offerendum(32)
Bochum, Deutschland90%
Liebe Leser,
zuerst einmal ist es schön, dass mein Bericht ein Grundinteresse geweckt hat, danke dafür. Natürlich würde ich mich freuen, wenn möglichst viele ihn komplett lesen, zumal ich recht viel meiner leider nicht nach meinen Wünschen bemessenen Freizeit investiert habe. Da macht es dann schon glücklich, wenn auch mal jemand das geschriebene liest. Natürlich habe ich aber auch Verständnis, dass nicht jeder den ganzen Text lesen möchte, es ist schließlich schon recht zeitaufwendig, ihn nur zu lesen. Aber auch den Personen kann ich etwas anbieten. Lest doch einfach nur die Bewertung am Ende des jeweiligen Punktes, dort erfahrt ihr eigentlich das Wesentliche. Aber ich bin Optimist und wünsche Spaß beim Lesen des ganzen Textes.
Vorbemerkungen
Wenn wir über das Imperial reden geht es nicht um irgendein Hotel, es geht um einen Mythos. So schreibt der Michelin über das Hotel es sei der "Inbegriff des Grandhotels" und in dem Buch "1000 Places to see before you die" von Patricia Schulz ist dem Imperial ein eigener Artikel gewidmet. Schließlich hat Königin Elisabeth II einst gesagt, das Imperial sei das wunderbarste Hotel, in dem sie je übernachtet habe. Nun, das ist schon viel des Lobes und ich habe keinen Reise- oder Hotelführer gesehen, in dem Zweifel daran aufkamen, dass das Imperial das erste Haus in Wien ist. Da verwundert es dann auch nicht, dass es immer wieder in mehreren Rankings als bestes Hotel der Welt auftauchte. Darum verwundert es dann auch nicht, dass ich hier schon immer mal wohnen wollte, schließlich habe ich eine Leidenschaft für Hotels.
Bevor ich meinen Bericht beginne möchte ich von einem Fernsehbericht erzählen, den ich vor kurzem gesehen habe. Normalerweise liest man ja keine Erfahrungsberichte um die Zusammenfassung von Fernsehberichten zu lesen, aber ich finde es mal interessant den Bericht mit der Wirklichkeit zu vergleichen.
Zuerst wurde in diesem Bericht natürlich wie immer alles über den Klee gelobt. Es ist alles Großartig, alle Gäste erstarren vor Erfurcht und fließen vor Bewunderung dahin. Es wurde von den Beutlern erzählt die den Gästen jeden Wunsch von den Lippen ablesen und davon, dass die Zimmermädchen immer wieder im perfekten Service geschult werden.
Es wurde auch erzählt, dass nicht jeder Wunsch erfüllbar sei, ein Gast habe zum Beispiel in der Reservierung ein Zimmer mit "Sea-view" gewünscht. Es wurde darüber sinniert wie man ihm dann beibringe, dass dies nicht möglich sei. Ich sag es mal so: Geld schützt vor Blödheit nicht!
Aber egal, wir waren jedenfalls nicht der ominöse Gast. Was man dann noch sehen konnte war die Hausdame, die jedes einzelne Zimmer vor Ankunft des Gäste auf Sauberkeit überprüfte. Dabei legte sie besonderen Wert auf das Bad, da hier Sauberkeit am wichtigsten sei. Na, dann wird es ja zumindest blitz - blank sein..
Um einen abschließenden Eindruck vom Geiste des Berichtes zu erhalten sei folgende Szene geschildert: Das Hausmädchen füllt gerade die Seife in einem Badezimmer auf (von Bulgari) als der Reporter fragt, ob denn die Gäste hier so etwas auch schon einmal mitnehmen. Die Dame bejaht dies stolz mit dem Argument, dass man im Hotel eine ganz besondere Marke habe. Es käme sogar vor, dass ein Gast Amenities nachfordert, was gerne erfüllt würde.
Geschichte (nicht zu lang, versprochen!)
Das Hotel Imperial wurde ursprünglich im Jahre 1865 für den Prinzen Philipp von Württemberg als Residenz erbaut. Der Prinz musste jedoch zunächst in den Deutsch-Österreichischen Krieg 1866 ziehen. Aus diesem Krieg zurückgekehrt verabschiedete er sich jedoch von seinem Palais. Die einen behaupten es lag daran, dass der Garten hinter dem Palais im Zuge der Stadtplanung bebaut wurde, was ihm ein Wohnen dort nicht standesgemäß erscheinen ließ, andere behaupten der Prinz habe einen Mangel an Geld zu beklagen gehabt. Egal wie es wirklich war, das Haus wurde jedenfalls von Horace Ritter von Landau gekauft. Ab dem Jahre 1872 wurde das Haus zum Hotel umgebaut und noch um eine Etage erhöht. Pünktlich zur Wiener Weltausstellung eröffnete das Imperial schließlich am 28.4.1873 und bot den damals höchstmöglichen Komfort. In den folgenden Jahren etablierte sich das Hotel als erstes Haus am Platz und beherbergte jede Menge gekrönter Häupter und Weltstars, sie aufzuzählen wäre ein endloses Unterfangen, wahrscheinlich wäre sogar eine "Negativliste" kürzer. Dieser Boom wurde nur nach dem zweiten Weltkrieg unterbrochen, als die Russische Kommandantur von 1945 - 1955 ins Haus einzog. Wie schon den Krieg überstand das Hotel auch diese Zeit ohne größere Schäden und konnte 1956 wiedereröffnet werden, nachdem es total umgebaut worden war. Seitdem ist das Imperial aus der Spitzenhotellerie nicht mehr wegzudenken.
Allgemeines
Das Hotel Imperial gehört heute zur Luxury Collection, dem Nobellabel der Starwood-Hotels. Es verfügt über 96 Zimmer und 32 Suiten.
Es gibt 8 verschiedene Zimmerkategorien, die vom 30 qm großen Classic-Doppelzimmer bis zur 150 qm großen Royal Suite reichen.
Die Adresse:
Hotel Imperial
Kärntener Ring 16
1015 Wien
Österreich
Tel. 00431501100
Internet: www.luxurycollection.com/ imperial
Reservierung
Als wir den Aufenthalt in Wien planten war natürlich klar, wo wir dort zu wohnen haben. Trotzdem wurden natürlich die Websites der einzelnen Hotels studiert, insbesondere natürlich die des Imperial. Ich muss freilich zugeben, dass mir das Hotel nicht komplett fremd war, meine Eltern hatten dort schon bei ihrer letzten Österreichreise gewohnt
Ich rufe also im Hotel Imperial an und lasse mich zur Reservierung durchstellen. Die Person am anderen Ende ist gewohnt freundlich. Kurz danach meldet sich schon eine Stimme: "Sie sprechen mit Sophie". Ich werde mich wohl nie daran gewöhnen, dass sich Hotelmitarbeiter mit ihrem Vornamen melden oder auf ihren Schildchen nur dieser zu lesen ist, ich habe das nicht ganz so gerne. Aber man trifft es immer häufiger an, ich selbst würde allerdings nie einen Hotelangestellten mit Vornamen anreden.
Die Dame fragt mich ob ich für das Bristol oder das Imperial reservieren möchte, die beiden Hotels gehören nämlich zusammen und stehen unter einer einheitlichen Leitung. Ich entscheide mich natürlich für das Imperial und dort eine Elisabethsuite. Meine Daten werden stets freundlich aufgenommen, wie fast immer eine Kreditkarte zur Garantie gefordert und mir schließlich zugesichert, umgehend eine Bestätigungsmail zu schicken.
In der Tat kam kurz danach eine Mail in der die Reservierung bestätigt wurde und noch einmal Fakten über das Hotel standen. So wurde das Hotel und unser zukünftiges Zimmer beschrieben, ich habe die entsprechende Passage einmal kopiert:
"ZIMMERBESCHREIBUNG
HOTEL IMPERIAL WIEN
Das Hotel Imperial wurde ursprünglich Mitte des 19. Jahrhunderts, als die private Residenz des Fürsten von Württemberg vom bekannten Baumeister Zanetti im Stil der italienischen Renaissance erbaut. Anläßlich der Weltausstellung von 1873 wurde das Palais von Ritter von Landau gekauft und in ein Hotel umgewandelt. Unter anderen waren damals Fürst Otto von Bismarck, Brasiliens Kaiser Dom Pedro II und Kaiser Wilhelm I., als auch Otto Wagner, Gustav Mahler und viele weitere Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Politik Gäste im Hotel Imperial. Bis heute tragen wir den Namen, das Erste Haus der Republik und sind bis das offizielle Hotel für Staatsbesuche. Das Palais konnte bis heute originalgetreu restauriert und erhalten werden.
