Tina_HH
Hamburg, Deutschland97%
Dreimal im Jahr ist auf dem Heiligengeistfeld im Stadtteil St. Pauli richtig was los. Denn dann findet, der Hamburger DOM, das größte Volksfest des Nordens statt. Was es damit auf sich hat, erzähle ich euch in diesem Bericht.
Was ist der Hamburger Dom?
Bei dem Wort Dom denken die meisten sicher zuerst an eine Kirche von überdimensionaler Größe. In Hamburg wird als Dom aber nicht ein Gotteshaus bezeichnet. Vielmehr steht der Name Hamburger Dom für das größte Volksfest des Nordens. Es findet 3 x jährlich auf dem Heiligengeistfeld im Stadtteil St. Pauli statt. Auf einer Fläche von 160.000 qm wird dem Besucher ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Programm präsentiert. Über 260 Schausteller bieten eine bunte Mischung aus Gastronomie, Fahrgeschäften, Losbuden, Spielhallen und vielen anderen Attraktionen. Die Domstraßen haben insgesamt eine Länge von 3,3 km. Man kann somit bei einem Dombummel nicht nur jede Menge Spaß haben, sondern tut auch gleichzeitig etwas für seinen Körper, Bewegung ist gesund!
Aber es gibt durchaus Parallelen zwischen dem Jahrmarkt und der Kirche, wir ihr nun im nächsten Abschnitt erfahren werdet.
Die Geschichte des Hamburger Doms
Ich weiß, Geschichte finden viele langweilig, aber ein bisschen historischer Hintergrund gehört für mich einfach dazu. Ich werde mich auch bemühen, mich in diesem Abschnitt kurz zu fassen.
Wir drehen das Rad der Zeit nun sehr weit zurück und halten im 11. Jahrhundert an. Im damaligen Hamburger Marien-Dom suchten Händler und Handwerker, aber auch Gaukler und Quacksalber Schutz vor Wind und Wetter. Den Domherrn, den rotbärtigen Erzbischof Burchard von Bremen, störte das weltlich bunte Treiben in seiner Kirche. Er erteilte den Schaustellern schließlich im Jahr 1334 Hausverbot bei Strafe des Kirchenbannes.
Darüber allerdings waren die Kirchgänger sehr verärgert. Wenn es um Tradition geht, sind die Hamburger schon immer "komisch" gewesen, was in diesem Fall keineswegs als lustig zu verstehen war, sondern eine sehr ernst zu nehmende Gemütsregung darstellte. Und diese ließ sich selbst von einem Erzbischof nicht beeinflussen. Kurz: Erzbischof Burchard unterließ nicht nur die Bannschleudern, sondern gestattete sogar 1337 ausdrücklich die Anwesenheit der Händler im Dom, jedoch nur bei "Hamburger Schietwetter".
Und so blieb der Markt im Dom, bis der Bau 1804 abgerissen wurde. Danach zogen die Händler und Schausteller durch die Hamburger Stadtteile. Ein fester Standort wurde ihnen jedoch erst 1893 zugeteilt: das Heiligengeistfeld.
Die Volksfeste haben ihren Namen nach dem ursprünglichen Standort Dom". Zum Winterdom (Dommarkt) kam 1947 noch der Sommerdom (Hummelfest) hinzu und seit 1948 wird der Frühlingsdom (Frühlingsfest) auf dem Heiligengeistfeld abgehalten...
Ein Besuch auf dem Hamburger Dom
Wann und wie oft ist Dom?
Der Dom findet im 3 x jährlich statt und eine Veranstaltung dauert 4 Wochen an. Beginnend mit dem Frühlingsdom von Ende März bis Ende April, der Sommerdom von Ende Juli bis Ende August und der Winterdom von Anfang November bis Anfang Dezember.
Öffnungszeiten
Montag bis Donnerstag von 15.00 Uhr bis 23.00 Uhr
Freitag und Samstag von 15.00 Uhr bis 24.00 Uhr (Sommerdom bis 00.30 Uhr) Sonntag von 14.00 Uhr bis 23.00 Uhr
Anfahrt
Viele Wege führen nicht nur nach Rom, sondern auch zum Dom. Wer mit dem PKW anreisen möchte, der kann auf der Internetseite sehr detaillierte Wegbeschreibungen aus verschiedenen Richtungen vorfinden. Ich werde diese nicht im einzelnen aufführen, denn es würde den Rahmen hier etwas sprengen und den Bericht nur unnötig in die Länge ziehen. Kopiert einfach den untenstehenden Link in eueren Browser und sucht euch dann die Wegbeschreibung, die für euch interessant ist aus der Liste aus.
http://www.hamburger-dom. de/anreise.htm
Auf dem Heiligengeistfeld bzw. im näheren Umfeld stehen nur begrenzt kostenpflichtige Parkplätze zur Verfügung. Alle Parkplätze werden von Privatfirmen betrieben, die sich der Einflussnahme der Wirtschaftsbehörde bzw. der Hamburger Schaustellerverbände entziehen. Dies gilt insbesondere bei der Gestaltung der Parkplatzgebühren. Eine Liste der einzelnen Parkplätze mit der jeweiligen Anzahl der Stellplätze, der Preisangaben und der Gebühren findet ihr unter
http://www.hamburger-dom. de/parkplaetze.htm
Ich empfehle die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Vom der Innenstadt aus gesehen ist die einfachste und schnellste Möglichkeit, die U-Bahn zu nehmen. Hier in die Linie U3 (gelb) in Richtung Barmbek einsteigen und bis Haltestelle St. Pauli bzw. Feldstraße fahren. Von beiden Stationen aus sind es nur wenige Schritte bis zum Heiligengeistfeld.
