Chris26
Gland, Schweiz98%
Nach drei weniger beeindruckenden Nächten im Rygdes Tapae Hotel stieg ich in Chiang Mai noch für eine Nacht im Tamarind Village ab, einem komfortablen Hoteldorf im Stil des Lanna-Volkes mitten im alten Stadtzentrum der nordthailändischen Stadt. Von den zwei Hotels gefiel mir das Tamarind Village auf jeden Fall besser.
1. Lage, Gebäude:
Das Hoteldorf liegt im östlichen Teil des alten Stadtzentrums von Chiang Mai, nicht weit entfernt von des östlichen Eingangstores (Tha Pae Gate) der alten Stadtmauer (ca. 5-10 Minuten zu Fuß bis zum Tor) 50/1 Rajdamnoen Road, Sri Phom, Muang, Chiangmai 50200. Das Wat Phra Singh quasi der bedeutendste Tempel in der Innenstadt liegt quasi spiegelverkehrt auf der anderen Seite der Altstadt (nahe des westlichen Eingangstores) und ist in ca. 10 Minuten mit dem Taxi zu erreichen (zu Fuß vielleicht gut zwanzig Minuten). Zum Hua Kuaew Shopping Center (nordwestlich vom alten Stadtkern gelegen) gelangt man mit einem der 10-Bt.-Taxis oder dem (teureren) Tuk-Tuk in ca. 15 Minuten. Zum Night Market ist man auch etwa 15-20 Minuten mit dem Taxi unterwegs.
Wie es der Name schon vermuten lässt, ist das Hotel im Stil eines Thai-Dorfes (der nordthailändischen Lanna) errichtet, also besteht aus mehren Flügeln bzw. Häusern (maximal zweistöckig), die untereinander verbunden sind und mehrere Innenhöfe bzw. Gärten einrahmen. Diese Dorfanlage befindet sich dabei etwa 50m von der Hauptstraße entfernt etwas zurückgesetzt, so dass sich der Lärm von außen in Grenzen hält. Schnell übersähe man den Hotelzugang von der Straße her auch (auch die anderen zwei Zugänge zu anderen Verkehrsstraßen), wenn da nicht so ein großes Banner mit dem Hotelnamen direkt an der Hauptstraße hinge. Die Hauptzufahrt ist sehr schön gestaltet, da zu beiden Seiten riesige und dichte Bambusbäume den Zufahrtsweg zu den Seiten und nach oben einrahmen. Man fährt also dann durch so eine kleine Allee zum Hotel, kommt quasi in eine andere kleine Welt (ist auch so gewollt, der Kontrast zum modernen Straßenverkehr draußen). Von allen Eingängen her trifft man auf so überdachte und teilgemauerte Wege, die schließlich zur Lobby führen dabei passiert man den Swimmingpool, ganz nett gemacht. Die Lobby ist nicht groß, aber auch zu den Seiten hin offen, mit ein paar Sitzgelegenheiten und Zeitungen. Dennoch ist insgesamt gesehen auf dem Gelände nicht allzu viel Platz, also die Häuser sind schon teilweise recht eng aneinandergebaut, ist klar, Platz in der Innenstadt kostet Geld. Die Lobby grenzt also auch an die eine Seite des Swimmingpools (ca. 15m-Becken?), an der anderen Seite steht das (auch teilweise offene) 2-stöckige Hotelrestaurant.
2. Hotelklassifikation:
In einer der Hotellisten von Chiang Mai war es unter First Class Hotels gelistet, dazu zählten aber auch viele andere Hotels von Chiang Mai, die ich gefühlsmäßig geringer einstufen würde. 5-Sterne-Hotels gibt es im Stadtzentrum von Chiang Mai nicht. Fällt mir schwer, dieses Hotel selbst einer Kategorie zuzuordnen, da es etwas aus dem Standard-Schema fällt. Es ist halt ein Hotel für Leute, die mal etwas anderes suchen, als die mehr oder weniger standardisierten Kettenhotels westlichen Zuschnitts, aber dabei nicht unbedingt auf westlichen Komfort verzichten wollen. Auf jeden Fall ist es ein Hotel gehobener Klasse und verkauft sich als solches.
