Entdeckerin
Düren, Deutschland94%
Leider habe ich es bei meinem kürzlichen Berlin-Aufenthalt zeitlich nicht mehr geschafft, der Fernsehturm nach allzu langer Zeit mal wieder zu besteigen. Bestimmt hat sich mittlerweile gegenüber früher einiges an der Aussicht verändert... Aber Berlin hat einfach zu viel zu bieten, als dass frau sich alles auf einmal anschauen könnte. Da muss frau halt Prioritäten setzen. Und außerdem habe ich diese Stadt sicherlich nicht zum letzten Mal mit meiner Anwesenheit beehrt.
Diesmal war eben unter anderem der BERLINER DOM an der Reihe.
Meine erste Begegnung mit ihm bei Nacht und ohne Nebel
Als ich am Donnerstag, dem 27.08.2009 in Berlin ankam, beschloss ich, nach dem Einchecken im Hotel noch einen kleinen, spätabendlichen Spaziergang zu machen. Der Spaziergang entpuppte sich dann als etwas länger und führte mich unter anderem am Rathaus vorbei und durchs Nikolaiviertel, danach die Straße runter über Unter den Linden“ bis zum Brandenburger Tor und Bundestag (ich weigere mich, Reichstag zu schreiben, weil ich froh bin, dass ich diese historische Zeit nicht erlebt habe und obendrein in der Gegenwart lebe!). Während ich also vom Nikolaiviertel an der Spree entlang praktisch auf den Dom zuging, fand ich ihn schon recht imposant. In mir reifte schon jetzt der Entschluss, dass ich unbedingt am nächsten Tag dort hineingehen und diesen von innen besichtigen musste. Ein wahres, überdimensionales Schmuckkästchen präsentierte sich mir da! Im Vergleich zu anderen, weit weniger bedeutenden Gebäuden war er zwar eher spärlich ausgeleuchtet (jedenfalls zu spärlich, um ein wirklich gutes By-Night-Foto hinzubekommen in natura wirkte der beleuchtete Dom doch deutlich eindrucksvoller). Aber schon jetzt konnte ich seine Pracht sehr gut erahnen. So war ich gespannt, wie er sich mir bei vollem Tageslicht, möglicherweise sogar im Sonnenschein, zeigen würde.
Der zweite Eindruck von außen und unmittelbare Umgebung
Und ich wurde nicht enttäuscht! Fortuna muss es gut mit mir gemeint haben, denn der nächste Tag war in der Tat ein sehr sonniger Tag. Im Übrigen habe ich gut daran getan, diesen in vollen Zügen zu genießen, denn im Gegenzug sollte der Samstag eher wechselhaft und teilweise windig und kalt werden. Umso besser, dass mein Dombesuchstag sonnig war, als die Aussicht von der Kuppel, die man auch besteigen kann, desto beeindruckender sein würde. Beim Betreten des Doms war mir allerdings noch gar nicht klar, dass man von dort Berlin auch von oben genießen kann. Nachdem ich die Straße überquert hatte (einigen anderen Fußgängern dauerte es offenbar zu lange, bis es Grün wurde; ich persönlich habe jedoch brav gewartet, zumal ich nicht in Eile war), knipste ich noch ein Bild vom daneben gelegenen Lustgarten, an dessen Rand herrlich blühende Oleanderbäumchen standen, sowie eine Außenansicht des Doms von eben jener Seite. Hinter dem so genannten Lustgarten befindet sich nebenbei bemerkt das Gebäude des Alten Museums, über dem des Nachts eine Laufschrift angezeigt wird. Jedes Mal, wenn ich am vergangenen Abend darauf geguckt hatte, las ich dort einen anderen Satz, der für mich aber immer wenig Sinn ergab. Was das sollte, habe ich jedenfalls nicht so ganz begriffen, aber vielleicht fehlt mir ja einfach das Hintergrundwissen oder der Zugang dazu. Aber die Idee ist witzig; für solche unerwarteten Überraschungen mag ich Berlin. Das heißt, ich werde auch gern in anderen Städten überrascht... nur gehört meine Heimatstadt eben nicht gerade zu den Orten, wo man mit positiven Überraschungen rechnen kann. Von daher freue ich mich umso mehr darüber, wenn ich auswärts bin. Doch zurück zum Thema. Wenn man die Straße am Dom vorbei weiter hineingeht, gelangt man übrigens zu den verschiedenen Museen der Museumsinsel. Ungefähr gegenüber des Nikolaiviertels, auf der anderen Seite der Spree, ist auch noch die Staatsoper. Bis zum Fernsehturm und Alexanderplatz sind es etwa 5 Minuten zu Fuß. (So genau habe ich nicht auf die Uhr geguckt. Es ist auf jeden Fall nicht mehr als ein kleiner Spaziergang. Die Dauer hängt zudem nicht zuletzt davon ab, wie schnell man geht.)