ALLE unsere Zimmer sind:
Elegant traditionell eingerichtet und ausgestattet mit Kabel TV, 3 Direktwahl Telefonen mit Voice Mail und Modemanschlussmöglichkeit , Minibar, Haarfön und Zimmersafe, individuell regulierbarer Aircondition. Die Zimmer in den oben Etagen sind komplett neu renoviert. Die Lage der Zimmer kann mit Blick auf den Ring oder den Musikverein aber auch auf die ruhigen Seitenstraßen oder zum Hof (keine Lärmbelästigung) sein. Zimmer mit Verbindungstüren sind auf Anfrage verfügbar. Bettentypen: Queen, King oder Twin.
Elisabeth Suite
Elegante, traditionell eingerichtete Suite im imperialen Stil, bestehend aus einem Schlafzimmer und Wohnzimmer mit gemütlicher Sitzgarnitur, getrennt durch eine Schiebetüre. Geräumiges Marmorbad teilweise mit separater Dusche, Schrankraum auf Anfrage. Eingerichtet mit Antiquitäten, Ölgemälden und Kristalllüster. Sehr hohe Räume. Ungefähr 65 m groß"
Dann waren wir ja mal gespannt, auf jeden Fall war die Mail nett. Kurz vor Anreise kam übrigens noch einmal eine Mail mit Infos über Wien, da waren wir allerdings schon auf Reise, aber woher soll das Hotel auch wissen, dass wie auf einer Rundreise sind und auf Reisen prinzipiell keine Mails abrufen.
Bewertung: Die Reservierung verlief hervorragend und kann nur als vorbildlich bezeichnet werden. Die Idee mit Informativen Mails ist zwar nicht wirklich neu, wird aber viel zu selten praktiziert. Wenn alles so weiterläuft brauchen wir einen sechsten Ciao-Stern!
Note: sehr gut
Preise:
Sagen wir mal ein paar Worte zu den Preisen. Wie sich wohl die meisten nach dem Vorgesagten denken können, ist das Imperial kein Schnäppchenparadies. Leicht bekommt man für eine Nacht anderorts eine ganze Woche und darf dann noch das Frühstück zuzahlen, dessen Preis ich leider nirgends gefunden habe und das in meiner Rate inkludiert war. Die zu unserem Zimmer unten angegebene Rate habe ich übrigens im Internet so gefunden, bei uns im Zimmer standen 1424 €, aber darauf kommt es am Ende ja auch nicht an. Ob es bei der Imperial- und Royal-Suite wirklich die Rack-Rate ist weiß ich nicht, es ist jedenfalls die einzige, die ich gefunden habe. Wer sich aber wirklich dafür interessiert, wird sie schon gesagt bekommen. Spätestens beim Bezahlen.....
Hier schon mal die Rack-Rates, die durchaus auch von Zeit zu Zeit zu zahlen sind:
Classic-Doppelzimmer: 690 €
De-Luxe-Doppelzimmer: 780 €
Juniorsuite: 980 €
Executive-Juniorsuite: 1180 €
Elisabeth-Suite: 1380 €
Maisonette-Suite: 1580 €
Imperial-Suite: 2258 €
Royal-Suite: 3134 €
Die Best-Available-Rates sehen da schon besser aus und sind auch meist verfügbar. Sie schwanken allerdings recht stark und für die großen Suiten sind selten Best-Available Rates vorhanden.
Classic-Doppelzimmer: 340 - 424 €
De-Luxe-Doppelzimmer: 390 - 474 €
Juniorsuite: 490 - 574 €
Executive-Juniorsuite: 674 €
Elisabeth-Suite: 690 - 774 €
Maisonette-Suite: ???
Imperial-Suite: ???
Royal-Suite: 2985 €
Die Wochenendraten sind zwar etwa gleich hoch bis höher, dann ist aber das Frühstück integriert. Bei uns waren es 764 € pro Nacht (Best Available wären 729 € gewesen), das Frühstück machte also für 2 Personen 35 € aus.
Soll ich einen Kommentar zu den Preisen abgeben? Nun ja, sie könnten niedriger sein, aber sie liegen im Großen und Ganzen in dem Rahmen, in dem auch die Preise in anderen Wiener Luxushotels liegen. Die Preise in der Luxushotellerie sind nun mal hoch.
Lage
Wer Wien kennt weiß, dass in wohl keiner anderen Stadt die wichtigen Dinge so komprimiert sind. Die Wiener Innenstadt erstreckt sich auf gerade einmal 2 Quadratkilometer, weshalb es auch nicht verwundert, dass die Hotels der Stadt sehr nahe beieinander liegen. Gleich gegenüber des Imperial liegt das Grandhotel, nur wenig weiter das Sacher und Bristol. Von den nicht ganz so bekannten 5-Sterne Hotels reden wir mal gar nicht. Die Lage ist also nicht wirklich ein Kriterium, dass das Hotel von anderen abhebt. Trotzdem sei sie natürlich kurz beschrieben. Das Hotel liegt am Kärntener Ring, der Teil des Großen Rings ist der die Stadt umgibt. Zur Innenstadt muss man daher nur kurz die Straße überqueren, in kürzester Zeit ist man daher bei allen Sehenswürdigkeiten. Der Musikverein liegt gleich gegenüber, hinter dem Hotel der Karlsplatz und maximal 5 sehr gemütliche Gehminuten die Staatsoper. Wer gern joggt wird sich sicher darüber freuen, dass es nur wenige Schritte zum Stadtpark sind.
Bewertung: Die Lage ist top, besser geht es kaum. Gut, im Sacher wohnt man noch 300 Meter näher am Zentrum, dafür ist man weiter vom Park, Karlsplatz und Naschmarkt weg. Das tut sich also kaum was.
Note: sehr gut
Die Stadt
In den meisten Berichten wird etwas zur Umgebung des Hotels gesagt und gerne werde auch ich etwas zu Wien sagen. Es gibt wohl nicht viele Menschen die noch nie von dieser Stadt gehört haben, so dass ich wohl auf die groben Daten verzichten kann. Wien bietet wirklich für jeden etwas. Sehr gute Shoppingmöglichkeiten, unzählige Museen von Weltrang, massenhaft Kultur, ständig internationale Showstars und schließlich natürlich die Dauerkirmes Prater. Wer sich hier nicht beschäftigen kann, hat wohl einen wirklich ausgefallenen Geschmack, insgesamt kann man einen Besuch in Wien nur wärmstens empfehlen.
Bewertung: Die Stadt benote ich nicht, da ich es für müßig halte. Hier fährt man eigentlich nicht wegen des Hotels hin, sondern wegen der Stadt. Was bringt mir schließlich ein tolles Wien, wenn ich einen Termin in Hannover habe oder eine Oper in der Scala sehen will?
Ankunft
Zielsicher führt uns das Navi auf den Kärntener Ring, als Ziel haben wir das Imperial eingegeben. Links sehen wir das markante Hotel mit seinem grünen Giebel und der reich verzierten Fassade. Majestätisch wehen auf dem Dach verschiedene Fahnen. Links geht es ab und man fährt eine kleine Gasse parallel zum Ring und steht vor dem Eingang. Unter einem runden Glasdach wartet schon ein älterer Doorman, heutzutage fast schon eine Seltenheit. Kaum angehalten wartet er diskret bis ich die automatische Verriegelung aufhebe und öffnet meiner Frau die Tür. Herzlich werden wir willkommen geheißen.
Sollen wir das Gepäck ausladen und danach den Wagen parken? Ja, das wäre schön. Brauchen Sie den Wagen heute noch? Die Garage liegt nämlich etwas entfernt und wir brauchen etwa 20 Minuten Zeit, bis wir den Wagen wieder geholt haben. Alles OK, ich sage noch kurz was mit aufs Zimmer soll und begebe mich mit meiner Frau durch die schwere Glasdrehtür in die Eingangshalle.
Die Halle ist auf den ersten Blick gar nicht so groß, allerdings imposant. Es ist zunächst einmal ein rechteckiger Raum, in dem im hinteren Teil eine Empore liegt, über die man zum Friseur kommt. In der Halle dominieren grüne Marmortöne, alles ist edel. Rechts vorne liegt der Zugang der Bar, daneben eine Sitzgruppe, weiter geht es mit dem Zugang zum Restaurant Imperial und zur Royal Staircase. Geradeaus geht es zur Bibliothek, links zum Cafe und Frühstücksraum, sowie dem Fahrstuhl. Weiter vorne liegt der Rezeptions- und Conciergstisch, davor noch das Buisinesscenter.
