Bewertung von MatthiasHuehr im Detail
MatthiasHuehr
Greifswald98%
Anmerkung: Das Museum für Hamburger Geschichte firmiert seit 2006 auch unter dem Alias Hamburgmuseum, welcher durchaus etwas moderner, werbewirksamer und nicht so verstaubt wie der ursprüngliche Namen klingt. Ich verwende daher in meiner Bewertung den kürzeren der beiden Namen des Museums.
Bei meinen längeren Aufenthalten in Städten besuche ich für gewöhnlich die größeren Museen der jeweiligen Stadt. Da ich wenn ich zu Besuch bei meiner Mutter bin, die seit einigen Jahren vor den Toren von Hamburg wohnt, eigentlich jedes Mal einen Tagesausflug in die Stadt unternehme, wobei ich mir immer wieder ein paar der Highlights, oder was die jeweiligen Betreiber als für ein solches mehr oder weniger gerechtfertigt vermarkten, anschaue, war das Hamburgmuseum quasi ein Muss.
Museum
Das Hamburgmuseum ist im Übrigen das flächenmäßig größte Museum in Deutschland, welches die Geschichte einer einzelnen Stadt zum Thema hat. Das Gebäude in dem dieses Museums beheimatet ist, ist ein roter Backsteinbau, dessen Fassade mit einigen Bauteilen aus abgerissenen Bürgerhäusern geschmückt ist. Diese Form von Recycling von altem Baumaterial und das in Verbindung mit einem Museumsneubau ist an sich nicht schlecht, da das Museum von außen schon einen historischen Eindruck vermittelt, obwohl es erst 1922 fertig gestellt wurde. Die künstlerischen Bauelemente, die von der Handwerkskunst und Kultur früherer Jahre zeugen, sind so erhalten worden und bekamen mit ihrem Einbau wieder einen Zweck und einen repräsentativen neuen Standort. Auf der Gartenterrasse des Museums kann man auch einige sehr alte Statuen bewundern, die in die Fassade des Hauses integriert wurden.
Der Gebäudekomplex gliedert sich in zwei Gebäude, deren Innenhof seit 1989 mit einem Glasdach überdacht wurde. Die dadurch gewonnenen Räumlichkeiten werden für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt. Das Museum hat über 11000 Quadratmeter Fläche zu bieten und ein Besuch kann unter Umständen recht lange dauern, wenn man zu den Besuchern gehört, welche sich jedes Exponat anschauen und die dazugehörigen Texte durchlesen müssen. Die Räumlichkeiten im Inneren sind sehr groß und hell und überaus repräsentativ ausgefallen. Da es damals ein Museumsneubau war, konnten die Räume für einige besondere Exponate für diese extra geplant werden.
Anfahrt
Das Hamburgmuseum erreicht man am besten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln entweder mit der U-Bahn Linie U3 (Haltestelle St. Pauli) oder der Bus-Linie 112 (Haltestelle Hamburgmuseum). Sollte man wie ich mit der S-Bahn aus dem Umland nach Hamburg hineinfahren, steigt man an der Haltestelle Landungsbrücken aus. Dort steigt man in die U3 um und fährt eine Station weiter. Bei schönem Wetter kann man diese Strecke aber auch zu Fuß gehen, der Weg zum Museum führt durch einen Park und man kann etwas Natur genießen.
Umgebung
Das Hamburgmuseum ist in unmittelbarer Nähe zur schön gestalteten Gartenanlage Planten un Blomen. Da ich bei meinem Besuch nicht die Öffnungszeiten wusste, war ich zu früh dort und bevor ich die Zeit sinnlos mit Warten vor dem Museumseingang verbrachte, nutzte ich die Zeit für einen Besuch. Es gibt in der Gartenanlage auch Möglichkeiten für Kinder dort zu spielen und zu toben. Die Zeit im Frühling und Sommer ist meiner Meinung die beste Zeit für einen Besuch, der Anlage, da wenn die Natur grünt und blüht Gärten an sich am schönsten sind. In der Nähe des Museums befinden sich auch einige Restaurants.
