Von Arthur Conan Doyle "The Lost World" genannt, hat dieser Flecken Erde einige ganz besondere Sehenswürdigkeiten zu bieten. Es ist bekannt geworden wegen einer Vielzahl spektakulärer Wasserfälle, unter ihnen ist der höchste Wasserfall der Welt. Hier stehen die Tafelberge, die die Indianer Tepuis nennen und hier gibt es immer wieder illegale Goldsucher, die im Wasser mehr oder weniger erfolgreich nach Gold schürfen.
Lage
Canaima liegt auf einer Hochebene der Gran Sabana im Südosten Venezuelas. Es ist das Gebiet der Pemón-Indianer und befindet sich unweit der guayanischen und brasilianischen Grenzen. Teilweise herrscht dichter Regenwald, unterbrochen von einigen großen und kleinen Flüssen. Wegen seiner Abgeschiedenheit ist das Gebiet fast ausschließlich nur mit dem Flugzeug erreichbar.
Natur
Der Nationalpark
Der
Canaima-Nationalpark umfasst mehr als drei Millionen Hektar Fläche. Seit 1994 wird er von der UNESCO als Weltnaturerbe geführt.

In ihm stehen dichte und beinahe undurchdringliche Regenwälder, daneben gibt es große Grasflächen, meist bewachsen mit röhrenförmigen Broccinia-Bromelien. Daher wird dieses Gebiet auch die Gran Sabana genannt. Etwa eintausend Meter hohe Tafelberge haben diese Bezeichnung wegen ihrer waagerechten Platten erhalten, die wie Tafeln wirken. Die Indianer nennen sie Tepui. Nur wenige Tafelberge können bestiegen werden, da sie fast senkrechte Hänge besitzen. Dadurch haben sich auf ihnen Pflanzen und Tiere entwickelt, die es nur hier gibt und die bis heute weitgehend erhalten blieben.
Wasserfälle
Der berühmteste Wasserfall in
Canaima ist der
Salto Angel. Er fällt 978 Meter, davon achthundert Meter im freien Fall, und ist damit der höchste Wasserfall der Welt. Seinen Namen erhielt er von einem

amerikanischen Buschpiloten, der auf dem Tepui oberhalb des Wasserfalles, dem Auyan-Tepui, der eine Tafelfläche von 700 Quadratkilometern besitzt, notlanden musste. Die
Salto Las Babas sind zwar nicht tief, aber ebenfalls schön anzusehen. Sie verteilen sich über die gesamte Breite des Flusses Río Caroní, wo sie über eine Länge von etwa zwei Kilometern immer wieder auftauchen und ihre Gischt wegen des bräunlichen Wassers gelb aufschäumt. In der Trockenzeit kann man hier sogar in die Steine geschnitzte Petroglyphen aus der Zeit vor Kolumbus entdecken. Der breite Urwaldfluss Rio Carrao stürzt in seinem Oberlauf nordwestlich des Dorfes Canaima

über etliche imposante Wasserfälle in die Tiefe. Vorher gabelt er sich und fließt um die Insel Anatoly rechts und links herum. Allein vier breite Wasserfälle ergießen sich im östlichen Flussarm in die Laguna di Canaima. Von Ost nach West gesehen sind dies zunächst die Fälle des
Salto Ucaima, an dem viele mehrtägige Rundreisen starten oder enden. Ihm schließt sich der
Salto Golondrina an. Danach kommen der
Salto Waidama und der
Salto Hacha, der aus mehreren gewaltigen Wasserfällen besteht, die zwanzig Meter tief in die erstaunlich ruhige Lagune stürzen. Das Wasser schäumt wegen der hohen Anteile an gelösten Mineralien

und hat eine bräunlichgelbe Farbe wegen seines hohen Gerbstoffgehaltes. Mit den Indianerkanus, Curiaras genannt, kann die Lagune gut befahren werden. Westlich des Salto Hacho liegt die Insel Isla Anatoly. Wer sie in einer kurzen Wanderung überquert, erhält am
Salto El Sapo die Möglichkeit, unter dem Wasserfall entlangzugehen. Von hier kann man den westlichen Teil der Laguna di Canaima überblicken. Weitere Wasserfälle in diesem Teil sind der Salto Sapito und ein Stück weiter südlich der Salto Ara. Weitere Wasserfälle befinden sich überall im Gebiet von Canaima.
Tafelberge
Die Tafelberge werden von den Indianern Tepuis genannt, das bedeutet soviel wie Haus der Götter. Ihre bizarre Gestalt, die meist oben eine völlig gerade Gipfelebene wie eine Tischplatte aufweist, ist durch Erosion entstanden.

