SiggiWidder
Heinbockel, Deutschland98%
Hallo liebe Leserinnen und Leser.
Heute nun, da werde ich euch von einer wahren Sehenswürdigkeit in Hamburg berichten. Am Samstag, den 09.12.2006, unternahmen wir, meine Maus, Ihr Sohn und ich, einen Tagesausflug in die Hansestadt Hamburg. Von unseren Wohnort gerechnet, sind es ca. 100 Kilometer bis in die große Stadt hinein. Für eine Autotour war dies nun nicht gerade der weite Weg, um eine Übernachtungsmöglichkeit mit einzuplanen.
Also fuhren wir dann morgens los und besuchten das als Museum umgebaute russische Spionage U-Boot mit der Kennzeichnung U-434. Jeder der den Film: Das Boot schon mal gesehen hat, läuft gerade, so glaube ich, zum 40zigsten Mal als Wiederholung im Fernsehen, der weiß nun schon was überhaupt ein U-Boot ist. Für die restlichen nicht Erfahrenen werde ich mal versuchen, dieses so in einem Bericht zu erklären. Obwohl die Überschrift ja im Prinzip schon alles erklärt werde ich das mal in kurzen Sätzen erledigen.
U-Boot Kurzbeschreibung:
Bei einem U-Boot handelt es sich um ein Fahrzeug, welches sich im Allgemeinen unter Wasser bewegt. Quasi im Tauchgang durchfährt es die Weltmeere. Oder liegt, halb aufgetaucht, in einem Hafen und wird als Museum genutzt. Genau um einen solchen Fall handelt es sich beim U-434. Ein U-Boot, der russischen Marine, dass bis zum Jahre 2002 noch im Einsatz befand und als Spionage Unterwasserseeboot durch die kalten Weltmeere gondelte. Natürlich war das Leben an Bord nicht das, was man als normal Sterblicher auf einem Luxusliner erleben kann. Hier komme ich später aber noch genauer drauf zu sprechen. Im Jahr 1976 wurde das U-Boot in einer russischen Werft gebaut und hatte dort auch ihren Stapellauf. Das ist die Entjungferung eines Bootes. Also, wenn zum ersten Mal, mehr als nur ein paar Tropfen Wasser, unterm Kiel erscheint. Fast 26 Jahre fuhr es dann so umher und tauchte hin und wieder auch mal. Als Besatzung dienten 84 Männer, die alle nicht größer als 1,65 m sein durften. Das Boot ist nicht so luxuriös gebaut, als das dort Männer mit einer größeren Körperlänge Platz hätten. 24 Torpedos konnten gebunkert werden und als Abschussrampen dienten insgesamt 6 Torpedorohre. Gut, in der Zeit, als die U-434 noch im Einsatz war, brauchte sie zum Glück nicht einen Torpedo auf ein generisches Ziel abfeuern. Die U-434 hat eine Gesamtlänge von 90,16 Meter und eine Breite von 8,72 Meter. Dieses habe ich nun nicht akribisch mit dem Zollstock nachgemessen, sondern einfach dem erhaltenen Flyer entnommen. Die maximale Tauchtiefe von U-434 betrug 400 Meter und die Zerstörungstiefe lag bei 600 Meter unter der Wasseroberfläche. Angetrieben wurde das U-Boot von 3 Dieselmotoren mit je 1733 PS. Falls diese ausfielen, waren da noch 3 Elektromotoren mit je 1740 PS. Und für die Schleichfahrt diente eine Schleichmaschine.
So ausgestattet fuhr das Boot nun los und konnte, dank der Technik, ganze 3,5 Tage völlig abgetaucht durch die Meere gondeln. Dann allerdings musste Luft geschnappt werden und somit galt es dann auch aufzutauchen. Die durchschnittliche Einsatzzeit der Besatzung auf See, betrug ca. 3 Monate. Dann wurde ein Hafen angeschippert und die Besatzung konnte Ferien machen. So, oder ähnlich, ging es fast 26 Jahre lang zu. Dann hatte das U-Boot seine Pflicht getan und wurde ausgemustert. Findige Hamburger haben es dann geschafft, dieses U-Boot nach Hamburg zu locken und es als Museumsschiff für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Seit dem Jahr 2002 liegt es nun, manchmal einsam und verlassen, an Hamburgs Hafen und leider, so muss ich hier sagen, ist dieser Liegeplatz des U-Bootes etwas versteckt und somit nicht leicht zu entdecken.
