Graefin(45)
Lüdenscheid, Deutschland97%
Als wir im November 06 in Hamburg waren, war unser Hauptziel ein Musical-Besuch. Das muß wohl normal sein, denn jeder, dem ich erzählte, daß wir nach HH führen, fragte "Und welches Musical?"
Vorgeschichte
Ich liebe den Disney-Film "König der Löwen", habe ihn schon mehrfach gesehen und heule immer noch...
Auch die beiden anderen Teile kenne ich.
Ich hatte ihn damals im Kino gesehen und habe - natürlich - auch die DVD und die CD von Elton John.
Im Fernsehen sahen wir zufällig mal eine Vorschau, nur einen kleinen Ausschnitt des Musical und wir beschlossen dann, irgendwann Anfang des Jahres, hinein zu gehen.
Für uns war der Ort Nebensache, wie schon mal erwähnt, hätte es auch sonstwo spielen können!
Wir, das sind übrigens meine Mutter und ich.
Handlung
Sie kennt wohl jeder, oder?
Für diejenigen Leser unter Euch, die zu dem verschwindend geringen Teil gehören, die sie nicht kennen, hier noch einmal kurz umrissen.
Das Musical greift die Handlung des Disney-Films komplett auf.
Erzählt wird die Geschichte vom ewigen Kreislauf des Lebens ("Circle of Life", bekanntes Lied von Elton John).
Es handelt vom Erwachsenwerden, von Verantwortung, dem Zusammenleben von Generationen und dem natürlichen Lauf der Dinge.
Im prächtigen Afrika lebt der König der Tiere, der Löwe Mufasa mit seiner Frau Sarabi und dem kleinen Sohn Simba auf dem Königshügel, einem Felsen in der Savanne. Dies ist das Geweihte Land, Wasser und Futter im Überfluß.
Daneben lebt sein intriganter Bruder Scar, der selbst gerne König wäre, mit einigen Hyänen, die ebenso falsch und hinterlistig sind wie er. Nur noch fauler!
Er nutzt die Neugier seines Neffen und dessen Freundin Nala aus, einer Intrige fällt sein Bruder zum Opfer und er redet erfolgreich seinem Neffen ein, an allem schuld zu sein.
Simba glaubt dies, geht fort.
Mehr tot als lebendig adoptieren ihn die beiden ungleichen Freunde Timon, ein Erdmännchen, und Pumbaa, ein Warzenschwein. Beide wurden ebenfalls ausgestoßen von ihrer Familie.
Sie bringen ihm eine neue Lebenphilosophie bei, sorgenfrei und glücklich, "Hakuna Matata" eben! Was man nicht ändern kann, muß man eben hinnehmen und vergessen
Während Simba erwachsen wird führt Scar als Nachfolger seines toten Bruders und des totgeglaubten Erben Simba die Herrschaft in eine Schreckensherrschaft, es fehlt an allem: Wasser, Futter, Liebe.
Simbas Jugendfreundin Nala sucht neues Land und findet ihren Freund Simba. Zusammen mit Timon und Pumbaa kehrt Simba zurück und für das Geweihte Land wieder dem zu, was es einmal war: einer Heimat, in der es alles gibt. Scar stirbt. Der Kreislauf schließt sich, auch die beiden bekommen Nachwuchs.
Ort der Aufführung
Es wird im "Theater im Hafen", Hamburg, aufgeführt. Seit 5 Jahren genau gegenüber den Landungsbrücken.
Fakten
Es gibt außer montags täglich Vorstellungen, z. T. sogar 2.
Man erreicht das Theater übers Wasser, es gibt Shuttle-Schiffe, die die Zuschauer von den Landungsbrücken hinüber bringen. Kostenlos, man muß noch nicht einmal die Tickets zeigen.
Es liegt auf einem Hügel. Von außen sieht es aus wie ein Zelt, ist aber ein festes Gebäude. Da innen Rauchverbot ist, stehen alle Raucher davor.
Am Eingang zeigt man sein Ticket und darf hinein. Man steht in einer großen Halle. Links ist ein Souvenirshop, der Programme und CD verkauft, außerdem Stofftiere u. a. Aber nicht die kleinen Löwen, wie man sie aus dem Handel kennt, sondern eher stilisierte. Das einzige, was ich noch ganz nett fand, war das Warzenschwein...
Es ist recht teuer, das Programmheft kostet 13,50 € (!!), die CD geht wieder: 18,- €. Da konnte ich nicht widerstehen. Sie hat natürlich de bekannten Titel, aber auch Ergänzungen des Musicals.
