stefbl
München, Deutschland99%
Karaoke singen macht immer eine Menge Spaß, aber besonders viel Spaß macht es im Singesong in Karlsruhe. Diese Karaoke-Bar habe ich im April 2005 das erste Mal besucht, aber mit Sicherheit nicht zum letzten Mal ...
Lage:
Beheimatet ist das Singesong in Karlsruhe der Herrenstraße 36 - also quasi mitten in der Karlsruher Innenstadt. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, kann deswegen ideal an der Halteselle Herrenstraße oder Europaplatz aussteigen - und hat das Singesong von dort in gerade mal fünf Gehminuten erreicht. Die Bar selbst befindet sich im Keller der Hausnummer 36, man muss also noch eine Treppe nach unten steigen und eine offensichtlich schallgeschützte Tür passieren. Diese - so ist dort deutlich zu lesen - muss ab 22 Uhr unbedingt geschlossen bleiben, denn es scheint so, als wären die Anwohner des Singesong nicht von jeder Gesangsdarbietung begeistert
Da das Singesong sich selbst als Deutschlands einzige echte Karaoke-Bar bezeichnet, wird hier während der Öffnungszeiten gesungen - und das pausenlos. Sonntags und Montags hat das Singesong geschlossen, an allen anderen Tagen öffnet es ab 20 Uhr seine Pforten. Freitags und Samstags kann dort dann bis nachts um vier Uhr nach Herzenslust gesungen werden, werktags schließt die Bar ein wenig früher. Dass das Singesong keine normale Kneipe ist, merkt man auch daran, dass Eintritt fällig ist - unter der Woche 2 Euro, freitags und samstags vier Euro. Allerdings wartet am Eingang kein Kassenwart, statt dessen wird der Eintrittspreis auf die Schlussrechnung draufgeschlagen. Und wenn man bedenkt, wie viele Kosten eine Karaokebar durch die Technik, die Karaoke-CDs etc. verursacht, so geht dieser Eintrittspreis meiner Ansicht nach auch auf jeden Fall in Ordnung.
Das Ambiente
Wie für eine Kellerbar nicht unüblich, vermittelt auch das Singesong eine eher schummerige Atmosphäre. Gemütlich wird es allerdings durch die großzügigen flachen Ledersitzgruppen, die sich allesamt um kleine Tische groupieren, wovon es elf an der Zahl gibt. Wichtig ist die Tischnummer des Tisches, an dem man sich gerade befindet - denn die muss man wissen, wenn man sich zum Singen anmelden will. Dazu aber später noch mehr.
Hervorzuheben sind an dieser Stelle die Toiletten im Singesong. Diese sind zwar nicht besonders schön, haben allerdings Kultcharakter - denn man muss auch hier singen, damit das Licht angeht! Bei unserem Besuch war dies jedoch nur bei meinem ersten Toilettengang erforderlich, danach brannte das Licht pausenlos.
Getränke gibt es im Singesong natürlich auch, darüber hinaus kleinere Snacks wie z.B. Baguettes. Die Getränkeauswahl umfasst die wichtigsten Standards (Bier, Softdrinks, ein paar Cocktails), allerdings sind die Preise für Karlsruhe eher hoch (ein Pils 0,3 kostet 3,20 Euro).
Jetzt wird gesungen!
Kommen wir also nun zu den Punkten, die die eigentliche Qualität einer Karaoke-Bar ausmachen - die Songs und die Wege, wie man zum Singen kommt. In allen anderen Karaoke-Bars, die ich bisher besucht habe, war es üblich, sich einen Song auszusuchen, die Nummer auf einen Zettel zu schreiben, beim Karaoke-DJ abzugeben - und darauf zu warten, irgendwann mal von der Bühne singen zu dürfen. Der Nachteil dieser Methode ist klar: Man weiß nicht, wann man drankommt, ob man überhaupt drankommt - und steht natürlich auch dann, wenn man zum ersten Mal Karaoke singt, direkt auf dem Präsentierteller. Was mich in anderen Karaoke-Bars außerdem oft stört, sind oftmals lange Pausen zwischen einzelnen Sing-Phasen. So werden durchaus mal fünf, sechs Songs am Stück dargeboten - bevor es wieder eine Party-Disco-Pause gibt und Tanzen auf dem Programm steht. Beizeiten sehr nervig, wenn man doch eigentlich zum Singen gekommen ist
Im Singesong ist jedoch das alles genau anders. Hier gibt es keine Tanz-Pausen, hier wird gesungen - und zwar die ganze Zeit nach festen Regeln. Alles fängt damit an, dass man hier nicht nach vorne auf eine Bühne kommen muss, sondern jeder (!) der elf Tische ein On-Air-Lämpchen hat - und außerdem zwei eigene Mikrophone. Brennt das On Air-Lämpchen, ist der Tisch mit Singen dran - und man kann munter loslegen. Erwähnenswert ist auch noch, dass jeder Tisch eine so genannte "Hilfe"-Taste hat - um das Personal zu rufen, wenn man Fragen hat. Darüber hinaus befinden sich auf jeden Tisch zwei Mappen mit der Songauswahl, Songkärtchen (die so genannten "Sing 3") und Kugelschreiber.
Gesungen wird im Singesong nach einem festgelegten Prinzip. Jeder Tisch kommt der Reihe nach dran und darf dann zwei Songs zum Besten geben - entweder als Einzel-Solo vom Platz aus oder auch als Gruppe. Zwischendurch gibt es dann noch immer wieder Lokal-Runden - hier leuchten alle On Air-Lämpchen, jedes Mikro ist freigeschaltet - und alle Besucher singen gemeinsam. Eine lustige Sache!
