Bewertung von Philea im Detail
Das Ruhrgebiet kann ja so was von Grün sein, das glaubt man gar nicht. Wer es live erleben will, dem empfehle ich z.B. einen Besuch auf der Isenburg bei Hattingen. Hattingen liegt an der Grenze zu Velbert, aber gehört noch zum "Pott" und hatte einst Zechen, in denen untertage gearbeitet wurde. Kommt man über Velbert gefahren, dann traut man seinen Augen nicht, dass hier das "Revier" beginnt, so idyllisch grüßt die Landschaft, man sieht Schafe oder Pferde auf Weiden und erlebt eine abwechslungsreiche, hügelige Natur.
Der Weg zur Burg führt durch einen schönen Wald, und je höher man steigt, desto mehr wird man mit Aussicht belohnt: Natürlich auch auf Industrieanlagen und Strommasten aber auch auf den gewundenen Flussverlauf der Ruhr, alles harmonisch nebeneinander. Der Aufstieg ist allerdings nicht ohne und geht ganz schön in die Waden, das nur nebenbei bemerkt. Ist man oben angelangt, dann sieht man überall die ehemaligen Grundmauern der Burg und kann sich so ungefähr vorstellen, was das einst für eine große Anlage war, allein schon die Dicke der Mauern ist beeindruckend. Einst waren die Burgen oberhalb der Ruhr wichtige Stätten der territorialen Machthaber der Region, der Bau dauerte Jahrzehnte und kaum waren sie fertiggestellt, da gab es schon Ärger und es wurde wieder genauso viel Arbeit und Aufwand investiert um sie zu schleifen, zu brandschatzen und wieder gänzlich zu zerstören. An vielen Stellen findet sich eine hilfreiche Beschriftung, welche Nutzung die Räume hatten, ob Gefängnis, Wachstube oder "Betreten verboten". Auch ein altes Amphitheater kann man entdecken. Im Zentrum der Anlage steht das Haus Custodis, das hat wieder was von englischem Herrensitz, sehr hübsch. Dort wohnen die Hüter der Burg, ein Ehepaar, die quasi nebenberuflich auf das Ganze aufpassen. Im Haus gibt es einen kleinen Aufenthaltsraum oder Café, wo Bionade und Kaffee kredenzt werden, man kann sich dort auch Literatur oder Postkarten zur Burg kaufen und in einem benachbarten Raum ist ein Minimuseum mit Burgmodell und Geschichten zur Geschichte. Schließlich hat die Burg auch was mit dem historischen Engelbert-Mord zu tun und der ist für alle Kenner der Mittelaltergeschichte ein faszinierender Krimi. Die Burgherrin kennt sich übrigens sehr gut aus, was die Flora rund um die Isenburg betrifft und so gibt es auch Pflanzen und Kräuter käuflich zu erwerben, die dort ursprünglich wachsen.
Ansonsten lässt sich die Aussicht genießen oder man kann sich eine Jause gönnen oder den Spaziergang in der Natur fortsetzen, es gibt dort auch nette Ecken für ein kleines Picknick. Die Burg Isenburg hat nichts Spektakuläres und ist kein Freizeitpark, aber ein idyllisches Ausflugsziel in einer Ecke, wo man das so nicht unbedingt erwartet.
Burg Isenberg8