Bewertung von CarstenHH im Detail
CarstenHH
Hamburg, Deutschland90%
Am elften Reisetag meiner Rotelreise durch Mittelamerika stand am Vormittag noch einmal Kultur und am Nachmittag ein ausgiebiges Bad in der warmen, blauen Karibik auf dem Plan. Schon am Vortag hatten wir den Ort Piste bei Chichén Itzá erreicht und konnten damit morgens gleich unter den ersten Besuchern die größte präkolumbianische Ausgrabungsstätte auf Yucatan besuchen. Sie ist nicht nur die größte, sondern auch die besterhaltene Ausgrabungsstätte, was dazu führt, dass sie die bekannteste und auch die meistbesuchte Ausgrabungsstätte auf Yucatan ist. Die UNESCO hat diese besondere historische Stätte unlängst in die Liste der zum Weltkulturerbe gehörenden Bauten aufgenommen. Der Eintritt zur Anlage beträgt 38 Peso zuzüglich 50 Peso Kultursteuer. Das entspricht etwa 7 Euro. Um diese wertvollen historischen Anlagen erhalten zu können ist der Kulturaufschlag wohl notwendig und für europäische Reisende sicher auch kein Hindernis, ihn bezahlen zu können.
Der Name Chichén Itzá bedeutet in der Sprache der Mayaindianer so viel wie Stadt am Rande des Teiches der Itza. Auf den Teich werde ich im Bericht noch genauer eingehen.
Chichén Itzá verfügt über viele sehenswerte Bauten, die im einzelnen im Bericht beschrieben werden:
- Die Historie
- Die Pyramide des Hohepriesters
- Der Nonnenkomplex
- Der Caracol
- Der Tempel der Krieger
- Der Cenote
- Der Ballspielplatz
- Die Pyramide des Kukulcán
- Fazit
Die Historie:
Gegründet wurde Chichén Itzá um das Jahr 400 n. Chr. als Uucylabanal von Mayaindianern, die aus dem guatemaltekischen Hochland kamen. Fast 1000 Jahre lang war dieser Ort ein Zentrum mit Bedeutung für Politik, Wirtschaft und Religion.
Ab dem Jahre 1000 wanderten toltekische Indianer der Itza in diese Region ein. Sie hatten um das Jahr 900 n. Chr. ihr Siedlungsgebiet um ihre Hauptstadt Tula in Zentralmexiko verlassen. Unter der Führung des Kukulcán setzten sie sich militärisch gegenüber den Maya durch, jedoch ohne deren Kultur und Architektur zu zerstören. Kukulcán bedeutet in der Mayasprache das gleiche, was bei den Tolteken und auch anderen Völkern Quetzalcoátl, die gefiederte Schlange, bedeutet. Um das Jahr 1000 n. Chr. herrschte in Tula ein Priesterkönig gleichen Namens. Forscher setzten diese beiden gleich. Es gibt aber einen Widerspruch. In Tula herrschte ein sehr friedlicher Priesterkönig. Dieser soll gleichzusetzen sein mit einem kriegerischen Eroberer, der auch Menschenopfer einführte. Dafür spricht jedoch, dass man in Chichén Itzá zahlreiche Darstellungen der gefiederten Schlange findet. Von den Maya wurde die Stadt nach der Einwanderung der Tolteken Chichén Itzá, die Stadt am Rande des Teiches der Itza genannt.
Eine Besonderheit dieser Stadt ist das Nebeneinander der Architekturen von Maya und Tolteken. Die Tolteken beschäftigten noch über mehrere Jahrhunderte hinweg Mayakünstler. Dies führte dann zur sogenannten maya-toltekischen Renaissance in der Architektur.
Die Spanier kamen das erste Mal im Jahre 1546 nach Chichén Itzá, das zu dieser Zeit zum großen Teil verlassen war. Über Jahrhunderte blieb die Stadt dann im Dschungel verborgen. Erst im Jahre 1841 wurde sie von den Archäologen Stephens und Catherwood wieder entdeckt. 1885 kaufte der US-Konsul aus Merida das Gelände, um es genauer zu erforschen. Die großen Restaurationsarbeiten dauerten bis nach dem zweiten Weltkrieg.
Bis heute ist erst die Hälfte des 8 km großen Areals erforscht. Unter dem Dschungelbewuchs liegen noch viele verborgene Gebäude. Zum Glück für diese Ausgrabungsstätte wurde sie nicht von den Spaniern als Steinbruch verwendet.
