Bewertung von kikilotta im Detail
Ich bin wieder raus aus dem Knast und kann Euch nun auch was darüber berichten.
Am Ende unseres zweiwöchigen Irlandurlaubs wollte ich gar nicht mehr zurück nach Deutschland und flüchtete daher in das wohl bekannteste derzeit leerstehende Gefängnis in Irlands Hauptstadt. Doch auch dort konnte ich mich nicht mehr vor der Realität verstecken und so endete unser Urlaub doch noch. Da hilft nur noch in Erinnerung schwelgen und viele Berichte schreiben
LAGE
Irlands wohl bekanntestes Gefängnis heißt Kilmainham Gaol (letzteres wird eher wie Jail ausgesprochen) und befindet sich in Dublins Stadtteil Kilmainham.
Zu erreichen ist dies über die N4 oder mit den Buslinien 51 und 79.
In der Inchicore Road könnt ihr gegen Gebühr gleich zeitlich begrenzt parken (also besser mit dem Bus ankommen, ist deutlich billiger und die Zeit ist viel flexibler!).
Aufgrund verschiedener Baustellen und Einbahnstraßen ist diese Sehenswürdigkeit kaum ausgeschildert und nur schwer zu finden, sollte man keine Straßenkarte von Dublin zur Hand haben. Aber die netten Iren helfen Euch sicherlich gerne weiter
BESONDERHEIT
Bevor ich noch weiter auf die Einzelheiten eingehe, möchte ich hier nur erwähnen, dass dieses Gefängnis wohl als das Symbol für die irische Befreiung schlechthin steht, was an sich ja wohl eher wie ein Gegensatz klingt.
Zum anderen ist die Bauweise eher sehr attraktiv, wie ich es bei keinem Gefängnis eigentlich erwarten würde.
MUSEUM
Betretet ihr das Kilmainham Goal durch die Pforte an der Inchicore Road, solltet ihr mal einen Blick auf das Portal werfen. Hier winden sich die fünf Teufel von Kilmainham. Dabei handelt es sich um 5 in Stein geschlagene Schlangen ( ich hätte sie ja eher als Drachen bezeichnet) , allesamt eine Kette um den Hals. Dieses Bild soll die Bändigung des Bösen darstellen .
Weiter geht es durch den Eingangsbereich, vorbei am Bookshop zu den Ausstellungsräumen, die recht großzügig mit Zeitdokumenten ausgestattet sind. Hier findet der Besucher verschiedene Schriftstücke aus der Zeit von 1796-1924.
Hier finden sich die Strafregister, die außerdem noch über Bildschirm in Einzelheiten in Szene gesetzt werden: Name XXX, In Besitz einer Scheibe Brotes, 4 Tage
Viele Häftlinge wurden hier aufgrund der Hungersnot eingesperrt, die sie zu kleineren lebensnotwendigen- Diebstählen verleitete. Oft waren auch Jugendliche und Kinder unter den Staftäter zu finden.
Per Film erhält der Besucher einen Überblick, was ein Gefangener wohl tagtäglich in seiner Zelle machen könnte. Außerdem gibt es viele andere Informationen über Bildschirm und Tastatur.
Einige Exponate sind recht erschreckend, wie auch der originale , auf dem die Straftäter geköpft wurden.
Insgesamt sind hier viele Exponate zu finden, einige davon rührten mich sehr und hinterliessen ihre Spuren bei der weiteren Führung durch das Gefängnis.
ÖFFNUNGSZEITEN
Die Besichtigung des eigentlichen Gefängnissen ist nur im Rahmen einer Führung möglich, die ca. 1 Stunde dauert (bei Ciaran auch deutlich länger) und einige Teile des Gebäudes umschließt.
Der Eintritt insklusive Museum kostet übrigens 5 € . Die letzte Führung findet gegen 17 Uhr statt, ebenso wie der letzte Einlass zur Ausstellung 17 Uhr ist.
Die derzeitigen Öffnungszeiten sind daher wie folgt ausgeschrieben:
April bis September 9.30-18:00 Uhr, letzter Einlass 17 Uhr.
HISTORISCHES
Errichtet wurde das Gefängnis bereits 1796, kurze Zeit später wurde Irland zum United Kingdom gezählt. Immer wieder gab es Unruhen zwischen diesen beiden Staaten und so wurden viele politische Gefangene in Kilmainham verurteilt.
Während der großen Hungernot um 1850 saßen aber auch viele Kinder und Frauen hier ein, die sich um ihr Überleben kämpfend ein Brot oder eine Kartoffel geklaut hatten. Auch diese wurden zu einigen Tagen Gefängnis verurteilt und so wurde gerade in dieser Zeit der Platz sehr knapp, denn anstatt der 185 Inhaftierten fanden sich so um die 9000 Gefangene auf engsten Raum wieder.