Im hinteren Teil der Lobby geht es weiter in einen mittelgroßen Saal, der komplett in Marmor ausgestattet ist, mit viel Stuck und Blattgold. Hier sind Sitzmöglichkeiten, Vitrinen und Fließe mit Szenen der griechischen Mythologie zu finden. Ich habe für den Saal mal die Bezeichnung Bibliothek gelesen, man könnte hier aber auch ohne Probleme ein Staatsdinner ausrichten. Sonntags gibt es dort den Brunch, vielleicht wird der Marmorsaal auch von Zeit zu Zeit als Festsaal genutzt.
Wir treten an die Theke und werden freundlich begrüßt. Mit einem Hinweis auf unsere Reservierung gebe ich dem lächelnden Herrn unsere Starwood-Kundenkarte, woraufhin dieser uns gleich mit Namen anspricht, freundlich willkommen heißt und im Computer unsere Reservierung zu suchen beginnt. Nachdem er sie gefunden hat reicht er uns das bereits ausgefüllte Anmeldeformular, welches ich nur noch unterschreiben muss. Meine Kreditkarte wird nicht mehr verlangt, die Daten sind noch gespeichert.
Wir haben eine schöne Suite (mir hat noch nie jemand gesagt, dass ich ein schäbiges Zimmer bekommen soll &61514;) für Sie im ersten Stock reserviert, darf ich sie herauf begleiten? Ja, schließlich sind wir schon auf das Zimmer gespannt.
Kaum losgegangen stehen wir schon vor der Entscheidung, ob wir den Fahrstuhl oder die Treppe nehmen. Dazu muss man erklärten, dass es sich nicht um eine beliebige Treppe handelt, sondern um die Royal-Staircase. Natürlich nehmen wir diese. Während des Ganges wird uns schon einmal einiges über die Einrichtungen des Hotels und seine gastronomischen Möglichkeiten erzählt.
Wir steigen über einen dicken Teppich die Stufen hinauf und es kommt ein königliches Gefühl auf. Von Marmor umrahmt kommen wir auf das in einer Nische stehende nackte Donauweibchen zu, das uns freundlich anlächelt. Die Russen hatten es übrigens zugenagelt, aber das Bild Franz Josefs hängengelassen, weil sie wohl nicht wussten, wen es zeigte. Über uns hängt ein bombastischer Kronleuchter, die majestätische Decke ist mit Stuck und Gold verziert und ich muss zugeben, es beeindruckt einen schon ein bisschen. Auch in Schloss Schönbrunn ist es nicht edeler, in der Hofburg sucht man ähnlichen Glanz vergebens. Die Treppe hinaufgestiegen stehen wir vor sehr hohen Türen und einer Sitzgruppe mit einem intarsienunterlegten Holztisch, welcher sich auch in Museen mit Rang finden könnte und wahrscheinlich ein kleines Vermögen wert ist. Links geht es weiter über die Empore des Treppenhauses in einen etwas niedrigeren Gang.
An dieser Stelle sei schon einmal eine kleine Anekdote erwähnt, die wir später auf der Treppe erlebten. Eine Gruppe älterer Leute ging voll Bewunderung über die Treppe und einer erklärte ganz stolz, die sei "jedenfalls das erste Haus am Platz". Da diese Leute ganz offensichtlich nicht hier wohnten zeigt es ganz deutlich, dass das Imperial auch immer wieder externe Besucher anzieht, die sich diese Hotellegende einmal anschauen möchten. Ich kann es irgendwie auch verstehen, schließlich lohnt es schon einmal die pompösen Räume anzusehen. Trotzdem würde ich es nie tun, es wäre mir schlichtweg peinlich. Die Gäste des Hotels zahlen schließlich dafür hier ein zweites zuhause zu finden und da ist es ziemlich unangebracht drin rumzugeistern.
Vor der zweiten Tür bleiben wir stehen, der Herr steckt den an einem großen Schlüsselanhänger befindlichen Chip (auf diese Sicherheitsschlüssel ist man besonders stolz) in die Türe und das Zimmer öffnet sich. Am Bad vorbei stehen wir in einem großen Raum, der in der Mitte leicht unterteilt ist. Die Einrichtung ist komplett in einem dunklen Grünton gehalten. Gespannt bin ich auf das Bad, schließlich ist das Imperial ja berühmt für seine großen Marmorbäder. Aber was sehe ich? Ein recht kleiner Raum, der mit Badewanne, Toilette, Bidet und Waschbecken schon recht gut ausgefüllt ist. Klar alles ist aus Marmor, aber das kann es doch nicht sein!
Der Hotelangestellte fragt schon freundlich ob uns die Temperatur genehm ist, welche wirklich ziemlich kalt ist. Ich frage allerdings gleich, ob sie nicht auch ein Zimmer mit größerem Bad hätten, da mir dieses gar nicht gefalle. Ich verzichte darauf noch nachzuschieben, dass ich auch die Farbe nicht wirklich mag.
Wie immer freundlich nimmt man sich des Problems an und überlegt mit dem inzwischen samt Koffern eingetroffenen zweiten Angestellt, welche Suite man uns noch anbieten könne. Die Wahl fällt zunächst auf die daneben liegende. Machen wir es an dieser Stelle kurz, das Zimmer gefiel uns besser und wir entschieden uns für dieses. Unser Gepäck wurde hineingebracht und uns wurde versichert, man bringe uns noch unsere Willkommensgeschenke, die noch im anderen Zimmer stünden. In der Tat wird uns kurz darauf ein persönliches Begrüßungsschreiben, eine Schachtel mit Imperialtorte und eine Silberschale mit Obst gebracht. Nach der Einstellung der Klimaanlage werden wir allein gelassen.
An dieser Stelle sei gesagt, dass der Obstkorb wirklich reichhaltig und sehr schön hergerichtet war. Über die Imperialtorte sage ich später etwas, zum Brief komme ich jetzt.
Um ehrlich zu sein brauche ich einen solchen ja nicht wirklich, aber es hat schon deutlich mehr Stil als ein Willkommensgruß auf der Flimmerkiste. Der vom Generaldirektor persönlich unterschriebene Brief (erinnert mich gleich an die Unterschriftenmappe in der Kanzlei) beginnt schon lustig. "Sehr geehrter Herr ., liebe gnädige Frau!" Hey, ich schreibe die Testberichte, um meine Gnade müsst ihr bitten! Mal im Ernst, wir sind halt in Wien. Weiter steht drin welch Ehre es ist uns zu begrüßen. Weiterhin wünscht man uns einen Angenehmen Aufenthalt und verspricht, alles dafür zu tun. Also eigentlich das übliche.
Bewertung: Der Empfang war sehr freundlich und unsere Probleme wurden zufrieden stellend gelöst. Wir wurden über alles wichtige informiert und mir fällt nichts ein, was ich vermisst hätte. Daher kann man schon sagen, dass alles perfekt war. Die herrschaftlichen Räume tun übrigens noch ihr übriges.
Note: sehr gut
Imperialtorte
Wie oben erwähnt bekamen wir zur Begrüßung Imperialtorte in Konfektform. Also will ich doch mal etwas zu dieser Spezialität des Hauses sagen.
Die Imperialtorte ist die Torte des Hotels und wird häufig als mehr oder wenig eine Art von Sachertorte beschrieben. Sagen wir es ehrlich: Wer das behauptet, hat eine der beiden Torten noch nie gesehen (geschweige denn probiert) oder leidet unter Wahrnehmungsstörungen.
Kommen wir erst einmal zur Historie. Dabei wir erzählt, die Torte sei zur Eröffnung des Hotels von einem Küchenjungen kreiert worden und dem Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth (ja, die Sissi - in Wien allgegenwärtig!) habe es so gut geschmeckt, dass man noch ein Stück nachgeordert habe (damals ein Unding!). Seitdem gibt es sie jedenfalls.
Die Torte selbst besteht neben Mandeln aus mehreren Böden mit Nougatcreme dazwischen, die in Marzipan eingeschlagen mit Schokolade überzogen sind. Ein echter Diätknüller, wenn es sie auch in einer Version für Diabetiker gibt (dann nur 510 kcal pro 100 g!).
Ich habe sie als Konfekt und Rolle gegessen und fand sie beide male sehe gut. Ich muss allerdings sagen, dass mir die Konfektversion einfach noch besser gefallen hat, sie war einfach saftiger.
Die Preise sind übrigens dem Hotel angepasst, hier ein kleiner Ausschnitt (je Preis in der Pappschachtel, in Holz kostet es mehr)
960 g King Size Torte: 39,50 €
500 g Queen Size: 26,50 €
300 g Piccolo: 18,50 €
125 g Petit Fours: 10 €
140 g Mignon Double : 10 €
300 g Diabetikertorte : 19,50 €
Bewertung: Eine leckere Torte, die man sicher mal probieren kann. Extra dafür ins Cafe Imperial gehen würde ich allerdings nicht. Man kann sie übrigens auch per Post in alle Welt bestellen, mittlerweile macht das Hotel angeblich alleine mit der Torte einen höheren Millionenumsatz.
