Gibraltar, die britische Enklave an der Südspitze der iberischen Halbinsel, erreicht man auf einer Straße, welche die Start- und Landebahn des kleinen Flughafens kreuzt. Sobald ein Flugzeug landet oder startet, wird die Straße gesperrt. Berühmt ist der große Felsen, innen ausgehöhlt und militärisch befestigt. Auf ihm leben einige Berberaffen, die von einem Affenbeauftragten des britischen Militärs gehegt werden. Einer Legende nach ist nämlich die Zeit der britischen Herrschaft abgelaufen, sobald die Affen verschwunden sind.
Geschichte
Im Jahr 711 gingen hier die Mauren, unter ihrem legendären Führer Tarik aus Nordafrika kommend, an Land und besetzten mehr als sieben Jahrhunderte lang die Iberische Halbinsel.

Der Name
Gibraltar kommt von dem arabischen Djebel al Tarik (Felsen des Tarik). Im Jahr 1704 wurde Gibraltar im Spanischen Erbfolgekrieg von den Briten erobert. Mit der Eröffnung des Suezkanals im 19. Jahrhundert stieg die strategische Bedeutung noch an, denn nun führte der kürzeste Seeweg nach Asien und in den Pazifik durch das Mittelmeer.
In den Weltkriegen diente Gibraltar als Sperrposten gegen deutsche Schiffe. Gibraltar mit seinen sechs Quadratkilometern Fläche war ursprünglich eine Insel, die über Versandungen an der Landenge zur spanischen Grenze hin an das Festland angeschlossen wurde.

Genau an dieser Stelle entstand der
Flughafen mit einer gerade mal 1800 Meter langen Start- und Landebahn, der im Zweiten Weltkrieg besonders ausgebaut wurde. Die Allee Winston Churchill, Zufahrtsstraße nach Gibraltar, verläuft auf ihren zwei Kilometern zwischen Bucht und Felsen stellenweise ebenfalls auf Gelände, das dem Meer abgetrotzt wurde.
Die älteste Spur menschlicher Anwesenheit ist ein Schädel eines Neandertalers, der aus der Zeit um 50.000 vor Christus stammt und im Jahre 1848 in einer der zahlreichen Höhlen des Kalksteinfelsens gefunden wurde.
Militär und Regierung
Das
Konvent ist seit 1704 die Residenz des Gouverneurs von Gibraltar. Für Besucher bleibt es allerdings verschlossen.

Das Gebäude war im 16. Jahrhundert ursprünglich als Franziskanerkloster erbaut worden, die Fassade wurde im 19. Jahrhundert erneuert.
Eine Wache der Soldaten des Royal Regiment Gibraltar steht in der Woche am Haupteingang und hier kann jeden Dienstag um 11 Uhr der Wachwechsel der britischen Soldaten beobachtet werden.
Gibraltar und seine Regierung sind untrennbar mit dem Militär verbunden, das während mehrerer großer Belagerungen die britische Enklave erfolgreich verteidigte. Überall auf Gibraltar zeugen militärische Denkmäler, etliche alte Kanonen oder auch die
Museen der Great Siege Tunnels davon. Auch vor dem Konvent stehen einige Kanonen. Der
Casemates Square ist der Platz, an dem die Kasematten von erfolgreicher Verteidigung zeugen. Dicke Tunnel führen durch Mauern, die zumindest damals wohl wirklich unbezwingbar waren. Die Mannschaftsunterkünfte lagen damals sehr nahe an dem Landskape, dem einzigen Zugang von der Landseite her, der über eine Kettenbrücke betreten werden konnte.
Sehenswürdigkeiten
Kirchen, Kapellen, Moscheen, Synagogen und Tempel
Gibraltar besitzt einige wichtige christliche Kirchen, aber auch eine große weiße Moschee, etliche jüdische Synagogen und hier gibt es sogar einen hinduistischen Tempel. Die evangelische
Anglikanische Kathedrale der Heiligen Dreifaltigkeit ist die Mutterkirche der Diözese in Europa und gleichzeitig Pfarrkirche auf Gibraltar.

Im maurischen Baustil erbaut, ist sie leicht an ihren hufeisenförmigen Säulen erkennbar. Sie wurde 1838 geweiht, 1842 gründete die anglikanische Kirche die Diözese von Gibraltar für das Gebiet von Portugal bis zum Kaspischen Meer und noch heute beherrscht sie von Gibraltar aus ganz Europa, außer Großbritannien und Irland. In der Main Street befindet sich die
Katholische Kathedrale der Heiligen Maria der Gekrönten. Sie steht genau an der Stelle, an der sich früher die größte Moschee Gibraltars befand. Als eines der Überbleibsel ist der maurische Hof der Kathedrale erhalten geblieben. Diese Kirche, damals noch Moschee, war die einzige heilige Stätte auf Gibraltar,