Eintrittspreise
Erwachsene:
- 7,50 € für Einzelbesucher
Familienkarte:
- 12 € für 2 Erwachsene mit Kindern (unter 18 Jahren)
Ermäßigungen:
- 4,- € für Gruppenbesucher ab 15 Personen, Schwerbehinderte (Begleitperson frei),
Studenten und Auszubildende, Sozialhilfeempfänger und Erwerbslose
- 5,- € für Inhaber der HamburgCARD/Powerpass
- 6,50 € für Besucherinnen und Besucher der Modelleisenbahn "Miniatur-Wunderland "
Freitag
- 4,- € für einen Erwachsenen
- 6,- € für 2 Erwachsene mit Kindern (unter 18 Jahren)
Freier Eintritt:
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, Mitglieder der Freundeskreise des Museums,
- Journalisten, Mitglieder von ICOM, VdR, VDK
50 % Ermäßigung beim Besuch der Ausstellungen im Museum der Arbeit und im Altonaer Museum
Die Eintrittspreise sind für ein Museum dieser Größe im Vergleich zu anderen Museen in völlig normal und nicht überteuert. Einige Rabatte werden von diesem Museum auch angeboten, so bezahlt man beispielsweise im Altonaer Museum und im Museum der Arbeit nur noch die Hälfte des Eintrittpreises, wenn man im Hamburgmuseum war. Anders herum bezahlt man im Hamburgmuseum auch nur noch die Hälfte des normalen Eintrittspreises bei einem vorherigen Besuch eines der anderen beiden Museen. Ob dieses am selben Tag geschehen muss, ist auf der Internetseite des Museums aber nicht eindeutig ersichtlich. Kinder und Jugendliche erhalten an sich schon freien Eintritt, so dass man für sie keine weiteren Einsparmöglichkeiten finden kann. Als Besucher ohne Begleitung kommt ist nur der Besuch am Freitag eine preisgünstige Alternative. Gruppenkarten werden zwar auch angeboten, dafür sind die hierfür notwendigen fünfzehn Besucher eine recht hohe Hürde um in den Genuss des Angebotes zu kommen. Sollte man vorher in der Modelbahnausstellung in der Speicherstadt gewesen sein, erhält man wenigstens einen Euro Rabatt auf den Normalpreis.
Eine andere sehr gute Möglichkeit als Besucher von Hamburg etwas von seinem Geld zu sparen, ist die HamburgCard, durch deren Erwerb schon einmal die Benutzung aller öffentlichen Verkehrsmittel abgegolten ist und man zusätzlich einige Rabatte in vielen Museen und Ausstellungen bekommt. Wenn man den ganzen Tag unterwegs sein sollte, lohnt sich diese Ausgabe schon, da sich alleine durch die mehrmalige Benutzung von S- und U-Bahnen die Kosten für diese Karte schnell wieder rentieren. Die zusätzlichen Rabatte in den teilnehmenden Museen sind dann ein Bonbon obendrauf. Der Powerpass wiederum richtet sich nur an Jugendliche und die Angebote dieser Karte sind entsprechend auf ihre Interessen ausgerichtet.
Öffnungszeiten
Das Hamburgmuseum ist von Dienstags bis Samstags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Am Sonntag ist das Museum für die Besucher eine Stunde länger als sonst geöffnet, nämlich von 10 bis 18 Uhr. Am Montag bleibt das Museum geschlossen.
Erdgeschoss
Das Erdgeschoß behandelt zum einen die Geschichte der Stadt im 20. Jahrhundert. So wird die Entwicklung der Stadt während des zweiten Weltkrieges anschaulich dargestellt. Die Zeit danach mit dem Hungerwinter, dem Flüchtlingselend und dem grassierenden Schwarzmarkthandel wird mit vielen interessanten Exponaten bezeugt. Ausführlich wird die Zeit der Gründung des Bundeslandes Hamburg und der darauf folgenden Zeit des sogenannten Wirtschaftswunders mit aussagekräftigen Exponaten den Besuchern nahegelegt. Der Zeitstrahl der Ausstellung endet mit der Ankunft in die heutige Zeit.