3. Zimmer:
Im Tamarind Village kann man innerhalb der nur 40 Zimmer lediglich zwischen Superior- und Deluxe-Zimmern wählen. Die Zimmerkategorien unterscheiden sich weitgehend dadurch, dass die Deluxe-Zimmer meines Wissens nach alle im oberen Stockwerk der Häuser zu finden sind und über einen eigenen Balkon bzw. eine Art Patio verfügen, während man von den Superior-Zimmern aus (die offenbar alle ebenerdig liegen) direkt in den jeweiligen Innenhof bzw. Gartenbereich des Tamarind Village tritt.
Alle Zimmer verfügen über einen kombinierten Wohn- und Schlafraum mit King-Size-Bett (bin gar nicht sicher, ob es Twin-Betten gibt, aber vermutlich ein paar), Schreibtisch, Minibar, Fernseher, Hocker, Stuhl, zwei Einbauschränken und Klimaanlage. Das Superior-Zimmer, das ich hatte, war annehmbar groß und länglich, vielleicht ca. 25 qm, und daran schloss sich eine Art Badezimmertrakt an, den man über eine Doppeltür betrat. Hinter dieser schönen Holztür befand sich erstmal der Waschbecken-/Spiegelberei ch, links davon betrat man ein eigenes Duschräumchen, während rechts davon eben der WC-Bereich war (mit eigener Trenntür). Insbesondere der Badezimmerbereich hat mir daher gefallen, recht unkonventionell eben bzw. landestypisch. Bemerkenswert fand ich, dass der Boden sowohl im Wohn-/Schlafraum als auch im Badezimmer nicht weiter behandelt war, sondern eben so eine Art Betonboden (oder Steinboden?) war, grau. Fand ich persönlich etwas kühl und unfreundlich. Mag aber Geschmackssache sein, ist auf jeden Fall wohl hygienischer als Teppichboden in diesem Fall, denn schließlich war man nach Öffnen der Zimmertür gleich im Hof bzw. Hotelgarten. Die Preise in der Minibar waren auf normalem Hotelniveau für Thailand, und der Fernseher hatte auch jede Menge Programme (auch Deutsche Welle TV). Das ganze Zimmer wirkte von innen so, als hätte man irgendwie ein eigenes kleines Häuschen für sich, ist ganz gelungen umgesetzt, aber es fehlte einfach an Aussicht, weil die eine Zimmer-/Häuserfront einfach fast direkt an die Außenwand der Hotelanlage traf (bzw. des Nachbarhauses) und man ja auch nicht einfach die Vorhänge an den kleinen Fenstern zum Innenhof aufziehen wollte (wegen Publikumsverkehrs). Dadurch dass die Fensterchen generell recht klein waren (gut gegen Hitze natürlich) und vor dem Eingang noch so ein Vorbau stand (der den Balkon und die Treppe zum Deluxe-Zimmer darüber beinhaltete) kam auch vom Eingangsbereich nicht viel Licht ins Zimmer. Kurzum: es war eine ziemlich düstere Angelegenheit. Auch tagsüber war man quasi gezwungen, innen künstliches Licht einzuschalten, und es fehlte irgendwie an externen Aufenthaltsmöglichkeiten, denn direkt vor der Tür stand halt so eine Wäschetruhe von den Zimmermädchen, da konnte man sich (halblegal) draufsetzen, aber sonst gabs da keine Sitzmöglichkeiten und zur Lobby wollte ich auch nicht bewegen, nur um da die zwei Sofas zu belegen. Die Düsternis im Zimmer und der fehlende Balkon bzw. eine fehlende eigene Terrasse mit Sitzmöbeln sind so hier im Themenbereich Unterbringung die Hauptursachen, warum ich mich nicht ganz wohl gefühlt habe in diesem Hotel. Daher würde ich jedem dringend raten, auf jeden Fall ein Deluxe-Zimmer zu buchen. Der Aufpreis hält sich in Grenzen, ist aber bestimmt jeden Dollar (bzw. Bath) wert, denn man hat einfach mehr Raum, mehr Naturlicht, bessere Aussicht und einen eigenen externen Sitzbereich!