die von den Soldaten während der Übernahme im Jahre 1704 nicht entweiht worden war. Die neue
Moschee Ibrahim al-Ibrahim steht am Fuße des Felsens, unweit des Leuchtturms am
Punta Europa. Der gesamte Komplex ist innerhalb seiner Mauern erhöht erbaut worden, nach Afrika ausgerichtet und weithin zu sehen. Die Moschee wurde 1997 nach zwei Jahren Bauzeit eingeweiht und ist ein Geschenk von Fahd bin Abdulaziz al-Saud, König von Saudi Arabien, an die etwa 2000 islamischen Einwohner von Gibraltar. Ganz in der Nähe findet man auch ein weiteres Heiligtum, das Sanktuarium Unserer Lieben Frau von Europa. Ursprünglich eine Moschee, wurde es 1462 nach dem Sieg der Spanier über die Mauren zu einer katholischen Kapelle geweiht,

1540 von türkischen Piraten geplündert und 1704 von den britischen Eroberern zerstört. Die Einzelteile der Marienfigur konnten von Fischern gerettet und der Kirche übergeben werden. Erst 1961 aber gab das Militär die Kapelle zurück. Sie wurde restauriert und auch die Originalfigur der Maria konnte wieder aufgestellt werden. Die
Kapelle des Königs aus dem Jahr 1560 gehörte damals zum Kloster des Franziskanerordens, in dem sich heute der Gouverneurssitz befindet. Sie ist heute Garnisonskapelle und steht auch für Besucher offen. Die
K K Sha'ar HaShamayim Synagoge ist eine von fünf Synagogen in Gibraltar. Sie steht in der Engineers Lane und wurde 1724 bis 1768 erbaut.

Weitere Synagogen, die alle im 18. Jahrhundert erbaut wurden, befinden sich in der Bomb House Street, der Line Wall Road, der Parliament Lane und der Market Lane. Nach der englischen Invasion dienten diese Synagogen als Zufluchtsort für Juden der iberischen Halbinsel, die ringsum in den katholischen Gegenden verfolgt wurden. Die
K K Nefusot Yehuda Synagogue wurde in der Wall Road wurde 1790 bis 1800, nach der Großen Belagerung, während der die Spanier versuchten, die Enklave Gibraltar zurück zu erobern, errichtet. Auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren die Juden auf Gibraltar sicher. Der
hinduistische Tempel ist in der Engineer's Lane, einer Nebenstraße der Main Street, oberhalb der der K K Shaar Hashamayim Synagoge, zu finden.
Museen
Das
Gibraltarmuseum befindet sich in der Nähe des Stadtzentrums in einem historischen Haus und zeigt darin gefundene Überreste aus verschiedenen Jahrhunderten.

Dazu gehören die Wohnung eines Almohaden vom Ende des zwölften Jahrhunderts, ein maurisches Badehaus aus dem vierzehnten Jahrhundert und eine Wasserleitung aus dem siebzehnten Jahrhundert. Hier ist auch der sogenannte Schädel von Gibraltar, der 1848 in einer der Höhlen gefunden wurde und als erster Neandertalerfund Europas zählt, ausgestellt. Für die Zeiten der britischen Invasion 1704 und der Großen Belagerung gibt es hier gesonderte Ausstellungen. Dieses Thema ist auch Gegenstand der Museen
Tunnel der Great Siege (Großen Belagerung) und
Tunnel des Zweiten Weltkriegs. Sehenswert ist auch die
Maurenburg aus dem zwölften Jahrhundert, die sich ursprünglich bis hinunter zu den Kasematten zog.
Höhlen
Natürliche Höhlen im Felsen von Gibraltar gelten als die letzten Rückzugsgebiete der Neandertaler in Europa. Gesicherte Spuren weisen auf eine Besiedlung der Gorham- Höhle vor ca. 28.000 Jahren hin.
St. Michaels Caves findet man auf dem Gipfel des Rock of Gibraltar im
Upper Rock Nature Reserve.

Ursprünglich glaubte man, die Höhlen hätten keinen Boden, und so entstand die Legende, Afrika und Gibraltar wären über eine unterirdische Passage verbunden. Während des zweiten Weltkrieges wollte man die Höhle als Hospital nutzen, wozu es allerdings nie kam. Es gibt eine obere Höhle mit fünf unterschiedlich tief liegenden Verbindungsgängen zu einer kleinen Höhle. Dazwischen verlaufen einige schmale Hallen und Kammern, die bis zu 46 m unter dem Höhleneingang liegen. In der Kathedrale-artigen oberen Höhle werden regelmäßig Konzerte und andere Events abgehalten.
Der Felsen und Aussichtspunkte
Gibraltars Felsen ist ein Kalksteingebirge. Der obere Teil dieses Felsens beherbergt die berühmten Berberaffen und ist zum
Naturschutzgebiet erklärt worden.