Ich gehe hinein... und muss Eintritt bezahlen!
Beim Betreten des Gebäudes erblicke ich links eine Kasse, darin eine Person hinter einem Sichtfenster. Als ich die Aufschrift Konzertkasse“ oder so lese, frage ich mich zunächst, ob ich hier überhaupt richtig bin. Dies ist doch eine KIRCHE, oder nicht? Ja, ist es. Und ich kann mir auch gut vorstellen, dass diese eine so gute Akustik hat, das hier gelegentlich auch Konzerte stattfinden. Doch dass ich 5,00 € für die bloße Besichtigung bezahlen soll, lässt mich dann doch ein wenig stutzen. Natürlich habe ich diese entrichtet, weil ich denke, dass mir viel entgangen wäre, wenn ich mir den Dom nicht einmal von innen angesehen hätte. Allerdings muss ich hier anfügen, dass mir dieses Finanzierungsprinzip neu ist. Andere Dome schaffen es auch, sich zu finanzieren, ohne dass der Besucher einen Eintritt zu entrichten hat. Sicherlich bekommen solche Bauwerke Zuschüsse, außerdem Spenden. Der Kölner Dom hat zusätzlich seine Dombaulotterie; wie es beim Aachener Dom aussieht, weiß ich nicht. All diese Gotteshäuser können jedenfalls kostenlos betreten werden. Nur der Berliner Dom nicht! Überhaupt habe ich bei einigen Eintrittspreisen den Eindruck, dass man hier einen Hauptstadtzuschlag bezahlt. Hätte ich noch einen Kopfhörer für die Audioführung dazu genommen, hätte ich auf diese 5,00 € noch 3,00 € drauflegen müssen! Wenn es wenigstens noch in den 5,00 € mit drin gewesen wäre, hätte mir der Eintrittspreis noch eingeleuchtet, von wegen zusätzliche Material- und Stromkosten für dieses Teil. So aber kann ich es nicht so ganz verstehen. Schade, dass die Audioführung nicht im Preis inbegriffen war, denn ich hätte gerne bei der Besichtigung ein paar interessante Informationen über das, was ich da sah, direkt vor Ort erhalten. Ich habe es jedoch nicht eingesehen, weshalb ich zu den 5,00 € (die ich der Aufrechterhaltung dieses tollen Kulturbauwerks natürlich gönne; ich hätte es auch gerne gespendet, wenn ich nicht ohnehin gemusst hätte!) noch 3,00 € dafür hätte dazubezahlen sollen. Daher habe ich auf letzteres verzichtet. Einen Vorteil hat es ja: So konnte ich mir alles unvoreingenommen und in aller Ruhe ansehen, ohne von einer Stimme zugeschwafelt zu werden.
Begrüßung auf der Eintrittskarte
Zitat:
Vielen Dank!
Mit dem Kauf dieser Eintrittskarte haben Sie die bauliche Erhaltung dieses wunderbaren Gebäudes unterstützt.
Sie haben die Möglichkeit, unsere Predigtkirche, die Tauf- und Traukirche, die Hohenzollerngruft, das Dommuseum und den Kuppelumgang zu besichtigen.
Schauen Sie sich in unserem reich verzierten Haus um. Kommen Sie ein diesem Raum zur Ruhe. Sammeln Sie Kraft für den Alltag!
