Bewertung von karlheinz46 im Detail
karlheinz46
Wien, Österreich90%
Wir haben lange Zeit nach einem Restaurant in Karlsruhe gesucht. Ich wollte nicht so einen schnellen Döner oder etwas atypisches, wie Chinesen oder Inder, die ich eh nicht aufsuchen würde. Es sollte etwas sein, das die Speisen der Region bietet.
Nach sehr langem Suchen auf der Kaiserstraße und etlichen Nebengasserln sind wir dann hinter der Kleinen Kirche auf ein etwas blass wirkendes Restaurant gekommen. Wir wollten schon wieder weiterziehen, da der Straßengarten rammelvoll war. Der Wirt hat grüne Schirme über die dunkelbraunen Bänke und Tische gespannt. Es sah gemütlich aus, obwohl ich persönlich die Enge nicht mag. Das Litfaß sah von außen weniger spektakulär aus. Der Namen, naja, vielleicht kam der von der braunen Litfaßsäule über dem rechteckigen Höpfner Schild. Immerhin stand dann noch Höpfner Bräu über dem Eingang. Das ganz groß geschrieben in Grün und viel größer als Litfaß.
Die Speisekarte waren dafür in kleiner Schrift gehalten und in drei Mini-Kästen bugsiert. Die braune Eingangstüre mit den 8 Glasfenstern stand offen. Ich hatte eine gute Sicht auf Plakate von Musikgruppen, die mir gänzlich nichts sagten. Philipp Boa kannte ich nichtmuss ich wohl nicht mit 65 kennen.
Innen sah es so nach Kneipe in Wien gekreuzt mit Kneipe in Karlsruhe aus. Ich hatte ursprünglich sogar den Gesellen als Tischler in der Tasche habe dann aber in eine ganz andere Richtung umgesattelt. Wie ich das dunkle Mobilar erspähte, war ich nicht mehr zu halten. Der Raum war eine wüste Sache. Es gab da einen Teil als gelbe Wand. Das war am Eingang. Im unteren Abschnitt wurde sie von einer Holzvertäfelung abgelöst. Der Boden waren grobe Ziegel. Auf den Ziegeln waren die hohen, dunklen Rundtische mit vierbeinigen, dunklen Barhockern. Das war dann von einer höher stehenden Fläche mit breiten und sehr stabilen Holzsesseln abgeteilt. Die dortigen Tische waren viel unbehandelter in ihrer Verarbeitung. An einem solchen haben wir uns niedergelassen und ich genoss diese raue, robuste Bauart der Sessel.
Es war sehr viel los. Ein Kellner hetzte von einem Tisch zum anderen. Viele mussten zu den Gästen hinaus. So ging ich mal schnell auf die Toilette ganz hinten. Ich habe sie nach den paar Monaten als sauber in Erinnerung.
Wie ich zurückkam, fragte mich eine Kellnerin, ob wir schon bestellt hätten. Ich negierte. Wir bestellten mal schnell zwei Mineral und studierten alsdann die Litfaß Karte. Meine Sicht schweifte auf die Tafel oben in der Ecke. 2 Scheiben Pfälzer Saumagen angebraten mit Sauerkraut und Bubenspitzle um 8,30. Daneben die Brezen. Saumagen? Nein, das wollte ich nicht. Da half nicht einmal das hypnotisierende Wippen der Lampe.
Die Kellnerin kam mit dem Mineral in Gläsern, die für mich eher für Bier genutzt worden wären. Sie redete viel auf schwäbisch und fragte uns, ob wir Bayern wären. Dann bestellten wir mal die Hauptspeisen.
Ich hatte so was wie Knödel überbacken. Den genauen Namen wusste ich damals nach 5 Minuten schon nimmer, jetzt umso weniger. Die Kellnerin meinte nur gleich, dass ich da sicher keine Nachspeise mehr wolle sie behielt Recht. Ich nahm mal einen Schluck aus dem Glas, in dem eine Zitronenscheibe schwamm. Ich schaute eben auf die Homepage der Seite bei Karlruhe und es war was mit Maultaschen. Maultaschen im Eimantel, sowas
Wie sah das Gericht dann aus? Ja, österreichisch erklärt, in dicke Streifen geschnittene Semmelknödel mit eine Eibatz drauf. Für deutsche heißt das Brötchenklöße bedeckt mit Ei oder so. Auf meinem Foto zähle ich so 20 Streifen ab. Glei daneben lag der Salat. Grüner Salat, Karottenstreifen und eine halbe Tomate. Ich aß alles sehr langsam. Für mich war der Geschmack sehr angenehm. Vielleicht doch etwas deftig, aber mit dem Salat zu lindern. Ich habe die letzten 5 Streifen nicht mehr hinunterbekommen. Dafür 20 Minuten später einen Kuchen im Café Böckeler. Das Essen würde ich mit 8,5 von 10 Sternen beurteilen. Es gab keinen Nachgeschmack, ich bekam kein Sodbrennen. Der Salat knackte und schmeckte frisch. Die Portion war für den Preis größer, als gedacht. Der Preis war 6,90 Euro.
Jetzt fragt ihr Euch, was die Speise von meinem Lebenspartner war? Ich muss leider gestehen, dass es eigentlich das Gleiche war. Die Spätzle hießen leicht anders und etwas unterschied sich in der Zubereitung. Mit freiem Auge konnte ich aber nichts erkennen.
Wir aßen sehr gemütlich und hatten es nicht eilig. Es war schon fast 15 Uhr und das Lokal begann sich langsam zu leeren. Die Kellner konnten langsam durchatmen. Ich hatte dazwischen schon oft den Eindruck, sie könnten physisch und psychisch mit einander kollidieren. Über eine neue Kellnerin fielen nicht so nette Worte aber wo gibt es das nicht?
Die gleiche Kellnerin kam dann zum abkassieren. Wir zahlten dann knapp 19 Euro. Ich hatte gesagt, sie solle gleich einen Espresso mit rauftun. Nach dem Essen musste ich mir einen geben. Er war nicht schlechter, als einer in Wien. Dafür kam er mir billiger zu stehen. Wir haben dann nett mit der Kellnerin geplauscht. Sie war schon mal in Wien und staunte dafür, dass wir schon viele Städte in Deutschland kannten.
Ja, dann gingen wir. Vom Raum fällt mir noch ein, dass da ein Gemälde war, das sehr bunt war und wie ein Bogen aussah. Im Zentrum des Raums war die Theke und die Kassa, wo jeder Kellner hinmusste.
Für mich war das Litfaß eines der interessantesten Restaurants in Deutschland.
Litfaß9