Note: gut
Das Zimmer Nr. 114
Unser Zimmer trug die Nummer 114 und lag zur rechten Seite des Hotels hin, man blickte also auf den Musikverein, in dem die Wiener Philharmoniker spielen.
Nach öffnen der Türe stand man erst einmal in einem kleinen, mit vielleicht 2, 50 Metern für Imperialverhältnisse recht niedrigen Flur, welcher geradeaus in das Wohnzimmer führte. Links zweigten zwei Türen ab, die erste in die Toilette, die zweite in das Gepäckzimmer.
Das Gepäckzimmer war ein recht kleiner Raum mit vielleicht 2 bis 3 Quadratmetern, in dem zur linken zunächst eine Kleiderstange mit einer größeren Menge Bügeln (auch rose Stoffbügel mit Schleifchen!!!) hing. Hinten war eine Art Schrank eingebaut, untern mit Kofferablage, darüber Fächer mit Safe und oben wieder eine Ablage, in der zusätzliche verschweißte Kissen für das Bett bereit lagen. Daneben lagen noch Gepäcksäcke aus Stoff, ein Schuhlöffel und ein Luxusnähset bereit. Luxusnähset sage ich deshalb, weil es wirklich außergewöhnlich war. Es handelte sich um ein kleines Kunstlederetui mit Imperiallogo, in dem nicht weniger als 10 Garnsorten nebst Nadeln und Schere zu finden waren. So etwas findet man selten, normalerweise sind die Sets doch einfacher.
Ein begehbarer Kleiderschrank ist generell immer ganz nett, doch dieses Exemplar war doch recht misslungen. Zum einen reichten die Fächer beim besten Willen nicht aus, um dort wirklich den Inhalt des Koffers auszupacken, zum anderen passte nur ein Gepäckstück herein, unser zweiter Koffer stand im Wohnzimmer. Was dann aber weniger witzig war ist die Tatsache, dass es dort sehr muffig und geradezu ekelhaft roch. Es mag daran liegen, dass der Raum eigentlich nicht gelüftet werden kann und das Holz schon viele Gäste gesehen hat, aber eine gute Visitenkarte ist es nicht.
Der mit einer rose Seidentapete verkleidete Flur war wie alle Böden der Suite mit einem dicken roten Teppich mit weißen Punkten ausgelegt. In den anderen Zimmern hatte es in der Mitte jedoch noch eine Art Orientmuster. An der Wand des Flures hing ein goldener Spiegel mit 2 Kerzenleuchtern daneben, welche mit viel Kristall verziert waren.
Mit Verlassen des Flures stand man im eigentlichen Zimmer, welches sich in zwei Abschnitte aufteilte. Es handelte sich um zwei etwa gleich große Räume, welche in der Mitte mit einem Durchbruch verbunden waren. Dieser war Mittels zweier massiver weißer Schiebetüren zu schließen, die komplett mit Spiegeln besetzt waren. Jeder Raum verfügte über ein hohes Doppelfenster, welches durch 3 übereinander hängenden Gardinen (Untergardine, lichtdichte Gardine und schwere Samtübergardine) abgedunkelt werden konnte. Zusätzlich gab es noch Schalousien vor den Fenstern, die elektrisch mit Schaltern neben dem jeweiligen Fenster. Vor dem Fenstern lag jeweils ein kleines Podest. Die Wände waren übrigens nicht einfach tapeziert, sondern mit Holz verleidet und daneben mit Seide bespannt. Dazu sind die Räume auch noch etwa 4 Meter hoch und an der gesamten Decke mit Stuck verziert. Dazu hing in jedem Zimmer ein großer Kronleuchter, der königliche Atmosphäre aufkommen ließ.
Fangen wir jetzt aber mit dem Wohnzimmer an. Rechts hinter der Türe stand zunächst einmal eine Kofferablage aus weißem Holz, die mit dem gleichen Samt bezogen war wie die Möbel. Gleich daneben stand die Sitzgruppe. Es handelte sich um ein antikes Sofa, welches wie die beiden dazugehörigen Sessel mit einem rose Samtstoff bezogen. Zwischen Sesseln und Coach stand ein kleiner, weißer Holztisch, der mit einer Glasplatte belegt war. Links neben der Coach stand ein kleiner Tisch, auf dem eine Blume stand. Das Tischchen war wieder weiß mit goldenen Verzierungen, unter der obligatorischen Glasplatte darauf lag eine rose Decke. Zwischen Sofa und Tischchen passte noch eine Stehlampe. Über dem Sofa hing ein großes original Ölgemälde, dass eine gekrönte Frau zeigte. Im ganzen Haus sind übrigens nur Originale zu finden.
Die Sitzecke war prinzipiell bequem und relativ hart gefedert. Allerdings hätte ich sie selbst nicht im Wohnzimmer haben wollen, da sie erstens nicht zu meiner Einrichtung passt (nein, ich wohne nicht im Schloss und wenn, würde ich es modern einrichten) und zweitens nicht wirklich zum Entspannen einlädt. Der Sitz war schon "formell" und erlaubte es nicht, sich mal richtig "hinzufletzen". Was mich allerdings schon störte war, dass der Stoff etwas abgewetzt war, positive Menschen würden ihn als historisch bezeichnen, weniger optimistische als abgenutzt. Hier kommt natürlich ein generelles Problem des Hotels. Die Möbel sind durchweg antik und daher sieht man dem ein oder anderen Stück sein Alter schon an. Irgendwie stört es einen in diesem Hotel allerdings weniger als sonst, da es halt alles wie aus dem Königshaus wirkt. Man schätzt die Möbel halt schon mal auf 100 Jahre und mehr, womit ihm dann schon wieder Museumsqualität zukommt. Es hat alles seinen Stil und wirkt authentisch.
Gegenüber, rechts neben dem Durchbruch war die neudeutsch "working-area" zu finden, zu älteren Zeiten hieß es wohl noch Schreibsekretär. Sa stand also der weiße, zierliche Schreibtisch, in dem 4 kleine und eine große Schublade Stauraum boten. Dabei ist zu erwähnen, dass die Holzmöbel wirklich von sehr guter Qualität waren. Alle Teile bestanden aus Massivholz, Pressspan oder sonst etwas billiges war nicht zu finden, eben noch beste Schreinerarbeit. Auf der weißen Schreibtischplatte lag zunächst wieder eine Glasplatte, darauf eine Lampe, Telefon und die übliche Hotelinformationsmappe, sowie eine Mappe mit Briefpapier, 2 Postkarten vom Hotel, Stift, Schreibblock und ein Buch über das Imperial. Das Buch befasste sich mit der Geschichte des Hauses und konnte für 34 € in deutscher oder englischer Sprache erworben werden. Obwohl es mich interessiert hätte verzichtete ich auf den Kauf.
Vor dem Tisch stand ein Stuhl, der sich nahtlos ins Bild des Zimmers einpasste, da er mit dem gleichen Stoff bezogen war und aus dem gleichen Holz bestand wie der Rest im Raum. Dann aber ein Schock! Ich setzte mich auf den Stuhl und was mich da ereilte war schon bemerkenswert. Die Polsterung des Stuhles als solche zu bezeichnen, fällt wohl nur dem größten Optimisten ein, ich sage mal diese war nicht mehr vorhanden. Das Teil war so durchgesessen, dass man praktisch auf dem Holzrahmen saß und der Bezug nebst Polsterung darunter nachgab. Der Stuhl hatte schon sehr gelitten!
Recht neben der Eingangstür und links neben dem Durchbruch stand eine weiße Kommode, in der neben jede Menge Stauraum in den Schößern auch die Minibar zu finden war. Auf der Kommode stand auf der allgegenwärtigen Glasplatte ein 50er Löwe Fernseher, welcher neueren Datums und recht modern war. Daneben lagen mehrere Magazine (neben Standardteilen wie Vogue und Co auch etwas über die Luxury Collection in Österreich) und ein Fernsehprogramm. An Programmen bot das Hotel eine Menge, die deutschen Sender waren für mein Dafürhalten komplett vorhanden. Bemerkenswert ist, dass kein Pay-TV angeboten wurde, was heute eine echte Seltenheit ist. Ich finde es allerdings nicht weiter schlimm, da ich es (mit Ausnahme des kostenlosen Films in den IC-Hotels) eh nicht nutze.
Neben der Kommode fand sich übrigens auch die individuelle Regulierung der Klimaanlage und Heizung, eine separate Regulierung war übrigens noch im Schlafzimmer zu finden.