Wir wünschen Ihnen Gottes Segen!
Zitat Ende.
Allgemeines zum Dom und historischer Überblick
Beim Berliner Dom handelt es sich (heute) um eine evangelische Kirche. Das finde ich schon mal bemerkenswert, zumal der Dom für evangelische Verhältnisse ziemlich prunkvoll und dekorativ ausgeschmückt ist. Zwar bin ich keine Expertin für kirchliche Architektur, doch evangelische Kirchen kenne ich eher als schlichte, funktionalere Gebäude. Aber der Berliner Dom ist ja nun schon etwas älter“. Sehr viel älter. Der ursprüngliche Bau geht auf das 15. Jahrhundert zurück. Warum er so katholisch aussieht, hat jedoch noch einen weiteren, gewichtigen Grund: Ursprünglich WAR er tatsächlich katholisch! Erst 1539 wurde er zu einem protestantischen Dom, weil Kurfürst Joachim II. zum damals noch sehr jungen protestantischen Glauben wechselte. Zu dem Zeitpunkt bestand er noch aus einer gotischen Backsteinkirche und stand an einem anderen Ort, nämlich südlich des kurfürstlichen Schlosses. Dies änderte sich jedoch beides, als dieses mittelalterliche Gebäude über die Jahre baufällig wurde. So wurde der Dom zwischen 1747 und 1750 im Auftrag von Friedrich dem Großen als barocken Bau an seinem heutigen Standort errichtet und die alte Backsteinkirche nach vollständiger Überführung des Inventars und der Särge in den neuen Dom abgerissen. Danach wurde dieser Dom noch einmal im 19. Jahrhundert von Karl Friedrich Schinkel im klassizistischen Stil umgestaltet. Doch auch dies sollte sich nicht als die endgültige Version erweisen. Da König Friedrich Wilhelm IV. der Meinung war,der Dom sei in seiner damaligen Erscheinungsform nicht repräsentativ genug für die Aristokraten, veranlasste er den Bau eines noch prunkvolleren Doms nach italienischem Stil. Friedrich August Stüler, ein Schüler des ehemaligen Erbauers Schinkel, entwarf diese Version. Die Umsetzung verlief jedoch nicht ganz ohne Stolpersteine. Schließlich zwangen leere Kassen und widrige Umstände den Bau dieser Fassung 1848 in die Knie. Ein paar Jahrzehnte später legte ein Architekt namens Julius Raschdorff erneut Pläne für den Neubau vor. Umgesetzt wurde diese Version jedoch erst ab dem 17.06.1894 bis 1900 unter Kaiser Wilhelm II. Und so präsentiert er sich bis heute. Im zweiten Weltkrieg erlitt er zwar einige Schäden, doch diese wurden in der Folgezeit wieder behoben, zerstörte Teile wieder aufgebaut und beschädigte Dinge restauriert. Die Kuppel wurde in vereinfachter Form wieder aufgebaut (wobei ich der Ansicht bin, dass sie nicht weniger eindrucksvoll und pompös ist, wie sie es einst gewesen sein muss!).
Weitere Infos entnehme man bitte hier: http://de.wikipedia.org/w iki/Berliner_Dom. Meine Zusammenfassung sollte praktisch nur ein Appetithäppchen sein.
Publikum
Im Hauptraum ist schon einiges los. Bestimmte dominierende Altersgruppen habe ich nicht ausmachen können. Neben älteren Leuten und Menschen mittleren Alters habe ich beispielsweise auch ein jüngeres Pärchen entdeckt. Und auch ich bin ja noch nicht allzu betagt. Womit das Klischee beiseite geräumt wäre, junge Menschen wären nicht kulturinteressiert. Dem ist definitiv nicht so, und ich bin auch keine Ausnahme! In der Gruft war es hingegen deutlich ruhiger, und weiter oben verteilte es sich. Da der Hauptraum groß ist, denke ich schon, dass religiöse Menschen hier auch beten können, ohne von Menschenmassen gestört zu werden (diese bilden sich mit dieser Raumaufteilung an sich nicht). Wer jedoch wirklich absolute Ruhe sucht, dem empfehle ich eher, in einer kleinere, stillere Kirche zu gehen, welche nicht so ein touristisches Interesse hat.