Anschrift:
U-Bootmuseum Hamburg GmbH
Versmannstraße 23c
Baakenhafen
20457 Hamburg
Tel: 040-32 00 49 34
Wegkurzbeschreibung:
Das U-Boot liegt etwas versteckt im Hafen. Einen direkten U-Bahn, S-Bahn oder Zugbahnhof gibt es nicht in der Nähe. Ein Fußmarsch von mindestens 25 Minuten müsste dann, wenn man die Öffentlichen Verkehrsmittel nutzt, mit im Zeitplan eingerechnet werden. Von der Innenstadt, wird ein Busshuttle angeboten. Aber am bequemsten kommt man mit dem Auto zum U-Boot. Da dieses in einem Hafenrandgebiet vor Anker liegt, sind die Parkplatzmöglichkeiten vor dem U-Boot reichhaltig vorhanden. Ich kam aus Timbuktu, erspare euch hier die kleinen Kuhdörfer, die zwischen Wohnung und U-Boot liegen, und beginne mit der Kurzbeschreibung an der Autobahn A7. Wer nämlich aus dem Norden oder Süden kommt, ist gut daran beraten, die A7 zu nutzen und sich immer Richtung Elbtunnel zu halten. Die aus dem Norden fahren durch diesen Tunnel hindurch und die Besucher aus dem Süden biegen vor dem Tunnel ab. Als Abfahrt dient die Ausfahrt Waltershof. Von hier geht es kurz durch den Zoll und dann über die höchste Brücke, die Hamburg zu bieten hat. Die sogenannte Köhlbrandbrücke. Bei klaren Wetter kann man hier schon eine einzigartige Übersicht über Hamburg erhalten. Wenn man dann über die hohe Brücke gerollt ist, dann fährt man die Straße noch ca. 8 Kilometer weiter und folgt deren Verlauf. Nach diesen 8 Kilometer dann kann man, auf der linken Seite, schon das U-Boot erkennen. Es ragt mit seiner Aussichtsplattform gerade so über die Kaimauer. Aber einige Hinweisschilder zeigen einem schon den Weg zum Parkplatz.
Ach ja, mit einem Tretboot kann man das U-Boot natürlich auch anfahren. Es liegt ja günstig im Wasser. Allerdings ist der Schiffsverkehr auf der Elbe nicht ganz ohne. Von daher ist dieses Anreisemittel nicht zu empfehlen.
Öffnungszeiten:
Das Museum ist täglich geöffnet.
Im Sommer, vom 01.April bis zum 03.Oktober jeweils Montag bis Donnerstag von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr und Freitag bis Sonntag jeweils von 09:00 Uhr bis 19:00Uhr.
In den Wintermonaten vom 04.Oktober bis zum 31.März ist das U-Boot täglich von Montag bis Sonntag in der Zeit von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr zur Besichtigung offen.
Hier nun die aktuelle Preisliste (Stand 09.12.2006).
Erwachsene zahlen jeweils 8,00 Euro,
Kinder von 6 bis 12 Jahren 6,00 Euro,
Studenten und Schüler6,00 Euro,
Senioren ab 65 Jahren7,00 Euro,
Familien (2 Erw. + 1 Kind)18,00 Euro,
Familien (2 Erw. + 2 Kinder)20,00 Euro,
Gruppen ab 15 Personen, je 7,00 Euro,
Führung 3,00 Euro pro Person.
(Hier werden auch abgesperrte Bereiche betreten).
