Sternensilber(37)
Waldshut-Tiengen, Deutschland99%
Unsere Rundreise Thailand/Kambodscha endete mit einer Badeverlängerung in Cha Am Beach im Hotel Novotel Tipviman. Cha Am liegt etwa 20 km nördlich von Hua Hin, der Sommerresidenz des Königs Bhumipol. Schon von der mehrspurigen Straße von Bangkok Richtung Süden sieht man den großen Klotz vom Novotel.
Dort angekommen, wurden wir recht herzlich begrüßt und haben den üblichen Willkommenstrunk bekommen. In der großzügig gestalteten Lobby konnte man auf einen der vielen Sitzgelegenheiten auf seinen Schlüssel warten. Da wir von der Rundreise und der langen Fahrt von Bangkok hierher recht kaputt und lustlos waren, sind wir gleich aufs Zimmer, wollten unsere Badesachen schnappen und an den Pool.
Zimmer
Wir hatten unser Zimmer in der ersten Zimmerebene des Hotels, was ja auf den ersten Eindruck nicht so schlecht war, weil der Blick zum Strand ganz toll und der Weg zum Zimmer nicht sonderlich lang war. Was uns erst später (nachts) aufgefallen ist, waren die Aggregate, die gleich hinter dem Zimmer versteckt sind und vor allem nachts einen Lärm wie ein ganzes Kraftwerk veranstalteten. Da wir aber gleich am ersten Tag nach der Rundreise ein furchtbares Durcheinander im Zimmer hatten und keine Lust zum Umpacken fanden, war uns das auch egal. Gehört hat man das eh nur, wenn man die Klimaanlage aus hatte, welche das ganze mit noch lauterem Geräusch übertönte.
Sonst war das Zimmer ganz nett eingerichtet. Dunkle Möbel, heller Boden, welcher zum Teil mit Teppich ausgelegt ist, was ich in so warmen Ländern nicht unbedingt von Vorteil sehe. Es standen zwei Sessel im Zimmer, die nicht sonderlich gemütlich und auch etwas durchgesessen waren, aber für Klamotten drauf schmeißen haben sie genügt. Die Betten waren zwar gemütlich, aber leider getrennt und durch den schweren an der Wand befestigten Nachttisch nicht zum Zusammenschieben geeignet. Aber für zwei Leute in einem Bett waren die Dinger dann fast wieder zu schmal. Zudem hat die Klimaanlage gleich auf eines der Betten geblasen, was nicht sonderlich gesund ist. Ohne Klimaanlage heizt sich das Zimmer jedoch innerhalb kürzester Zeit auf und das ganz enorm.
Das Zimmer ist zudem mit allem üblichen ausgestattet und die Minibar hat für Thailand zwar recht hohe Preise, aber für Europäer ist sie doch billig. Fernseher gab es auch, aber was da alles lief kann ich nicht sagen. Der Föhn war in einer Schublade beim Kosmetiktisch festgemacht und das Kabel war so kurz, dass sich jeder Europäer hinsetzen muss, um die Haare zu trocknen. Das mit der Schublade ist allerdings auch nicht so eine tolle Idee, weil viele das Ding gar nicht erst gefunden haben, weil: wer schaut schon in jede Schublade?
Das Bad war auch ganz ordentlich, hatte eine Badewanne und ein Marmorwaschbecken. Zudem war es mit genügend kuscheligen Handtüchern und einigem Dusch- und Badezubehör ausgestattet. Das Bad wurde jeden Tag mit Tempelblüten verziert und war immer sehr sauber. Genauso das Zimmer. Es war immer schön aufgeräumt, die Kleider waren ordentlich zusammengelegt, die Betten immer gemacht und es war sehr sauber.
Der Balkon war schön. Jeder Balkon im Hotel hat Meerblick. Man schaut über die schön gestaltete Anlage und hat zudem noch kleine Pflanztröge mit Bougainvillen am Geländer. Dazu stehen schwere gusseiserne und weiß lackierte Möbel auf dem Balkon. Wegen der versetzten Anordnung kann man auch immer schön seinen Nachbar belästigen, wenn einem danach ist.
Etwas nervig war der Save. Das Ding ging nicht zu. Also hat mein Mann in der Lobby angerufen und meinte, ich könne ja schon mal an den Pool ein hübsches Plätzle suchen, da uns ein Blick nach unten zeigte, dass dort grad recht wenig los war. Lars hat dann fast eine Stunde mit dem Safe gekämpft. Nachdem das Ding trotz Einstellung vom Personal immer noch nicht funktioniert hatte, schleppte er das Teil, welches ganz lose im Schrank stand, einfach in die Lobby und sorgte für große Thaiaugen. Die brauchten nämlich zwei Leute, um das Teil, welches einen Wackelkontakt hatte, wieder aufs Zimmer zu bringen und waren ganz verängstigt wegen meinem lieben Mann, der dort wie ein Hüne gewirkt haben muss.