Lassen wir aber jetzt das Wohnzimmer hinter uns und gehen in den Schlafbereich. Der Raum war prinzipiell genau so groß wie das Wohnzimmer und wurde, wen wundert es, vom Bett dominiert. Es handelte sich um ein wirklich großes Exemplar mit seidenbezogenem, roten Kopfteil. Das Bett war sehr hoch, was unter anderem an den extra hohen Matratzen lag. Damit kommen wir aber schon zu einem Problem, wenn ich Matratzen sage. Es waren allerdings nicht nur, was schon schlimm genug wäre, 2 Matratzen, es waren auch 2 Betten! Diese waren dabei nicht wirklich fest verbunden, so dass sie sich nachts immer wieder schön auseinander schoben. Wirklich blöd und unbequem. Umso mehr ärgerte dies wenn man bedenkt, dass es wegen dem fest an der Wand installiertem Kopfteil eh nicht ausgesehen hätte, die beiden Betten auseinander zu schieben. Fassen wir es also kurz zusammen: Das Bett sah zwar toll aus und war für sich gesehen sehr bequem (die Matratze war nicht im geringsten abgenutzt), aber durch das ständige auseinanderrutschen halt doch wieder tierisch unbequem. Am Tage wurde das Bett von einer sehr schweren und recht bombastischen roten Tagesdecke gekrönt.
Rechts und links neben dem Bett standen kleine Nachttische aus dem allgegenwärtigen weißen Holz (ja, mit Glasplatte drauf), jeweils mit einer Nachttischlampe. Auf dem rechten Nachttisch standen ein Telefon, ein Dimmer für das Licht und ein schwarzer Kasten (ich nehme mal an für W-Lan). Auf dem linken Tisch stand ein Radiowecker.
Rechts neben dem Bett war übrigens noch ein Holzlehnstuhl zu finden, ein identisches Exemplar stand rechts neben dem Durchbruch. Diese Stühle sahen zunächst einmal edel aus, waren zum anderen aber auch relativ bequem. OK, ganz top war die Polsterung auch nicht mehr, aber zumindest störte es hier nicht so. Dass man etwas einsackte ließ den Sessel eher bequem wirken.
Rechts neben dem Durchbruch stand eine kleine Kommode im üblichen Stil der Holzmöbel, auf der ein zweiter Löwe-Fernseher wie im Wohnzimmer stand. Also auch im Bett war für Fernsehgenuss gesorgt, was ich aber auch nicht anders erwartet hatte.
Bewertung: Was soll man zu diesem Zimmer sagen? Fangen wir mal mit den positiven Dingen an. Die Räume waren ordentlich groß, was allerdings durch die doch sehr hohen Decken nicht ganz so wirkte. Dazu kam, dass die ganze Einrichtung einfach sehr viel Charme und Stil hatte, in anderen Hotels hängt ein Kronleuchter wie der an der Decke vielleicht im Ballsaal, hier hat man gleich 2 im Zimmer. Es ist natürlich schön Holz- und Seidenvertäfelte Wände und Stuck an der Decke zu haben, das ist schon nicht alltäglich. Daneben fand man im Zimmer alles, was man von einer Suite erwartet. Begehbarer Kleiderschrank, Sitzecke, Schreibtisch, Sitzgelegenheiten im Bett und so weiter. Die ganze Einrichtung war außerdem unheimlich hochwertig, die Möbel aus massivem Holz und antik, gute Matratzen und recht gute Fernseher (wenn auch keine LCD).
Allerdings standen dem auch einige Negative entgegen: Die Einrichtung war zum Teil schon ziemlich abgenutzt, das Bett rutschte auseinander und der Stuhl am Schreibtisch war dringend restaurierungsbedürftig. Geradezu katastrophal war der Gestank im Wandschrank, das ist absolut untragbar.
Mischen wir also alles zusammen ergibt sich Licht und Schatten, wobei man immer den Gesamteindruck im Auge haben muss und da wird man doch von imperialen Glanz erschlagen. Es gibt wohl weltweit nur wenige Hotels, die so etwas bieten. Also sieht man dann doch über den ein oder anderen Mangel weg, es ist schließlich ein altes Haus. Doch dann denkt man wieder an die Rechnung, denn immerhin bezahlt man hier keine wirklichen Discountraten. Für 1500 Euro die Nacht, im günstigsten Falle 730, kann und muss man dann doch schon einiges erwarten. Da darf es eigentlich keinen Mangel geben, da muss schon fast alles perfekt sein. Von dem Geld kann man durchaus Monatsmieten für gehobene Wohnungen bestreiten. Also ist man dann doch wieder sauer. Hauen wir es alles in einen Topf kommt unter Berücksichtigung der Randfaktoren also nur eine leicht überdurchschnittliche Bewertung raus. Ich setze die Note allerdings hoch, weil das ganze doch ziemlich einzigartig war und deutlich über dem lag, was man sonst so bekommt.
Note: gut minus
Bad
Auf ins Bad, auf das man ja besonders gespannt sein darf. Das Imperial ist schließlich bekannt für seine großen Marmorbäder. Na dann wollen wir mal anfangen.
Das Bad gliederte sich wie schon in Paris in zwei Teile, wobei es sich bei der Toilette im Flur nicht um die Gästetoilette handelte.
Vorne im Flur lag ein kleiner Raum, in dem neben der Toilette ein in die Wand eingelassenes Waschbecken mit Spiegel zu finden war. Die gesamten Wände und Böden bestanden aus hellem Marmor, man könnte sagen vom feinsten. Allerdings lag der Teufel im Detail. So gab es zunächst einmal kein richtiges Handtuch zum Hände abtrocknen, sondern nur ein Leinentuch. Für dieses stand zudem kein Haken zur Verfügung, so dass es dauerhaft neben dem Waschbecken lag, wo es natürlich auch nicht ordentlich trocknete. Überhaupt war dieser Leinenstoff als Handtuch suboptimal, da ist Frottee besser.
Richtig störend war allerdings, dass aus der Wand unter dem Waschbecken ständig laute Geräusche kamen. Eine Art Rauschen, was da nicht hingehörte. Dazu kam noch ein permanentes Plätschern aus der Toilette was sicher auch nicht im Sinne des Erfinders war. Als ich mich am ersten Morgen beschwere wollte war allerdings alles still, was mich darauf verzichten ließ. Abends war es aber wieder da!
Neben der Toilette gab es natürlich auch noch ein Hauptbad, was über das Schlafzimmer zu erreichen war.
Beim Betreten des Raumes fiel erst einmal der helle Marmor auf, aus dem hier alles bestand. Ich persönlich fand diesen sehr schön, weshalb mir also auch das ganze Bad zunächst sehr gut gefiel. Links lag die Badewanne, in der Mitte ein Bidet und rechts ein Doppelwaschbecken mit großem Spiegel. Damit haben wir das Bad grob beschrieben, aber auch schon die Schwächen aufgedeckt. Es fehlte zunächst einmal eine Toilette im Bad, eine separate Dusche wäre in einer Suite ein Muss und beheizte Handtuchhalter und ähnliches sind zumindest nicht selten. Von einem Jaccuzzi zu träumen wäre hier wohl vermessen, den gibt es nicht mal in der Royal-Suite.
Beschreiben wir erst einmal die Duschwanne (für mich ein Unwort), die sowohl über eine fest installierte Kopfdusche, als auch über eine Handbrause verfügte. Die Wassertemperatur ließ sich gut regulieren, der Druck war in Ordnung. Die Badewanne hatte eine ordentliche Größe. Was jedoch davor hing, ärgerte mich schon mal: Ein Duschvorhang! So etwas finde ich in Hotels ziemlich unpassend, in einer 1500 € Suite indiskutabel. Man muss allerdings erwähnen dass es sich bei dem Vorhang um ein Luxusteil handelte, dass aus 2 Lagen bestand. Innen Kunststoff, außen Baumwolle. An der Frontwand zwischen Badewanne und Waschtisch stand in der Mitte ein großes Bidet, darüber ein Halter mit Leinentuch, links und rechts befand sich je ein Haken mit einem Bademantel auf einem Holzbügel. Hausschuhe standen unter jedem Mantel bereit. Was mich dabei nur verwunderte war, dass diese kein Imperialemblem trugen, da sonst jedes Handtuch mit einem solchen verziert war. Aber gut.
Rechts befand sich der Waschtisch aus etwas hellbeigem Marmor mit 2 Waschbecken, über dem fast auf der gesamten Länge des Bades ein großer Spiegel installiert war, neben dem große Leuchten hingen. Ein großer, beleuchteter (höhenverstellbar und schwenkbar) Rasierspiegel erleichterte das geliebte morgendliche Ritual.
