Bewertung von HHBenfica im Detail
Ich bin stolz auf meine Stadt Hamburg und bin Anhänger des FC St. Pauli, der sein Stadion in der unmittelbaren Nähe hat, aber wenn mir auswärtige Freunde und Bekannte sagen, dass die Reeperbahn ja so toll ist und eine der größten Attraktionen sei, frage ich mich immer, ob das noch der Restalkohol ist. Was ist denn wirklich so toll an der Reeperbahn?
Der Dreck in den Straßen? Schon mal sonntags morgens oder wochentags durch die Reeperbahn gegangen? Ist das wirklich toll durch Müllberge und Alkoholleichen zu steigen?
Hat die Reeperbahn etwa eine schöne Architektur? Ich weiß nicht, ob diese 50er und 60er Jahre Zweckbauten ohne Gesamtkonzept wirklich toll sind. Ich würde sogar behaupten, dass die Reeperbahn die hässlichste Straße in Hamburg ist.
Einige wenige Bauten sind hier vielleicht eine Ausnahme. Z.B. das Gebäude der Davidswache oder das St. Pauli-Theater..
Zugegeben, es gibt einzelne Lokalitäten und Veranstaltungen, die wirklich sehenswert sind. Zu erwähnen wäre z.B. das Operettenhaus (Musical), das Schmidt und St. Pauli-Theater, das Herzblut (Lokal), das Docks und einiges mehr.
Aber trotzdem sind es Daddelhallen (Spielhallen), türkischen Döner- und Krimskramsläden, Fastfood-Restaurants und neuerdings Discounter, wie Penny und Lidl, die das Ambiente darstellen. Das kann das Bahnhofsviertel jeder Großstadt bieten.
Die Reeperbahn ist bekannt für sein Sexbusiness? Also klebrige hetero- oder homosexuelle Sexkinos, tanzende halbnackte Frauen auf Tischen und ein paar Prostituierte sind wirklich eine Attraktion? Auch das gibt es in anderen Städten. Auch die Größe ist im Vergleich mit Städten wie Bangkok nicht nennenswert. Da gibt es 10 Straßen, die so sind wie die Reeperbahn.
Die Reeperbahn lebt noch vom Image der prüden bundesdeutschen Jahre der 50er und 60er. Damals war das vielleicht tatsächlich etwas Besonderes und Anrüchiges.
Auch die Stadt Hamburg hat es erkannt und einiges zum Positiven geändert. So gibt es jetzt den Beatles-Platz zu Erinnerung an den Karrierestart der Gruppe in Hamburg. Der Spielbudenplatz ist nicht mehr eine nutzlose Sandfläche, sondern hat zwei Bühnen bekommen und wird als Biergarten benutzt. Das Schmidt-Theater und das Schmidt-Tivoli bieten tolle kulturelle Programme. Das Operettenhaus ist seit Jahrzehnten ein erfolgreiches Musicaltheater. Darüber hinaus gibt es überregionale Events, wie das Reeperbahn-Festival und die Show zum Eurovision Song Contest.
Fazit: Die Reeperbahn ist natürlich gut geeignet zum ausgehen oder abzufeiern. Aber Hamburg ist nicht die Reeperbahn und die Reeperbahn ist tagsüber eine dreckige hässliche Straße. Sie ist bei weiten meiner Meinung nach auch keine der Hauptsehenswürdigkeiten von Hamburg.
Es wäre schade Hamburg auf die Reeperbahn zu reduzieren oder gar einen Hamburg-Besuch zu planen, nur um diese Straße zu sehen. Ich bin sicher, dass die meisten Besucher enttäuscht sein werden.
Reeperbahn4
Einzelbewertung
-
Erreichbarkeit
-
Muss man gesehen haben
-
Budget-Freundlichkeit
-
Flaniereignung
-
Die Reeperbahn hat keine Flanierneigung. Die Gastronomie ist wider Erwartung nicht besonders teuer, sondern hat durchschnittliche Preise. Allerdings sollte man da nicht in Läden absteigen, wo leicht bekleidete Damen an der Bar sitzen. Das könnte tatsächlich sehr teuer werden. Da hilft auch kein Peter Zwegat, wenn die dazugehörigen Herren dann die Rechnung einfordern.