denen man einige Informationen finden kann. Leider sind diese Informationsmöglichkeiten nicht unbedingt als vollständig zu bezeichnen, sondern decken nur wenige Bereiche ab. Eine kleine Lobby gibt es auch, genutzt habe ich diese selber aber nicht. Das Personal war nett ud freundlich, wenigstens einen Lichtblick hatte das Hotel zu bieten.
Zimmer
Bei meiner Buchung der Übernachtungen in diesem Hotel war mir durchaus bewusst, dass ich ein Zimmer mit einem Etagenbad gebucht hatte, weshalb ich auch einen etwas günstigeren Preis als bei einem der vorhandenen Komfortzimmer bekommen habe, weshalb ich dass Bad in meiner Bewertung extra ansprechen werde. Das Zimmer, welches ich in diesem Hotel bei meinem Aufenthalt hatte, befand sich in einem Seitengebäude im Parterre. Wollte man zu seinem Zimmer, musste man mehrere Türen aufschließen und natürlich auch wieder zuschließen. Zuerst war die Haustür dran, dann kam die Tür zum Flur, der zu den Zimmern führte, und schließlich kam auch noch die Zimmertür. Da man ein Schlüsselbund mit sage und schreibe vier Schlüsseln bekam, musste man immer erst alle ausprobieren, da man nicht wusste, welcher Schlüssel nun zu welcher der Türen passte. Da es im Hinterhof in der Nacht auch nicht besonders hell war, hat man mit dem Aufschließen der Haustür recht lange zu tun, besonders wenn man vorher auch noch etwas stark gebechert hat und nicht gleich den richtigen Schlüssel erwischt.
Das von mir bewohnte Zimmer, der Ausdruck Zimmerchen würde auch sehr gut passen, war recht winzig. So ein enges Zimmer hatte ich bisher noch nie gehabt. Hintereinander standen das Bett, der Schrank und ein Stuhl, dann kam schon die Tür, welche sich auch nicht vollständig öffnen ließ, da die Möbel dazu im Wege waren. Die Zimmereinrichtung war zudem recht überschaubar, denn der Raum enthielt nur ein einfaches und schmales Bett, einen kleinen Nachttisch mit einer Lampe darauf, einen schlichten Radiowecker, einen zweitürigen Kleiderschrank, sowie einen Papierkorb und einen Stuhl, auf dem zwei Handtücher, etwas Duschgel in einer kleinen Tüte und eine kleine Packung Seife lagen. Die bereitgelegten Handtücher waren soweit in Ordnung und wenigstens auch vorhanden, denn in einem anderen Hotel in Berlin war es mir ja schon passiert, dass man die Handtücher selber mitbringen musste. Die Möbel waren nach meiner Meinung schon recht betagt. Ich würde sogar sagen wollen, dass man den Ausdruck Made in GDR auf den Herstelleretiketten des Mobiliars hätte finden können, nur wolle ich nicht unbedingt die Möbel verrücken, um die Vermutung bestätigen zu können. Die Wände waren völlig nackig, kein einziges Bild hing an ihnen. Die Frage, ob eine Wand ohne Bilder besser aussieht als eine mit geschmacklosem Kitsch, sei mal dahin gestellt, aber so hat das Zimmer noch weniger Persönlichkeit, als nur mit der vorzufindenden nicht unbedingt ansehnlichen Möblierung. Der im Zimmer verlegte Teppichboden war auch nicht mehr der Jüngste, aber zumindest war er gesaugt. Der vorhandene Radiowecker hatte einen recht "bescheidenen" Klang. Das Fenster war zum Hinterhof hinaus, wo sich auch der Hoteleingang befindet, ankommende Gäste konnte man so bei offenen Fenstern akustisch "wunderbar" belauschen. Der Vorhang war recht hell und bot quasi nur einen Sichtschutz, aber keine optimale Verdunkelung des Raumes, die man zum Schlafen benötigen würde. Einen Fernseher gab es in meinem Raum übrigens auch nicht, obwohl das Hotel bei Booking.com mit einem Stern versehen ist und ein solches Gerät als Mindeststandard für diese Klassifizierung vorhanden sein muss. Die Deckenlampe funktionierte übrigens auch nicht richtig. Insgesamt betrachtet wäre dieses Zimmer alles andere als perfekt für eine gelungene, wenn auch preiswerte, Übernachtung zu bezeichnen.