In der Mitte des Tisches zwischen den Waschtischen stand ein kleines Körbchen, in dem sich ein Teil der Ameneties befand. Es fand sich Duschgel, Spülung, Shampoo, Body Lotion, Pads, Ohrenstäbchen, Badesalz, ein Mani- und Pediküreset, Badehauben und ein Duschmassageschwamm. Schöne, große Stücke Seife waren an jeder Stelle zu finden, an der ein Wasserkran war (Toilette, Badewanne, Bidet, Waschtisch). Als Randbemerkung sei erwähnt, dass die Amenities nicht wie im Film so stolz erwähnt von Bulgari waren, sondern das Emblem der Luxury Collection trugen. Sie waren allerdings durchweg sehr gut, vor allem die Seife roch angenehm. Da habe ich Bulgari nicht vermisst!
Kommen wir aber mal zu den Details. Es hatte geregnet, da lässt man sich abends doch gern mal ein schönes Bad ein. Man hat zum Glück ja Badesalz, das dann mal direkt zum Einsatz kommt. Als ich dann aber in der Wanne sitze ereilt mich der Schock. Unter der Duschamatur sind die Fugen ziemlich schwarz. Was hat das da zu suchen? Hat die Sauberkeitskontrolleurin ihre Brille verloren? War sie hier noch nie? Ist die strenge Kontrolle aus dem Film vielleicht nur ein Mythos? Ich weiß es nicht, jedenfalls bin ich enttäuscht, denn derartige Verschmutzungen haben in keinem Bad etwas zu suchen. Ob es jetzt wie ich vermute am Alter des Bades liegt oder wie meine Frau meint am schlampigen Putzen, ist mir da vollkommen egal.
Bewertung: Für eine Suite wie diese ist es natürlich schon mal ein Unding, dass keine separate Dusche zur Verfügung stand. Ich hätte es auch bevorzugt statt dem Bidet noch eine zweite Toilette zu haben, obwohl ein Bidet natürlich eigentlich ein Muss ist.
Ansonsten bestand das Bad aus schönem Marmor, bot gute Spiegel und 2 Waschbecken. Die Badkosmetik war umfassend und gut.
Allerdings störte doch der Duschvorhang, die defekte Toilette samt Geräuschen unter dem Waschbecken und an erster Stelle der Dreck an der Badewanne. So etwas darf nicht sein und gibt einen erheblichen Abzug. Bei der Note gibt es natürlich auch zu berücksichtigen, dass die Suite nicht 150 € die Nacht kostet, sondern regulär das zehnfache! Ohne den Schmutz und Defekt hätte es eine gute 3 gegeben, das ist nun natürlich nicht mehr drin.
Note: ausreichend minus
Tourningdown
Es wurde Abend und ich machte mir langsam Gedanken. Wie bekomme ich die bombastische Tagesdecke vom Bett, wo tue ich sie hin und vor allem, was gibt es als Betthupferl? (sorry, bin verfressen) Es wurde 20 Uhr, 21 Uhr? Wo bliebt der Service? Ich hatte Hunger! Was tun? Da musste was geschehen! Um halb zehn nahm ich den Telefonhörer in die Hand und rief die Rezeption an. Sofort wurde ich am anderen Ende mit meinem Namen begrüßt und danach gefragt, wie mir geholfen werden könne. Ich frage direkt, ob im Haus kein Tourningdown angeboten werde. Auf die Frage erhalte ich zwar keine direkte Antwort, doch wird mir zugesichert, dass sofort jemand kommen. Kaum eine Minute später schellt es an der Türe und zwei Damen stehen vor der Türe. Nach der Begrüßung beginnen sie mit ihrer Arbeit, decken das Bett ab, legen Tücher vor jeder Seite aus, leeren die Mülleimer, legen jedem ein Leckerli aufs Kissen, stellten je eine Wasserflasche auf den Nachttisch (Römerquell, leider ohne Kohlensäure), tauschen die Handtücher aus und putzen noch kurz die Toilette. Alles läuft sehr schnell und professionell ab.
Zwischendurch schellt es noch einmal und ein Herr im Anzug steht vor der Tür. "Guten Abend Herr.., ich würde Ihnen gerne frisches Obst bringen." In der Hand hat eine Schale Obst die der vom Mittag gleicht. Das ganze trifft sich übrigens gut, die erste Schale ist schon leer.
An dieser Stelle sei noch einmal gerätselt, warum der Service nicht von alleine kam. Ich vermute, dass es an unserem Zimmerwechsel lag, denn ich gehe davon aus, dass ein Tourningdown im Imperial Standard ist, alles andere wäre mehr als verwunderlich.
Ach ja, aufmerksame Leser möchten jetzt sicher wissen, was das Betthupferl war. Ein Stück Milchschokolade, ich denke mal aus einem der Hotels. Auf der Schachtel standen jedenfalls die 4 Luxurxcollection Hotels in Österreich (Imperial, Bristol, Goldener Hirsch Salzburg und Schloss Fuschl bei Salzburg) und sie war
Bewertung: Der Service war perfekt, da fällt mir nichts ein, was hätte besser gemacht werden können. Einziger Wermutstropfen: Ich musste es anmahnen. Der Umgang mit der Reklamation war dafür vorbildlich.
Note: sehr gut minus
Gastronomie
Natürlich gibt es im Imperial Restaurants. Das Gastronomische Angebot gliedert sich in die Bar, das Cafe Imperial und das Restaurant Imperial.
Im Cafe Imperial kann man zum einen Frühstücken, zum anderen aber auch neben Kaffee und Kuchen Gerichte der Wiener Küche.
Hauptrestaurant des Hotels ist das "Restaurant Imperial" im Erdgeschoss. Die Küche ist österreich mit französisch-international em Einschlag, eine Auszeichnung wie einen Michelin-Stern hat das Restaurant nicht. Die Gerichte auf der Speisekarte sah wirklich ganz nett aus, da war schon viel dabei und es sah kreativ aus. Die Preise gingen auf den ersten Blick, Hauptgerichte gab es ab etwa 30 €. Dazu kommen allerdings 3 € Gedeckgebühr pro Person (in Wien überall üblich) und ich befürchte, man wird hiervon nicht wirklich satt. Man wird wohl mindesten 3, eher 4 Gänge brauchen und dann liegt man schnell bei 100 € pro Person. Als Sonderangebot gab es ein kanadisches Menü inklusive Wein für 98 € pro Person. Wir mögen schon keinen Wein, daher kam das für uns nicht in Frage. Ansonsten haben wir auf ein Essen im Restaurant verzichtet, können also weiter nichts dazu sagen.
Wellness
Wer auf der Suche nach Wellnessurlaub ins Imperial kommt, wird nicht begeistert sein. Ein Schwimmbad oder ähnliches gibt es nicht, lediglich ein Fitnessraum (der sieht auf Fotos allerdings Klasse aus) steht zur Verfügung. Behandlungen bekommt man natürlich.
Besucht haben wir die erwähnten Einrichtungen nicht, also schweige ich.
Schuhputzservice
Ich gebe es zu, meine Schuhe waren beim Betreten des Hotels nicht in dem Zustand, wie man es von einem Gentleman erwarten darf. Da ich aber auch nicht wirklich einer bin, war es nicht ganz so schlimm. Trotzdem wünschte ich mir natürlich einen sauberen "Auftritt", so dass Abhilfe erforderlich war. Jetzt sucht man im Hotel vergeblich eine Schuhputzmaschine, es hätte mich auch gewundert eine zu finden. Dafür entdeckte ich einen Hinweis in der Hotelinformation, dass man seine Schuhe abends vor die Türe stellen sollte und sie am nächsten Morgen geputzt vorfände. Altbekannter Service, immer wieder gerne von mir genutzt, leider nicht mehr in jedem 5-Sterne Hotel angeboten.
Dreist wie ich bin nahm ich gleich noch die Ersatzschuhe und ein paar besonders pflegeintensive meiner Frau (rose Schuhcreme habe ich selbst zuhause nicht), steckte noch ein wenig Geld hinein (finde, das gehört sich) und stellte sie vor die Türe (ja, ich habe da immer etwas Angst, aber ich hoffe einfach, dass die meisten Gäste sich eigene Schuhe kaufen können und zudem nicht so wie ich Schuhgröße 50 haben).
Am nächsten Morgen öffnete ich und war überrascht. Nein, mich wunderte nicht, dass die Schuhe noch da waren, mich wunderte der Zustand. Da standen sie feinsäuberlich aufgereiht, perfekt geputzt (das hatte ich noch erwartet), im Holzkästchen mit Samtboden (selten) und Schuhspanner im Inneren (genial). Das war doch wirklich mal toll und übertraf meine Erwartungen um einiges.
