Bewertung von kikilotta im Detail
Als stolze Besitzer der Ruhrpottcard 2007 genießen wir bei zahlreichen Ausflugszielen und Attraktionen des Potts freien Eintritt. Mit dem einmaligen Kauf der Karte für 29€ (später waren es 34€) versuchen wir in diesem Jahr möglichst viel von unserer Region zu sehen. Und am Wochenende war Essen angesagt.
Wir hatten uns schon vor einiger Zeit die Zeche Zollverein einmal angeschaut, allerdings war da die derzeitige Nutzung noch nicht so weit fortgeschritten und die Ausstellung Sonne, Mond und Sterne noch im Aufbau. Das war schon richtig interessant.
Aber nun wollten wir an eine Führung teilnehmen und entschieden uns, bei der Führung durch die Kokerei am Wochenende mitzumachen. Diese finden normalerweise um 14 und 16 Uhr statt, in den Ferien allerdings aufgrund des hohen Andrangs auch nach Bedarf und dazwischen und immerzu
Wir trafen uns am Infopunkt der Kokerei direkt neben dem Kokerei-Café und lernten so unseren Führer Heinz Siemann kennen und schätzen.
Die Teilnahme an der Führung kostet im Normalfall 6€.
Die Führung begann für uns auf dem hohen Gebäude der Mischanlage, das wir zunächst im Gänsemarsch mit einer Gruppe von ca. 30 Leuten erklimmen mussten. Wir gut, dass es für Fußkranke oder Ältere einen Fahrstuhl gibt, wir anderen nahmen uns den Weg durch das Treppenhaus vor. Zugegeben, mir wäre der Fahrstuhl auch lieber gewesen, dass merkte ich dann auch unterwegs, aber wer will schon als Fußkrank oder Älterer bezeichnet werden. Also wie gesagt, die Treppen sind nicht ohne und oben angekommen gab es niemanden, der nicht nach Luft hechelte. Dort konnten wir unter Erklärung erst einmal den Ausblick vom Dach der Mischanlage genießen und die ehemaligen Zechen und Kokereien sowie weitere markante Objekte der Industriekultur erkennen.
Von dort ging es in die Mischanlage, wo einst die Kohle aus verschiedenen Zechen gemischt und in den Bunker befördert wurden.
Schon recht schnell erfuhren wir einige Anekdoten von der Kokerei, auf der unser Führer gearbeitet hatte und hörten immer wieder den Satz: Die Koker sind intelligent! Diesen sollten wir noch sehr häufig zu hören bekommen.
Auch über den Baustil des Gebäudekomplexes durch den Architekten Schupp und vielen technischen Details konnten wir uns ausgiebig informieren.
Im Inneren des Kohlenbunkers befindet sich derzeit eine Fotoausstellung die Wolkenmacher, die riesige Aufnahmen aus dem Alltag der Koker zeigt. Die Fotos sind auf Dialeinwänden und wirken in diesem Gebäude wirklich phänomenal. Diese Anlage verlässt man nun über die Showtreppe, auf der jeder Teilnehmer nun singend, tanzend, strippend herunterkommen konnte. Keiner der Teilnehmer nahm diese Gelegenheit wirklich ernst
Von dort aus arbeiteten wir uns dann weiter vor erneut hieß es Treppensteigen und dann waren wir schon beim Sonnenrad, dem kleinen Riesenrad auf dem Dach der Anlage.
Wir erfuhren außerdem, was hier mit der gemischten Kohle passierte um daraus Koks zu machen und wie es sich auf dem Dach angefühlt haben muss, wenn 1500°C unter dem Füßen aus Kohle Koks machte. Auch mit den besonderen Steinen und einem ausgeklügelten System der Befüllung (Koker sind ja intelligent!) wären Gummisohlen schon nach kürzester Zeit unterwegs gewesen wenn auch in flüssiger Form!
Fakt ist, hier wurden täglich über 11 000 t Kohle angeliefert und im Inneren der Anlage zu 8 000 t Koks veredelt.
