Graefin(45)
Lüdenscheid, Deutschland93%
Ich gehe sehr gern in Tierparks und Zoos, wenn ich in anderen Städten unterwegs bin, so war es eigentliche ein Muss, auch Hagenbeck's Tierpark zu besuchen. Da wir am im Oktober 06 Sonntag nach dem Auschecken im Hotel noch Zeit hatten, nahmen wir dies auch kurz entschlossen in Angriff.
"Kurz entschlossen" heißt, daß es nicht von vornherein feststand, hin zu fahren. Der Grund dafür ist der doch stolze Eintrittspreis, doch dazu später.
Zunächst ein wenig Geschichte:
1848 stellt der Fischhändler Gottfreid Clas Carl Hagenbeck in St. Pauli 6 Seehunde aus.
1863 betreibt er am Spielbudenplatz 19 ein kleines Tierhandelsgeschäft. 1866 wird dies vom ältesten Sohn Carl Gottfried Heinrich Hagenbeck übernommen und zum größten Tierhandelshaus der Welt ausgebaut.
Er eröffnet am Neuen Pferdemarkt "Hagenbeck's Thierpark".
1875 beginnen Völkerschauen, u. a. Nubier, Eskimos und Massais.
1887 Carl Hagenbeck eröffnet den ersten Zirkus.
1892 wird eine Löwengruppe im Pariser Nouveau Cirque nach Zahmer Dressur, eine Erfindung Hagenbecks, vorgeführt.
4 Jahre später folgt die erste gitterlose Freianlage der Welt und wird zum Patent angemeldet. Ebenso wird eine transportable Freilandanlage erfunden, das "Nordland Panorama", mit der man auf Reisen gehen konnte.
1907 entsteht der erste gitterlose Tierpark der Welt in Hamburg-Stellingen. Es sollten exotische Tische artgerecht ihrem natürlichen Lebensraum entsprechend präsentiert werden. Es wird von zoologischen Gärten imitiert. Carls Söhne Heinrich und Lorenz führen das Lebenswerk gemeinsam weiter.
1916 wird von Lorenz der neue Zirkus Carl Hagenbeck gegründet und der Name Hagenbeck in der ganzen Welt bekannt gemacht.
1943 wird der Tierpark komplett zerstört.
2003 schmückt ein großer nepalesischer Pagodentempel den neuen Haupteingang. Der alte Haupteingang, das historische Jundendstil-Tor, bleibt im Ensemble mit dem Bärengehege. Das erste Baby eines Asiatischen Elefanten kommt zur Welt.
Der Tierpark ist noch immer in Familienbesitz. Er wird in 6. Generation von den beiden Direktoren Joachim F. Weinlig-Hagenbeck und Dr. Stephan Hering-Hagenbeck geleitet.
Anreise
Der Tierpark befindet sich im Hamburger Ortsteil Stellingen.
Man erreicht ihn mit dem PKW über die A7 durch den Elbtunnel (auch interessant!) über die Abfahrt Stellingen.
Oder wie wir kommend aus dem OT St. Georg über die Kennedybrücke der Hauptstraße folgend ca. 8 km bis nach Stellingen.
Die Beschilderung ist denkbar schlecht. Dafür, daß es sich um einen international bekannten Tierpark handelt, der sicher auch ausländische Touristen anzieht, findet man erst kurz vor dem Ziel einige Schilder. Darauf steht dann auch nur "Hagenbeck's Tierpark", nicht wie anderorts z. B. mit einem Elefanten.
Parkplätze sind um den Tierpark vorhanden. Ob ausreichend, kann ich nicht beurteilen, da das Wetter am Sonntag relativ schlecht war und es bei gutem Wetter sicher einen großen Andrang gibt.
Es gibt ein Parkhaus am Haupteingang.
Auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln kann man anreisen:
Die U-Bahn U2 und die Busse 22, 39, 181, 281 halten an "Hagenbecks Tierpark" am Haupteingang.
Es gibt 2 Eingänge, den Haupteingang und den Eingang "Gazellenkamp", ziemlich mittig auf der anderen Seite. Dieser ist im Winter wohl normalerweise geschlossen, wegen des fehlenden Parkhauses jedoch nun geöffnet, um dort die Parkplätze nutzen zu können, ohne kilometerweit laufen zu müssen.
Öffnungszeiten
Der Tierpark ist ganzjährig geöffnet.