Der Hauptraum und die Taufkapelle
Betritt man den Hauptraum, geht man praktisch geradeaus auf den goldenen Altar zu, welcher 1850 noch von Schlüter entworfen wurde. Überhaupt ist in diesem Dom vieles mit Gold geschmückt, man erkennt viele Figuren und Details, aber auch Bilder. Über dem Altar sieht man drei bildliche, goldumrahmte Darstellungen. Die mittlere Darstellung zeigt Christus am Kreuz. Wenn man in der Mitte des Raumes steht oder auf einer der reihenweise aufgestellten Holzbänke Platz genommen hat, und sich dann umschaut, sieht man, dass um diesen Raum herum lauter Bögen sind. Ich meine, es sind acht; das würde jedenfalls passen. Die magische Zahl“, wie ich sie auch schon aus anderen Bauwerken dieses Formats (wie etwa dem Aachener Dom, auch wenn der noch viiiiiiiel älter und ursprünglich ist) kenne. Eine Besonderheit ist mir hier im Berliner Dom sofort aufgefallen: Auf vier dieser Bögen ist jeweils einer der vier Evangelisten (Markus, Matthäus, Lukas und Johannes) abgebildet. Über einem weiteren Bogen, und zwar dem über dem Haupteingang, sehe ich eine Aufschrift, die ich aus der Entfernung aber nicht lesen kann. Auf Wikipedia lese ich, dass es sich hierbei um die Kaiserempore handelt. Klar: Der Kaiser musste schließlich den besten und erhabendsten Blick geradeaus auf den Altar haben. In einem weiteren Bogen befindet sich die Orgel, und links neben dem Altarbogen ist die Kanzel mit ihren kunstvoll hölzernen Schnörkeln und Verzierungen. Egal, wohin ich auch schaue: Alles macht einen sehr edlen, immer noch historischen, und irgendwie wichtigen Eindruck. Mein Respekt gilt den Menschen, die das alles auf- und ggf. bei Zerstörung wieder aufgebaut haben! Die rundliche Hauptform des Doms insgesamt und des Hauptraumes vermittelt aber auch eine gemeinschaftliche, warme Atmosphäre. Man fühlt sich willkommen. Vom Pompösen habe ich mich auch keineswegs erschlagen“ gefühlt, sondern verspürte beim Anblick vor Allem Staunen und Respekt. Ein Blick zur Kuppel schlug die bisherige Begeisterung jedoch noch einmal um Längen! Einfach atemberaubend... besser kann ich es nicht beschreiben. Der Aufbau erinnert mich beim Hochschauen an eine strahlende Sonne. In den breiten Strahlen“ dieser Sonne sind ringsum lauter wiederum goldumrahmte Porträts von Personen zu sehen. Genaueres kann ich aus der Entfernung nicht erkennen, vermute aber, dass es sich um irgendwelche Heiligen handeln muss. In einem der Deckenporträts meine ich Maria mit dem Kind zu erkennen.
Auf der linken Seite des Hauptraumes entdecke ich, als ich mich dorthin begebe, noch zwei pompöse, mit Gold verzierte Särge, welche mit Gittern von neugierigen Touristen abgetrennt sind. In einem davon liegt laut Aufschrift Kaiser Friedrich Wilhelm (ich glaube, es war der II.). Dem gegenüber (also rechts vom Eingang aus gesehen) befindet sich die Taufkapelle. Wer möchte, kann hier auch eine Kerze anzünden. Die Taufkapelle ist allgemein verglichen mit dem Hauptteil eher schlicht gehalten, ohne großen Pömp und dergleichen. Der hiesige Altar ist sehr viel kleiner, und ebenfalls einfach gehalten. Wendet man den Blick nach links, erblickt man ein Gemälde, auf dem eine vermutlich biblische Szene dargestellt ist. Auch diese ist in einen Goldrahmen eingefasst doch das ist auch schon der einzige Prunk in diesem relativ kleinen, aber immer noch ausreichend geräumigen Raum.