Weitere Möglichkeiten:
U-Bahn U2 (rot) bis Haltestelle Messehallen
S-Bahn S 1/S 3 Haltestelle Landungsbrücken
Ein kleiner Streifzug
Verschaffen wir uns nun einen Einblick in den etwas anderen Stadtteil
Hamburgs. Denn wie in einer eigenen kleinen Stadt kommt man sich vor, wenn
man einen der Eingangsbereiche mit der Riesen-Aufschrift DOM durchquert hat.
Ein breiter asphaltierter Weg liegt vor einem. Links und rechts davon
befinden sich gleichmäßig aneinander gereiht kunterbunt gestaltete mobile
Bauwerke. Sie beinhalten Fahrgeschäfte, Gastronomieangebote, Spielhallen, Losbuden und Läden, deren Angebote von der Sonnenbrille bis zum T-Schirt über Flaggen, Schlüsselbänder, Schmuck und Taschen bis hin Wandbildern reichen.
Das Wahrzeichen des Doms kennen bestimmt viele von euch. Man kann es auf zahlreichen Bildern von Hamburg bewundern, das Riesenrad. Es hat eine stattliche Höhe von 60 m und lädt zu einer beschaulichen Fahrt ein, während der man einen Blick über den gesamten Dom sowie über die Dächer Hamburgs bis hin zum Hafen genießen kann. Das Riesenrad ist mittlerweile so bekannt und beliebt, dass es sogar eine eigene Internetseite hat: www.riesenrad.de.
Das Gastronomieangebot ist reichhaltig. Von der Bratwurst über Champignons, Pizza, Bratkartoffeln, Schaschlik bis hin zu Eis und anderen Süßigkeiten ist auf dem Dom nahezu alles zu haben. Essen und Trinken strapaziert den Geldbeutel jedoch gehörig, und Preise vergleichen ist hier mehr als angebracht. So kann es schon mal vorkommen, dass an einer Imbissbude für eine Bratwurst mit Brötchen 3,50 € verlangt wird und die gleiche Wurst an einem anderen Stand 2,50 € kostet. Das finde ich immer noch ganz schön heftig. Aber so können die Unterschiede sein. Bei Getränken verhält es sich ähnlich. Beispiele: Cola 0,2 1,50 €, Weinschorle 2,50 €, Bier (0,3l) 2,50 €.
Auf dem Dom gibt es viele Fahrgeschäfte unterschiedlicher Art. Da ist für Groß und Klein, für Jung und Alt etwas dabei. Egal ob rasant und hoch oder lieber etwas bedächtiger. Für die Kleinen gibt es z. B. das altbekannte Kinderkarussell auf dem sich verschiedene Figuren langsam im Kreis drehen. Außerdem werden u. a. 2 Kindereisenbahnen, Mini-Autoskooter, Ponyreiten und eine Hüpfburg geboten.
Für die Größeren und für die erwachsenen Kinder (mich eingeschlossen) halten die Schausteller etwas schnellere und höhere Karussells bereit. Was wäre der Dom ohne die Achterbahn? Oder ist bei sommerlichen Temperaturen nicht doch erst mal eine Abkühlung in der Wildwasserbahn gefällig? Ans Herz legen möchte ich euch das von mir heiß geliebte Frisbee, das ist eine Schiffschaukel mal anders. Man sitzt nicht in Reihen hintereinander, sondern im Kreis auf einer großen Scheibe. Neben den für eine Schiffschaukel üblichen auf-und-ab-Bewegungen dreht sich das Karussell zusätzlich noch und es geht ziemlich weit nach oben - herrlich! Nicht zu verachten ist auch Black Hole. Klein aber fein, eine Achterbahn im Dunkeln. Man fährt durch einen Tunnel und sieht nur kleine weiße Punkte, vergleichbar mit einem Sternenhimmel. Sehen wos lang geht? Keine Chance! Leider ist die Fahrt sehr kurz und dafür 2,50 € ist eindeutig zu viel.
Wer ganz mutig ist, der sollte mal den Imperator ausprobieren. Es geht ziemlich hoch rauf, dreht sich nach allen Seiten und geht auch Kopf über. Da muss ich passen, bin eben doch ein Feigling gg
Die Eintrittspreise zu den Fahrgeschäften liegen etwa im Bereich zwischen 1,50 € und 5,00 €. Beispiele: Wildwasserbahn 3,00 €, Achterbahn 4,00 €, Black Hole 2,50€.
Jeden Freitag ab 22.30 Uhr wird auf dem Dom ein großes und sehenswertes Feuerwerk von den Wallanlagen aus gezündet. Das Feuerwerk dauert etwa eine Viertelstunde an.