Sommersaison
März bis Juni, September bis Oktober: 9 bis 18 Uhr
Juli bis August: 9 bis 19 Uhr
Wintersaison
November bis Februar: 9 bis 16.30 Uhr
Kassenschluss ist eine Stunde vor Tierparkschluss. Besitzer von Dauerkarten betrifft der Kassenschluss nicht.
Nun kommt m. E. das Abschreckende an diesem Tierpark, die
Eintrittspreise (aber die jetzt aktuellen)
Einzelkarte
Erwachsene15,-- €
Kinder (4-16 Jahre) 10,-- €
Familienkarte 1
2 Erwachsene, 2 Kinder 45,00 €
Familienkarte 2
2 Erwachsene, 3 Kinder 51,00 €
Gruppenkarte (ab 10 zahlenden Personen)
Erwachsene13,50 €
Kinder (4-16 Jahre) 7,00 €
Dauerkarte 2007
(Ausweis erforderlich)
Erwachsene 80,00 €
Kinder (4-16 Jahre) 45,00 €
Kombikarte (Tierpark und Tropen-Aquarium)
Erwachsene 21,00 EUR
Kinder (4-16 Jahre) 12,00 EUR
Kombi-Familienkarte 1
2 Erwachsene, 2 Kinder 61,00 EUR
Kombi-Familienkarte 2
2 Erwachsene, 3 Kinder 65,00 EUR
Bei Veranstaltungen (bei den Dschungel-Nächten, Tanz im Tierpark und Romantik-Nächten) wird ab 17 Uhr ein Zuschlag von 1,50 € pro Person und Karte berechnet.
Vorverkaufskarten kann man an den Tageskassen erhalten, Dauerkarten werden persönlich im Büro am Haupteingang ausgestellt.
Ein besonderer Hinweis gilt Sicherheitsbestimmungen: Hunde dürfen nicht mit hinein (um freilaufende Tiere zu schützen), ebenso wenig wie Fahr- und Dreiräder ohne Lenkstange und Roller und Kickboards.
Sonstiges
An den Kassen werden Bollerwagen im Sommer verliehen, am Sonntag gab es auch noch welche. Ebenso kann man sich Rollstühle ausleihen, wenn man sich vorher angemeldet hat.
Es wird auch für das leibliche Wohl gesorgt. Es gibt 2 Restaurants, die "Flamingo-Lodge" ; und das Restaurant am Spielplatz. Außerdem stehen zahlreiche Kioske am Weg, so daß man für den kleinen und schnellen Hunger immer etwas findet. Crêpes & Zuckerwatte finden guten Absatz.
Kinder können auf einem großen Spielplatz zusätzlich toben, wenn der Gang durch den Tierpark nicht reicht.
Der Tierpark ist behindertengerecht, darauf wird extra hingewiesen. Ob es tatsächlich so ist, kann ich nicht beurteilen, außer, daß alles ebenerdig ist, es keine Steigungen gibt und auch Toiletten gut erreichbar sind.
Für die ganz kleinen Besucher stehen Wickelräume zur Verfügung, außerdem gibt es eine Erste-Hilfe-Station.
Toiletten sind zahlreich vorhanden und gut beschildert. Sie sind auch recht sauber.
An den Eingängen sind Souvenirshops, die alles mögliche verkaufen: Stofftiere, Informationen zum Tierpark, Spielzeug, Regenschirme mit Tieren usw.
Echt tierisch!
Es gibt in Hagenbecks Tierpark 2500 Tiere in 360 verschiedenen Arten zu sehen, Tiere aller 5 Kontinente.
Folgt man dem beschilderten Rundgang, kann man alle Gehege/Ställe o. a. sehen und die dort lebenden Tiere bewundern.
Elefanten sind asiatischer Herkunft, man erkennt das auch an den Ohren. Wer's noch nicht weiß: Schaut man sich die Ohren eines Elefanten an, sieht man entweder den Kontinent "Afrika" oder eben "Asien" in der Form des Ohres.
Davon abgesehen sind die Ohren der Asiaten kleiner.
Man kann an den Souvenirshops Tierfutter kaufen. Man bekommt dann Plastikbeutel oder Schachteln, in denen u. a. Gemüse geschnitten ist und Obst. Damit kann man z. B. die Elefanten füttern, die sich über den Graben gereckt mit dem Rüssel alles vorsichtig annehmen. Man kann auch selbst Obst und Gemüse mitbringen, welches man z. B. nicht mehr essen möchte. (Ich mag z. B. keine Bananen, die schon braun sind und nach Banane riechen.) Hier sollte aber selbstverständlich sein, daß es noch genießbar ist und nicht etwa schon faulig ist!