Zum anderen präsentiert das Museum im Erdgeschoss die Kunst- und Kulturgeschichte der Stadt. So stellt man im Museum die Kleidungsstücke aus den Jahren 1750 bis 1920 aus. Das Hamburgische Mäzenatentum wird am Beispiel der Familie Lorenz-Meyer aufgezeigt und in Hamburg wirkende Musiker und ihre Instrumente präsentiert. Mit dem Thema Theater und Wissenschaften in Hamburg beschließt man den Rundgang im Erdgeschoss. Im Erdgeschoss findet man ansonsten die wechselnden Sonderausstellungen, den Museumsshop und ein Cafe.
1. Etage
Die erste Etage des Museums behandelt die Geschichte der Stadt von der Gründung der ersten Siedlung bis in die heutige Zeit. Für mich war dieser Abschnitt des Rundganges am interessantesten, weswegen ich auf diesen Abschnitt des Rundganges detaillierter eingehen werde.
- Glanzstücke aus Hamburgs Geschichte
Gleich am Anfang gibt es einige der wertvollsten Stücke aus der Geschichte zu sehen. So wird das Wappen der Hamburger Börse ausgestellt. Durch die Ausstellung andere Exponate aus der Geschichte des Handels der Stadt wie Teile der alten Börse sowie Waagen und Gewichte, kann man die Bedingungen der damaligen Zeit recht gut nachvollziehen. Die Geschichte der Kauffahrergesellschaften, die letztendlich auch in die Gründung der Hanse gipfelten, kann man wunderbar nachvollziehen. Der Kampf gegen die Piraterie in Nord- und Ostsee kann man mit mehr oder weniger makaberen Ausstellungsstücken sehen. So werden mittelalterliche Henkerwerkzeuge und der Schädel von Klaus Störtebeker präsentiert.
- Hamburg im Mittelalter
Man bekommt unter anderem die Entwicklung Hamburgs vom sächsischen Dorf zum befestigten Missions- und Handelsstützpunkt anhand vieler Modelle gezeigt. Die Geschichte der kirchlichen Entwicklung in Hamburg wird durch viele sakrale Fundstücke repräsentiert. Da ich auch aus einer Hansestadt stamme, war die Darstellung von Hamburg als eine der damaligen Hansestädte und damaligen mittelalterlicher Lastenschiffe, die Hansekoggen, ausführlich behandelt.
-Kirche in Hamburg - Die Reformation in Hamburg
Die Reformation machte auch vor Hamburg nicht halt, so zeigt das Museum seinen Besuchern Dokumente zur konfessionellen Neuordnung der Stadt sowie alte Zeugnisse kirchlicher Kunst, wie Marienschnitzereien und Altarbilder.
-Hamburg in der Frühen Neuzeit
Der Teil der Ausstellung befasst sich mit dem Handel und Gewerbe in der Stadt. So gibt es ein Modell einer an der Alster beheimateten Gewerbemühle zu sehen. Desweiten bekommt man einen Überblick über die Wohnbedingungen der Leute in dieser Zeit und viele Exponate, die den Bauschmuck der Häuser zeigen.
-Barocke Kaufmannsdiele
Eines der schönsten Ausstellungsstücke des Museums ist die barocke Kaufmannsdiele, die über mehrere Etagen geht. Anhand dieses Exponates kann man das Leben in einem Kaufmannshaus gut nachvollziehen. Kunstvolle Schnitzereien und Deckenmalereien zeugen von dem Reichtum der Mitglieder der Kaufmannsgilde, die durch den Handel reich geworden sind. Man kann als Besucher die Galerie der Diele betreten und bekommt einen komplexeren Überblick. Die Diele ist aber nicht vollständig aus einem Haus geborgen und im Museum eingebaut, sondern aus den Einbauten dreier verschiedener Häusern komplettiert worden.