Neu auf dem diesjährigen Sommerdom ist der Abschnitt Golden Years. Die Sonderfläche des Heiligengeistfeldes ist ganz im Flair der 60iger 70iger und 80iger Jahre gestaltet. Hier kann man u. a. Kleidung, Schmuck, Zeitschriften und Comics, aber auch Telefone, Radios und Küchengeräte aus diesen Zeiten ansehen und erwerben. Auf einer Showbühne wird ein buntes Unterhaltungsprogramm präsentiert. Hier gibt es Live-Musik, Karaoke- und Hula-Hopp-Wettbewerbe oder Oldies aus der Konserve, aufgelegt von einem DJ, der den Besuchern kräftig einheizen soll.
Auf die Veranstaltung eingestimmt werden die Besucher von einem historischen Leiterwagen der Feuerwehr. Er ist der Letzte seiner Art. Ein Einzelstück. Ein Borgward LKW aus dem Jahr 1958.
Was gibt es sonst noch
Egal in welchem Bereich des Festplatzes man sich aufhält, von überall sind WCs in wenigen Schritten erreichbar und mit gut sichtbaren Schildern ausgewiesen. Über den Zustand der sanitären Anlagen kann ich jedoch keine Auskunft geben, da ich sie - zumindest dieses Jahr - noch nicht genutzt habe. Nur soviel. Für einen Gang aufs Örtchen ist man mit 0,30 € bis 0,50 € dabei.
Ebenfalls stehen auf dem Heiligengeistfeld zahlreiche Telefonzellen zur Verfügung. Ihr bemerkt plötzlich, dass ihr zu wenig Geld mitgenommen habt? Das ist kein Problem, denn auch an einen Geldautomaten haben die Veranstalter gedacht.
Weiterhin gibt es eine eigene Polizeiwache und eine Erste-Hilfe-Station des DRK mit Babywickelraum.
Tipps und Empfehlungen
Wie ich bereits an anderer Stelle erwähnt habe, sind die Essen- und Getränkepreise auf dem Dom ziemlich gesalzen. Empfehlen möchte ich daher, vorausgesetzt man möchte nicht vorher zuhause essen, das Restaurant Feuerstein, das sich nur wenige Meter vom Heiligengeistfeld in der Nähe der U-Bahnstation Feldstraße befindet. Hier kann man zu relativ moderaten Preisen, Pizza, Nudelgerichte, Aufläufe und auch Fleischgerichte bekommen. Wen die genaue Anschrift der Gaststätte interessiert, kann diese bei mir gern erfragen.
Jeden Mittwoch ist Familientag. Das heißt, an vielen Fahrgeschäften ermäßigte Preise (teilweise bis zu 40 %). Auch einige Sonderangebote im Gastronomiebereich gibt es an den Familientagen. Wer also ein bisschen Geld sparen möchte, der sollte seinen Dombesuch für einen Mittwoch einplanen.
Kunden der HEW, die eine HEW-Card besitzen haben an jedem 2. Donnerstag die Nase vorn. sie erhalten entweder 50 % Ermäßigung bei den beteiligten Fahrgeschäften oder sie zahlen 1 x dürfen dafür aber 2 x fahren. Auch hier kann man den Geldbeutel also etwas schonen.
Wie steht es nun mit der Sicherheit? Auf Massenveranstaltungen fühlen sich leider auch Taschendiebe immer besonders wohl. Deshalb bitte immer sehr wachsam sein und die Sachen gut festhalten. Der Dom verfügt über eine eigene Polizeiwache und somit sind die Ordnungshüter auch ständig präsent, was auch nicht zu übersehen ist.
Meine Meinung
Der Dom ist ebenso wie der Michel, der Hafen und die Reeperbahn nicht mehr aus Hamburg wegzudenken und ich möchte allen, die sich zu Domzeiten in Hamburg aufhalten einen Besuch sehr nahe legen. Der nächste Dom (Winterdom) findet vom 04.11. bis 04.12.2005 statt.
Im Kollegenkreis unternehmen wir hin und wieder auch gemeinsam etwas nach Dienstschluss. Der Dombesuch ist bei uns inzwischen mindestens einmal im Jahr zur festen Einrichtung geworden und jeder freut sich schon immer Wochen vorher riesig darauf.
Ob mit Kollegen, Freunden oder zu zweit mit dem Partner. Ich gehe immer wieder gern hin. Nicht nur wegen der Fahrgeschäfte, die ich sehr gern mag, sondern allein schon, um die typische Domatmosphäre zu erleben. Besonders angetan habe es mir die Wildwasserbahn, die allerdings nur im Sommer da ist, und der Frisbee.
Sehenswert und sehr gut gestaltet ist auch die Homepage zum Dom www.hamburger-dom.de. Dort erhaltet ihr viele wertvolle Informationen und könnt euch viele Fotos, auch aus vergangenen Zeiten, ansehen.
Also, wenn demnächst ein Hamburg-Besuch ansteht, am Besten dem Dombummel mit einplanen. Es lohnt sich!