Erfahrung:
Als wir dann am Samstagmorgen so gegen 10:30 Uhr am Hafen angekommen waren da bot sich uns ein Bild des weiten Blickes. Nur 2 Autos standen auf dem Parkplatz und das U-Boot lag friedlich vor Anker. Ein kurzer Rundblick verriet meinem geschulten Auge sofort, wo denn das Ticket Häuschen steht und wo man dann den Obolus an Eintrittsgelder los werden darf.
Als Verkaufsstelle dient ein, ich möchte hier mal den Vergleich mit einem Kiosk wagen, kleines Häuschen das vollgestopft mit Andenken war. Eine freundliche Kassieren war kurz noch anderweitig beschäftigt, aber schon kurze Zeit später nahm sie unseren Wunsch, ein paar Euros da zulassen, dankend auf. Ich erkundigte mich nach der Führung und war dann positiv überrascht. Denn die nächste Führung startete schon 3 Minuten später. Da es den Anschein hatte, dass meine Maus, ihr Sohn und ich, die einzigen Besucher waren, machten wir uns schon auf eine intensive Alleinführung gefasst. Es kam, wie es kommen sollte. Wir gingen zum verabredeten Treffpunkt und eine junge Dame kam schon kurze Zeit später strahlend auf uns zu.
In einem schnellen Wortgeschwall erklärte sie uns dann einige allgemeine Daten zu dem U-Boot. Dieses lag, friedlich und schlummernd, in unserem Hintergrund im Hafenbecken.
Hier muss ich aber gleich dazu schreiben, dass die Leiterin der Führung, uns immer wieder fragte ob wir noch etwas erfahren wollten. Und Zwischenfragen wurden gleich beantwortet.
Nach der kurzen, allgemeinen Einführung über das U-Boot, ging es direkt über einen Steg zum Boot. Eine, nachträglich angebrachte Besuchertreppe führte uns in das Innere des U-Bootes. Einige Stufen waren es schon, bis wir direkt im Torpedoraum standen. Ein Torpedo lag, Abschussbereit, auf der Rampe. Es war schon beeindruckend, wie groß besser geschrieben, wie lang solch ein Zäpfchen sein kann. Der Torpedoraum war durch und durch mit Leitungen, Rampen und Abschussrohren verbaut. Die Leiterin erklärte uns, das hier in diesen Raum die Besatzungsmänner ihren Dienst taten und auch auf Pritschen ihre Nachtruhe abhielten. Einige Besatzungsmitglieder wurden, als Schaufensterpuppe getarnt, dort ausgestellt. Na ja. War sicherlich umgekehrt. Die Puppen waren zumindest nicht lebendig.
Nach der Erklärung des Torpedoraumes ging es weiter, durch kleine Öffnungen die als Durchgang dienten, zu dem Besprechungsraum. Ein Tisch, zwei längere Bänke und viele Lampen schmückten diesen Raum. Uns wurde erklärt, dass der Tisch zum einen als Operationstisch diente und dann, zum anderen, als normalen Speisetisch zu dienen hatte. Also, erst den Blindarm rausgehobelt und dann wurde die Stulle reingeschoben. Klasse wie flexible doch solche Räume genutzt werden können.
Nach dem kleinen Aufenthalt ging es weiter zum Kommandostand. Hier zeigte sich, dass sich die 3 Euro für die Führung, durchaus gelohnt haben. Dieser Kommandostand ist im Turm des U-Bootes untergebracht und wird sonst nicht der Öffentlichkeit vorgeführt. Eine steile Treppe führte uns dann aber dort rauf. Wieder wurde alles gut und verständlich erklärt. Klar, die Leiterin hatte es ja auch einfach denn, inzwischen kamen noch 3 weitere Besucher zu unserer Gruppe, 6 Besucher machen nicht viel Lärm und somit kann die Erklärung auch gut erfolgen.
