Bewertung von Scrambler im Detail
Das alte königliche Kloster San Juan de la Pena ist ein Gebäudekomplex für den sich nur schwer Worte finden lassen, die der Faszination, der schlichten Schönheit und der Bedeutung für Spanien, das europäische Mittelalter und das Christentum gerecht werden.
Schon allein die Lage des Klosters ist ganz außergewöhnlich. Hoch über einem Tal, mit Aussicht auf die Pyrenäen ducken sich die Gebäude ganz in den Schutz einer riesigen Höhle. Über dem Kloster steigt die grau- rote Felswand noch ein gutes Stück senkrecht in die Höhe.
Außergewöhnlich ist auch die Anfahrt.
Von Jaca kommend, fuhren wir Richtung Pamplona, entlang dem aragonesischen Jakobsweg. Die Abzweigung zum Kloster ist ausgeschildert. Über eine schmale, aber zweispurige und relativ gute Straße ging es zunächst durch Wiesen den Höhenzügen der Sierra de San Juan de la Pena entgegen. In dem Ort Santa Cruz de la Seros bot sich uns schon mal ein schöner Blick auf die imposanten Felswände. Schon hier hätten wir halten können, um uns die beiden Kirchen des Ortes anzusehen, die beide aus dem 11. Jahrhundert stammen. Santa Maria ist zudem das einzige noch erhaltene Gebäude, des größten und berühmtesten Nonnenklosters Aragons.
Wir bogen jedoch nach rechts ab und sahen uns kurz darauf einem Schild gegenüber, das den kurvenreichen Straßenverlauf bis zum Felsenkloster zeigte. Von nun an ging es stetig bergauf. Man sollte hier wirklich, langsam fahren und den Ausblick auf die Landschaft rundherum genießen. Weil man immer auf der einen Seite den Berg oder die Felswand hat und auf der anderen den Abgrund oder Wald, kann man unterwegs nicht einfach halten. An der schönsten Stelle gibt es aber auf der anderen Straßenseite eine kleine umzäunte Haltebucht mit Infotafeln.
Kurz bevor man zum Kloster kommt, liegt rechts von der Straße ein kleiner Parkplatz. Ein junger Spanier hielt uns an und wollte wissen, ob wir das alte oder das neue Kloster ansehen wollten und weil wir nur das alte besuchen wollten, mussten wir die Motorräder hier abstellen. Die letzten Meter ging es zu Fuß weiter. Es geht bergauf und man läuft auf diese, viele Meter himmelwärts strebende Felswand zu, unter der das Kloster klein wirkt. Die Bögen des offenen Kreuzganges unter dem Gewölbe der Höhle ist schon mal ein Vorgeschmack auf die architektonische Schönheit, die den Besucher erwartet.
Am Kartenhäuschen holten wir uns die Tickets, mit denen wir auch die Kirche Santa Maria hätten besichtigen können. 6 Euro sind für ein Ticket in Spanien zwar relativ viel, lohnen sich aber unbedingt. Ich nahm auch gleich einen mehrsprachigen Führer mit.
Fotografieren ist, so weit ich mich erinnere, erlaubt. Es gibt kein bewaffnetes Wachpersonal oder eine Aufsicht.
Den Klosterkomplex, der direkt an die Straße angrenzt betritt man nun durch ein Tor.
Als erstes kann man sich das Untergeschoss ansehen, wo die Rückwand des Schlafsaals der Mönche und die der unteren Kirche aus Felsen bestehen. Weite, rötliche Rundbögen überspannen den Schlafraum aus dem 11. Jahrhundert. An der Rückwand fließt Wasser über den Felsen und weiter hinter eine Mauer.
Der ansonsten karge, kalte und ziemlich düstere Raum, lässt erahnen, wie hart das mittelalterliche Klosterleben, insbesondere im Winter hier war.
Die untere Kirche gehört zum ältesten Gebäudeteil. Sie wurde 920 gebaut. Auf runden Säulen ruhen auch hier gemauerte Rundbögen. Erstaunlicherweise haben sich hier Wandmalereien aus dem 12. Jahrhundert erhalten. Auf dem Boden markieren große Steinplatten, die Gräber von Äbten.
Steigt man die Treppen weiter nach oben kommt man an der Backstube mit dem Brotbackofen vorbei. Die Decke aus Fels ist rußgeschwärzt.
San Juan war ab dem 11. Jahrhundert Königsgruft für Navarra und Aragon. Im Pantheon befinden sich hinter halbrunden Wappen und Chismons die Gräber von Adligen, die gegen entsprechende Bezahlung sich hier bestatten ließen.
Dies unterstreicht die Bedeutung des Klosters für die damalige Zeit. Es war nicht nur sehr reich an Gütern, sondern auch reich an Einfluss.
Hier wurde das Königreich Aragon gegründet und von hier aus wurde der westgotische Kirchenritus zugunsten des römisch-(katholischen) zurückgedrängt.
In einigen, kleinen, angrenzenden Räumen befindet sich das Museum des Klosters. Leider sind die erläuternden Texte fast alle spanisch. Anhand von Schautafeln, Fotos, Keramikfunden etc. soll dem Besucher hier das mittelalterliche Klosterleben nahe gebracht werden. Einiges bezieht sich jedoch auch allgemein auf mittelalterliches Leben beziehungsweise ganz speziell auf San Juan de la Pena.