Ihre Berghänge sind fast immer sehr steile Felshänge. Daher können die meisten Tepuis nicht begangen werden und haben eine für sie einzigartige Tier- und Pflanzenwelt bewahrt. Um Canaima herum befinden sich die Tafelberge Pemones Tepuyes, der Aproda Tepui oder auch der zerklüftete Chimana Tepui. Im Nordwesten der Laguna di Canaima stehen
drei Tafelberge. Der westlichste von ihnen ist der Tepui Nonoy. Er wird von den Indianern auch Zamuro (Geier) genannt. Der mittlere Tafelberg heißt Tepui Kuravaina. Ihn nennen die Indianer Venado (Reh). Der östlichste dieser drei Tafelberge ist der Tepui Topochi. Er ist leicht nach Osten hin geneigt und wird Cerbatana (Blasrohr) genannt. Der Tafelberg, von dem der
Salto Angel beinahe 1000 Meter tief herabfällt, ist der Auyán-Tepui. Er ist gleichzeitig der flächenmäßig größte aller 97 Tafelberge der Gran Sabana. Die Gesteine haben ein Alter von etwa 1,7 Milliarden Jahren.
Bewohner
Diese Landschaft ist weitab von der sogenannten Zivilisation und außer einigen Camps und Lodges gibt es hier vorwiegend die Menschen, die als Ureinwohner noch immer sehr naturverbunden leben. Einige Goldsucher leben eher illegal hier und werden von der Polizei mit Flugzeugen und Hubschraubern intensiv verfolgt und bestraft. Die hier lebenden Tiere sind für Europäer meist fremd und sehr exotisch.
Pemón-Indianer
Hier leben die
Pemón-Indianer, die als Eingeborene teilweise ein sehr ursprüngliches Leben führen, andererseits aber auch die moderne Technik nutzen. Sie leben in Lehmbauten meist außerhalb des Flusses. Touristen dürfen nach Absprache die Dörfer besuchen und erfahren hier, wie die Indianer ihre Häuser erbauen,

wie sie Maniok aufbereiten oder wie handwerkliche Arbeiten wie das Herstellen von Hängematten bewältigt werden. Der hier wachsende bittere Maniok, auch Yucca genannt, muss wegen seiner Giftstoffe über längere Zeit aufbereitet werden, bevor man ihn essen kann. Er wird in einer großen, geflochtenen Reuse aus Palmenrinde gesammelt und gefüllt an eine Stütze gehängt, bis eine verzehrbare Trockenmasse entstanden ist. Die Pemón-Indianer sprechen meist neben ihrer Stammessprache auch spanisch und portugiesisch. Die Dörfer der aus Holz und Lehm erbauten und mit Gras gedeckten Häuser sind teilweise direkt in Ufernähe zu finden. Andere Dörfer befinden sich inmitten des Regenwaldes.
Tiere
Hier in Canaima wird man morgens vom Rufen der Amazonen geweckt, die immer zu zweit unterwegs sind. Auch andere Papageien wie der Große Ara leben hier in großer Zahl. In den großen Mangobäumen sind immer wieder Tukane zu entdecken.

Kolibris schwirren durch die Luft und trinken Nektar aus den Orchideenblüten. An Flussläufen können Tapire, Agutis und Pakas beobachtet werden. Der Felsenhahn fällt durch seine leuchtend orange Färbung auf. Ebenfalls eine deutliche Färbung weisen die bis zu 15 cm großen Raupen des riesigen blauen Morphofalters auf. Bei den Indianern gelten sie als Delikatesse. Die teilweise häufigen Klapperschlangen sonnen sich an Wiesenhängen und besonders gefürchtet sind sogenannte 24-Stunden-Ameisen, deren Biss starke Schmerzen erzeugt, die 24 Stunden lang anhalten.
Übernachtungen
Canaima besitzt mehrere Übernachtungsmöglichkeiten, die meist in Verbindung mit Rundreisen gebucht werden. Hierzu gehören die Camps oder Campamentos,

wie man in Venezuela sagt,
Arekuna und
Canaima. Beide Camps bestehen aus Bungalows mit Restaurant sowie eigener Lande- und Startbahn für die kleinen Flugzeuge, die die Gäste bringen und holen. Das Arekuna Camp befindet sich auf einem Hügel am Fluss Caroni, einem Nebenfluss des Orinoco inmitten der Gran Sabana. Es liegt unweit der Salto Las Babas und ist von Galeriewäldern umgeben. Von hier aus sieht man auf die Tafelberge Pemones Tepuyes. Das Camp verfügt über Regenwasserauffanganlagen und versorgt sich selbst mit Strom.