Poolanlage
Dort angekommen, wunderte ich mich, dass wirklich gar nichts los war, obwohl ich zu Hause schon Horrormärchen von vielen Rentnern und Handtuchreservierern am Pool gelesen hatte. Aber sicher 90 Prozent der Liegen waren frei. Ob das daran lag, dass alle in der prallen Sonne stehen? Nö, weil sofort kam ein Junge mit Matten und Sonnenschirm angerannt und hat mir mein Plätzle auf der Liegewiese unter einem der vielen schön blühenden Tempelbäumen eingerichtet. Einmal um den Pool herumgelaufen, kann man sich auch frische Handtücher holen und dies, so oft man will. Man muss nur Zimmernummer und Name angeben.
Der Pool selbst ist schön und hell angelegt in mehreren runden Formen, die alle ineinander übergehen und verschiedene Tiefen haben. So ist der Kinderpool mit einer Minirutsche gleich an den tiefen Pool integriert, was allerdings nicht sonderlich störte, weil es eh kaum Kinder gab. Mehrere Beete und Wiesenanlagen mit Schatten spendenden Tempelbäumen waren um den Pool verteilt. Auch die Poolbar ist gleich dort mit leckeren Cocktails, bayrischem Bier und natürlich auch alkoholfreien Getränken. Das einzige, was dort etwas störte, war der komische muffige Geruch, von was auch immer.
Strand
Der Sand bei Cha Am Beach ist ja schon schön, gepflegt und weiß. Aber unter einem Traumstrand stell' ich mir was anderes vor. Die Hotels sind mir einfach viel zu hoch und Palmen gibt es so gut wie keine am Strand. Das Strandrestaurant vom Hotel sieht ganz schön aus. Genauso die Strandbar. Von beidem kommt man über ein paar Stufen zum Strand und dort stand dann das Schild "beware jellyfish". War für mich ein Grund, nicht ins Meer zu gehen, für andere aber nicht. So holte sich eine Frau aus unserer Reisegruppe gleich am ersten Tag böse Verbrennungen am Bein und hatte noch Glück, weil sie auf einer der harmloseren Quallen gestoßen war. Da bekam mich dann erst recht keiner mehr ins Wasser. Aber wir hatten ja noch den Pool.
Neben dem Hotel verläuft ein kleiner Wasserlauf, welcher ins Meer fließt. Ich will ja nicht wissen, was da alles rein fließt (im Dorf sieht dieser Wasserlauf gar nicht so lecker aus) und war nicht so begeistert davon, dass man durchwaten musste, um auf einen längeren Strandspaziergang zu gehen. Aber auch die Stände mit der Thaimassage waren auf der anderen Seite und da hat sich das Durchwaten gelohnt. Zudem hatte ich ja einen lieben Hünen dabei, der mich rüber getragen hatte. Für zwei-drei Euro konnte man sich da massieren lassen und hörte nur das Meeresrauschen und Vogelgezwitscher. Schöner ist es in den Massagestudios auch nicht, auch wenn dort die Damen etwas jünger sind.
Man findet auch mehrere Strandrestaurants verteilt, bei denen man ganz lecker und günstig essen kann.
Essen und Trinken
Außer Frühstück haben wir kaum im Hotel gegessen. Da musste man allerdings früh aufstehen, weil sonst Herden von Japanern und Thailändern eingestürmt sind, welche einen enormen Geräuschepegel und Unordnung verursachten. Hab' mich als gefragt, wo die sich tagsüber aufhielten, weil sie da nirgends zu sehen waren.
Gegeben hat es alles, was man so brauchte und noch viel mehr. Europäisches, wie Gebäck und Rührei und solche Sachen. Aber auch thailändische Reissuppen und andere warme Speisen, die weniger von Europäern gegessen werden. Und viel leckeres Obst. Leider gab es keinen frischen Obstsaft, was eigentlich schade ist für so eine Gegend. Komischer Kaffee und Tee wurden an den Tisch gebracht. Aber es war gemütlich im Freien mit netten Rattan-Möbeln. Zudem waren die Tische in Raucher und Nichtraucher aufgeteilt, was ich ganz toll fand.
Das Essen im Hotel ist relativ teuer. Zumindest wenn man es mit den auswärtigen Restaurants vergleicht. Genauso die Getränke. Aber dafür kann man ganz einsam in den Restaurants essen gehen, von denen es mehrere in der Anlage gibt. Wir waren nur einmal für einen kleinen Snack am Mittag im Strandrestaurant. Das Essen war wirklich gut, aber wenn sonst keine Gäste da sind und lauter Personal nutzlos herum steht, fühlt man sich auch nicht sonderlich wohl. Für den Mittagssnack haben wir bald mehr ausgegeben als abends für ein ganzes Fischmenü im Strandrestaurant hinterm Hotel. Das wird auch der Grund sein, dass keiner im Hotel isst. Denn lecker essen kann ich auch außerhalb.
Da nützt dann abends auch keine Band, die in der Lobby vor leeren Sesseln frustriert singt. Da können die Mädels noch so kurze Röcke anhaben. Es war alles unbesucht.
Sollte ja nicht unser Problem sein, wir sind auswärts in Gesellschaft essen gegangen und es war immer lecker. Es gibt mehrere Restaurants an einer kleinen Straße hinterm Hotel, bei der man auch einen Supermarkt findet.