Weitere Schritte, wie man dann mit technischen Mitteln die Abfallprodukte (Gas, Schwefel, Salz..) aus der Koksherstellung wieder neutralisiert oder selbst wieder verwertet wurden uns auch vorgestellt. Die eine oder andere Anekdote kamen dort unter Schmunzeln wiederum zum Tragen. Auch die baulichen Veränderungen aufgrund der umweltbewussten Politik (oder waren es Beschwerden aus dem verstaubten Stadtteil) wurden uns vorgestellt.
Schließlich passierten wir noch den Kamin und den blauen Tunnel Hätte Heinz Siemann nicht um 16 Uhr die nächste Führung, so wären wir sicherlich noch stundenlang weiter in den Genuß seiner Anekdoten von intelligenten Kokern gekommen. So fand die nächste Führung mit ihm wahrscheinlich etwas später statt, und wir konnten uns selbst noch ein Bild der Anlage machen, was wir auch in den nächsten 2 Stunden noch recht intensiv taten.
Doch bevor wir dies machten, führte unsere Weg durch das Kokerei Café mit einer kleinen Stärkung.
Das Gelände der Kokerei ist jederzeit zugänglich, die Innenräume sind nur bedingt ohne Führungen zugänglich. Es stehen ausreichend Parkplätze zur Verfügung.
Das Gelände drumherum wird derzeit sehr stark vom Schmetterlingsflieder bestimmt. Ehemalige Bahntrassen lassen sich nur kaum noch erkennen, der Umladebahnhof ist nur noch eine Ruine
OFFIZIELLE FAKTEN ZUR KOKEREI ZOLLVEREIN
Mit dem Bau der Kokerei Zollverein wurde 1957 begonnen, welche aber auch nach den Plänen von Fritz Schupp erfolgte. Dieser hatte bereits 1928 die Zeche Zollverein Schacht 12 entworfen. Sein Baustil galt damals als besonders schön, denn er baute in einer Art Fachwerkstil. Eisenfachungen bildeten das Gerüst, die anschließend mit Backsteinen aufgefüllt wurden. Verschönernde Elemente sind hier vorzufinden.
1961 ging die Kokerei in Betrieb und wurden in den nächsten Jahren erweitert. Schließlich gab es 304 Koksöfen auf einer Länge von ca. 1 km. Zu Höchstzeiten waren 900 Menschen in der Kokerei beschäftigt, wobei es für jeden nach seinen Fähigkeiten Aufgaben gab. Im Juni 1993 schließlich kam das Aus für die Kokerei, die Zeche selbst hatte schon zuvor geschlossen. Die neue Nutzung des Geländes wurde sofort geplant.
Heute gibt es neben dem Restaurant-Café einigen Raum für Ausstellungen und Veranstaltungen, Museen, Platz für Firmen und Messen und vieles mehr.
Das Gelände und seine Gebäude gehören zur Route der Industriekultur und stehen unter Denkmalschutz. Seit Dezember 2001 ist das Ensemble als Unesco Weltkulturerbe aufgenommen worden.
FÜHRUNGEN
Unsere Führung hieß "Kohle, Koks, Kultur" und findet in der Zeit von April bis Oktober
samstags um 14 u. 16 Uhr, sonntags und an Feiertagen um 11, 14 u. 16 Uhr, außerdem nach vorheriger Absprache.
Es finden außerdem zahlreichen weitere Führung statt, die ein spezielles Themengebiet oder einen Schwerpunkt haben. So gibt es Fototouren, Nachtlichtführungen (immer freitags um 21 Uhr), Kinderführungen, Familienführungen, und auch weitere Führungen für bestimmte Zielgruppen.
FAZIT
Ein Besuch ist auf jedem Fall empfehlenswert, mit Führung sogar noch viel intensiver!
Zollverein10
Einzelbewertung
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Erreichbarkeit
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Muss man gesehen haben
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Architektur
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Konzept
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Bedeutung