Die Beutel kosten glaube ich um die 2,- €. Wir haben keinen genommen, wir wußten es gar nicht. Allerdings gab uns eine Besucherin bei den Elefanten etwas ab, so daß wir auch füttern konnten.
Gefüttert werden dürfen nicht alle Tiere, es steht auf den Schachteln. Die Alpakas (Lama-Art) und Giraffen gehören dazu, außerdem Meerscheinchen und Kaninchen.
Ich werde hier nicht alle Tiere aufzählen. Das würde zu weit führen.
Orang Utans kann man im Affenhaus bewundern. Dieses ist neu, eine Freianlage, deren Dach man bei gutem Wetter öffnen kann. Sehr niedlich sind die kleinen anzuschauen.
Bei ihnen leben Otter, denn davor ist in einem Graben für sie ein "Pool" angelegt.
In diesem Haus ist ein Restaurant, wo dann die anderen "Menschenaffen" bei Pommes und Bockwurst die Orangs beobachten können.
Ein Zebra-Fohlen ist am 23.10. geboren und auch sehenswert.
Kleine Tiere sind Ameisen und Honigbienen. (Sie werden wohl aber nicht bei der Zahl der Tiere mitgezählt oder??)
Maras laufen frei herum, ebenso Pfauen und Truthähne. In einem Streichelzoo befinden sich Ziegen. Durch eine Absperrung können Kinder und ihre Eltern dort hinein. Manchmal geht es aber ruppig zu, denn die Tiere stoßen unwillig, wenn es nicht schnell genug geht mit dem Futter. Außerdem sind sie schon mal etwas schmutzig, dies sollte berücksichtigt werden, bevor man hinein geht.
Daneben sind Ponys, mit dem Hinweis, daß sie beißen.
Neben allen Gehegen stehen Schilder mit den nötigen Informationen über die Insassen.
Sehr hübsch sind die Schneeeulen anzusehen, die sicher seit "Harry Potters" Hedwig jeder kennen dürfte.
Ich bin nun mal ein Katzenfan, so zieht es mich immer zu diesen hin. Leoparden gibt es, Tiger und Löwen. Diese sind besonders sehenswert, da es 5 im August geborene Jungtiere gibt, die - wie alle Tierkinder - entzückend miteinander spielen und man sie am liebsten knuddeln möchte!
Das Troparium ist leider geschlossen. Es wird bis 2007 umgebaut und wird dann in 3 Welten aufgeteilt sein: tiefste Meere der Tropen, der tropische und subtropische Urwald und die Welt der Grotten und Höhlen.
Hier sind normalerweise zu finden: Haie, Muränen, Korallenriffe, verschiedene Schlangenarten, Nil-Krokodile und andere Reptilien. In der Unterwelt gibt es dann Flughunde und Fledermäuse.
Während ich mir zwar sehr gerne Fische und besonders Haie ansehe, reizt mich eine Tropenhalle eher wenig, da dort immer eine sehr feuchte und warme Luft herrscht.
Es wird auf Fütterungszeiten hingewiesen. Man kann z. B. beim Mahl von Stachelschweinen, Pinguinen, Robben und Nasenbären zusehen.
Der Park
Es heißt, die Anlage und die Pflanzen gehören zu den bedeutenden Zoos Europas.
Carl Hagenbeck hat von seinen Expeditionen immer auch Pflanzen mitgebracht. Auf 6 km Weg kann man dies bewundern:
Man findet einen Urwelt-Mammutbaum, der - für eine Konifere ungewöhnlich - im Winter seine Blätter verliert.
Ein Trompetenbaum und eine Blut-Kirschpflaume sind neben Ginkgo-Gewächsen zu finden. Letztere gab es schon im Jura und der Kreidezeit.
Dies ist ein Stichwort: Es gibt ja auch ein Gehege mit Tieren aus dieser Zeit. Einige Dinosaurier sehen teilweise aus, als würden sich gleich los laufen!
Es lohnt sich immer, hier her zu kommen. Viele Bänke laden zum Rasten und Beobachten ein.
Ich bin kein Botaniker, deshalb vernachlässige ich diese Seite des Tierparks ein wenig.