4. Hoteleinrichtungen:
Das Hotel bietet neben der reinen Unterkunft noch einen ganz netten, aber nicht allzu großen, Swimmingpool an, ein Hotelrestaurant mit Bar sowie eben den Rezeptionsbereich. Das ist alles, aber das ist ja auch ganz ok für ein 40-Zimmer-Hotel, wie ich meine. Der Pool ist leider nicht sehr tief (vielleicht maximal 1,20 m?) und auch nicht sehr groß, aber es ist immerhin ein Pool. Als ich drinnen war, war sonst auch kaum jemand im Poolbereich anzutreffen (von den Gästen). Der Pool liegt dagegen etwas doof, da man quasi von allen Bereichen her beäugt wird, also von der Rezeption her, vom Restaurant aus, von den Zugangsgängen zum Hotel, aber das ist wohl Geschmackssache, ob einen das nun stört oder nicht.
Im Restaurant war ich nur einmal zum Frühstück, welches gut war (Buffet), aber auch nicht herausragend im Vergleich zu anderen Hotels in Thailand. Also es gab sowohl thailändische Reisgerichte als auch das Standard-Western-Programm (Spiegelei mit Speck, Schinken, Pancakes etc.). Kaffee oder Tee wurde an den Tisch gebracht. Man kann dabei auswählen, ob man draußen sitzt, in Poolnähe, oder im geschützteren inneren Bereich des Restaurants.
5. Service:
Vom Serviceniveau her war ich doch etwas enttäuscht. Der Rezeptionsbereich wird von einem leicht überheblich wirkenden jungen Thai beherrscht, der sich so schnell nicht aus der Ruhe bringen lässt, insofern hat sich der Check-In und auch der Check-Out-Vorgang doch etwas in die Länge gezogen. Gut, es gab natürlich einen Welcome Drink, aber dann hiess es erstmal 2 Stunden warten, bis ein Zimmer bereit war (obwohl es schon nachmittags war) was bei einem 40-Zimmer-Hotel wohl schon mal vorkommen kann. Ansonsten schwirrten aber nicht so arg viele dienstbare Geister herum, die sich offenbar auch nicht gerade um Arbeit rissen, und verhältnismäßig wenig vom berühmten Thai-Lächeln an den Tag legten. Als ich zum Pool wollte, und es offensichtlich war, dass ich auf der Suche nach einem Badetuch für die Liege war, beobachteten mich zwar zwei der Restaurantangestellten dabei, aber es schien sich keine(r) darum zu reissen, mir ein solches Handtuch zu besorgen. Also musste ich erst zur Rezeption latschen, um zu fragen, wo ich denn ein solches bekäme (bekam ich dann an der Rezeption). Der Kofferträger, der sich erbarmte, beim Check-In meine Koffer ins Zimmer zu schleppen, wirkte auch sichtbar mürrisch, als ich ihm kein Trinkgeld gab (hatte kein Kleingeld bei der Hand) das darf meiner Meinung nach eigentlich auch nicht so sein auch wenn er sicherlich ein Trinkgeld verdient hätte.
Aufgrund des nur 1-nächtigen Aufenthalts kann ich natürlich nicht viel zum Room-Service sagen, das Zimmer war jedenfalls sauber und ordentlich, als wir einzogen, und es war alles da (Badezutaten, Seifen, Lotionen etc., gefüllte Minibar).