Bewertung: Das war wirklich hervorragend und absolut vorbildlich. Es ist vielleicht nicht erforderlich die Schuhe des Gastes mit Schuhspannern auszustatten, aber es macht Eindruck. Höchstnote, ich wüsste nicht wie es besser geht (vielleicht besohlen und neue Absätze &61514;)
Note: sehr gut
Butlerservice
Das Hotel Imperial ist berühmt für seinen Butlerservice, jedenfalls ist das überall zu lesen. Den Gästen in den Suiten steht rund um die Uhr ein speziell geschulter Butler zur Verfügung, der unter anderem das Gepäck der Gäste auspackt (das lernt der extra), die Morgenzeitung bügelt, Einkäufe erledigt und so weiter. Im Internet stand extra noch einmal, dass dieser Service den Gästen der Elisabethsuite zur Verfügung steht.
Auf diesen Service war ich zugegebenermaßen besonders gespannt. Ein Butler für uns, das war mal etwas neues. Gut, ich fragte mich was ich genau damit anfangen soll, denn ich brauche im Prinzip keine gebügelte Zeitung, meine Koffer packe ich wenn selber aus (da möchte ich keinen dran haben) und Einkaufen ist ein Vergnügen, das mache ich erst recht selbst. Aber ich war gespannt.
Nach der Ankunft im Zimmer fragte ich mich, ob der Butler gleich käme und sich vorstellen würde. Wir hatten noch Ledertaschen gekauft die imprägniert werden mussten, was er mir gut abnehmen könnte. Ich will es kurz machen, es kam keiner und während des gesamten Aufenthalt kriegte ich von einem Butler nichts mit. Im Gegenteil, nur einen Morgen gab es eine Zeitung und die gab es ungebügelt an der Rezeption. Ich muss sagen, ich war da schon ziemlich enttäuscht, auch wenn ich den Butler nicht brauchte. Es ist nur fatal, wenn man etwas überall großspurig anpreist und es dann vor Ort nicht existiert. Das zieht es dann runter und es wäre besser, es gar nicht erst anzubieten. Ich gebe zu, ich hätte nach dem Butler fragen können, aber da ich ihn nicht brauchte, fand ich es blödsinnig.
Bewertung: Was man anpreist, muss man auch anbieten und zwar nicht nur auf eventuelle Nachfrage. Eine "Butler-Taste" auf dem Telefon reicht dort nicht, wenn ich das ganze ernst nehme muss der gute Mensch sich bei Ankunft vorstellen und seine Dienste anbieten. Es sei noch einmal darauf verwiesen, dass der Service überall als einzigartig in Europa angepriesen wird (wieso eigentlich, die meisten großen Hotels haben Butler für die großen Suiten) und überall zu lesen sei, dass das Hotel deshalb legendär sei. Aber Legenden haben es ja oft so an sich, dass sie nur ein Fünkchen Wahrheit enthalten.
Note: ungenügend
Erstes Frühstück
Das Frühstück wurde im Cafe Imperial serviert, dass sich über 3 Räume erstreckt und über eine kleine Terrasse zum Ring hin verfügt. Die Einrichtung ist elegant, wenn auch nicht immer praktisch. Die meisten Tische stehen an der Wand, wo man auf gepolsterten Bänken saß. Hier musste man sich zum einen immer vorsichtig hinsetzen (sonst fliegt der Tisch) und man spürte am Hintern, wenn sich der Nebenmann mal bewegte. Das gibt es bessere Lösungen. Dafür gab es aber einen Nichtraucherbereich, praktischer und sinnvoller Weise direkt am Buffet.
Beim Frühstück konnten man wählen: Kontinentales Frühstück, Erweiterungen dessen und schließlich Buffet. Wir hatten Buffet, alles andere halte ich auch für wenig sinnvoll.
Beim Betreten des Raumes wurden wir relativ schnell von einem Mitarbeiter in Empfang genommen, der uns einen Tisch anbot. Kaum Platz genommen bekamen wir einen Zettel, auf dem wir unterschreiben mussten, dass wir da waren. Unsere Zimmernummer und der Name waren noch nicht eingetragen, das mussten wir selber tun. Im Hochservicehotel höchst ungewöhnlich. So schnell wie man mit der Rechnung zur Stelle war, so lange dauerte es jetzt, bis unsere Getränkebestellung aufgenommen wurde. Wir bestellten einen Kakao und einen Imperial-Tee, eine spezielle Schwarztee-Kräuter Mischung die es nur hier gibt.
Begeben wir uns aber mal zum Buffet, welches in einer Theke mit Vitrinen auf verschiedenen Ebenen angerichtet ist. Man sieht immer wieder, wie der Oberkellner das Buffet herrichtet und darauf achtet, dass nichts unordentlich ist. Bei der Anordnung der Speisen gibt es dabei keine feste Anordnung, so sind Süßteile an verschiedenen Stellen zu finden. In der Mitte steht übrigens eine Köchin, bei der man Eierspeisen und ähnliches bestellen kann.
Gehen wir aber mal durch. Links gibt es frische Früchte, jede Menge Süßteilchen, Brot und Brötchen, gekochte Eier, Würstchen, Speck, Lachs, wenige Sorten Wurst und Käse, Salate, Imperialtorte, Marmelade, Cerealien, Milch, Sekt, Orangensaft, Multivitaminsaft und Apfelsaft. Geschirr und Besteck war vorhanden. Das war es im Großen und Ganzen, also für die Hotelklasse keine üppige Auswahl, wenn wir mal von den Süßteilen absehen. Aber das kann man ja über die Qualität wettmachen. Na ja, die Qualität war durchweg gut, aber nicht herausragend. Auch war von der Imperialtorte abgesehen nichts wirklich außergewöhnliches zu finden. Bezeichnen wir es mal als Standard im 5-Sterne plus Bereich mit leichter Tendenz nach unten.
Aber es gab ja noch die Köchin. Das zunächst bestellte Omelette und Spiegelei dauerte zwar etwas, war dann aber schön zurecht gemacht und lecker. Jetzt wurde ich mutig und fragte, ob ich einen Palatschinken bekommen könne. Selbstverständlich, selbst mein Wunsch nach dazu passender weißer Schokolade wurde bejaht. Dann passierte aber lange nicht, es dauerte und dauerte. Nach 20 Minuten fragte ich mal nach und bekam zur Antwort, es dauere nur noch eine Minute. Weitere 10 Minuten kam die Dame dann und erklärte mir, man habe keine weiße Schokolade. Kann ja passieren, aber wurde da 30 Minuten gesucht? Weitere 10 Minuten später kam dann ein guter Palatschinken mit Erdbeermarmelade. Bei der Gelegenheit konnte man übrigens auch mal einen der eigentlichen Frühstücksköche sehen. Im Gegensatz zu seinem Pendon am Buffet trug der ältere Herr nicht hohe Kochmütze mit adretter Kochuniform, sondern Straßenkleidung, über die ein weißer Kittel geworfen war. Das wirkte zwar nicht ungepflegt, aber toll sieht es nicht aus.
Da wären wir schon bei der eigentlichen Achillesferse des Frühstücks. Warum dauert es so lange, bis man den Gast informiert? Überhaupt machte der Service einen überforderten Eindruck. So stellte ich zum Beispiel eine Frage auf Deutsch (sowohl ich, als auch die Dame mir gegenüber waren Deutsch-Muttersprachler) und erhalte eine Antwort auf Englisch. Dies passierte nicht nur einmal, sondern mehrfach. Das ist einfach nur unaufmerksam und hinterließ bei mir einen miesen Eindruck. Da hört jemand offensichtlich nicht zu! OK, wenn ich nach Budapest komme, an der Rezeption Englisch spreche und dann das Personal auf Deutsch antwortet ist das höflich und nur zu Loben. Aber was das hier sollte, weiß ich nicht.
Ein weiteres Negativum war, dass es ewig dauerte bis die alten Teller vom recht kleinen Tisch abgeräumt wurden. Die Krone erreichte aber ein anderer Mitarbeiter. Am Nachbartisch wollte ein älteres Paar ihr Frühstück bestellen und fragte ausführlich, was denn zum kontinentalen Frühstück gehöre und so weiter. Dazu kamen Sonderwünsche wie "sehr heißer Kaffee" (ein paar mal wiederholt) und eine ausgenommene Grapefruit. Obwohl ich schon am Nebentisch zu viel kriegte (ich wollte auch bestellen!) war der Kellner über die Maßen freundlich und sehr zuvorkommend. So freundlich könnte ich wahrscheinlich gar nicht sein &61514;. Als wir ihn nach Abschluss der Bestellung allerdings auf einen Kakao ansprachen, schien es ihm doch zu viel zu sein. Recht unfreundlich trat er uns entgegen, da fühlte ich mich vor allem im Vergleich zu den Herrschaften am Nebentisch unkorrekt behandelt, zumal wir selbst freundlich waren. Da ärgert man sich dann schon, später war der Kellner dann immerhin normalfreundlich.
