hubbie(61)
Wien, Österreich96%
Wer wie ich mit Oscar Wilde den ganz einfachen Geschmack teilt, von allem nur das Beste zu wollen, möchte natürlich gern im selbst deklarierten "besten Hotel der Welt" absteigen. Was lag daher ferner, als sich einmal wie ein Sultan zu betten, sich vom persönlichen Butler ein Hermés Schaumbad einlaufen und danach im hauseigenen U-Boot ins Seafoodrestaurant am Meeresgrund schiffen zu lassen...
Klingt alles verrückt und ist es ohne Zweifel..
Die Al Maktum Familie, die seit fast 200 Jahren im Emirat Dubai die Herrscher stellt, hatte Mitte der Neunziger offenbar nicht mehr gewusst, wohin mit den vielen Petrodollars und ein Hotelprojekt in Auftrag gegeben, das alles - und ich betone alles - bisher Dagewesene in den Schatten stellen sollte. Schon 1999 war Eröffnung und die Bilanz dieses Bauvorhabens sprengte den Kostenvoranschlag bei weitem: mehr als 1,5 Milliarden US$ soll der Emir für das 321 Meter hohe, in Form eines Dhau Segels angelegte all suite Hotel mit Hubschrauberlandeplatz auf eigener Terrasse berappt haben, eine Summe, die sich auch in 50 Jahren bei Vollauslastung nicht hereinbringen lassen wird, allerdings erhielt er dafür 202 luxuriöse Suiten mit Grundflächen zwischen 169 und 780 Quadratmetern, in denen nur das Allerfeinste verarbeitet wurde: neben Unmengen von Glas, Stahl und Granit wurden 32000 m3 italienisches Mosaik, 13000 m3 Carrara Marmor und nicht zuletzt 8000 m2 Blattgold verwendet.
Unsere 2 Etagen Suite 1506 gehört zu den "kleinen", besteht aus einem Wohnzimmer mit Esstisch fürs Inroomdining und einer wohlbestückten Bar, einem Gästewaschraum, einem Schreibtisch mit Laptop und Internetanschluss, einem Multifunktionstelefon, das nicht nur den Butler ruft, sondern auch die Tür elektronisch öffnet, einem in die Wand versenkten, goldgerahmten Fernseher, dessen Fernbedienung eine Unzahl neuester Filme abrufen, ebenso den Butler holen wie auch die Stores an der 7 Meter Glasfront öffnen kann, wodurch ein Blick aus 150 Meter Höhe zum persischen Golf hinunter frei wird, eine Gratisflasche vom feinsten Aussie Shiraz, eine üppige Obstschale und edle Blumendekorationen runden das Gesamtbild ab. Eine Wendeltreppe führt ins obere Stockwerk mit einem 5 m2 Super King Size Bett, einem versenkbaren TV Schirm, einer Minibar und der prächtigsten Badelandschaft, in der wir je unsere Bodies versenkten. Selbst mit vielen Worten lässt sich kaum beschreiben, wie dieser Luxus auf jemandes Sensorien wirkt, deshalb verweise ich auf die an diesen Bericht angehängten Fotos von mir.
Beim Betreten der riesigen - leider auch von vielen schaulustigen Touristen frequentierten - Lobby, die von zwei tropischen Aquarien flankiert mit einer Kaskade aus orchestriert wasserspeienden Fontänen beherrscht wird, steht ein Empfangskomitee aus einer Norwegerin, einer Einheimischen und einem Pakistani, die einen nacheinander willkommen heißen, man bekommt edlen Saft, Datteln und heiße Handtücher gereicht, bevor man in die Suite im 15. Stockwerk begleitet wird, wo das Einchecken und die Einweisung unter Aufsicht des Butlers aus Sri Lanka stattfindet. Er will auch gleich unsere Kleidung verstauen, aber mein liebend Weib hat es nicht so gerne, wenn sich fremde Pfoten - auch wenn behandschuht - an ihrer Reizwäsche vergreifen, daher lehnt sie höflich ab.