Geradeaus ist die Garderobe. Es ist schon sinnvoll, Schirme und Jacken abzugeben, da es i. d. R. ausverkauft ist, kann man den Mantel nicht "mal eben" über die Sessel vor einem hängen. Jacken und Mäntel kosten 2,- €, Schirme 1,- €.
Wenn ich mich recht erinnere (ich weiß es nicht mehr...), sind rechts und links Bars, an denen es verschiedene Getränke gibt. Oben gibt es ebenfalls 3 Bars. Ich habe nur gesehen, daß ein Glas Sekt 4,50 € kostet. Wir haben schon lange aufgehört, während Konzerten usw. in der Pause Sekt zu trinken, er würde nicht schmecken - bei den Preisen!
Nach oben führen 2 Treppen, rechts und links, es ist ratsam, den Tickets zu folgen, es ist sehr voll und man ist nicht der einzige hier!
Gegenüber des Theatersaaleingangs ist ein Restaurant, in dem wir aber nicht waren. Man soll von hier einen herrlichen Blicken Richtung Hamburgs Hafen haben.
Überall gibt es hilfsbereite Mitarbeiter, die freundlich helfen.
Wir hatten "Parkett links, Reihe 11" Es gibt dann noch PK rechts und Mitte, und Oberrang, ebenfalls rechts/links/Mitte.
Womit wir beim Preis wären.
Ja, so ganz billig ist der Besuch hier nicht. Wir hatten schon mehrfach günstige Karten bei Konzerten und uns dann später geärgert, weil man nichts sah. Nun ist das bei reinen Musikkonzerten ja nicht soooo tragisch, aber hierbei ist das Sehen ein unbedingtes Muss!!!
Je nachdem, wo man die Tickets kauft, liegt der Preis für die günstigste Kategorie bei ca. 59,- €, PK 4.
Die 3 anderen liegen PK 3 ca. 80,- €, PK 2 ca. 102,- € und PK 1 ca. 114,- €.
Für Eltern und Kinder gibt es andere Preise, manchmal zahlen die Eltern auch nur soviel wie die Kinder...
An Wochenenden kommen auch Zuschläge dazu, warum und welche, weiß ich nicht.
Da muß man schon einmal schlucken. Hinzu kommt ja, daß man auch noch mindestens eine Übernachtung in HH hat, dazu noch An- + Abreise, zzgl. Taxi- oder U-Bahn-Kosten. Da wird aus einem Wochenende schnell mal eine Summe um 600,- €. Essen muß man auch mal...
Man sollte also unbedingt vergleichen.
Zum einen die unterschiedlichen Ticket-Anbieter, als da z. B. sind Eventim, das Theater selbst, die Web-Site www.loewenkoenig.de.
Oder man sucht sich über die Stadt Hamburg Pauschalangebote. Zahlreiche Hotels bieten Musical-Arrangements an, Mercure und Relexa sind nur 2 von vielen. Und auch hier heißt es vergleichen. Manchmal ist es günstiger, die Karte separat zu kaufen und ein bestimmtes Hotel zu wählen...
Unbedingt fragen, das kostet nichts und Hotels geben bereitwillig Auskunft.
Wir buchten im Relexa Hotel Bellevue ein Musical-Arrangement, in dem aber die Karten nicht dabei waren, dafür ein 3-Gang-Menü. Das sind alles Rechenbeispiele, muß man eben genau prüfen. Die Tickets werden aber trotzdem vom Hotel arrangiert. So zahlten wir pro Karte 108,- € ans Hotel.
Im Saal selbst war alles schnell gefunden. Die Reihen sind klar numeriert, ebenso die Sitzplätze.
Links und rechts an den Seiten waren Plätze mit großen (Busch-) Trommeln, uiuiuiui... das sollte laut werden. Denn wir saßen links davor.
Im Orchestergraben waren schon übende Mitglieder des Orchesters. Ich nannte den Graben scherzhaft "Rift Valley Hamburg"!
Darsteller
Regie führt Julie Taymor. Ich kenne keine Musical-Regisseure, deshalb für mich ziemlich nebensächlich.
Am Tag sind bis zu 2 Vorstellungen, ob jedesmal die gleichen Schauspieler mitspielen, glaube ich fast nicht. Alle Rollen sind mehrfach besetzt.