Bad
Es gab auf dem Flur zwei Gemeinschaftsbäder, eines für Männer, eines für Frauen. In jedem gab es mehrere Duschen und Waschbecken und bei den Herren nur eine einige Toilette. Das Bad war recht sauber, die Lampe auf der Toilette funktionierte aber auch nicht richtig, in diesem Fall nämlich mal gar nicht. Es gab mehrere Steckdosen am Spiegel, beispielsweise für Elektrorasierer. Andere Gäste des Hotels habe ich während meiner zwei Übernachtungen in dieser Örtlichkeit nicht gesehen.
Frühstück
Das Frühstück gab es in einem Bereich des Raumes, in dem sich auch die Rezeption und die sogenannte Lobby befinden. Ich finde solche Lösungen an sich recht unangenehm, da man so die ganzen Besucherströme der an- und abreisenden Gäste schon beim Frühstück mitbekommt, was ich nicht unbedingt als beste Lösung betrachte, denn dann man könnte genauso gut in einem Stehimbiss auf dem Bahnhof frühstücken. Es gab recht viele Tische, von denen nur sehr wenige besetzt waren. Größere Reisegruppen könnte man so völlig unproblematisch verköstigen. Das Angebot an Speisen war für meinen Geschmack recht überschaubar gewesen. Es gab einen großen Korb mit verschiedenen Sorten von Brötchen, was ich positiv finde. Müsli gab es auch, ich bin aber kein Körnerfresser. An flüssigen Lebensmitteln gab es Kaffee, Tee und mehrere Sorten an Säften zur Auswahl. Butter, Marmelade, Nutella und Honig waren in kleinen portionierten Plastikverpackungen verfügbar. Das Resultat dieser Darreichungsform war ein ziemlich großer Müllberg, den man bei mehreren Marmeladenbrötchen auf seinem Platz vorfinden konnte. Die Eier, die es auf dem Buffet gab, waren alle nur in hartgekochter Form verfügbar. Die Platten mit Wurst und Käse waren mit Tomatenstücken und Gurkenscheiben garniert. Die Auswahl an Käse und Wurstsorten war nicht unbedingt groß. Die Scheiben wurden zudem auch halbiert und gefächert auf die Platten gelegt. Zum einen damit es nach mehr aussieht als es ist, zum anderen damit die Leute weniger essen. Hallo? Bei mir wirken solche billigen Tricks nicht und ich nehme mir aus Prinzip deutlich mehr Belag auf meine Brötchen. Nervig war nebenbei der Fernseher, der während des Frühstücks lief. Wenn man nebenbei einen Nachrichtensender sehen könnte, oder das Frühstücksfernsehen, dann wäre es in Ordnung, aber die Angestellten des Hotels haben anscheinend ein Faible für RTL2, denn dieses intellektuell tiefliegende Programm wurde den Gästen zugemutet. Der Preis für das Frühstück war wenigstens auch schon im Zimmerpreis inbegriffen.
Selbstdarstellung & Realität
So wie auf den Bildern auf der Internetseite sah mein Zimmer nicht aus. Die Einrichtung dort ist neu und modern, meines war alt und verbraucht. Zum anderen gibt es Ausstattungsmerkmale zu sehen, die mein Zimmer nicht vorweisen konnte. Wenn ich mir die Rezensionen der letzten Zeit anschaue, die man auf den Buchungsseiten für dieses Hotel finden kann, bemängeln auch einige andere Leute diese Punkte. Ich bin also nicht allein mit meiner Meinung dazu. Das Hotelzimmer erinnerte eher eine billige Jugendherberge als an ein richtiges Hotel, aber solche Herbergen sind meistens auch noch besser ausgestattet.
Bewertung
Ich war nicht unbedingt so zufrieden mit meinem Zimmer, wie ich es theoretisch hätte sein können, obwohl ich es noch recht billig bekommen habe. Preiswert ist nämlich etwas anderes. Die Ausstattung meines Zimmers war recht billig und veraltet, die Räumlichkeiten sehr klein und eng. Nicht mal einen Fernseher gab es. Auf das eigene Bad hatte ich von mir aus verzichtet, um etwas Geld zu sparen, aber so wenige Annehmlichkeiten in meinem Zimmer vorzufinden hatte ich nicht geglaubt. Für meinen Geschmack und im Verhältnis zu anderen Hotels, in denen ich bei Aktionspreisen viel mehr Leistung bei vergleichbaren Kosten bekommen habe, ist dieses Hotel nicht einmal mehr als mittelmäßig zu betiteln, eher als eine recht billige Absteige. Ich kann dieses Hotel daher auch nicht empfehlen, höchstens den Leuten, die ich absolut nicht mag. ;-)