Die Pyramide des Hohepriesters:
Kurz nach dem Betreten der Anlage und dem Passieren einiger kleinerer Pyramiden trafen wir im südlichen Ausgrabungsbereich auf eine etwa 10 m hohen Pyramide. Es handelt sich um den Hohepriestertempel. Von allen vier Seiten führen Treppen hinauf auf die Plattform. Seit vielen Jahren finden schon Restaurierungsarbeiten statt. Vom Tempel führt ein Tunnel in eine Grabkammer mit sieben Gräbern, die aber nicht zu sehen waren. Die Architektur dieses Tempels ist typisch für Chichén Itzá. Das sollten wir später aber noch viel besser sehen können.
Der Nonnenkomplex:
Nicht weit vom Hohepriestertempel entfernt steht der Nonnenkomplex. Auch hier wurde von den spanischen Entdeckern ein aus ihrem Vorstellungsvermögen abgeleiteter aber falscher Name vergeben. Sie hielten diesen Bau für einen Wohnort von Frauen, die geopfert werden sollen. Tatsächlich handelte es sich um ein Verwaltungs- und Zeremoniengebäude.
Über eine breite Treppe ist der Gebäudekomplex auf einer hohen Plattform zu betreten. Leider ist dieser Bau noch nicht rekonstruiert. Interessant ist aber die Steindekoration an der Ostseite des Gebäudes.
Gleich neben dem Nonnenkomplex steht eine im Puuc-Stil mit langen Nasen geschmückte Kirche. Es war sicher keine Kirche, aber auch hier haben sich die spanischen Entdecker fehl leiten lassen und dachten, dass neben einem Kloster eine Kirche gestanden haben muss.
Der Caracol:
Nach diesen beiden noch nicht so bedeutenden Bauten kamen wir zu einem der bedeutenden Bauten in Chichén Itzá, dem Caracol, dem Observatorium.
Das Observatorium liegt auf einer zweistufigen Plattform die über große Treppen erreichbar sind. Auf der oberen Plattform steht dann das eigentliche Observatoriumsgebäude. Ein runder Turm mit vier Eingängen. Wendeltreppen führten einst in den oberen Bereich des Gebäudes.
Dieses Gebäude zeigt, über welche astronomischen Kenntnisse die Maya verfügt haben müssen. Im Mauerwerk waren Schlitze so eingebracht worden, dass nur an bestimmten Tagen im Jahr, die Sonne auf eine bestimmte Stelle im Gebäude hinein scheinen konnte. Damit ermittelten die Maya ihre Kalenderdaten.
Für Nichtarchäologen sind die Tatsachen, dass es sich um ein Observatorium handelt nicht unbedingt erkennbar. Aber mit einer guten Erklärung am Gebäude durch den Reiseleiter hinterlässt es schon ein besonderen Eindruck.
Der Tempel der Krieger:
Vom Caracol führte uns der Weg weiter durch ein bewaldeten Bereich in nordöstlicher Richtung. Durch die Bäume war schon die Spitze der Pyramide des Kukulcán mit dem darauf befindlichen Tempel zu erkennen. Unser Weg führte aber erst einmal daran vorbei. Das nächste Ziel war der Tempel der Krieger.
In der Mitte dieses Gebäudekomplexes ragt eine 12 m hohe und 40 m breite Pyramide mit einem darauf befindlichen Tempel empor. Dies ist aber nicht das interessanteste an diesem Gebäudekomplex. Um die Pyramide herum steht eine Vielzahl von unterschiedlich verzierten Säulen, die einen genaueren Blick wert sind. Der Name dieses Gebäudes geht auf die Art der Verzierungen der Säulen zurück. Die meisten Säulen sind mit kriegerischen Darstellungen verziert.
An diesem Gebäude wird die Vermischung der Architekturstile der Maya und der Tolteken besonders deutlich. Den Ursprung für die Konzeption lieferte ein Tempel in der ehemaligen toltekischen Hauptstadt Tula in Zentralmexiko.
An diesen Gebäudekomplex schließt ein weiterer Gebäudekomplex, die Halle der Säulen genannt, an. Es sind aber nur noch ca. 450 Säulen erhalten. Die ursprünglich Verwendung des Gebäudes ist nicht bekannt.
Die Vielzahl der Säulen auf dieser großen Fläche ist schon beeindruckend. Besonders schön sind die Verziehrungen, die man sich in Ruhe genauer ansehen sollte. Leider war dieser Gebäudekomplex weitgehend abgesperrt, so dass man nur die Säulen am Rande betrachten konnte. Diese allein waren aber schon sehr schön.
Der Cenote:
Unser Weg führte uns weiter in Richtung Norden. Über eine 300 m lange Sacbé, eine Prozessionsstraße gelangt man zum Cenote, den ich schon in der Einleitung zu diesem Bericht erwähnte.