Hier die Hauptdarsteller:
Willi Welp: Scar
Wilson D. Michaels: Mufasa
Beular Makhetha: Rafiki
Joachim Benoit: Zazu
Gavin Turnbull: Timon
Harrie Poels: Pumbaa
Winston Hillyer: Simba
Jessica Mears: Nala
Sterling J. Ramsey: Banzai
Jeanne-Marie Nigl: Shenzi
Theodor Reichardt: Ed
Marcia Domingues Sarabi
Ich kenne sie alle nicht...
Los geht's!
Es beginnt genau, wie man es von Film + Musik kennt. Alle Tiere laufen zum Königsfelsen: Giraffen, Antilopen, Elefanten...
Elefanten und Gnus kommen durchs Publikum.
Alle Tiere werden durch Menschen dargestellt, außer Vögel und Insekten.
Es ist Wahnsinn, wie das alles realisiert wurde.
Meistens sind die Vorderbeine der Tiere die Menschenbeine, der Kopf schließt sich an oder wird über Drähte und Stangen durch die Arme des Menschen geführt und bewegt.
Besonders schön ist der Gepard, bei dem der Mensch die Hinterbeine gibt, die Vorderpfoten durch Stangen mit den Armen verbunden sind und der Kopf des Tieres durch die Verbindung zum Kopf de Schauspielers bewegt wird. Man kann es gar nicht in Worte fassen, man muß es einfach sehen!
Giraffen sind auf Stelzen laufende Menschen...
Schwierig wird es bei Zazu, dem Haus- und Hofmeister des Königs: es ist ein Vogel, Tukan o. ä. Er wird durch einen Menschen geführt, wie eine Bauchrednerpuppe. Der Mensch ist gekleidet und geschminkt ähnlich einem Harlekin.
Ebenso unmöglich ist es für einen Menschen, Timon zu werden. So hat man Timon, das Erdmännchen, ca, 1,2 m groß werden lassen, die Hinterpfoten auf den Schuhen eines Menschen befestigt, Kopf und Vorderpfoten werden durch Stangen bewegt, eine Hand des Menschen ist in der Schnauze, damit Timon sprechen kann...
Während alle Darsteller der Löwen auf dem Kopf Löwenkopfhüte (?) haben, hat man Scar eine Maske gegeben, die sich je nachdem wie sich sein Kopf bewegt, bedrohlich nach vorne neigt...
Ja, wie schon gesagt, es ist alles schwer zu beschreiben. Die Darstellung der Tiere mit Menschen ist einfach irrsinnig gut gelöst, welche Phantasie und Ideen da in der Regisseurin und den Bühnenbildnern sein muß, ist einfach unglaublich!
Die Schauspieler selbst sind größtenteils dunkelhäutige Menschen, ich denke, Afrikaner. Sie sprechen teilweise mit Akzent, sind aber sehr gut zu verstehen.
Sehr getreu ist die Hyäne Shenzi - oder ist es Banzai? -, die ja im deutschen Film die Stimme von Hella von Sinnen hat. Sie ähnelt hier sehr stark dieser Stimme...
Die Musik ist nicht zu laut, wie zuerst angenommen.
Die unterschiedlichen Stimmungen wurden nicht nur von der Musik betont, sondern auf der gigantischen Beleuchtung untermalt.
Text und Musik sind so, wie der Film, man hat also keine Verständnisprobleme, wenn man beides schon kennt. Vieles regt zum Mitsingen und Mitsprechen an.
Es gibt nach ca. 90 Min. eine Pause. Wenn man nun annimmt, daß die Gastronomie nun rotiert, der täuscht. Alles klappt hervorragend und alle Gäste bekommen ihr gewünschtes recht schnell. Nach 15 Min. geht es weiter und alle sind fertig.
Genau das gleiche nahmen wir an von der Garderobe nach Ende der Vorstellung. Es klappte alles flott und schnell hatten wir unsere Jacken.
Danach das gleiche Phänomen beim Anstellen an die Shuttle-Schiffe. Es ging sehr schnell und man war wieder auf der anderen Seite.
Taxen kamen laufend, so daß auch hier keine lange Wartezeit war. Gegen 23 h war Schluß im Theater, um 23.45 h saßen wir schon in der Hotel-Bar und tranken noch eine Wein.
Fazit
Es war supertoll und die 108,- € tun uns in keiner Weise leid! Es hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Man kann es nicht beschreiben, man kann es einfach nicht in Worte fassen, wie alles ist und dargestellt wird.
Mir kamen auch diesmal wieder die Tränen...