Die Hohenzollern-Gruft
In dieser Gruft sind die Gebeine zahlreicher Könige, Königinnen und Königskinder (jedenfalls habe ich so manchen Sarg in Kindergröße hier gesichtet) untergebracht. Aufzählen werde ich sie nicht; das könnt Ihr an entsprechender Stelle selbst nachlesen. Nur so viel, dass auch Sophie-Charlotte (ja, genau die aus und von der Charlottenburg!) hier liegt. Ich habe allerdings keine Ahnung, in welcher der Särge, denn sooo viel Zeit und Geduld hatte ich doch nicht, sämtliche Namen und Sargpositionen auswendig zu lernen... Hier soll es indes lediglich um meine eigenen Eindrücke gehen.
Ich habe die Gruft als ziemlich groß empfunden. Wenn man hinunter kommt (wer zwischendurch auf Toilette muss, der hat jetzt die Gelegenheit, kurz links abzubiegen, denn hier befinden sich welche), geht man geradewegs auf einen weißen Marmorsarg zu, auf welchem drei Steinfiguren stehen. Das heißt, es fallen vor Allem die Figuren ins Auge, und erst dann fällt einem auf, dass darunter noch ein Sarg ist. Neben diesem Sarg sorgen zwei Kerzen links und rechts (je eine pro Seite) für eine andächtige Atmosphäre. Ansonsten ist die Gruft aber nur spärlich, aber ausreichend mit Lampen beleuchtet. Vor diesem Sarg biegt man nach links ab, um zu den anderen Särgen zu gelangen. Diese sind alle durch ein unteres Gitter abgetrennt, welches man natürlich aus Respekt vor den Toten, sowie um nichts kaputt zu machen, nicht überschreiten darf. Wenn man dann noch einmal rechts abbiegt, gelangt man in einen anderen, damit zusammenhängenden Raum, und noch einmal rechts kann man in einen Raum mit weiteren königlichen Särgen blicken, in denen die Hoheiten gewürdigt werden.
Einen besonderen Eindruck, der mich auch nachdenklich gemacht hat, haben auf mich die kleineren Särge ausgeübt, von denen ich vermute, dass es sich um Kindersärge handelt. Ja, damals, als man noch keine Krankheiten bekämpfen konnte, muss insbesondere die Kindersterblichkeit sehr hoch gewesen sein. Bewegt hat es mich auch, wenn ich sah, wie jeweils eine ganze Familie inklusive der Kinder in einem Bereich zu liegen schien. Was mich aber regelrecht schockiert hat: Ein Sarg, und zwar der ganz in der Ecke links, war, im krassen Gegensatz zu den anderen, vollständig erhaltenen, völlig demoliert, offen und zerstört! Er war übrigens leer. Was wohl damit einst passiert ist? Das wird wohl für immer der Phantasie überlassen bleiben.
Auf nach oben...
Ich war zuerst oben und dann erst unten in der Gruft. Rückblickend finde ich diese Reihenfolge auch optimal. Denn hätte ich mir zuerst die Gruft angesehen, hätte ich vielleicht keine große Lust mehr gehabt, die Treppe bis zur Kuppel hochzugehen.
Wenn man die Treppe hochgeht, kommt man zunächst auf die Plattform, wo man zu den Logen gelangt. Eine davon konnte ich besichtigen; die Tür, die zu den weiteren führt,war vermutlich geschlossen und wird nur geöffnet, wenn eine Veranstaltung (eine Messe oder ein Konzert) stattfindet. Hier oben sind die Plätze allerdings für VIP's, wie etwa Leute aus dem Bundestag und andere wichtige Personen, reserviert. So steht es zumindest auf einem Schild, welches ich irgendwo unten gelesen habe. Von dieser leicht seitlichen Loge konnte ich jedenfalls sehr schön in den Raum mit dem Altar und der Kanzel hinabblicken. Sogar die links befindliche Orgel sah ich aus dieser Perspektive noch. Man hat von dort also durchaus einen guten, umfassenden Überblick über das Geschehen.