Auf Yucatan gibt es mehrere tausend Cenotes. Da die Halbinsel Yucatan zumeist aus Kalkstein besteht, versickert das Regenwasser sehr schnell. Es sind deshalb auch so gut wie keine Flüsse auf der Halbinsel zu finden. Aber unterirdische Flüsse gibt es. Diese spülen über lange Zeit den Kalksandstein aus. So bilden sich Höhlen, die dann irgendwann einstürzen. Und so entstehen dann große tiefe Löcher, die Cenote genannt werden.
Der Cenote von Chichén Itzá ist ein heiliger Brunnen. Nach Vorstellung der Maya lebte darin der Regengott Chac. Er war damit das zentrale Heiligtum der Maya in Chichén Itzá. Hier wurden nicht nur wertvolle Schmuckstücke geopfert, sondern auch Menschen. Darunter auch Kinder. Die Opferungen fanden im Rahmen prächtiger Prozessionen statt.
Diese natürliche Wasserstelle hat einen Durchmesser von 56 m und eine Tiefe von 30 m. Vom Erdboden bis zum Wasserspiegel ragen steile Wände 20 m nach unten.
Im Jahre 1904 begann der Historiker Edward Thompson hier zu baggern und fand Gold- und Jadeschmuck, sowie einige Gefäße. Bei weiteren Taucherforschungen wurden 50 Skelette von Männern und Kindern gefunden. 1968 versuchte man vergeblich den Cenote trocken zu legen, um dann in Ruhe Grabungen vornehmen zu können.
Weiter im Süden existiert in der Ausgrabungsstätte ein weiterer Cenote, der Cenote de Xtoloc. Dieser diente jedoch lediglich der Wasserversorgung.
Als Tourist kann man nicht viel an diesem Cenote sehen. Nur ein paar Mauerreste sind noch vorhanden. Aber das Wissen, dass hier Menschen geopfert wurden, verleiht dem Ort dann doch eine andere Atmosphäre als es im sonstigen Umfeld vorhanden war.
Auch heute trifft man auf Mayaindianer, die ihre Waren am Rande des Sacbé anbieten. Sie traten zurückhaltend, aber ihre Ware anpreisend auf. So gefällt mir das Anbieten der handwerklichen Waren. Das hatte ich in Teotihuacán schon ganz anders erlebt.
Der Ballspielplatz:
Über den Sacbé ging es wieder zurück, um dann zum größten Pelotaballspielplatz in Mesoamerika zu besuchen. Er liegt in nordwestlicher Richtung der Pyramide des Kukulcán. Die Ausmaße sind im Vergleich zu allen anderen Ballspielplätzen, die ich gesehen habe, sehr groß. Die Anlage hat eine Länge von 91 m und eine Breite von 36 m. Der Platz ist gesäumt von 8,5 m hohen Wänden. In der Mitte hängt auf beiden Seiten jeweils in 7,5 m Höhe ein steinerner Ring, durch den der Hartgummiball gespielt werden musste.
Hier war das Spiel mit der Hartgummikugel, die nur mit der Hüfte oder der Schulter gespielt werden durfte sicher nicht einfach. Der Ballspielplatz ist nicht nur der größte, sondern auch noch der besterhaltenste in Mexiko.
Gut erhalten sind unterhalb der Steinringe zwei große Reliefs, die jeweils Zeremonialszenen darstellen. Darin enthauptet der Gewinner mit einem Steinmesser den Anführer der Verlierermannschaft. An dieser Stelle war ich ein wenig überrascht, denn bei allen anderen Ballspielplätzen war es so, dass die Gewinner geopfert wurden. In Chichén Itzá ist es genau umgekehrt. Neben den beiden Mannschaftsführern werden die Mitspieler in prächtigem Federschmuck dargestellt.
Die südliche Begrenzung dieser Anlage ist wahrscheinlich eine Tribüne für Ehrengäste gewesen. An Ostwand der Anlage wurde später der Tempel des Jaguars (Foto /) angebaut, in dessen Innerem sich Reliefs befinden. Auf den Reliefs befinden sich 128 Personenszenen. 80 Tolteken und 39 Maya werden dargestellt.
Diese Anlage ist aufgrund ihrer Größe beeindruckend. Sie übertrifft in ihren Ausmaßen alle anderen Ballspielplätze sehr deutlich.