Das Hotel verfügt interessanterweise über drei bis vier eigene Minibusse (fand ich recht viel für ein 40-Zimmer-Hotel), die meistens immer entlang der Hauptzufahrtsstraße zum Hotel abgestellt waren. Was ich nicht so toll fand, war die Tatsache, dass sich die jeweiligen Fahrer (und wohl Freunde/Kollegen..) offenbar tagsüber stets dort bei den Autos aufhielten, und dabei lief meistens relativ laut ein Radio, als Gast wurde man auch nicht sonderlich gegrüßt oder so.. Macht einfach keinen guten Eindruck schließlich ist diese Zufahrtsallee der erste Eindruck, den der neue Hotelgast vom Hotel gewinnt
6. Übernachtungspreis:
Die Zimmerpreise liegen laut Webseite bei 120 US-Dollar (+17,8 % Steuer) die Nacht für ein Superior-Zimmer und bei 145 US-Dollar (++) die Nacht für ein Deluxe-Zimmer. Frühstück wird dabei noch mal extra mit 3-7 US-Dollar berechnet! hüstel - Zwar gibt es noch eine Schaltfläche Special Prices/Promotions, die aber derzeit mit under construction belegt ist.
Also diese Preise sind wirklich ein Witz dafür, finde ich. Für das Geld bekomm ich im Sheraton Chiang Mai ja eine ganze Suite mit Blick auf den Fluss. Und da gehört schon viel Wille dazu, stattdessen lieber in einheimischen Ambiente absteigen zu wollen - auch wenn die Lage vom Tamarind Village wesentlich besser (zentraler) ist als die vom Sheraton.
7. Quintessenz:
Das Tamarind Village ist mal ein anderes Hotel als die Standard-Hotels westlichen Zuschnitts. Es ist ein Hotel, das mit seinen 40-Zimmern zum einen natürlich familiärer sein soll als die großen Häuser, aber dafür nicht genug an entsprechendem Service bietet (was überwiegend an den Angestellten lag, die einen recht unpersönlich abhandelten). Zum anderen ist es im Stil eines Dorfes des Lanna-Volksstammes angelegt, so dass man sich hier auch so fühlt, als wäre man näher an der Kultur (was wohl auch nur bedingt stimmt) des Gastlandes, in dem man sich gerade aufhält. Mit dem Superior-Zimmer war ich nicht so ganz zufrieden, es war einfach zu düster und bot keine privaten Aufenthaltsbereiche an frischer Luft, anders als die Deluxe-Zimmer, die einen eigenen Patio mit Sitzbereich haben. So ein kühler grauer Boden ist sicherlich auch Geschmackssache, mein Ding war er nicht. Auch in dieser Hinsicht dürften die Deluxe-Zimmer die bessere Wahl sein (Holzboden?!).
Kurzum, das Hotel punktet vor allem durch seine Andersartigkeit (hübsche Anlage, nette Gärten, nette thailändische Akzente), verliert aber vor allem durch das geringe Serviceniveau (es wird auch zuwenig gelächelt!), so dass ich mich als Gast manchmal als störend empfand. Sowas darf einfach nicht sein! Die Preise laut Homepage sind meiner Ansicht nach ein Irrsinn soviel würde ich für dieses Hotel niemals ausgeben, die Preise bei Hoteltravel.com sind aber ok.
Insofern tu ich mich mit der Gesamtbewertung etwas schwer, ich kann mir vorstellen, dass mein Gesamturteil zu diesem Hotel wesentlich besser ausgefallen wäre, wenn ich ein helles Deluxezimmer mit eigenem Patio im 1. Stock gehabt hätte, denn derzeit denke ich vornehmlich an die Düsterheit im Standardzimmer, wenn ich mich zurückerinnere. Ich kann mir vorstellen, dass ich im Deluxezimmer 90 Punte vergeben hätte, während ich jetzt für den Aufenthalt im Superiorzimmer nur 60 Punkte vergeben wollen würde. Ich halte es folglich salomonisch und gebe hier ein 70 Punkte-Urteil.