Bewertung von Osgur im Detail
Osgur
Hagen, Deutschland91%
Lage/Erreichbarkeit
Das Gebäude liegt ca. 3 Kilometer westlich vom Stadtzentrum entfernt, im Stadtteil Kilmainham. Es ist aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Buslinien 51 und 79 vom Aston Quay an der O´Connell-Bridge) gut zu erreichen. Mein Besuch fand im Mai 2004, anlässlich eines Kurzbesuches in Dublin, statt
Historisches
Das frühere Staatsgefängnis wurde im Jahre 1796 errichtet. In ihm wurden nicht nur unzählige Kriminelle sondern auch viele irische Rebellen gegen die Briten gefangengehalten und zum Teil auch hingerichtet. Angefangen von den United Irishmen über die Fenier bis zu den Anführern des Osteraufstandes von 1916. Kurz nach der irischen Unabhängigkeit im Jahre 1924 wurde das Gefängnis geschlossen. Danach verfiel der Komplex immer mehr. Erst in den 60er Jahren besann man sich der historischen Bedeutung und restaurierte das Gebäude komplett, um ein Museum bzw. eine nationale Gedenkstätte daraus zu machen.
Das Wort Gaol ist übrigens eine antiquierte Schreibweise für das englische Wort Jail ( Gefängnis)
Besichtigung
Man betritt das Gebäude von der Inchicore Road aus. Schon am Eingang umfängt einen die etwas unheimliche Atmosphäre dieses Ortes. Das düstere Grau der Gebäudefront, sowie das Relief von Schlangenketten über dem Eingangstor bereiten einen auf die Eindrücke im Inneren vor. Der Eintritt beträgt 5 Euro. Eine Besichtigung ist nur im Rahmen einer Führung möglich. Sie dauert rund 1 Stunde und beinhaltete eine ca. 25-minütige audiovisuelle Präsentation.
Nach einer kurzen Begrüssung referiert unsere Führerin zunächst ein paar Minuten über die Geschichte des Gefängnisses. Dann geht es in das eigentliche Gefängnisgebäude. Als erstes steht die grosse aus viktorianischer Zeit stammende Halle auf dem Programm. Das ganze ist ein ovaler Zellentrakt. Ringsherum im Erdgeschoss und in 2 darüberliegenden Stockwerken liegen die Zellen. Die oberen Stockwerke sind durch eine Stahltreppe in der Mitte der halle erreichbar. Das, durch ein grosses Fenster im Dach des Traktes, einfallende Licht verleiht der Halle auf den ersten Blick eine durchaus freundliche Atmosphäre. Erst der Blick in eine der Gefängniszellen macht klar, das der Aufenthalt dann wohl doch nicht so angenehm gewesen sein muss. Die Zellen sind keine 10 Quadratmeter gross und das Licht fällt nur durch ein Fenster am oberen Rand der Zelle herein. Die Zelleneinrichtung ist allerdings nicht mehr vorhanden. An einigen Zellen sind Plaketten mit den Namen prominenter Insassen angebracht. Unter anderem hat hier der bekannteste irische Politiker des 20. Jahrhunderts Eamon de Valera eingesessen.
Nächster Höhepunkt ist die Gefängniskapelle. Die Führerin erzählt, daß Joseph Plunkett, einer der Führer des Osteraufstandes 1916 hier ein paar Stunden vor seiner Hinrichtung noch geheiratet hat. Heute ist die Kapelle zu einem kleinem Kino hergerichtet, in dem eine audio-visuelle Show über die Geschichte des Gefängnisses berichtet. Anschließend geht es durch den älteren Teil des Gefängnisses. Die Gänge sind auch heute nur unzureichend beleuchtet und es fällt kein Tageslicht von draussen herein. Der Boden ist uneben. Die Vorstellung hier den Rest seines Lebens verbringen zu müssen ist ziemlich beklemmend.
Zum Glück geht es bald darauf auf einen grossen, von hohen Mauern umgebenen, Innenhof. An einer Mauer ist eine Tafel aus Metall angebracht. Auf ihr wird in englischer und gälischer Sprache verkündet, daß hier nach dem Osteraufstand, zwischen dem 3. und 12. Mai 1916, 14 Rebellen hingerichtet wurden. Die bekanntesten von Ihnen sind Patrick Pearse, James Connolly und der bereits oben erwähnte Plunkett. Neben dem Fahnenmast steht ein Gestell mit einem kleinen Kranz sowie einer Schärpe in den Farben der irischen Trikolore.
Danach geht es wieder in das düstere Innere des Gefängnisses. Zum Abschluss werden wir in die Zelle geführt in der Charles Stewart Parnell, der politische Führer der Iren in den 1880er Jahren, 1881/82 ein paar Monate in Kilmainham verbracht hat. Wobei Zelle das falsche Wort ist. Allein von der Grösse her ist der Raum, im Vergleich zu dem vorher gesehenen, luxuriös. Auch die Euinrichtung mit Bett, Sessel und Schreibtisch lässt mehr auf eine normale Wohnung denn auf eine Gefängniszelle schliessen. Offenbar hat ihm seine Prominenz einen gehörigen Bonus bezüglich der Behandlung verschafft, denn unser Guide erklärt uns, daß er auch regelmäßig Besuch empfangen durfte.
Schließlich sind wir wieder an unserem Ausgangspunkt angekommen. Anschließend schaue ich mir noch die kleine Ausstellung an, in der man die gewonnene Eindrücke abrunden kann. Die Exponate befassen sich mit dem Gefängnisalltag. Zu sehen sind u.a. Uniformen des Personals, Gefängnisordnungen und Zelleneinrichtungen. Man erhält auch einen Einblick in die verschiedenen Bestrafungsarten. Im oberen Stockwerk wird die Restauration des Gefängnisses dokumentiert. Die Bilder über den armseligen Zustand des Komplexes nach fast 40jährigem Verfall lassen die Schwere der Aufgabe erahnen. Vor allem anhand von Fotografien wird der Fortschritt der Arbeit über die Jahre hin veranschaulicht. Wer nach dem Besuch noch etwas Stärkung benötigt, kann anschließend noch den kleinen Teashop besuchen. Über das Angebot und die Qualität des dort Gebotenen, kann ich allerdings nichts sagen, da ich mir den Besuch gespart habe.
Fazit
Ein interessanter Ausflug in die irische Geschichte. Für meinen Geschmack war die audiovisuelle Vorführung etwas zu langatmig erzählt. Der Gang durch die Zellentrakte vermittelt ein wesentlich besseres Bild vom Leben im Gefängnis. Wer sich für Hintergründe der irischen Geschichte interessiert, für den ist Kilmainham Gaol ein Muss. Aber auch für diejenigen, die nicht soviel Hintergrundwissen mitbringen, ist der Einblick in den Strafvollzug des 19. und frühen 20. Jahrhunderts das Eintrittsgeld allemal wert.
Kilmainham Gaol9
Einzelbewertung
-
Erreichbarkeit
-
Muss man gesehen haben
-
Budget-Freundlichkeit
-
Architektur
-
Konzept
-
Exponate
-
Bedeutung