Zu fortgeschrittener Stunde gibt es dann auch noch eine oder mehrere Bühnenrunden. Wer seinen Song nicht vom Platz aus singen möchte, kann sich für diese Runden anmelden - und sein Stück dann von vorne zum Besten geben. Bei unserem Besuch startete die erste Bühnenrunde allerdings erst sehr spät, es dürfte ca. 0:30 Uhr gewesen sein.
Neben den genau festgelegten Regeln, die im Singesong für organisierte Abläufe und Fairness sorgen, bietet die Bar ein weiteres ganz großes Plus: Die Songauswahl ist einfach gigantisch! Es gibt nicht nur englische und deutsche Songs, sondern auch Stücke in italienisch und spanisch, in chinesisch, in finnisch, in thailändisch, in vietnamesisch u.s.w. Darüber hinaus hat das Singesong Stücke im Angebot, die in anderen Karaoke-Bars eher Mangelware sind - zum Beispiel das komplette Repertoire der Rocky Horror Picture Show oder zahlreiche Stücke aus den Musicals "Tanz der Vampire" und "Elisabeth". So konnte ich endlich einmal "Ich gehör nur mir" aus "Elisbeth" singen - ein Stück, was ich schon immer mal selbst singen wollte, was ich bisher aber in keiner anderen Karaoke-Bar gefunden hatte. Erwähnenswert ist aber auch die große Übersichtlichkeit, nach der die vorhandenen Songs in den Songauswahlmappen aufgeführt sind. Ein Teil der Mappen ist nach Alphabet sortiert, andere Mappen sortieren die Titel nach Original-Interpreten. Außerdem wird bei Stücken gleichen Namens auf die Verwechslungsgefahr hingewiesen, damit man nicht plötzlich dran ist und dann ein ganz anderes Stück ertönt, als man sich gewünscht hat
Wer sich selbst einmal von der riesigen Songauswahl überzeugen möchte, der sollte auf jeden Fall der Singesong-Homepage (www.singesong.de) einen Besuch abstatten. Hier kann man genau sehen, welche Stücke die Bar zu bieten hat - und kann einen großen Teil der Songs auch schon online ausschnittsweise vorhören.
Als Nachteil am Singesong ist lediglich zu erwähnen, dass die Bar am Wochenende zu fortgeschrittener Stunde natürlich gerammelt voll wird. Natürlich kommt man auch dann noch regelmäßig zum Singen, allerdings sind die Wartezeiten entsprechend lang, wenn alle Tische besetzt sind und alle singen wollen. Da wir allerdings bereits um 21 Uhr vor Ort waren und es zu dieser Zeit im Singesong noch sehr ruhig zuging, konnten wir zumindest am Anfang recht häufig singen und mussten nicht allzu lang warten.
Und das Fazit?
Ich denke, es ist meiner Bewertung unschwer anzumerken, dass ich vom Singesong schlichtweg begeistert bin. Beim Singesong handelt es sich definitiv um eine Karaokebar, die diesen Titel wirklich verdient hat - denn wenn man hier nicht zum Singen kommt, dann wirklich nirgendwo
Dickes Lob von mir gibt es auf jeden Fall für die Tatsache, dass hier jeder Tisch Mikrophone hat, dass es genaue Regeln gibt - und dass es wirklich sooooo viele Songs gibt, dass wirklich jeder fündig werden dürfte.
Aus diesem Grund hab ich auch nur ein paar winzige Kritikpunkte anzuführen. Die Idee, im Tisch vom Sitzen aus singen zu dürfen, finde ich generell für jeden gut, der das erste Mal Karaoke singt und sich noch nicht so recht traut - allerdings ist es nicht erlaubt, sich am Tisch hinzustellen. Als ich jedenfalls genau diesen Versuch startete, stand sofort ein Mitarbeiter der Singesong neben mir und forderte mich auf, mich doch bitte sofort wieder hinzusetzen. Meiner Meinung nach sollte jedem Sänger aber so viel persönlicher Spielraum überlassen bleiben. Schließlich ist es bei einigen Liedern, die sich eher in höheren Tonlagen abspielen, extrem schwer, sitzend zu singen - denn dann wollen manche Töne dann doch nicht so richtig rutschen.
Auffällig war im Singesong außerdem der hohe Professionalitätsgrad des Publikums. Gut und gerne 70 Prozent der Sänger, die bei unserem Besuch auch dort waren, machten auf mich einen Profi-Eindruck - hatten also zum Teil ausgebildete Stimmen und schienen auch in Bands zu singen. Entsprechend gut waren die meisten Sänger natürlich - eine Erscheinung, die für jemanden, der einfach mal aus Spaß Karaoke singen möchte, unter Umständen frustrierend wirken könnte. Trotzdem sollte man auf keinen Fall den Spaß an der Sache vergessen - nämlich die Tatsache, dass es beim Karaokesingen nicht darum geht, einen Gesangspreis zu gewinnen - sondern eher darum, einfach Freude an der Sache zu haben, einen lustigen Abend zu erleben - und vielleicht mal über den eigenen Schatten zu springen und selbst zum Mirko zu greifen. Auch das ist im Singesong auf jeden Fall möglich.
Leider musste ich das Singesong nach etwas mehr als vier Stunden verlassen, um noch die letzte S-Bahn in Richtung Pforzheim zu erwischen. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte ich es dort gut und gerne noch das eine oder andere Stündchen länger ausgehalten - denn das Singen dort hat einfach einen riesigen Spaß gemacht. Ich kommer wieder!!!
stefbl, 21. Juli 2005