Die Pyramide des Kukulcán:
Im Anschluss an den Ballspielplatz kamen wir nun endlich zum bedeutensden Gebäude von Chichén Itzá, die Pyramide des Kukulcán. Darauf hatte ich mit dem größten Interesse schon gewartet. Unser Weg führte uns jedoch erst einmal fast komplett um dieses beeindruckende Gebäude herum. So hatten wir aber die schöne Gelegenheit es von allen Seiten einmal zu bewundern. Die Bedeutung dieser Pyramide zeigt sich auch darin, dass es auf vielen Dokumentationen über Mexiko abgebildet ist.
Die Pyramide hat eine Höhe von 30 m und steht auf einer Grundfläche von 55 m mal 50 m. Von außen ist es nicht erkennbar, dass es eigentlich zwei Gebäude sind. Im inneren dieser Pyramide steht eine ältere etwa 17 m hohe Pyramide. Die Außenseiten sind in mehren Stufen ausgeführt. Daran führen 45° steile Treppen von allen vier Seiten auf die Tempelplattform.
Diese Pyramide zeigt auch auf, dass die Maya über kalendarische Kenntnisse verfügten. An den vier Außenseiten führen Treppen mit jeweils 91 Stufen hinauf. Dazu kommt eine abschließende Stufe für die Plattform auf der der Tempel steht. Das sind zusammen 365 Stufen, wie das Jahr Tage hatte. An den Seitenflächen stellen 52 Platten die 52 Jahre eines Indianerjahrhunderts dar. Nach 52 Jahren treffen das Indianerjahr und das Sonnenjahr auf dem gleichen Tage wieder zusammen. Es gibt Reiselektüre, die schreiben, dass damit die 52 Wochen eines Kalenderjahres dargestellt werden. Das ist sicher falsch, denn die Indianer hatten wohl kaum eine Woche mit 7 Tagen.
Eine großartige Besonderheit bietet die Nordseite. Hier führen die Einfassung der Treppe am unteren Ende in Schlangenköpfe. Die von den Maya Kukulcán genannte gefiederte Schlange Quetzalcoátl. Am 21. März und am 22. September, die Tage an den Tag und Nacht gleich lang sind, bietet sich immer wieder Tausenden von Besuchern ein tolles Schauspiel. Für ca. 3 Stunden werfen die Stufen der Außenfassade der Pyramide ihren Schatten so auf die Einfassung der Treppe, dass es aussieht, als ob die gefiederte Schlange den Tempel verlässt. Schade, dass ich nicht gerade an einem dieser beiden Tage dort sein konnte.
Von den vier Treppen, die zur Tempelplattform hinaufführen ist nur eine Treppe begehbar, die anderen Treppen sind gesperrt. Für diejenigen, denen die Treppe zu steil und die Stufen zu groß sind, wurde als Hilfestellung ein Seil an der Treppe montiert. Den Ausblick von der Pyramide über die Anlage sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Er ist fantastisch!
Fazit:
Chichén Itzá ist ein absolutes Muss für jeden Yucatanbesucher. Nicht nur für die Rundreisetouristen, auch die Badeurlauber aus dem nur 210 km entfernten Cancun sollten den Weg nicht scheuen und sich diese bedeutende und prachtvolle Ausgrabungsstätte ansehen. Viele Hotels bieten kurze Touren an, die zum Teil auch schon vor der Reise gebucht werden können. Von Cancun ist Chichén Itzá über eine gebührenpflichtige Autobahn relativ schnell zu erreichen.
Besonders schön in dieser größten Ausgrabungsstätte auf Yucatan war die Pyramide des Kukulcán. Zum einen die Architektur dieses Bauwerkes zum anderen aber die Aussicht, die man von der Tempelplattform aus genießen kann.
Der Ballspielplatz wird mir in seinen Ausmaßen sicher am meisten von allen Ballspielplätzen in Erinnerung bleiben.
Am Caracol hat unser Reiseführer die ausgezeichneten astronomischen Kenntnisse der Maya erläutert. Schade, dass dieses Wissen verloren gegangen ist.
Die 1000 Säulen um den Tempel der Krieger herum hinterlassen ebenfalls einen bleibenden Eindruck. Gerade die schönen Verzierungen sind eine genaue Betrachtung wert.
Der Cenote, der diesem Ort bei der Namensgebung Pate stand, ist zunächst unspektakulär, aber in Anbetracht seiner Vergangenheit doch einen Besuch wert.
Schade ist, dass nicht gerade wenige Bereiche versperrt sind. Das ist aber wegen der Restaurierungsarbeiten erforderlich und geschieht in einem Maße, dass man nichts wesentliches verpasst. Man muss ja auch nicht auf jede Pyramide hinauf steigen.
Chichen Itza - Archäologische Zone10
Einzelbewertung
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Erreichbarkeit
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Muss man gesehen haben
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Budget-Freundlichkeit