-Stadtbild und Verfassung im 17. Jahrhundert
Das Museum präsentiert dort ein großes Modell des Stadtbildes von Hamburg des Jahres 1644, sowie viele Informationen über die Kirchenbauten und Verfassungsauseinanderset zungen, mit der sich die Bewohner der Stadt damals befassen mussten.
- Aufbruch in die Moderne
Im Jahre 1842 wütete ein Brand in der Stadt und vernichtete große Teile. Über dieses Trauma der Stadt informiert dieser Teil des Rundganges. In dieser Zeit fand auch eine große Auswanderungswelle statt, die hauptsächlich über Hamburg ablief. Zeugnisse von Auswanderern und ihre Schicksale kann man dort betrachten. Mit der Geschichte des Überseehandels endet der Ausflug in die Geschichte und man kommt wieder in unserer heutigen Zeit an.
-Hamburg im 21.Jh
Da sich Hamburg als moderner Standort präsentieren und entwickeln möchte bekommt man die Zukunft der Stadt in einem Model der Hafencity zu sehen.
- Kommandobrücke "Dampfer Werner"
Für die technikbegeisterten Besucher dürfte dieses Ausstellungsobjekt sehr interessant sein, denn man kann eine originale Kommandobrücke betreten und etwas von den maritimen Eindrücken bekommen, den man als Kapitän eines Schiffes jeden Tag zu sehen bekommt.
2. Etage
Die zweite Etage bietet ein sehr breit gemischtes Angebot an Themen, so gibt es eine Ausstellung über Puppenhäuser und Hamburger Silber zu sehen. Detailliert wird auch das Leben und Wirken der Juden in Hamburg seit der Ankunft in der Stadt im Mittelalter bis in die dreißiger Jahre gezeigt. Einige barocke Wohnräume vermitteln den Besuchern Eindrücke über Leben der reichen Kaufleute während dieser Zeit.
Eine große und sehr ausführliche Präsentation über die verschiedenen Schiffstypen steht für die Entwicklung des Hamburger Hafens. Die Modelle sind sehr detailgetreu gebaut worden und auch recht groß und daher ansehnlich geraten. Ich persönlich fand diesen Teil der Ausstellung an sich zwar interessant, die Entwicklung der modernen Schiffstypen als Hamburger Geschichte auszustellen, ist für mich aber sehr weit geholt, weshalb ich an der Stelle meinen Rundgang beendet habe. Die Modelbahnausstellung mit der Darstellung des Schienenverkehrs zwischen Harburg und dem Hauptbahnhof habe ich mir auch nicht angesehen, da diese nur zu bestimmten Zeiten mit Zügen befahren wird.
Museumsshop
Das Hamburgmuseum bietet wie jedes große Museum einen Museumsshop. Die in diesem Laden angebotenen Artikel befassen sich zum Großteil mit der Geschichte von Hamburg und der Schifffahrt im Allgemeinen. Hauptsächlich sind Bücher im Angebot, dazu kommen Ansichtskarten und der übliche Nippes.
Gastronomie
Wie fast alle großen Museum bietet das Hamburgmuseum eine gastronomische Einrichtung namens Cafe Fees. Man kann es auch von einem separaten Außeneingang betreten und muss daher vorher nicht im Museum gewesen sein. Das Cafe habe ich aber nicht selbst besucht, weshalb ich mich dazu nicht weiter äußern werde.
Bewertung
Das Hamburgmuseum bietet seinen Besuchern ein breitgefächertes Angebot an Themen zur Geschichte Hamburgs. Es gibt viele wertvolle und interessante Exponate zu sehen und man braucht schon eine ganze Weile bis man den Rundgang durch das Museum geschafft hat. Besonders an den Tagen mit nicht so sonnigem Wetter, also quasi denen an den die Hamburger Cabriofahrer mit geschlossenem Verdeck durch die Stadt fahren, ist das Museum als Ausflugsziel geeignet.
Museum für Hamburgische Geschichte9
Einzelbewertung
-
Erreichbarkeit
-
Muss man gesehen haben
-
Budget-Freundlichkeit
-
Architektur
-
Konzept
-
Exponate
-
Bedeutung