Wir glotzen noch immer ob der Pracht als dieser sich freundlich verabschiedet nicht ohne darauf hinzuweisen, dass er zum Erfüllen jedes erdenklichen Wunsches parat stehe.
Während mein Weib die oberen Räumlichkeiten besichtigt habe ich schon die Maus des HP Laptops in der Hand und checke die Mails und überlege, welche Wünsche da noch offen sein könnten.
Dabei entdecke ich, dass das Haus neben seiner weissen Rolls Royce Flotte zur stilvollen Beförderung seiner Klientel auch Ferrari und Lamborghini Cabrios für self drive Exkursionen anbietet, wobei mich der irritierte Blick der zurückgekehrten Finanzministerin in die Realität zurückholt. Sie will partout das Haus erforschen und nicht ihr Haar im Wüstenwind wehen lassen...
Als wir aus der Suite auf den Gang treten und in das höchste Hotelatrium der Welt blicken, ist schon wieder der Butler an unserer Seite und enttäuscht, dass er nichts für uns tun darf, schließlich betrauen wir ihn mit der Reservierung eines Tisches im Al Mahara, dem oben erwähnten Meeresfrüchterestaurant. Wir fahren mit dem Lift auf den Level der Lobby, wo sich das arabische Themenrestaurant Al Iwan, die Atrium Lounge und Outlets von Marken wie Chopard und Bulgari befinden. Im Souvenirshop kann man die legendär flauschigen Bademäntel erstehen, aber auch immens kitschige Glas- und Metallplastiken von Falken und anderem Wüstengetier.
Während sich in der Lounge die Gäste dem afternoon tea hingeben, fahren wir mit dem Außenlift ganz nach oben zum Al Muntaha Restaurant, von wo man einen einzigartigen Blick auf die benachbarten Hotels Jumeirah Beach in Form einer Welle, auf das Madinat Jumeirah und schließlich auf die vor kurzem eröffnete in Form einer Palme aufgeschüttete Insel mit riesigen Wohn- und Villensiedlungen und dem Hotelkasten Atlantis, dessen Monsteraquarium mit einem Walhai, Rochen, Korallenfischen und atlantischen Ruinen wir am zweiten Tag besuchen werden.
Als wir zur Suite zurückkehren, muss uns der Butler mit Leidensmiene gestehen, dass er nur einen Tisch für 21:30 ergattern konnte, was uns als gestandene Spanier aber nicht weiter stört. Wir geben ihm den weiteren Auftrag, das Bad im Whirlpool zu bereiten, eine Aufgabe, der er mit sichtlichem Stolz nachkommt. Als er Vollzug meldet staunen wir über den kompakten 10cm hohen Hermésschaum, der eine Dichte wie ein perfekter Capuccinoschaum besitzt. Genussvoll versenken wir unsere Körper in der edel duftenden Pracht und stellen fest, dass neben uns beiden noch mindestens eine weitere Person im Pool Platz hätte, während in der daneben liegenden Duschlandschaft sicher fünf Leute sich gleichzeitig brausen könnten. Am Rand der Wanne stehen unsere Shirazgläser, von denen wir ab und an nippen und nach den Wasserspielen beschließen wir, ein kurzes Nickerchen auf den fünf Quadratmetern Lustwiese (mit Spiegel an der Decke), die mit edlem irischem Leinen ausgelegt sind, zu halten, nicht ohne noch den Butler zu informieren, das Turndown auf die Zeit unseres Dinérs zu verschieben.
Erfrischt begeben wir uns zum Empfang des Restaurants, wo wir die erste Enttäuschung erleben, als wir erfahren, dass es an diesem Abend - es ist der 14. Februar - nur ein einheitliches Valentinsmenü gebe, worauf wir den Besuch auf den nächsten Tag verlegen, dann in die Suite zurückkehren, um dort dafür per Room Service servierte hervorragende Scallops und Shrimps zu uns zu nehmen. Später beim Schlafengehen findet meine Frau zu ihrer Überraschung ein Valentinsgeschenk in Form von langstieligen roten Rosen auf der Bettdecke, für den Herrn gibt es zwei riesige Schokoladeherzen.