Bevor ich zur Kuppel gelangte, kam ich auf einer Zwischenetage noch am Museumsraum vorbei. In diesem befinden sich lauter Entwürfe des Doms, sowohl des heutigen als auch ältere, wobei sich viele auf dem ersten Blick zu ähneln schienen. Es gibt auch ein paar Informationstafeln, die einen historischen Überblick bieten. Alles in allem fand ich diesen Teil jedoch etwas dürftig; selbst auf Wikipedia findet man mehr Informationen als hier. Die vielen Entwürfe fand ich persönlich auch etwas langweilig. Wenn es nach mir ginge, hätte diese museale Mini-Ausstellung durchaus ein wenig abwechslungsreicher und interessanter gestaltet sein können dafür, dass ich 5,00 € Eintritt bezahlt habe.
Deshalb ging es auch relativ rasch weiter hoch zur Kuppel. Ich muss vorwarnen, dass es schon insgesamt viele Stufen sind. Die gute Nachricht: Diese sind nicht allzu hoch. Wenn man aber ganz bis nach oben steigt, erweist es sich in der Summe jedoch schon als einigermaßen mühselig. Aber wenn man es geschafft hat, wird man mit einem tollen Blick über Berlin belohnt! Zuerst kommt man auf die untere Plattform, die noch drinnen ist, und kann durch etwas eingestaubte Fensterscheiben beim Rundgehen bereits einige Blicke erhaschen. Von einigen Stellen kann man auch noch in den Dom blicken. Wenn man hier ein Mal um die Kuppel herumgegangen ist, gelangt man zur letzten Treppe. Danach folgt eine Tür... Und voilá! Oben ist man. Dass es etwas windig dort oben ist, darauf sollte man sich einstellen. Das trübt die Freude über die Aussicht jedoch keineswegs! Im Gegenteil: Etwas frischen Wind um die Ohren tut doch eigentlich gut. Wegfliegen oder hinunterfallen kann man sowieso nicht, da die gesamte Brüstung durch eine breite und hohe Mauer abgesichert ist. Deutlich kann man von hier den Fernsehturm mit der Marienkirche daneben, die Nikolaikirche und ziemlich im Vordergrund das Rathaus sehen. Ebenfalls heben sich große und markante Gebäude eindeutig ab. Vor Allem die optisch mit einem goldenen Netz überzogene Kuppel der Neuen Synagoge hat es mir angetan. Weiter hinten erblickt man den Deutschen und den Französischen Dom auf dem Gendarmenmarkt (den man selbst von hier natürlich nicht sehen kann). Und noch viiiiiel mehr kann man von hier aus sehen... Genießt es einfach und nehmt so viel wie möglich von Berlin in Euch auf!
Abgang
Runter geht es natürlich einfacher als hinauf. Aber auch das ist in der Menge immer noch ein wenig anstrengend. Zufrieden und leicht ums Herz steigt es sich jedoch deutlich einfacher hinab auch mit Füßen, die vom Tag zuvor schon einiges an Laufen hinter sich haben, und noch vor sich haben würden. Bevor ich wieder ans Tageslicht trat, habe ich noch einen finalen Abstecher nach vorne gemacht, wo sich die ehemalige Treppe für die Adligen befindet. Die Bilder an der Wand oberhalb dieser Treppe zeigen Naturlandschaften und ein Schloss (oder eine Villa).
Schlussendlich bin ich glücklich, in den Dom hineingegangen zu sein. Die 5,00 € Eintritt habe ich hierfür gerne in Kauf genommen, frage mich aber nach wie vor nach der Notwendigkeit dieses Preises, zumal in der Höhe und mit Extrapreis für den Audio-Guide. Vom Museum hätte ich mir ein wenig mehr erwartet als ein paar Modelle und mittelmäßigen Informationsgehalt durch die Infotafeln. Da ich vom Dom an sich aber sehr begeistert war, führt dies nicht zu einem Abzug. Wenn man in Berlin ist, sollte man den Dom unbedingt gesehen haben!