Bewertung von SaschaT im Detail
Ich sag es rundheraus: Unser erster Besuch im Cocoon hinterließ einen katastrophalen Eindruck. Die lustigen Abreißtickets, die aussahen wie die, die man in jedem Hinterhofkino bekommt - da konnte man noch drüber schmunzeln. Trotz der 20 Euro, die man für die Schnipsel hinlegt.
Aber der Club ist neu, vor gerade mal einem Monat hat er aufgemacht und unsere Erheiterung wird mit der freundlichen Auskunft quittiert, dass die richtigen Eintrittskarten noch nicht fertig seien.
Das Interieur, von dem mal ja schon so viel gehört und gefernsehen hat, finde ich teils bemüht modern, teils tatsächlich innovativ. Die DJ-Kanzel ist sehr eindrucksvoll, auf der vielfach abgestuften Tanzflächen-Landschaft kommt man sich allerdings ein bißchen vor wie eine Bergziege. Den nüchternen Grundriss des Bürogebäudes, in dem sich der Club befindet, kann die "organische" Gestaltung einzelner Raumelemente aber nicht vollständig vertuschen.
Der Rest des Abends verläuft wenig erquicklich. Eine derart mies ausgesteuerte Klang-Anlage habe ich lange nicht zu Ohren bekommen. Einen singenden DJ auch nicht.
Die Nebelschwadenwerfer machen Geräusche wie die Hydraulik eines 11-Tonner MAN und übertönen spielend die - nun ja nennen wir es ruhig mal Musik. Dass da keine Stimmung aufkommt... mich wundert es nicht. Immerhin, immerhin ist der Laden annähernd voll.
Doch aller Anfang ist schwer. Und jeder hat eine zweite Chance verdient. So rafften wir uns auf und nahmen die lange Anreise vorige Woche noch einmal auf uns. Wer nicht selbst fahren mit dem Auto will und die Ausgabe von 15-20 Euro für ein Taxi scheut, darf sich auf eine halbe Stunde Straßenbahn ab Hauptbahnhof freuen. Das Cocoon liegt in einem Industriegebiet in den Suburbs von Frankfurt.
Der Andrang hat im Vergleich zum Sommer spürbar nachgelassen. Wir stehen kaum 5 Minuten in der Schlange, die keine ist - und bekommen als Eintrittskarten die gleichen billigen Abreißmärkchen mit Ostzonen-Charme wie damals kurz nach der Eröffnung.
Drinnen verirren sich die wenigen Partywilligen fast in den weitläufigen Räumen. Wir sind früh dran, es ist nicht mal ein Uhr. Bis ungefähr zwei Uhr wird das Cocoon etwas voller, um sich dann keine halbe Stunde später wieder zu leeren. Wohlgemerkt, es ist Samstag abend!
Wenigstens hat man inzwischen die Lautsprecher im Griff. Und der DJ singt nicht. Dafür spielt er eine englische Cover-Version von Salome de Bahias "Outro Lugar".
Last night the DJ killed my brain. Autsch!
Dass der Club, der bis zu 1200 Leute fassen soll, nicht mal halbvoll ist, hilft der Stimmung auch nicht auf die Beine. Dass kein richtiges Bier, sondern nur als "Becks Gold" abgefüllte Tuntenpisse verkauft wird, auch nicht.
Eine der vier Bars hat tatsächlich Bier in grünen Flaschen, finden wir später heraus. Doch da ist es schon zu spät - wir sind bereits beim Moet angelangt.
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Tja, das wird wohl unser vorläufig letzter Aufenthalt im neuen "In-Tempel" von Frankfurt gewesen sein.
Das Cocoon hätte eine international vorzeigbare Bereicherung der Frankfurter Party-Szene werden können. Was ist da nur schief gelaufen?
Die PR-Maschinerie lief doch vergangenes Jahr auf Hochtouren. Was haben sich die Medien nicht überschlagen, den neuen Club von Sven Väth anzupreisen. Das Einzige was im Repertoire der Öffentlichkeitsarbeiter noch fehlte war Mikrofon-Marketing am Stand in der Fußgängerzone.
Was mich allerdings damals schon stutzig machte war, dass die Werbetrommel gerührt wurde, wie nix Gutes und gleichzeitig versuchte man Jet-Set-Exklusivität vorzugaukeln. Und schürt völlig falsche Erwartungen. Dass sowas nicht gut gehen kann, scheint mir naheliegend. Den Eindruck einer Totgeburt konnte auch mein zweiter Besuch nicht ganz ausräumen.
Ich gebe dem Cocoon keine zwei Jahre. Dann werden die Banken wohl unruhig werden. Ein paar Betreiberwechsel vielleicht noch und irgendwann das endgültige Aus.
Frankfurts als Hauptstadt des Techno ist tot. Und das Cocoon ist der schicke Grabstein.
Cocoon Club3
Einzelbewertung
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Erreichbarkeit
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Muss man gesehen haben
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Budget-Freundlichkeit
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Atmosphäre
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Prominentendichte
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Flirteignung