Aber auch die Leader verschiedener Revolutionen fanden hier ihren Tod, einige von ihnen werden an ihren Zellentüren namentlich erwähnt bzw. haben eine Gedenktafel am Exekutionsplatz.
So weht im Innenhof eine irische Flagge für die 15 Führer des Osteraufstandes, die am 3.5.1916 hingerichtet wurden.
1924 schloss das Gefängnis seine Tore.
FÜHRUNG
Die Führung beginnt mit einer AV-Show in der kleinen Gefängniskapelle, wo auch Joseph Plunkett Grace Gifford heiratete, 3 Stunden bevor er selber hingerichtet wurde.
In diesem Vortrag- episch breit von unserem Führer Ciaran erzählt- erfährt der Besucher etwas über die verschiedenen Aspekte des Gefängnisses wie die Historie Irlands , Details über politische Gefangene und auch einige Hinweise zur Architektur.
Nach diesem ca. 20 minütigen Vortrag geht über über ausgetretene Treppen aus Stein und niedrigen Türen in einen der Gänge, von denen die Zellen abgingen. Hier waren einige Zellen mit Namensschildern zu sehen, einige dieser Gefangenen hatten Schriftstücke hinterlassen oder eine so bewegte Geschichte, das ihr Name in dieser Form hier festgehalten wurde.
Weiter geht es in die Sonderzelle von Charles Stewart Parnell, die sich eindeutig in Größe und Ausstattung (konnte man bei den anderen Zellen überhaupt von Ausstattung sprechen?) unterscheidet.
Von dort aus geht es in den recht bekannten ovalen Innenhof mit seinen zahlreichen Zellentüren, welches wohl auch das häufigste Fotomotiv hier ist. 22 Stunden am Tag mussten die Gefangenen hier still sein und hatten keinerlei Recht auf Privatsphäre, denn die Wärter konnten jederzeit durch die Gucklöcher ihre Gefangenen beobachten.
An 2 Stunden am Tag durfte geredet werden, Übungen wurden durchgeführt.
Dann wird es besonders ergreifend, unser Führer Ciaran las aus dem Abschiedsbrief eines zum Tode verurteilten vor, nicht ohne selbst dabei von Tränen ergriffen zu werden.
Ab geht es zum Exekutionshof, wo 2 Gedenktafeln an verschiedene Inhaftierte erinnern. Hier sind die 15 Führer des Osteraufstandes zu erwähnen.
Insgesamt wurde bei dieser Führung sehr viel erzählt, wobei ich sicherlich auch in deutscher Sprache nicht alles hätte behalten können. Viele historische Zusammenhänge sind nicht jedem Tourist klar und somit nicht immer ganz einfach zu verstehen.
Dennoch war ich allein vom Vortrag und der Emotionalität unseres Führers sehr beeindruckt.
DAS GEBÄUDE
Von außen aus sieht das Gebäude nicht unbedingt wie ein Gefängis aus, denn verschiedene Prunkstücke wurden hier angebracht. So ist das Eingangstor auf jeden Fall zu erwähnen, ebenso wie die sogenannen schweizer Fenster mit ihren Unterteilungen.
Die große Halle stammt aus der viktorianischen Zeit und ist oval. Dies verschaffte den Wärtern einen besonders guten Überblick von jedem Standpunkt aus.
Von soviel Atmosphäre inspiriert wurden hier auch einige Filme gedreht, von denen ich allerdings bisher noch keinen einzigen gesehen habe.
1924 wurde das Gebäude als Gefängnis geschlossen und vergammelte jahrelang, nachdem gegen andere Bauvorhaben Einspruch eingelegt wurden. In den 60er Jahren konnte dann endlich mit einer Renovierung und Konservierung des Gebäudes angefangen werden und seit 1986 steht das Gebäude nun als Museum und Mahnmal der Öffentlichkeit zur Verfügung.
Mir persönlich hat diese Führung gefallen und auch die Ausstellungsstücke waren recht gefühlsintensiv. Leider konnten wir das Ziel nicht direkt finden und hatten so nicht mehr genug Zeit, die gesamte Ausstellung auf 3 Stockwerken zu besichtigen.
Wer Führung, Ausstellung und Atmosphäre wirklich nutzen will, sollte 2-3 Stunden für Kilmainham Goal einplanen. Also genug Geld in den Parkscheinautomat stecken oder weiter weg parken! Noch besser ist es jedoch mit dem Bus anzureisen, denn eine Busfahrt in Dublin ist deutlich günstiger als eine Stunde parken!
FAZIT
Ein Dublinbesuch mit einem Abstecher nach Kilmainham Goal ist unbedingt empfehlenswert!
Kilmainham Gaol10
Einzelbewertung
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Erreichbarkeit
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Muss man gesehen haben
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Budget-Freundlichkeit
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Architektur
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Konzept
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Exponate
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Bedeutung