Allgemeine Hoteleinrichtungen
Neben dem eigentlichen großen Hotelklotz besitzt das Hotel einen schönen gepflegten Garten mit Tempelbäumen und anderem Gewächs. Über einen langen Wandelgang erreicht man diesen und kommt vorher an einem Atrium vorbei, in dem eine kleine tropische Landschaft mit schmalen Wegen, Brücken und Bächen eingerichtet ist. Nach einem stärkeren Sturm sah das ganze allerdings gar nicht mehr so toll aus, weil es regelrecht geflutet wurde. Über den Gang kommt man außerdem zu zwei Tennisplätzen, einem Spielplatz und dem großen Parkplatz.
Einen Fitness- und Wellnessbereich hat das Hotel auch. Gleich am Strand kann man sich in der Muckibude einen abstrampeln oder man lässt sich von mehreren Damen massieren oder geht zur Kosmetikerin. Alles da, aber etwas teuer und von uns nicht genutzt.
Schleckereien gibt es im Kiosk und Kleidergeschäfte und Schneider waren gleich bei der großen Auffahrt. Die Lobby ist groß und Platz zum Sitzen gibt es dort genügend. Zudem ist sie durchgängig. Bei dem starken Gewittersturm ist dort dermaßen der Wind durch gepfiffen, dass die wenigen Kinder sich schräg in den Wind legen konnten und dabei ein Heidenspaß hatten und die Putzfrauen am nächsten Morgen keine Arbeit mit Fegen mehr hatten (zumindest nicht mehr in der Lobby). Die Putzfrauen waren übrigens überall sehr fleißig. Die Toiletten in der Lobby waren zu jeder Tageszeit sauber (vielleicht kein Wunder bei den wenigen Gästen).
Ausflüge und Umgebung
Das mit der Umgebung ist vielleicht etwas nervig, weil man irgendwie weg vom Schuss ist. Kein Problem, denkt man da, weil in Thailand Taxifahren ja recht billig ist. Mag in Bangkok ja sein, aber nicht da. Überall fahren Pick Ups herum, die sicherlich einen Haufen Sprit schlucken. Und da dieser auch in Thailand teurer geworden ist, ist dies die Begründung, warum man nicht günstig nach Hua Hin gefahren werden kann. Für ca. 8 Euro wird man die Strecke von einer viertel Stunde gefahren (in Bangkok wären die dafür vier Stunden gefahren). Handeln lassen die leider nicht mit sich.
Ist nicht ganz so schlimm, weil hinterm Hotel eine kleine Straße verläuft, mit mehreren Restaurants, Bars, Läden, Schneidern Allerdings war während unserer Reisezeit gar nichts los. So waren die ganzen Wirtschaften leer und man hat überall die gleichen Leute immer wieder getroffen.
Im Hotel wurde jedoch ein Shuttelbus angeboten, der im Zweieinhalb-Stundentakt nach Hua Hin und wieder zurück fuhr. Das blöde dabei war, dass man seine genaue Rückfahrzeit schon an der Rezeption angeben musste und diese dann auf dem Fahrschein stand. Dafür hatte man in Hua Hin aber doch etwas mehr Abwechslung mit dem Nachtmarkt, einem großen (erstaunlich teuren) Einkaufszentrum, dem schönen Bahnhof und den vielen tollen und günstigen Restaurants.
Ausflüge sind im Hotel günstig zu buchen. Zudem sind die Veranstalter flexibel. Es stehen zwar immer bestimmte Wochentage für die verschiedenen Ausflüge, aber kommen genügend Leute zusammen, ist egal an welchem Tag dieser stattfindet. So sind wir noch an den River Kwai und zum Pala-U-Wasserfall gefahren. Beide Ausflüge waren toll und beim Wasserfall wurden wir noch gefragt, ob wir noch irgendwo sonst hin wollten und fuhren zum Affenfelsen Khao Takiab. Da kamen dann nicht die andernorts vorgehaltenen Sprüche wie: ist nicht im Programm oder ist nicht versichert.
Fazit
Wir haben pauschal eine kombinierte Rundreise gebucht und vom Reiseveranstalter wurde nun mal dieses Hotel ausgesucht. Es war nicht schlecht. Aber einen richtigen Badeurlaub würde ich dort nicht verbringen wollen. Das Personal ist nett, wenn auch manchmal etwas träge, aber der Hotelklotz ist nicht mein Ding. Auch gefällt mir der Strand nicht so besonders und im Meer schwimmen konnte man auch nicht. Auch die Lage ist alles andere als perfekt. Das erklärt wohl, dass wir an den vier vollen Tagen, die wir dort waren, noch mal zwei Ausflüge gebucht hatten. Diese waren toll und am Wasserfall hatten wir die einzige Erfrischung während des ganzen Urlaubs, auch wenn es dort von Fischen nur so wimmelte. Da man im Hotel mit allem versorgt ist, alles sauber ist und die Zimmer ganz i. O. sind, kann man es im Novotel Tipviman für ein paar Tage ganz gut aushalten. Für längere Badeaufenthalte würde ich mir aber was Gemütlicheres und Kleineres suchen.