Weiter ging es dann Richtung Heck. Wir durchforsteten die Gänge des U-Bootes und jedes Mal, wenn solch ein runder Durchgang vor uns lag, da wurde ich an den Film Das Boot erinnert. Die Männer dort rannten ja förmlich von vorne nach hinten oder umgekehrt. Ich hatte schon im Langsamgang mühe genug, um nicht meine Rübe da an irgendein Schalter oder sonstigen harten Metallgegenstand zu ramponieren. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie eng das in dem Boot ist.
Überall hängen Leitungen und sonstige, metallische Gegenstände herum. Der Gang ist so schmal, da möchte man nicht einen Elefanten begegnen. Nun, ein Mensch mit etwas Übergewicht reicht auch schon, um da Platzangst zu bekommen. Rechts und links neben dem Gang waren die Zimmer der Besatzungsmitglieder untergebracht. Ich schreibe bewusst Zimmer in Anführungszeichen, da es sich hierbei nur um winzige Räume handelt in denen gerade mal die Kojen drin Platz finden. Und die sind auch nicht gerade so lang, als das man von einer Kuschelwiese sprechen könnte.
Die Kombüse sah recht robust aus. Man konnte nur einen Blick durch das geöffnete Fenster erhaschen. Aber ich werde später einige Fotos an den Bericht hängen. Somit bekommt Ihr mal einen Überblick über das gesamte.
Am Heck angekommen, fanden wir uns im Maschinenraum wieder. Hier waren die großen Dieselmotoren aufgebahrt. Die Besucherleiterin erklärte uns wieder so einige technische Details und schon bald verabschiedete sie sich dann von uns. Sie gab uns aber noch den Tipp, dass wir weiter im U-Boot verbleiben könnten. Dieses taten wir dann auch und erkundeten das U-Boot auf ein neues. Dieses mal vom Heck in Richtung Bug und wieder zurück. Viele kleine Details wurden erst jetzt gesehen und wir hatten das große Glück, dass noch nicht viele Besucher an Bord waren. So konnte man, in Ruhe, die Enge des Bootes bewundern und ich sprach innerlich, meinen großen Respekt all denen aus, die als Besatzungsmitglied auf einem U-Boot ihren Dienst verrichten. Ich würde es garantiert nicht mehrere Monate da drinnen aushalten. Am Heck dann, wurde wieder eine breite Treppe nachträglich angebracht, die uns aus dem U-Boot führte. Ein weiterer Steg führte uns dann wieder ans Festland und somit endete die kleine, aber sehr Unterhaltsame Entdeckungsrunde.
Insgesamt dauerte die Besichtigung so ca. 1,5 Stunden. Die Führung selber hatte 45 Minuten in Anspruch genommen und wie schon erwähnt, es lohnt sich auf jeden Fall, diese mit zubuchen. Es ist nun nicht so, dass die elektrischen Geräte noch an Bord sind.
Fazit:
Alles, was die russische Armee, als zu geheimniswürdig eingestuft hat, wurde aus dem Boot entfernt. Aber ich denke, dass auch so sich ein Besuch, für technisch Interessierte, absolut Empfehlenswert ist. Allerdings ist die Lage des Liegeplatzes nicht gerade super gelöst. Ein Anfahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erweist sich als ziemlich umständlich. Es empfiehlt sich dieses dann mit dem PKW zu unternehmen. Für Behinderte Menschen ist das U-Boot sicherlich nicht der gute Besucherort denn es führen nur steile Treppen, Leitern oder schmale Durchgänge durch das U-Boot.
Eine Führung ist durchaus auch empfehlenswert. Allerdings sollte man schon darauf achten, dass die Gruppe nicht zu groß ist. Sonst versteh man, durch die Enge der Röhre bedingt, nicht viel von der Leiterin und versäumt somit zuviel. Ich vergebe dem U-Bootmuseum und der U-434 die volle Sternenzahl denn das Eintrittsgeld hat sich, aus meiner Sicht, gelohnt. Wann bekommt man schon soviel Technik und das Innenleben eines U-Bootes, dass noch vor wenigen Jahren im Einsatz war, schon so dicht vor die Augen geführt.