Dass wir morgens sehr spät zum Frühstück am Pool erscheinen liegt an den wenig subtil insinuierten Nutzungsmöglichkeiten der erwähnten Lustwiese, dafür bringen wir anständigen Appetit mit, der an dem exklusiven Buffet ausreichend gestillt wird, die Qualität des Dargebotenen war extraordinaire, fehlten gerade noch Albatrüffel oder Belugakaviar...
Danach beschliessen wir, einen Kurztrip downtown zu unternehmen, eine Limousine der Marke Lexus bringt uns für 80 Dirham (1Euro = 4.7 Dhs) in den alten Souk im Stadtteil Deira, nach dessen Besuch wir im Abra Boot für einen Dirham über den Dubai Creek schippern, um in Bur Dubai weitere Souks und das Dubai Museum zu besichtigen, danch halten wir ein gewöhnliches Taxi an und zahlen nur die Hälfte für die Rückfahrt über die 10-spurige Sheik Zayed Stadtautobahn.
In den "arabischen Turm" zurückgekehrt fordere ich beim Butler einen IT Spezialisten an, weil mein eigenes Samsung NC 10 Netbook, das ich in der nahen Dubai Mall günstig erstanden hatte, kein WLAN findet. Dieser probiert wie ich einige Zeit, eine Verbindung herzustellen, versagt aber ebenfalls, schließlich zieht er ein Kabel aus der Tasche, stöpselt es an Telefon- und Netbooksocket an und im Nu heisst es: "connected".
Für den letzten Abend im Al Mahara nehmen wir uns Zeit mit der Auftakelei, für Herren ist ohnehin "smart-casual" vorgeschrieben, was hier soviel wie langärmelige Hemden oder Sakkos zu langen Hosen bedeutet. Beim Einchecken ins U-Boot, das eine Fahrt in 180 Meter Wassertiefe simuliert, gibt es eine kurze Wartezeit, für uns wäre das Spektakel verzichtbar gewesen, aber kindliche Naturen haben damit sicher ihren Spaß. Im Restaurant fällt sofort das beherrschende Aquarium ins Auge, das von den Tischen umrahmt wird und in dem sich Schwarzspitzenhaie, Dornhaie, Rochen und eine Vielzahl an Korallenfischen tummeln. Sofort tritt ein deutscher Kellner an den Tisch, entschuldigt sich für das Missverständnis vom Vortag und stellt uns jeweils ein Glas Blanc des Blancs von Ruinart auf den Tisch, der meiner Frau so zusagt, dass wir fürs Essen gleich eine ganze Flasche ordern. Das vorgeschlagene Degustationsmenü "best of" war genau richtig für uns Seafoodliebhaber, es begann mit amuse bouches, gefolgt von Belon Austern, einer Hummer Bisque, dann gab es Scallops und Scampi, ein Sorbet, Crepes Suzette und zum Abschluss noch ein paar edle Pralinen, auf der Rechnung standen dann aber auch an die 3000 Dirham.
Apropos Zahlen: beim Auschecken am nächsten Tag fanden wir auch diese Summe auf unserer Gesamtrechnung, da wir das Hotelarrangement per Voucher beglichen hatten, ich nehme an, dass eine Nacht mit Frühstück ca. 1000 Euro gekostet hat, das ist für die Hochsaison ein sehr günstiger Preis, den wir über Rose Travel Consulting in Rottach-Egern bekommen haben, andere Veranstalter waren da wesentlich teurer. Noch mehr lässt sich im Hochsommer sparen, da bleibt bei den hohen Temperaturen die übliche Kundschaft aus und man kann trotzdem im Pool Erfrischung finden, denn das Wasser wird entsprechend herabgekühlt, auch ist das noble Etablissement von der jüngsten Rezession nicht verschont geblieben, ganze zwei Stockwerke waren während unseres Aufenthalts gesperrt...
Fazit: ein Paradebeispiel mit kleinen Fehlern für eine once-in-a-lifetime experience
Infos und Bilder unter www.jumeirah.com......... .meine eigenen Fotos kann ich derzeit leider nicht einstellen, da die Speicherkarte gerade in Spanien weilt ;-)