Der höchste Punkt des Felsens misst 419 Meter über dem Meeresspiegel. Eine
Kabinenbahn führt vom Hafen aus über mehrere Stationen zum Felsen und legt dabei eine Strecke von 673 Metern zurück. Oben am Felsen von Gibraltar befindet sich das
Monument der zwei Säulen des Herkules. Der Felsen, von den Griechen Calpe genannt, soll selbst eine dieser Säulen darstellen. Die zweite Säule soll der Berg Dschebel Musa in Marokko sein, der auf der anderen Seite der Straße von Gibraltar neben der spanischen Exklave Ceuta liegt.

Gemeinsam würden diese Säulen den Eingang in das Reich des Melkart, des Sonnengottes aus Tyros, der von den Griechen Heracles und von den Römern Herkules genannt wurde, zum Atlantik hin darstellen, so heißt es in der Überlieferung. Hinter den Säulen vermutete man zudem die Stadt Atlantis. Die Stelle, an der das Monument steht, stellt gleichzeitig den Eingang zum Naturpark dar. Hier wird das Eintrittsgeld kassiert und von hier aus hat man bei klarer Sicht über ein Münzfernrohr einen guten Ausblick auf das Atlasgebirge in Marokko. Ein zweiter Aussichtspunkt findet sich im Süden Gibraltars am Leuchtturm. Er wird
Punta Europa oder Europa Point genannt.
Hotels
In Gibraltar gibt es jede Menge Vier-Sterne-Hotels. In der Europa Road steht das Hotel
The Rock, es ist ein Haus,

das 1932 im Kolonialstil erbaut wurde. Wegen seiner erhöhten Lage am Felsen hat man von allen Zimmern aus einen Panoramablick über die Bucht von Gibraltar und auf das Gebirge in Marokko.
The Eliott befindet sich an der Governors Parade, neben dem Einkaufs- und Geschäftsviertel, in der Mainstreet. Es ist ein modernes Hotel mit Dachpool und Blick über die Meerenge von Gibraltar und auf den Felsen.
The Caleta, ebenfalls ein Vier-Sterne-Hotel, steht auf der östlichen Seite Gibraltars, an der Catalan Bay. Für den kleineren Geldbeutel hat Gibraltar beispielsweise Appartements, aber auch mehrere Jugendherbergen wie das
Emile in der Line Wall Road oder das
La Campana in der Calle Carboneros zu bieten.
Restaurants und Shopping
Auf Gibraltar kann man steuerfrei einkaufen. Die beste und beliebteste Einkaufsstraße ist hier die
Mainstreet,

die in Nord-Süd-Richtung durch die Altstadt verläuft und mit Plätzen, Kirchen und etlichen Restaurants mit Außenterrassen ausgestattet ist, so dass das Einkaufen richtig Spaß macht. Diese Straße ist eine Fußgängerzone. Oberhalb des südlichen Parkhauses befindet sich ein Kaufhaus, das einerseits an den Casemates Square und andererseits an die Mainstreet grenzt. Der
Casemates Square ist mit etlichen Geschäften versehen, die an einen Basar erinnern und Ware aus Marokko anbieten. In den früheren Kasematten sind neben Geschäften und Restaurants auch Tabernas und Kunstausstellungen untergebracht.

Man darf in Gibraltar mit Euro zahlen, besser sind englische Pfund oder Gibraltar Pfund. Wer jedoch mit Karte in Euro zahlt, zahlt weniger. Überall in den Straßen sieht man Pantomime, die meist völlig golden oder silbern bemalt sind und regungslos ausharren. Sobald ein Geldstück in den aufgestellten Geldkasten fällt, nehmen sie eine andere Stellung ein. Restaurants mit vielen Freiplätzen finden sich überall in Gibraltar, besonders beliebt sind jedoch die Restaurants am Casemates Square und in der von dort abzweigenden Mainstreet, so dass Einkaufen, Essen und Ausruhen gut miteinander verbunden werden können.
Ausflüge
Da die einzelnen Sehenswürdigkeiten über Gibraltar verteilt und teilweise oben am Felsen liegen, bietet sich ein geführter Ausflug dorthin an.

Am
Casemates Square befindet sich am südlichen Ende der Mainstreet eine Taxihaltestelle für Ausflüge. Ohne Voranmeldung kann man hier verschiedene Fahrten zu vier bis sechs Ausflugszielen buchen. Dazu gehören der Rock of Gibraltar und seine Affen im
Nature Reserve, die
St. Michaels Caves, das
Monument der zwei Säulen des Herkules und auch die
Tunnels der Great Siege. Zusätzlich kann man auf Wunsch auch noch den
Europa Point mit dem Hafen ansehen. Endpunkt der Fahrt ist ein Taxistand am nördlichen Ende der Mainstreet. Die Taxis fassen sechs bis acht Leute.
Bootsausflügezur
Delfinbeobachtung können beispielsweise im Square Marina Bay Complex gebucht werden.