Bewertung: Vom Frühstück hatte ich mir mehr versprochen, das war nur Standard. Während ich die Auswahl im Allgemeinen noch in Ordnung fand, ärgerte mich vor allem, dass kaum etwas besonderes auf dem Buffet war. Normalerweise hat man in einem so teuren Hotel doch mal besondere Meeresfrüchte, besonders exotisches Obst oder sonst etwas Außergewöhnliches auf dem Buffet. Dass die Qualität des Gebotenen dafür durchweg gut war kann die Bewertung kaum nach oben ziehen, da Spitzenqualität im Imperial selbstverständlich sein muss. Schön war dafür die gute Süßteilchenauswahl samt Imperialtorte.
Wirklich enttäuschend war der unaufmerksame und überforderte Service, welcher einem Spitzenhotel im Gegensatz zum ansonsten üblichen nicht gerecht wurde.
Note: noch befriedigend
Zimmerservice
Während wir morgens schön auf Sightseeing-Tour waren, kümmerten sich die Damen (kein Chauvinismus, aber einen Herrn habe ich in dem Bereich noch nie gesehen) vom Housekeeping um unser Zimmer. Das Bett wurde gemacht, die Tagesdecke wieder aufgelegt, Bad-Amenities aufgefüllt, Handtücher ausgetauscht (brauche ich nicht unbedingt bei allen Tüchern) und so weiter. Eigentlich alles Standard, aber erfreulicherweise perfekter. Die Verunreinigungen an der Badewanne wurden allerdings nicht beseitigt, aber ich behaupte ja eh, dass die dauerhaft da sind.
Bewertung: Was soll ich groß sagen, der Zimmerservice war wie ich ihn erwartet habe.
Note: sehr gut
2. Tourningdown
Nach den Erfahrungen am ersten Abend wollte ich diesmal auf Nummer sicher gehen. Als wir das Hotel verließen um noch einmal einen kurzen Spaziergang zu unternehmen sagten wir gleich beim Abgeben des Schlüssels an der Rezeption, man solle doch gleich den Zimmerservice durchführen. Man bestätigte es freundlich, telefonierte kurz und bei unserer Rückkehr war das Zimmer gemacht. Qualitativ war es wie am Vortag, also perfekt.
Bewertung: Hier kann man Leute getrost in die Lehre schicken, die Arbeit wird vorbildlich erledigt.
Note: sehr gut
Frühstück am 2. Morgen
Wie schon am ersten Morgen gingen wir in das Cafe Imperial, um dort zu frühstücken. Diesmal nahmen wir allerdings keinen Tisch mit Bank, sondern einen ausschließlich mit Stühlen, was sich als gute Wahl erwies. Wiederum bestellten wir unsere Getränke und bedienten uns am Buffet. Die bestellten Speisen dauerten wiederum recht lange, doch waren sie wiederum von guter Qualität. Die Auswahl war im Grunde wie am Vortag, der Service im Großen und Ganzen auch. Tendenziell war er allerdings etwas besser als am Vortag.
Bewertung: Etwas besser als am Vortag, aber die Hauptkritikpunkte bleiben.
Note: befriedigend
Abfahrt
Wer Eincheckt muss auch Auschecken, dass ist nun mal so und geht auch nicht an uns vorbei. Da man uns ja gesagt hatte, dass es etwa 20 Minuten dauert bis das Auto den Weg durch Wien bis zu uns zum Hotel gefunden hat. Also riefen wir bei der Rezeption an und bestellten den Wagen, wir wollten noch packen. 15 Minuten später riefen wir wieder an und baten darum, dass man kurz unser Gepäck abholt. Praktisch sofort nach dem Auflegen klingelte es an der Türe und der Herr mit dem Kofferwagen war da. Alles aufgeladen und wir nahmen Abschied vom Zimmer. An der Rezeption angekommen präsentierte uns der freundliche Herr dahinter die Rechnung (korrekt und freundlich erklärt) und es war soweit alles klar. Ich musste sie nur noch unterschreiben, meine Kreditkarteninformationen waren gespeichert, ich musste sie also nicht mehr rauskramen. Das Auto sollte sofort da sein.
Wir nahmen kurz Platz und warteten. Hinter dem Tresen hörten wir den Concierge schimpfen, es ging darum, dass es keine 45 Minuten dauern könne, bis ein Auto kommt. Na, da hatte aber jemand Pech und musste warten! Der ein oder andere wird es sich wohl schon gedacht haben, die "Glücklichen" waren wir. Der Concierge teilte uns mit es täte ihm leid, aber es dauere noch etwa 20 Minuten bis der Wagen komme. Na toll, davon habe ich geträumt. Auf die Idee uns für die Wartezeit irgendein Getränk oder ähnliches anzubieten kam man übrigens nicht, obwohl es hier sicher angebracht gewesen wäre.
Nach einer guten Viertelstunde konnte vor der Tür bewundern, wie ein Auto wie unseres Vorfuhr. Und das beste: Es war unserer! Das Gepäck verladen, den Wagen auf Schäden inspiziert (nie vergessen, hatten wir alles schon!) und es konnte losgehen nach Schönbrunn.
Was mir dabei gleich auffiel war, dass die Automatik im Gegensatz zu vorher jetzt im Sportgang stand, aber es ist ja auch unzumutbar 500 PS im Normalmodus zu bewegen, dann fährt er ja im zweiten Gang an. Dann doch lieber etwas mehr Sprit verbrauchen, ist ja eh nicht das eigene. Letzte Zweifel bleiben übrigens warum es so lange dauerte, bis der Wagen kam. Ich habe vergessen den Fahrtkilometerzähler zu überprüfen, aber ich gehe mal nicht davon aus, dass der Wagen noch eine Stadtrundfahrt gemacht hat und es sich nur um Schlamperei handelte. Trotzdem verließ ich das Hotel mit einem leichten Unwohlgefühl.
Bewertung: Eigentlich lief alles perfekt, wenn da nicht die Sache mit dem Auto gewesen wäre. Da hat man meiner Meinung nach auch nicht so reagiert wie ich es mir wünsche, zumindest hätten wir etwas zu trinken angeboten bekommen müssen. Gerade so ein Erlebnis am Schluss zieht es runter und manchmal sollte man überlegen Aufgaben doch nicht abzugeben (das Auto wird nämlich nicht durch Hotelangestellte gefahren), dann werden sie meist besser erledigt. In der Klasse sind Fehler einfach doppelt schlimm.
Note: ausreichend plus
Gesamtbewertung
Sicher, das Imperial ist ein ganz besonderes Hotel, dass in seiner Geschichte schon vielerlei Maßstäbe gesetzt hat und sicher in einigen Bereichen als Vorbild zu bezeichnen ist. Besonders zu loben ist im Großen und Ganzen der Service, schön war vor allem, dass man stets mit Namen angesprochen wurde, sofern ihn der Mitarbeiter des Hotels irgend wissen konnte. Das ist heute eher selten und habe ich bisher in der Konsequenz eigentlich nur in Schloss Bensberg erlebt. Die öffentlichen Bereiche und die gesamte Einrichtung war absolut pompös und einmalig, dafür würde man anderorts auch Eintritt zahlen.
Das Zimmer war zwar gut gemacht, ausreichend groß und schön eingerichtet, allerdings könnte mal wieder renoviert werden, mein Fall ist die Patina der Zeit nicht. Was mir dann noch weniger gefiel war das Bad, aber dazu habe ich mich ja schon ausführlich ausgelassen. Ebenfalls enttäuscht war ich vom Frühstück, davon hatte ich mehr erwartet.
Insgesamt haben wir unseren Besuch nicht bereut, es ist ein Erlebnis im Imperial zu wohnen, dass ich nicht missen möchte. In weiten Teilen war das Hotel wirklich sehr gut, das sieht man auch an ebendieser Note, die es mehrmals gab. Über den Preis reden wir nicht, aber er war auch nicht teurer, als in anderen Hotels der Klasse. Dass man die Zahlung dieser allerdings nur mit ein wenig (oder auch sehr viel) Liebhaberei erklären kann und nicht nur mit logischen Argumenten, will ich auch nicht bestreiten.
Kommen wir aber mal zum Wesentlichen. Ob ich das Hotel empfehle? Ja, tue ich, alles andere wäre wohl nicht nachvollziehbar. In Sternen gibt es 4, der eine Stern Abzug ergibt sich schon alleine aus dem Bad. Den Rest noch dazu genommen, steht das ganze schon auf tönernen Füßen. Andererseits muss allerdings auch bedacht werden, dass das Hotel in einigen Bereichen vorbildliche Leistungen zeigte, die einiges ausgleichen konnten.
Note: gut