Die obere Kirche aus dem 11. Jahrhundert befindet sich direkt über der unteren. Auch hier ist der Fels selbst die Decke. Drei Absiden bilden de Räume für drei kleine Altäre. Auf dem mittleren befindet sich die Replik einer der wichtigsten Reliquien der Christenheit. Der Gral ( von Cadiz), der Abendmahlsbecher Jesu, wurde hier lange Zeit aufbewahrt, nachdem er eine Odyssee durch verschiedene Pyrenäentäler und Klöster hinter sich hatte. Ernst zu nehmende wissenschaftliche Arbeiten sehen in San Juan de la Pena die Gralsburg aus der Parzivalsage.
An dieser Stelle könnte man einwenden, dass eine Achatschale nie und nimmer einem Zimmermann gehört haben kann usw. Auf der anderen Seite wird dann eingewandt, dass sich die Geschichte dieser Schale gut zurückverfolgen lässt und die Schale tatsächlich aus der Zeit Jesu stammt, bzw. noch älter ist, während die goldene Fassung später dazu kam.
Ich für meinen Teil denke, aus heutiger Sicht ist es vor allem wichtig, zu sehen welche Auswirkungen die Anwesenheit des Grals in Spanien auf die regionale Politk und die Geschichte des Christentums hier hatte. Ich glaube, heute kann kaum noch ermessen werden, wie viel Aufwand für den Schutz dieser Schale betrieben wurde, wie viele Intrigen gesponnen wurden und wie viel Blut vergossen wurde.
Nur ein Beispiel: Es gibt Behauptungen, dass der Gral und dessen Schutz für den König Alfons I. von Aragon der schwerwiegendste Grund war, dem Templerorden ( und anderen Ritterorden) das gesamte Land Aragon zu vermachen. Nach seinem Tod wurde dieses Testament jedoch nicht vollstreckt und später bekam der Templerorden "nur" die Städte Saragossa, Calatayud, Huesca, Barbastro, Daroca usw. geschenkt.
Der "Originalgral" steht übrigens heute in der Kathedrale von Valencia.
Von der Kirche aus kann man in die Königsgruft sehen. Sie stammt aus dem 18. Jahrhundert.
Verlässt man die Kirche betritt man eine Terrasse, auf der sich der Kreuzgang aus dem 12. Jahrhundert befindet, den man schon von der Straße aus sieht. Die Kapitelle der Säulen werden als der wahre Schatz des Klosters bezeichnet. Es ist ein in Stein gehauenes, sehr ausdrucksstarkes Bilderbuch zum Leben Jesu und der Genesis.
Leider sind nicht mehr alle Kapitelle erhalten oder vollständig. Teile des Kreuzganges scheinen restauriert oder wieder aufgebaut worden sein. Ich bin mir auch nicht sicher ob hier die Originalkapitelle präsentiert werden. Evtl. sind es nur Nachbildungen.
Von der Terasse aus, hat man einen schönen Ausblick , vor allem auf die umliegenden Felswände. Außerdem überblickt man von hier oben, die Ruinen weiterer Klostergebäude.
Die Felsendecke kommt hier im Hintergrund tief herunter. Aus dem Stein tröpfelt Wasser und sammelt sich in einem Becken.
Zu besichtigen sind hier auch noch eine spätgotische Kapelle und eine aus dem 17. Jahrhundert, sowie ein mozarabischer Bogen, der von der alten Kirche hier her versetzt wurde.
Am 24. Februar 1675 wurde das alte Kloster in einem 3-tägigen Brand verwüstet und zugunsten des neuen Klosters, ein paar Kilometer weiter, aufgegeben. Während das neue Kloster nach der Säkularisierung verwahrloste und komplett verfiel, wurde das alte Kloster schon seit 1889 geschützt. Seit 1920 ist die Umgebung Königliches Landschaftsschutzgebiet.
San Juan de la Peña10
Einzelbewertung
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Erreichbarkeit
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Muss man gesehen haben
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Budget-Freundlichkeit
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Atmosphäre
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Architektur
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Die kurvenreiche Streckenführung , auf der relativ schmalen Straße, entlang der Felswand erfordert routinierte Fahrer.
Von der Nationalstraße, die Jaca mit Pamplona verbindet, zum Kloster sind es etwa 12 km.
San Juan de la Pena war vielleicht der Höhepunkt unserer Reise. Ich könnte es mir durchaus unter den Top-Ten für Spanien vorstellen. Deshalb würde ich auch jedem Nordspanien-, oder Pyrenäenbesucher zu einem Besuch raten.
Als wir im Mai, vormittags, dort waren, gab es außer uns, zwar noch ein paar mehr Besucher, durch die Größe der Anlage verliefen die sich jedoch und man hatte oft das Gefühl alleine unterwegs zu sein.
Kombiniert mit einer Besichtigung der beiden Kirchen in Santa Cruz, dem Neuen Kloster, inklusive der Interpretationszentren dort und den Ausschtspunkten Balcon de los Pireneos, Miradores de Santa Teresa und San Voto, lässt sich hier wahrscheinlich ohne Probleme ein ganzer Tag verbringen.