Bewertung von Marnie im Detail
... man weiß es nicht genau.
Dies ist der Standardspruch im Pulverfass und genau dies ist auch das Programm.
Ein Tra(ns)vestie-Theater mitten auf der Reeperbahn.
Programm
Wechselnde, internationale Künstler geben sich auf der Bühne die Klinke in die Hand. Ältere Damen frotzeln mit dem Publikum, binden es ins Geschehen ein, und lassen so keine Langeweile aufkommen. Frech, frivol und herzlich ist hier die Stimmung, die auf keinen Fall etwas für schüchterne Zeitgenossen ist.
Zwischen den Damen strippen die Crazy Boys. Knackige, junge Herren in Cop- oder Bauarbeiter-Kluft reissen sich zur Musik die Klamotten mit dem Klettverschluß vom Leibe. Ebenso betreten wunderschöne Frauen die Bühnenbretter um zum Beispiel zu Celine Dion Playback zu singen und anschließend komplett zu strippen. Die Damen im Publikum schauen gerade neidisch auf den wohlgeformten Busen und die ellenlangen Beine, da fliegt auch der Tanga in die Ecke und zum Vorschein kommt ein verkümmertes Schwänzchen. Nach rund zwei Stunden ist der Spuk vorbei und man geht hinaus auf die Reeperbahn mitten auf den Kietz.
Bewertung des Programms
Auf der Homepage des Theaters, auf www.pulverfass.de, ist immer die Rede von einem Travestietheater. Genau dies ist es nicht. Wer früher Mary & Gordy live oder im Fernsehen bewundert hat, wird hier nicht auf seine Kosten kommen. Wer jedoch Transvestiten, hormonbehandelt oder operiert, bestauen möchte, hat hier seine Freude. Die strippenden Jungs, im Stile der California Dream Boys haben zu 50% einen Eindruck gemacht, als wären sie komplett stoned, sprich zugekifft. Entschuldigung, dass ich hier die Dinge so beim Namen nenne. Aber so war es. Keine Bewegung im Takt, ein starrer, ja irrer Blick am Publikum vorbei. Manchmal reicht eben nicht nur ein knackiger kleiner Po.
Einzig und allein die Dialoge der klassischen Drag-Queens waren eine wahre Wonne.
Die Kellner im Pulverfass mischen aktiv in das Programm ein, indem sie Zwischenrufe platzieren. Diese sprechen dem Zuschauer oft aus der Seele, sollen aber wohl eher aufheiternd wirken. Ein Beispiel: Du zerknittertes Etwas gehst besser von der Bühne! Da lag mir auf Zunge: Ja, um Himmels willen, verschwinde! Doch es folgte ein witziges Streitgespräch zwischen Bühne und Bar.
Location
Das neue Theater an der Reeperbahn ist viel größer als das alte, doch im gleichen Stil gehalten. Kleine Tische vermitteln Wohnzimmeratmosphäre, die durch die kleinen roten Lämpchen und roten Samt-Wandbehänge noch unterstützt wird. Es ist gemütlich auf der roten Plüschsofa, so dass man die zwei Stunden Vorstellung bequem sitzen kann. Von allen Plätzen hat man eine gute Sicht auf die Bühne.
Personal
Das Service-Personal ist sehr aufmerksam, sehr freundlich, sehr schnell und sehr schwul. Wie eigentlich alle in diesem Theater. Aber wer dies nicht vermutet oder erwartet, ist wohl auf den Kopf gefallen.
Preise
Der Eintritt ist erschwinglich und bewegt sich je nach Vorstellungszeit zwischen 20 und 7 Euro. Für die Garderobe fallen noch einmal 1,50 Euro an. Die Getränkepreise hingegen entsprechen gehobenem Niveau, der Campari-Soda war für 15,50 Euro zu bekommen, das Wasser für 7 Euro.
Fazit
Früher im kleinen Theater war es noch sehenswerte Travestie. Der Umzug scheint dem Pulverfass nicht gut bekommen zu sein. Zumal es scheinbar auch nicht voll zu bekommen ist. Es gehen ca. 200 Leute ins Theater, doch wir waren in der 2.30 Uhr Vorstellung von Samstag auf Sonntag nacht nur ca. 20 Personen. Dies hatte zur Folge, dass jedem von uns noch einmal 20 Freikarten in die Hand gedrückt wurden. Natürlich mit dem Hinweis: Bitte wiederkommen oder verschenken oder verkaufen.
Zeit und Geld lohnt sich einfach nicht, dafür ist es einfach nicht mehr professionell genug aufgezogen. Kostüme zeigen hängende Federn, Hosen sind zu heiß gebügelt. Es ist zur Schmierenkomödie verkommen. Schade, dabei war es in Europas größten Travestie-Theater einmal so schön!
Pulverfass7
Einzelbewertung
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Erreichbarkeit
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Muss man gesehen haben
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Budget-Freundlichkeit
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Architektur
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Programmvielfalt
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Ensemble