Informationen in Zahlen
(Entnommen von der Website des Tierparks www.hagenbecks.de)
25 Hektar Parkanlage bieten Möglichkeiten zum Spaziergang und Erholung. Eine grüne Oase in einer Großstadt!
Ein Elefant ist so schwer wie 5 PKW und können sich trotz ihrer Größe von 3,5 m so leise bewegen wie Raubkatzen.
Giraffen haben eine 40 cm lange Greifzunge.
Bienen müssen für 1 g Honig ca. 8000 Blüten anfliegen und 280 km zurück legen.
In Hagenbecks Tierpark werden täglich 2600,- € "verfüttert!
Hagenbecks Tierpark & Wissenschaft
Es gibt Artenschutzprogramme und Nachzuchten. Ebenso hat die Zooschule eine pädagogische Aufgabe.
Als erster deutsche Zoo hat Hagenbecks Tierpark das Umweltsiegel erhalten, weil Energie und Ressourcen eingespart werden.
Bauwerke im Tierpark
Wen es interessiert, kann sich auch die unterschiedliche Bauten ansehen. Das Jugendstil-Portal ein Pavillion Dresdner Frauenkirche (von der EXPO Hannover 2000) sind ebenso sehenswert wie der nepalesische Pagodentempel.
Persönliches
Es war ein schöner Spaziergang, der nur ab und zu von Regengüssen unterbrochen wurde.
Trotzdem muß ich sagen, daß es schönere Zoos gibt, die auch wesentlich günstiger sind als Hagenbecks. Nun bin ich nicht so sicher, ob sich der Besuch wirklich lohnt, wenn ich den Eintrittspreis von 14,50 € im Hinterkopf behalte! Ich wüßte gern, was es zu DM-Zeiten gekostet hat.
Am günstigsten ist die Dauerkarte...
Es ist sehr angenehm, hier spazieren zu gehen, da alles ebenerdig ist. (Naja, liegt wohl auch an der Gegend!)
Im Gegensatz dazu z. B. Wuppertal: hier gibt es ja nun richtige Berge, die man bewältigen muß, schlecht, man schlecht zu Fuß ist.
Es ist alles sauber, die Tiere sehen gepflegt aus. Keine Frage. Aber noch einmal komme ich nicht hierher.
Die Gehege und Anlagen erscheinen recht alt und unmodern. Wenn ich an das Gehege der Leoparden denke: ein großer Käfig, ein Schild am Gitter "Wer findet die 3 Leoparden?" Man sieht sie nicht. Auch auf der Rückseite des Käfigs sieht man nichts.
Genau betrachtet sie man 2 der Bewohner links in getrennten Käfigen, aber nur so ganz eben.
Ebenso ging es uns beim Mandrill. Niemand zu sehen im alten Käfig. Sollten die Tiere wirklich mal nicht da sein - aus welchem Grund auch immer - sollte man dies erklärend am Käfig vermerken.
Sehr schön ist das Haus der Orangs. Modern und offen, sehr hell.
Wir waren schon in anderen Zoos und Tierparks, so haben wir schon einen Vergleich.
Der Leipziger Zoo wird gerade renoviert und umgebaut. Es werden Länder bzw. Kontinente nach gebaut und die Tiere dort frei laufen gelassen. Der Eintritt kostet hier pro Person 11,50 €.
Auch der Münchner Zoo Hellabrunn ist günstiger, 9,- € braucht man als Erwachsener hier. Die Stuttgarter Wilhelma kostet 10.80 €.
Alles namhafte Zoos, in denen wir - außer Stuttgart - schon mehrfach waren. Sicher auch nicht weniger berühmt als Hagenbecks.
Als "Tierpark" habe ich nur den in Dortmund als Vergleich, allerdings gibt es hier nur ca. 1500 Tiere. Aber die bekommt man für 6,- € zu sehen.
Fazit
Wir hätten uns sicher geärgert, wenn wir nicht hingefahren wären, ist es doch wieder ein weiterer Zoo in unserer Sammlung. So gesehen also völlig in Ordnung.
Aber ich finde, das Preis-Leistungsverhältnis ist ganz und gar nicht gut. Deshalb auch nur 3 Sternchen. Empfehlenswert ist jeder Zoo/Tierpark, aber man sollte schon den Preis beachten.
Ortsansässige sind am besten mit der Dauerkarte beraten, kann man dann doch täglich hinein gehen.