Das Camp Canaima liegt direkt an der Laguna di Canaima im
Canaima Nationalpark und hat von hier einen einzigartigen Blick auf allein sechs der großen Wasserfälle. Im zugehörigen Restaurant sind auch Gäste willkommen, die nicht im Camp übernachten. Der Campamento
Bernal liegt ähnlich spektakulär und ebenfalls mitten im Canaima Nationalpark. Tomas Bernal baute seinen Campingplatz auf die Insel Anatoly in der Mitte des Carrao Flusses und neben den Hacha Wasserfällen auf. Hier schläft man noch größtenteils traditionell in der Hängematte im rundherum offenen Gemeinschaftshaus, das mit einem Strohdach gedeckt ist. Ebenfalls in der Nähe der Lagune di Canaima finden sich die
Waku Lodge und
Jungle Rudy's Ucaima Campamento, das in der Nähe des Salto Ucaima liegt.
Ausflüge
Bereits mitten in der Natur gelegen, werden verschiedenste Wanderungen angeboten, die meist irgendeinen der vielen Wasserfälle zum Ziel haben. Bootsausflüge bieten sich ebenso an und den höchsten Wasserfall der Welt besucht man schon auch mal mit dem Flugzeug.
Wanderungen und Bootsfahrten
Wanderungen durch den Regenwald beginnen und enden fast ausnahmslos mit einer kurzen Bootsfahrt. Hier bieten sich Wanderungen durch den Regenwald an, die meist etwa einen halben Tag andauern

und unbedingt mit knöchelhohem Schuhwerk durchgeführt werden sollten. Auch Regenbekleidung sollte man immer mitführen denn auch in der Regenzeit regnet es schon mal ordentlich. Die in Canaima angesiedelten
Camps bieten geführte Wanderungen zu den Tafelbergen an der Laguna di Canaima an, die mit einer oder mehreren Bootsfahrten kombiniert durchgeführt werden. Wer nicht so weit wandern möchte, kann die sieben großen Katarakte der Lagune schon vom Boot aus betrachten oder den leichten Wanderweg über die Insel Anatoly zum
Salto el Sapo nehmen, um in einer Aushöhlung hinter dem fallenden Wasser entlang zu gehen und anschließend die Aussicht über die Lagune zu genießen. An dem feinen Sandstrand der Lagune kann sogar gefahrlos gebadet werden.

Mit dem Boot ist es möglich, nahe an die Wasserfälle heranzufahren, um spektakuläre Fotos zu schießen oder auch einfach nur die Natur zu genießen. Der Rio Carrao ist wie die anderen Flüsse der Gegend auch ein Schwarzwasserfluss. Rinden und andere Pflanzenteile werden ausgewaschen und färben die Flüsse bräunlichgelb. Das Wasser ist sehr nährstoffarm und sauer, so dass weder Mückenlarven, noch Fische oder Reptilien in ihnen überleben können. Moskitos fehlen hier um
Canaima also beinahe völlig und erleichtern die Wanderungen. Ein Tagesausflug zum Caño Guariche bietet Bootsfahrt, Wanderung und Badeausflug in einem. Der
Caño Guariche ist ein von einem mitten durch den Regenwald fließenden Bach verursachter Wasserfall, der in mehreren Stufen etwa 12-15 Meter abfällt und eine Lagune im ausgewaschenen Felsen bildet. Vom
Arekuna Camp aus gibt es einen mehrere Kilometer langen Wanderweg am Rio Caroni entlang, der zu den Wasserfällen des
Salto Las Babas führt. In einer seichten Stelle mit ruhiger Lagune ist das Baden möglich. Auch der Rio Caroni ist ein Schwarzwasserfluss.
Flüge
Während der Trockenzeit werden Flüge zum
Salto Angel, dem höchsten Wasserfall der Welt, mit dem Flugzeug angeboten, da der Rio Churun dann zu wenig Wasser führt, um mit dem Boot entlangzufahren.
Mehrtagestouren
Ausflüge zum Salto Angel erfolgen während der Regenzeit per Boot. Zwischen Juni und Dezember wird dies von den Betreibern des Campamento
Bernal in Form einer 3 Tage-Tour inklusive kompletter Verpflegung angeboten. Jungle Rudy bietet eine ähnliche Fahrt von seinem Camp aus mit einer Übernachtung an.